Altenberg in Sachsen


Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Regierungsbezirk: Dresden
Landkreis: Weißeritzkreis
Verwaltungsge-
meinschaft:
Altenberg
Koordinaten: 50° 46′ N, 13° 45′ O
Höhe: 666 m ü. NN
Fläche: 89,74 km²
Einwohner: 5970
Bevölkerungsdichte: 67 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01773
Vorwahl: 035056
Kfz-Kennzeichen: DW
Gemeindeschlüssel: 14 2 90 010
Stadtgliederung: 12 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Platz des Bergmanns 2
01773 Altenberg
Webpräsenz: www.altenberg.de
Bürgermeister: Thomas Kirsten (Freie Wähler)

Altenberg ist eine Stadt in Sachsen, im Osterzgebirge an der B 170 zwischen Dresden und Prag, 5 km von der Grenze zu Tschechien entfernt. Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Altenberg.

Geografie

Das Gemeindegebiet liegt im Osterzgebirge, dessen höchster Punkt sich mit dem Kahleberg (905 m über NN) auf dem Gemeindegebiet befindet. Im Gemeindegebiet entspringen die Weißeritz. Während die Ortsteile Kipsdorf und Bärenstein im Weißeritztal bzw. Müglitztal auf ca. 400 m - 500 m Höhe liegen, liegt der Ortsteil Zinnwald-Georgenfeld auf über 800 m Höhe.

Stadtgliederung

Zur Stadt Altenberg gehören die 11 folgenden Ortsteile: Bärenfels, Bärenstein, Falkenhain, Hirschsprung, Kipsdorf, Oberbärenburg, Rehefeld-Zaunhaus, Schellerhau, Waldbärenburg, Waldidylle und Zinnwald-Georgenfeld.

Geschichte

Altenberg wurde um 1440 als Streusiedlung von Bergleuten nach dem Fund einer Zinnlagerstätte gegründet. Ursprünglich gehörten die Flurstücke den Herren von Bernstein, die Besitzer der Bärensteiner Herrschaft. Am 16. Dezember 1446 verkaufte der Ritter Hans von Bernstein den vierten Teil seiner Herrschaft an den Kurfürsten, damit wurde der Kurfürst Grundherr des jetzigen Altenbergs. Aufgrund der Ergiebigkeit der Lagerstätte entwickelte sich der Ort rasch zur wichtigsten Bergstadt im Osterzgebirge. Der wirtschaftliche Aufschwung führte bereits 1451 zur Verleihung des Stadt- und Marktrechtes. In diesem Zusammenhang wurde der Ort als frymarkt erwähnt. Als Stadt wurde Altenberg 1489 als uf dem Aldenberge und 1534 als zum Aldenbergk erwähnt. Der Name wird als der (im Vergleich mit dem Berg und der Stadt Geising) alte Berg erklärt. Vom bis ins 20. Jahrhundert hinein wirtschaftlich prägend gebliebenen Bergbau zeugen heute noch die Altenberger Pinge, ein 1620 entstandenere Einsturztrichter, die Zinnwäsche (technische Schauanlage), eine der ehemals 13 Wäschen mit Pochwerken und Schüttelherden im Raum Altenberg-Geising-Zinnwald sowie der Neubeschert-Glück-Stolln, in dem die alten Abbauverfahren nachgestaltet sind.

Seit dem 18./19. Jahrhundert ergänzten verschiedene Heimarbeiten (Holzspielzeug- und Strohblumenproduktion) die Erwerbsmöglichkeiten im Bergbau. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Altenberg aufgrund der schneesicheren Lage und der guten Erreichbarkeit (1923 Anschluss an das Eisenbahnnetz) zum Wintersportzentrum im Osterzgebirge.

Vom 9. bis 14. Februar 1937 fanden in Altenberg die Deutschen Ski-Meisterschaften statt.

Am 10. Mai 1945 wurden 75% des Stadtzentrums durch Tieffliegerangriffe der Roten Armee auf nach Böhmen flüchtende deutsche Truppen zerstört.

In den 1950er Jahren begann der Ausbau des Kurwesens. Nachdem der Bergbau 1991 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt wurde, erfolgte eine noch stärkere Konzentration auf den Fremdenverkehr und das Erholungs- und Kurwesen. Altenberg ist heute das Wintersportzentrum des Osterzgebirges.

Eingemeindungen

  • 1965: Hirschsprung
  • 1994: Rehefeld-Zaunhaus, Zinnwald-Georgenfeld
  • 1996: Kurort Bärenburg (bestehend aus den Ortsteilen Kurort Oberbärenburg und Kurort Waldbärenburg), Kurort Kipsdorf, Schellerhau
  • 1999: Kurort Bärenfels, Falkenhain (mit dem Ortsteil Waldidylle)
  • 2004: Bärenstein

Einwohner- und Größenentwicklung

bis 1899

  • 1550 - 228 besessene Mann und 196 Inwohner (entspricht 1.341 Einwohner)(1)
  • 1697 - 1.104
  • 1764 - 122 besessene Mann, 72 Häusler
  • 1792 - 1.365
  • 1801 - 1.374
  • 1815 - 1.378
  • 1834 - 1.913
  • 1871 - 2.352
  • 1890 - 1.888

1900 bis 1999

  • 1910 - 1.836
  • 1925 - 1.740
  • 1939 - 2.032
  • 1946 - 1.796
  • 1960 - 2.314
  • 1964 - 2.389
  • 1970 - 2.490
  • 1990 - 8.046
  • 1995 - 7.623
  • 1996 - 7.616
  • 1997 - 7.531
  • 1998 - 7.422
  • 1999 - 7.250

2000 bis 2005

  • 2000 - 7.077
  • 2001 - 6.880
  • 2002 - 6.598
  • 2003 - 6.395
  • 2004 - 6.312
  • 2005 - 6.162

Zusammenstellung nach BLASCHKE 2003, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1964, ZÜHLKE 1966 und Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen, ab 1991: Stand zum 31.12. des jeweiligen Jahres

(1): errechnet nach Steuerlisten, vgl. BLASCHKE 2003
(2): erwachsene Einwohner, darunter 244 Bürger, 184 Häuser und 138 wüste Wohnstellen
(3): 243 Häuser
(4): ab 1990: Bevölkerung am Jahresanfang (Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen)

Städtepartnerschaften

  • Kostany, Tschechien
  • Sulz am Neckar/Baden-Württemberg

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Pinge
  • „Glocken des Friedens” und Kurpark (im Ortsteil Bärenfels)
  • Geisingberg
  • Kahleberg
  • Jagdschloss Rehefeld
  • Grenzüberschreitender Bergbaulehrpfad

Museen und Ausstellungen

  • Bergbaumuseum Altenberg: Das 1957 eröffnete technische Museum befindet sich in einer ursprünglich im 16. Jahrhundert erbauten und nach Sanierung technisch wieder funktionsfähigen Zinnpochwäsche. Es zeigt in Verbindung mit dem 180 m langen Neubeschert-Glück-Stollen (aufgefahren 1802-49, Schaustollen seit 1971) den Weg des Zinns vom Abbau bis zur Aufbereitung.
  • Besucherbergwerk Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald in Zinnwald-Georgenfeld: Das 1992 eröffnete Besucherbergwerk erschließt den 1686 von der Adelsfamilie von Bünau aufgefahrenen Tiefe-Bünau-Stollen. Imposant ist vor allem die durch Feuersetzen entstandene Reichtroster Weitung. Der knapp 3 km lange Rundgang führt unter Tage bis an die deutsch-tschechische Grenze heran.
  • Bergbaumuseum Zinnwald: Das im Huthaus der Gewerkschaft Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald befindliche Bergbaumuseum informiert seit 1983 über die Orts- und Montanhistorie Zinnwalds.

Sport

  • Rennschlitten- und Bobbahn: erbaut 1982/83; 1.413 m lang; 17 Kurven; Höhenunterschied 122 m; Gefälle bis 15 %; Geschwindigkeiten bis 130 km/h fahrbar; Austragungsort von Europa- und Weltmeisterschaften in Bob, Rodel und Skeleton
  • Landesleistungssportzentrum (Mountainbike,Skeleton, Rennrodel, Bob, Biathlon)
  • Sommerrodelbahn
  • Skilifte
  • Loipennetz, Skihang mit Beschneiung
  • Naherholungsgebiet Galgenteiche mit Campingplatz und Riesenrutsche
  • Bäderlandschaft in der Rehaklinik „Raupennest”

Kulinarische Spezialitäten

  • Altenberger Kräuterlikörfabrik: seit 1842 Herstellung verschiedener Kräuterliköre mit so passenden Namen wie Knappenfeuer, Kufenwärmer, Pyramidenöl etc.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Altenberg liegt an der Bundesstraße 170, die Dresden über Zinnwald mit Nordböhmen und Prag verbindet. Diese Straße hat sich seit ihrem Bau in den 1840er Jahren zu einer der wichtigsten Verbindungen zwischen und der Tschechischen Republik entwickelt. Als Europastraße 55 ist sie Teil des von Skandinavien nach Südosteuropa verlaufenden paneuropäischen Verkehrskorridors IV. Infolge der veränderten Wirtschaftsentwicklung nach der deutschen Wiedervereinigung sowie der EU-Osterweiterung hat sich ihr Verkehrsaufkommen insbesondere im Schwerlastverkehr stark erhöht. Dies liegt auch darin begründet, dass der Grenzübergang Zinnwald-Georgenfeld zwischen dem Vogtland (Bad Brambach) und der Oberlausitz (Neugersdorf) der einzige für den LKW-Verkehr uneingeschränkt nutzbare Übergang zwischen und Böhmen ist. Er zeichnete sich nach dem Neubau der Abfertigungsanlagen (2001) durch sehr kurze LKW-Abfertigungszeiten (15 min) aus, was zusätzlichen Verkehr anzieht. Dadurch wurde Altenberg im Sommer 2005 von ca. 3.900 LKW pro Tag passiert. Dieser Durchgangsverkehr (etwa alle 22 s ein LKW) stellte eine große Belastung (Lärm, Gefahrenquelle etc.) nicht nur für Altenberg selbst, sondern auch für den Ortsteil Kipsdorf dar. Seit März 2006 ist deshalb die chronisch überlastete B 170 für den bergwärts fahrenden Schwerlastverkehr bis zur Inbetriebnahme der Bundesautobahn 17 Dresden – Prag (voraussichtlich Ende 2006) gesperrt.

Seit 1923 ist Altenberg Endpunkt der 38 km langen Müglitztalbahn, welche die Bergstadt durch das Müglitztal mit und dem oberen Elbtal verbindet. Die Bahnstrecke hat einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung Altenbergs zum Wintersportzentrum im Osterzgebirge geleistet.

Ansässige Unternehmen

  • Rehaklinik „Raupennest” (170 Beschäftigte)

Bildung

  • grenzüberschreitender Bergbaulehrpfad
  • Gymnasium Altenberg, mit sportlicher Ausrichtung

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Max Gross

Paul Lotze

Söhne und Töchter der Stadt

  • Georg Melhorn (1513-1563), Pädagoge und evangelischer Theologe
  • Fritz Große (1904-1957), Widerstandskämpfer, DDR-Botschafter
  • Theo Schumann (1928-1990), Jazzmusiker und Bandleader ("Theo Schumann Combo")
  • Michael Rösch (1983), Olympiasieger mit der Biathlon-Herrenstaffel bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Balthasar Rösler (1605-1673), 1663-1673 Bergmeister und Markscheider in Altenberg
  • Max Braun (1913-1989), erfolgreicher Trainer im Biathlon, der Nordischen Kombination und im Spezialsprunglauf, lebte von 1947 bis zu seinem Tode 1989 in Altenberg

Literatur

  • Wolfgang Barsch et. al.: Das erzgebirgische Zinn in Natur, Geschichte, Technik. Altenberg 1988.
  • Karlheinz Blaschke: Die geschichtliche Entwicklung im Osterzgebirge. In: Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin [Hrsg.]: Östliches Erzgebirge. Werte der deutschen Heimat Bd. 10. Berlin 1966. S. 187-193.
  • Karlheinz Blaschke: Das Städtewesen vom 12. bis zum 19. Jahrhundert. Beiheft zur Karte B II 6 des Atlas zur Geschichte und Landeskunde von (hrsg. von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und dem Landesvermessungsamt Sachsen). Leipzig/Dresden 2003.
  • Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin [Hrsg.]: Um Altenberg, Geising und Lauenstein. Werte der deutschen Heimat Bd. 7. Berlin 1964.
  • Erich Fritzsch / Lothar Kempe: Osterzgebirge. 1981.
  • Martin Hammermüller: Altenberg - Geising - Zinnwald. Reihe unser kleines Wanderheft Bd. 27. 1954.
  • Bernhard Jasmand [Hrsg.]: Goethe. Ausflug nach Zinnwalde und Altenberg. Dresden 1949.
  • Egbert Kamprath: Altenberg. Bilder einer Stadt. Dresden 1999.
  • KOMPASS Karten GmbH [Hrsg.]: Kompass-Wanderkarte 1027 Osterzgebirge (1: 50.000) mit Lexikon Osterzgebirge. Rum/Innsbruck (o. J.).
  • Landesvermessungsamt [Hrsg.]: Topographische Karte 1:25.000. Blatt 38 Osterzgebirge – Altenberg. Ausgabe mit Wanderwegen. Dresden 1997.
  • Christian Maul: Osterzgebirge. Reihe Städte und Landschaften Bd. 26. 1966.
  • Sächsisches Oberbergamt / Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie [Hrsg.]: Die Zinnlagerstätte Altenberg. Reihe Bergbau in Bd. 9. Dresden 2002.
  • Karl-Hans Pollmer: Rund um den Geisingberg. Aus der Kirchen- und Heimatgeschichte des Osterzgebirges. Berlin 1979.
  • Otto Eduard Schmidt: Zur Siedlungsgeschichte der Flussgebiete der Müglitz und der Gottleuba. In: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz. Heft 9-12/1927. Dresden. S. 367-378.
  • Rudolf Schumann: Manuskripte der Bergbaugeschichte des Osterzgebirges. (hrsg. vom Knappenverein Altenberg e.V.). Kleinvoigtsberg 2003.
  • Dietrich Zühlke: Stadtsiedlungen im östlichen Erzgebirge. In: Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin [Hrsg.]: Östliches Erzgebirge. Werte der deutschen Heimat Bd 10. Berlin 1966. S. 244-257.



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Informationsportal über Altenberg in Sachsen - 18.5.2012