Alzenau in Bayern


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Aschaffenburg
Koordinaten: 50° 4′ N, 9° 4′ O
Höhe: 126 m ü. NN
Fläche: 59,33 km²
Einwohner: 19.079
Bevölkerungsdichte: 322 Einwohner je km²
Postleitzahl: 63755
Vorwahl: 06023
Kfz-Kennzeichen: AB (alt: ALZ)
Gemeindeschlüssel: 09 6 71 111
Stadtgliederung: 6 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hanauer Straße 1
63755 Alzenau
Webpräsenz: www.alzenau.de
Bürgermeister: Walter Scharwies (CSU)

Alzenau (bis 31. Dezember 2006: Alzenau i.UFr.) ist eine Stadt im Norden des unterfränkischen Landkreises . Bis zum 1. Juli 1972 war sie Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises.

Geographie

Alzenau gehört zu den östlichen Ausläufern des Rhein-Main-Gebietes und wird von der Kahl durchflossen. Die meisten Stadtteile schmiegen sich an oder zwischen die Hänge der westlichen Ausläufer des Spessarts mit dem Hahnenkamm (437 m ü. NN). Mit rund 2.600 ha Wald und 85 ha Weingärten kann man wahrscheinlich zu Recht von der Stadt im Grünen sprechen. Trotzdem ist es über die benachbarte A 45 bzw. über die Kahlgrundbahn nur ein kurzer Fahrtweg bis , oder am Main.

Stadtteile

  • Alzenau
  • Michelbach
  • Kälberau
  • Albstadt
  • Hörstein
  • Wasserlos

Geschichte

Das Gebiet war schon frühzeitig besiedelt. Es gibt Spuren von Siedlungen und Gräbern aus der Hallstattzeit (ältere Eiszeit), Gräber aus der Glockenbecherkultur (2600 v. Chr.) und Brandgräber aus der älteren Urnenfeldzeit (~1.000 v.Chr.).

Im Jahr 950 wird links der Kahl erstmals die Ortschaft Wilmundsheim urkundlich erwähnt.

Im 12. Jahrhundert wurde durch Kaiser Friedrich Barbarossa das begründet, welches die Ortschaften Wildmundsheim, Hörstein, Mömbris und Somborn umfasste und von Steuern und Frondiensten freigestellt wurde. Die goldenen Reiser im Stadtwappen symbolisieren dieses Erbe. Die „Märker”, wie die vollberechtigten Einwohner auch genannt wurden, mussten ihre Autonomie gegen die Bestrebungen lokaler Geschlechter, wie die von Rannenberg und von Rieneck, sowie gegen die Erzbischöfe von verteidigen.

Letztere errichteten zum Schutz ihrer örtlichen Besitzungen zwischen 1395 und 1399 die Burg , rechts der Kahl, gegenüber von Wilmundsheim. 1401 wurden der Siedlung unterhalb dieser Burg durch König Ruprecht von der Pfalz die Stadt- und Marktrechte verliehen, die es aber nicht verwirklichen konnte. Einige Jahre später wurde das alte Wilmundsheim zerstört und verschmolz mit der Siedlung rechts der Kahl, von der es auch den Namen der Burg übernahm.

Im Zug der Reichsreformbestrebungen belehnte Kaiser Maximilian I. im Jahr 1500 den Erzbischof von und den Grafen von mit der gemeinsamen Oberherrschaft über das , für das sie gemeinsam den örtlichen Amtmann bestellten. Zu Konflikten führte das Beharren der Einwohner auf ihren angestammten Freiheiten und der konfessionelle Gegensatz zwischen dem calvinistischen auf der einen und der katholischen Bevölkerung und dem Erzbischof auf der anderen Seite.

Das Kondominium dauerte bis zum Aussterben der Hanauer Grafen im Jahre 1736. Der Erzbischof von besetzte als verbliebener Kondominatsherr das , musste aber nach einem heftigem Rechtsstreit das Amt Somborn im Jahre 1740 an die Landgrafen von -Kassel, die das Erbe der Hanauer Grafen angetreten hatten, abtreten. Das übrige wurde nun als Amt unmittelbar dem Erzbistum einverleibt. Das Mainzer Rad im Stadtwappen erinnert noch heute an diese Zeit.

Der Reichsdeputationshauptschluss des Jahres 1803 schlug das Amt dem Landgrafen von -Darmstadt, dessen dreizehnjährige Herrschaft sich jedoch lokal kaum bemerkbar machte. Im Jahr 1816 trat das Großherzogtum das Amt an ab, dem es seitdem angehört.

1862 wurde zur Kreisstadt erhoben. Mit dem Bau der Kahlgrundbahn erhielt der Ort - und mit ihm der ganze Kahlgrund - ab 1898 Anschluss an das Schienennetz. 1951 erhielt vom Freistaat das Stadtrecht.

Im Zuge der Gemeindereform wurden der Landkreis und der Landkreis im Jahr 1972 zusammengelegt. Die Gemeinden , Kälberau und Wasserlos wurden eingemeindet. Seine heutige Gestalt erlangte schließlich durch die Eingemeindung des Marktes Hörstein und der Gemeinde Michelbach im Jahr 1975.

Wappen

Blasonierung

"In Rot über zwei gekreuzten goldenen Zweigen ein sechsspeichiges silbernes Rad"

Geschichte des Wappens

Bis ins 15. Jh. hieß Wilmundsheim. Als der Erzbischof von am anderen Ufer des Flusses Kahl eine Burg errichtete, änderte sich der Name in , wahrscheinlich, weil der Ort "allzu nahe" dieser Burg lag. 1401 wurde von König Ruprecht zur Stadt erhoben. Der Ort hat aber diese Stadtrechte bis 1951 nicht genutzt und blieb Markt. Aus dem Jahr 1309 stammt der erste urkundliche Beleg. Der Inhalt dieses Dokuments bezieht sich auf das mit vier Gerichtsbezirken, die sogenante "Hohe Mark". Seit der ersten Hälfte des 13. Jh. war das Mainzer Erzstift im Besitz des Wildbanns. 1395 kam der ganze Markt an das Erzstift . An die Zugehörigkeit Alzenaus zum Erzstift erinnert das sechsspeichige silberne Rad aus dem Wappen des Erzstifts; das sogenante Mainzer Rad. Die beiden goldenen Zweige sind das Ernennungsymbol für die Beamten des Freigerichts, die von freien Märkern auf dem Märkerding gewählt wurden. Das Wappen wird seit 1926 geführt

Politik

Städtepartnerschaften

  • Sint-Oedenrode (Niederlande)
  • Pfaffstätten (Österreich) (Partnergemeinde von Hörstein)
  • Thaon-les-Vosges (Frankreich)

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Stadt zeichnet sich auch durch eine außergewöhnlich hohe Anzahl an ansässigen Unternehmen aus, die zum großen Teil aus High-Tech-Branchen stammen. 1999 erhielt den Qualitätspreis „Wirtschaftsfreundliche Gemeinde” aus der Hand des Bayerischen Staatsministers für Wirtschaft, Verkehr und Technologie.

Land- und Forstwirtschaft, Weinbau

Es gab 1998 im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 62 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Es bestanden im Jahr 1999 82 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1.429 ha. Davon waren 1.096 ha Ackerfläche und 257 ha Dauergrünfläche.

In den Ortsteilen Michelbach, Wasserlos und Hörstein wird Frankenwein angebaut. Der Weinbau wurde durch die Mönche des Klosters in nach gebracht. Insgesamt hat jedoch die Land- und Forstwirtschaft für die Gemeinde an Bedeutung verloren.

Verkehr

Alzenau hat derzeit zwei Abfahrten von der Bundesautobahn 45. Eine weitere Anschlussstelle „Alzenau-Mitte” ist zurzeit in Planung und soll im Jahr 2008 fertig gestellt werden. Die Kahlgrundbahn verbindet den Ort mit dem Bahnhöfen Kahl am Main und , wo eine direkte Umsteigemöglichkeit zur S-Bahn nach und besteht.

Die einzelnen Stadtteile werden durch die City-Bus-Linien angefahren. Eine Linie fährt stündlich von über die Stadtteile Wasserlos und Hörstein als Regionalbus weiter nach Karlstein zum Bahnhof Dettingen, wo in die Regionalzüge nach und (Sitze der Kreis- bzw. Bezirksverwaltung) umgestiegen werden kann.

Die verkehrsgünstige Lage ist für die Stadt ein entscheidender Standortfaktor. Der Frankfurter Rhein-Main-Flughafen mit Verbindungen in alle Welt lässt sich mit dem PKW innerhalb von 30-40 Minuten Fahrtzeit erreichen.

Ansässige Unternehmen

Eine Auswahl einiger Unternehmen, die in ansässig sind:

  • DESITEC Computertechnik
  • Dach-Shop24.de Velux-Dachfenster
  • RSC-Computer
  • MSC Software
  • RWE Nukem Group
  • Schott Solar
  • ABB Automation Products
  • Wellpappe Alzenau
  • Zeller Poroton
  • Leybold Optics GmbH
  • Applied Materials GmbH
  • Siemens Restraint Systems
  • Xella
  • carhs gmbh
  • Cellmed AG
  • Biotest Medizintechnik
  • Smart Reflow
  • Treffert GmbH
  • Mindjet
  • Mahle

Einrichtungen

Verwaltungseinrichtungen und Behörden

  • Amtsgericht Zweigstelle Alzenau
  • Stadtverwaltung Alzenau
  • Polizeiinspektion Alzenau
  • Landratsamt - Zweigstelle Zulassungsstelle Alzenau

Bildungseinrichtungen

Im Jahr 1999 existierten folgende Einrichtungen:

  • Kindergärten: 764 Kindergartenplätze mit 705 Kindern
  • Volksschulen: 4 mit 81 Lehrern und 1432 Schülern
  • Realschulen: 1 mit 45 Lehrern und 1000 Schülern
  • Hahnenkammschule zur Lernförderung
  • Spessart-Gymnasium mit ca. 1500 Schülern
  • Städtische Musikschule Alzenau
  • Städtische Bibliothek Alzenau
  • VHS Kahl-Alzenau-Karlstein, Nebenstelle Alzenau
  • „Grünes Klassenzimmer” im Stadtwald

Freizeit- und Sportanlagen

In jedem Stadtteil befinden sich Hallen und Sportplätze für die zahlreichen Sportvereine. Es sind in jedem Stadtteil Spielplätze, sowie teilweise auch Bolzplätze, Basketballkörbe und Skateranlagen vorhanden. Im Sommer sind das Waldschwimmbad und der Meerhofsee geöffnet. Zudem ist das Schwimmbecken der Edith-Stein-Realschule an einigen Abenden der Woche für die Allgemeinheit geöffnet. Die aus dem stillgelegten Braunkohletagebau entstandenen Gewässer der Kahler Seenplatte befinden sich ebenfalls im Umkreis von 5-10 km.

Gesundheit

  • Kreiskrankenhaus Alzenau-Wasserlos

Senioren

  • Caritas Sozialstation
  • BRK Seniorenheim

Jugend

  • Jugendtreff „Teestube”

Entsorgung

  • Recyclinghof
  • 6 Grünabfallsammelplätze

Natur

  • Ein bedeutendes landschaftliches Element ist in die große Fläche an Streuobstwiesen, die mit ihren hochstämmigen einzelnen Bäumen einen wichtigen Lebensraum für selten gewordene Arten wie Neuntöter oder Steinkauz darstellen. Das Pflanzen hochstämmiger Obstbäume wird von der Stadt finanziell gefördert.
  • Ökologisch sehr bedeutend sind darüber hinaus die Sandmagerrasenflächen im Naturschutzgebiet „Alzenauer Sande”, auf denen einige bedrohte und gefährdete Ödlandarten einen Lebensraum finden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Stadt Alzenau

  • Auf der Burg finden im Sommer die Burgfestspiele, die AlzenauClassics und im Herbst die Fränkischen Musiktage im Rahmen des „Musikzaubers Franken” des Bayerischen Rundfunks statt.
  • Zur Tradition der barocken Pfarrkirche St. Justinus schlagen die Alzenauer eine Brücke bis zum Jahr 834. Seinerzeit brachte der Erzbischof Otgar von die Gebeine des Heiligen Justinus aus Rom mit. Sie kamen in die Justinuskirche in Frankfurt-Höchst und von dort 1298 ins Stift St. Alban vor Mainz; ein Teil der Reliquie gelangte aber auch ins Kloster bei der Einhard-Basilika von . Da die dortigen Benediktiner die alte Pfarrkirche von Wilmundsheim, die auf dem heutigen Friedhofsgelände lag, mit betreuten, wurde eine Querverbindung gezogen und der Heilige Justinus in verehrt. Von der abgerissenen Wilmundsheimer Kirche ist nur noch ein einziges Kapitell übrig; der heutige barocke Kirchenbau am Marktplatz stammt von 1758. Die Gebeine des Hl. Justinus sind nie in gewesen.
  • Das 1860-62 errichtete Rathaus war als Schule geplant, wurde dann aber Königlich-Bayerisches Bezirksamt. Ein Anbau von 1974 in Buntsandstein bringt zeitgenössische Architektur mit dem klassizistischen Bau zusammen.
  • Das älteste Gasthaus der Stadt wurde 1744 erstmals als „Wirtshaus” aus dem Besitz des Klosters genannt; in dieser Urkunde wurde es an einen Alzenauer Wirt verkauft. Der heutige Besitzer, der das von Parthenocissus überrankte Gebäude 1995 erwarb, richtete 2004 hier ein Hotel mit kleiner Brauerei ein, die damit wirbt, Bier nach dem Reinheitsgebot von 1516 herzustellen.
  • Die Villa Meßmer beherbergt heute eine Gaststätte in einem Park mit historischem Baumbestand.
  • Der Solarparcours erläutert die Anwendungsbereiche der Photovoltaik anhand von 20 Beispielen im Innenstadtbereich (3,5 km langer Parcours) sowie außerhalb (Gesamtparcours 12 km). Bei diesem ersten Solar-Lehrpfad Deutschlands handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt mit dem ortsansässigen Unternehmen Schott Solar (vormals: ASE), welches die Solarmodule in großindustriell herstellt.

Ortsteile / Umland

  • Der Wallfahrtskirche Kälberau aus mehreren Bauphasen (14. bis 16. Jahrhundert) mit großem Erweiterungsbau von 1955-1957 ist ein Pallotiner-Kloster angegliedert. Die Wallfahrtskirche beherbergt als Gnadenbild die Statue Maria zum rauhen Wind. Verbunden ist der Komplex mit einem Pfad zum Gedächtnis der Schmerzen Mariens.
  • Im Schloss zu Wasserlos befindet sich heute das Kreiskrankenhaus.
  • Ein Wanderweg führt von der Burg zum Aussichtsturm und Gastlokal auf dem Hahnenkamm.
  • Der Jüdische Friedhof zwischen Hörstein und Wasserlos ist einer der größten im Landkreis . Er wurde 1812 angelegt, im Nationalsozialismus schwer verwüstet und nach dem Zweiten Weltkrieg restauriert. Es sind 266 Grabsteine erhalten.
  • Die katholische Pfarrkirche zu Hörstein (1473) besitzt einen romanischen Wehrturm.
  • Der Burgstall Randenburg ist ein Bodendenkmal aus dem Spätmittelalter.
  • Historische Weinberge erstrecken sich von südlich über Wasserlos und Hörstein sowie nordöstlich über Michelbach und .
  • Schloss Maisenhausen (1753) befindet sich in Privatbesitz im Ortsteil Michelbach. Seit Sommer 2006 ist die Besichtigung möglich.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Ochs am Spieß (Frühlingsfest)
  • Orchesterkonzert des Musikvereins „Concordia” Michelbach 1923 e.V. (Palmsonntag, Schulturnhalle Michelbach)
  • Weinfest am Park im Sommergarten des Parkhotels im Stadtteil Wasserlos jedes Jahr in der Woche von Christi - Himmelfahrt,
  • Wein, Käse und Blasmusik (Sonntag vor Christi Himmelfahrt, Schlösschen Michelbach)
  • Stadtfest um die Burg Alzenau
  • Oktober-November: Fränkische Musiktage (Chor- und Kammermusik aus mehreren Jahrhunderten)
  • Melodien bei Kerzenschein in der Prischoßhalle (2. Wochenende im November)
  • Großer Weihnachtsmarkt am 1. Advents-Wochenende (also Anfang Dezember bzw. Ende November)
  • Michelbacher Winzerfest (September/Oktober)
  • „Pannfest” = ältestes Straßenfest im Herzen der „Pann”, dem ältesten Teil Alzenaus in der Wilmundsheimer Straße seit 1978 im September, dessen Erlös vom Veranstalter (Kolpingsfamilie) immer für unterschiedliche Projekte gespendet wird.

Glaubensgemeinschaften

  • römisch-katholische Kirchengemeinde Sankt Justinus
  • evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Peter und Paul
  • Yavuz Sultan Selim Han Moschee

Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist katholisch.




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Informationsportal über Alzenau in Bayern - 21.5.2012