Alzey in Rheinland-Pfalz


Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Alzey-Worms
Koordinaten: 49° 45′ N, 8° 7′ O
Höhe: 194 m ü. NN
Fläche: 35,21 km²
Einwohner: 18.256
Bevölkerungsdichte: 518 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 55219–55232 (alt: 6508)
Vorwahl: 06731
Kfz-Kennzeichen: AZ
Gemeindeschlüssel: 07 3 31 003
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathaus
55232 Alzey
Webpräsenz: www.alzey.de
Bürgermeister: Christoph Burkhard (parteilos)

Alzey ist eine Kreisstadt im Landkreis Alzey-Worms in Rheinhessen, südöstliches Rheinland-Pfalz ().

Alzey zählt zu den Nibelungenstädten, da die Stadt im Nibelungenlied durch die Person Volker von Alzey erwähnt wird. Daher wird auch Volkerstadt genannt.

Geografie

Geografische Lage

Alzey liegt in Rheinhessen am Westrand des Nordteils der Oberrheinischen Tiefebene. Es ist vom Nordteil des Alzeyer Hügellands umgeben, an das sich nördlich das Rheinhessische Hügelland und westlich das Pfälzer Bergland anschließt. Die Stadt befindet sich etwa 30 km süd-südöstlich von und etwa 22 km (je Luftlinie) nordwestlich von . Durch fließt, teilweise unterirdisch, ein Abschnitt der Selz, die einen linken Nebenfluss des Rheins darstellt.

Geschichte

Erste Besiedlungsspuren im Raum finden sich bereits ab der Jungsteinzeit. Auf einem römischen Nymphenstein wird als Vicani Altiaienses (=Dorfbewohner von Alzey) 223 erstmals erwähnt. Der Name Altiaia geht möglicherweise auf den Namen einer vor den Römern bestehenden keltischen Siedlung ab 400 v. Chr.zurück, der genaue Ursprung lässt sich aber nicht ermitteln. Auf den Ruinen des um 350 zerstörten römischen Vicus wurde um 390 ein Kastell errichtet. Dieses wurde nach 400 von den Burgundern besetzt und fiel nach 450 durch Landnahme an die Alemannen und Franken. Hier ist vielleicht der Ursprung der Sagenfigur Volker von , des Spielmanns im Nibelungenlied. 897 wird erstmals als Reichslehen erwähnt.

1156 gehört zur Kurpfalz und Konrad von Staufen erhält in der 1118 vollendeten Reichsburg die Pfalzgrafenwürde. 1277 erhält die Stadtwürde durch Rudolf von Habsburg. 1689 werden Stadt und Burg im pfälzischen Erbfolgekrieg von den französischen Truppen niedergebrannt, einer Politik der verbrannten Erde folgend, als zuvor eroberte Gebiete von den Armeen Ludwigs XIV. wieder geräumt werden müssen. 1798 werden die Gebiete westlich des Rheins, darunter auch die bis dahin kurpfälzischen, an Frankreich angeschlossen, gehört bis 1814 zum Departement Donnersberg(du Mont-Tonnerre). 1816 wird dem Großherzogtum eingegliedert. 1909 wird die Rebschule (heute: Landesanstalt für Rebenzüchtung) gegründet, erster Leiter ist Georg Scheu, nach dem die Rebsorte Scheurebe benannt ist.

1938 wird in der Reichspogromnacht die Synagoge von zerstört und die Inneneinrichtung vor dem Gebäude verbrannt. Die Ruine wurde in den 50er Jahren abgerissen. Eine gerettete Tora befindet sich heute im Museum. Am 8. Januar 1945, während des 2. Weltkriegs, entgeht die Stadt nur knapp der Zerstörung. US-Flugzeuge sollten eine Eisenbahnbrücke in angreifen, warfen bei schlechtem Wetter wegen eines Berechnungsfehlers ihre Bomben aber auf den damals unbebauten Wartberg. Daraus entstand die Legende vom Wartbergturm als "Retter Alzeys".

Seit 1947 ist nicht mehr hessisch, sondern Kreisstadt im Landkreis im neugebildeten Bundesland Rheinland-Pfalz.

Seit Zusammenlegung der Kreise und im Jahre 1969 ist Kreisstadt des neuen Landkreis Alzey-Worms und Sitz der Verbandsgemeinde Alzey-Land, der es selbst als verbandsfreie Stadt jedoch nicht angehört. Im Jahre 1972 werden die Orte , Heimersheim und Dautenheim der Stadt angegliedert (das Dorf Schafhausen ist bereits seit dem Mittelalter ein Stadtteil von ).

Eingemeindungen

  • Dautenheim
  • Heimersheim
  • Schafhausen
  • Weinheim

Politik

Stadtrat

Wahl vom 13. Juni 2004

  • SPD 36,1% (-6,2) - 12 Sitze (-2)
  • CDU 33,0% (-1,1) - 11 Sitze (=)
  • WGR 19,4% (+3,6) - 6 Sitze (+1)
  • GRÜNE 7,7% (+1,8) - 2 Sitze (=)
  • FDP 3,7% (+1,7) - 1 Sitz (+1)

Bürgermeister

  • (1982-1990) Walter Zuber (SPD)
  • (1990-2006) Knut Benkert (SPD)
  • (2006-heute) Christoph Burkhard (parteiloser Kandidat der CDU)

Wappen

  • Oben: In Schwarz ein wachsender, rotbewehrter, goldener Löwe; wegen der früheren Zugehörigkeit der Stadt zur Kurpfalz
  • Unten: In Silber eine schräg rechts gestellte rote Fiedel - das Wappenbild zur Erinnerung an die ehemals in der Stadt ansässigen Geschlechter der Truchseß (Volker von ) Winter und Wilch

Städtepartnerschaften

  • seit 1963: Harpenden (England)
  • seit 1973: Josselin (Frankreich)
  • seit 1980: Lembeye (Frankreich) mit dem Stadtteil Weinheim
  • seit 1981: Rechnitz (Österreich)
  • seit 1990: Koscian (Polen)
  • seit 1990: (, Sachsen)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Auszeichnungen und Preise

Die Stadt vergibt in regelmäßigen Abständen folgende Auszeichnungen und Preise:

  • Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis (seit 1988 alle drei Jahre)
  • Georg-Scheu-Plakette (jährlich am Winzerfest)

Theater

  • Gerry-Jansen-Theater

Museen

  • Geschichtsmuseum der Stadt Alzey

Bauwerke

Die Altstadt

Alzey hat eine gut erhaltene Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern, Restaurants, Cafés und Geschäften, umgeben von Ruinen der mittelalterlichen Stadtmauer. Mittelpunkt der Stadt ist der Rossmarkt mit dem Bronzepferd des Künstlers Gernot Rumpf. Eine Skulptur der Undine von Karlheinz Oswald steht auf dem Fischmarkt vor dem altem Rathaus.

Sport

Das Wartbergstadion ist die größte Sportanlage der Stadt. Es hat eine Wettkampfbahn Typ B mit Rasengroßspielfeld, eine 400 m-Rundbahn, Leichtathletik-Segmentflächen (Kunststoff) und eine Stehtribüne. Hierzu gehört auch das Freizeitbad "Wartbergbad". Dem nahe gelegen ist ein Reitverein mit Boxen, Koppeln und einer Reithalle.

Außerdem verfügt über einen vor kurzem neu gebauten Kunstrasenplatz, der vor allem von den Hockey- und Fußballvereinen genutzt wird. Daneben gibt es auch einen Mehrzweckplatz und an den Schulen noch mehrere Hartplätze.

Regelmäßige Veranstaltungen

Weinbergshäuschen Wanderung

Die so genannte „Wingertshaisje Wanderung” ist eine Wanderung durch die rheinhessische Hügellandschaft zwischen und den Stadtteilen und Heimersheim. Sie findet jeweils am ersten Sonntag im September statt. Entlang des Wegenetzes werden die Weinbergshäuschen zwischen 11 und 18 Uhr von Weingütern und Vereinen bewirtschaftet. Angeboten werden dann sowohl kalte als auch warme Speisen und Getränke, einschließlich des regionaltypischen Rheinhessenweins.

Winzerfest

Das Winzerfest findet alljährlich am dritten Wochenende im September statt und dauert dann von freitags bis dienstags an. Es ist die größte Veranstaltung dieser Art in . Auf der Wein- und Sektterrasse werden jeweils erlesenen Weine der Region präsentiert, außerdem gibt es für das jüngere Publikum einen Jahrmarkt mit Fahrgeschäften und Gewinnbuden aller Arten. Das Motto des Festes 2006 lautet: Rhoihessewoi, Rhoihessewoi - lässt unser Fest eeen Feste soi!" ("Rheinhessenwein, Rheinhessenwein - lässt unser Fest ein Feste sein!")

Wirtschaft und Infrastruktur

Größte Weinbaugemeinden
im Anbaugebiet
Rang unter allen
rheinland-pfälzischen
Weinbaugemeinden
nach Rebfläche
Bestockte
Rebfläche
Rebsorten
Weißwein Rotwein
ha %
Rheinhessen   26228 67,4 32,6
Worms 3 1490 59,6 40,4
Nierstein 6 783 75,6 24,4
Alzey 8 769 69,0 30,1
Westhofen 9 764 68,7 31,3
Alsheim 10 704 69,3 30,7
Bechtheim 11 654 70,2 29,8
Ingelheim am Rhein 12 641 45,1 54,9
Flörsheim-Dalsheim 13 635 65,0 35,0
Bingen am Rhein 15 590 72,6 27,4
Saulheim 16 508 72,2 27,8
Osthofen 20 464 67,8 22,2
Guntersblum 21 461 71,8 28,2
Dittelsheim-Heßloch 23 446 68,6 31,4
Stadecken-Elsheim 24 433 69,2 30,8

Die Hauptwirtschaftszweige der Stadt sind der Weinbau, die ansässige Fachklinik, ein Schlecker-Zentrallager, ein Plus-Zentrallager, Verwaltungssitz der Einkaufskette real,- sowie die Deutsche Lufthansa-Töchter Lufthansa AERO und LSG Sky Chefs. Außerdem ist das Dienstleistungszentrum der Region mit einem für die Stadtgröße sehr großen Angebot an Einkaufsmöglichkeiten, die sich hauptsächlich auf das Industriegebiet konzentrieren.

Landwirtschaft

Alzey ist erheblich geprägt vom Weinbau und mit 769 Hektar bestockter Rebfläche, davon 69 Prozent Weißwein- und 31 Prozent Rotweinsorten, sechstgrößte Weinbaugemeinde in Rheinland-Pfalz und nach (1.490 Hektar) und Nierstein (783 Hektar) größte Weinbaugemeinde Rheinhessens.

Verkehr

Alzey befindet sich in der Nähe des Autobahnkreuzes , bei dem sich die A 61 (Venlo, , , , , ) und die A 63 (Mainz, , ) kreuzen.

Es gibt RegionalExpress- und RegionalBahn-Direktverbindungen nach mit der Bahnstrecke Alzey–Mainz, sowie mit der Rheinhessenbahn nach und . Die Donnersbergbahn verbindet seit 1999 wieder mit Kirchheimbolanden.

Die Stadt gehört dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) an. Für Verbindungen aus dem und in das Gebiet des Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbunds (RNN) kann auch dieser Tarif bis angewendet werden.

Öffentliche Einrichtungen

  • Rheinhessen-Fachklinik Alzey
  • Sitz der Kreisverwaltung Alzey-Worms
  • Sitz der Verbandsgemeinde Alzey-Land
  • Sitz der Außenstelle des Finanzamtes Bingen-Alzey

Bildung

  • Grundschulen
    • Albert-Schweitzer-Schule
    • Nibelungenschule
    • St. Marienschule
  • Weiterführende Schulen:
    • Gustav-Heinemann-Schulzentrum mit
      • Hauptschule
      • Realschule
    • Elisabeth Langgässer Gymnasium
    • Gymnasium am Römerkastell
    • Staatliches Aufbaugymnasium
  • Sonstige:
    • Zwei Sonderschulen (Volkerschule und Schule im Rotental)
    • Kreismusikschule
    • Berufsbildende Schule Alzey
    • Krankenpflegeschule der Rheinhessen Fachklinik

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Georg Scheu
  • Kurt Neumann
  • Walter Zuber
  • Karl-Heinz Kipp

Söhne und Töchter der Stadt

  • Gunther Metz, ehem. Fußballprofi, beim 1. FC und dem Karlsruher SC in den 1990ern aktiv gewesen. Heute Co-Trainer der Lauterer Amateure.
  • Karl-Heinz Kipp, Unternehmer, Gründer der Massa-Märkte (heute zur Metrogruppe gehörig), Rang 72 auf der Forbes Liste der reichsten Menschen (2003) mit geschätzten 4,1 Milliarden US-$. Auf der Forbes Liste 2005 wird er „nur” noch auf Platz 107 mit 4,8 Milliarden US-Dollar geführt Karl-Heinz Kipp im ManagerMagazin.
  • Tarkan Tevetoglu, * 1972, bekanntester türkischer Popmusiker der Gegenwart, mehr als 4 Mio. verkaufte CDs, in insbesondere durch den Titel „Simarik” bekannt
  • Volker von , Ritter und Spielmann im Nibelungenlied
  • Walter Zuber, Politiker (SPD), MdL, vom 21. Mai 1991 bis 25. Februar 2005 Minister des Innern und für Sport des Landes Rheinland-Pfalz
  • Elisabeth Langgässer, * 23. Februar 1899, † 25. Juli 1950 in Rheinzabern, Schriftstellerin
  • August Belmont (* 8. Dezember 1816 in Alzey; † 24. November 1890 in New York) war ein deutsch-amerikanischer Bankier und Politiker. Er entstammte der bekannten jüdischen Familie Belmont in , als Sohn Simon Isaacs, der mit Napoleons Namensgesetz den Namen Belmont angenommen hatte.
  • Manfred Waffender, Regisseur, Autor, Journalist und Herausgeber
  • Sybille Schloss, geborene Storck, (* 15. Oktober 1910 in ) ist eine deutsche Schauspielerin. Sie wuchs in auf, wo ihr Vater Karl Schloss, der in als Dichter des expressionistischen Stils gelebt hatte, eine Zigarrenfabrik betrieb. Unter anderem trat sie im Kabarett die „Pfeffermühle” auf und wurde zur Romanheldin in Wolfgang Koeppens „Eine unglückliche Liebe”. Ihre Eltern wurden aus dem holländischen Exil in den Tod deportiert, Sybille Schloß gelang die Auswanderung nach New York, wo sie heute lebt.
  • Felix Adler (1851–1933), Philosoph und Sohn des Rabbiners Samuel Adler

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Dr. Samuel Adler (* 3. Dezember 1809 in Worms; † 9. Juni 1891 in New York) war von 1842 bis 1857 Rabbiner der Jüdischen Gemeinde von . Er war einer der Protagonisten der liberalen Bewegung im deutschen Judentum und trat zum Beispiel für die Verwendung der deutschen Sprache im Gottesdienst und eine stärkere Beteiligung der Frauen ein. Dr. Adler ging 1857 als Rabbiner an den Temple Emanu-El in New York und wurde Oberhaupt der führenden jüdischen Reformgemeinde der USA. Den Gottesdienst hielt Samuel Adler weiterhin vorzugsweise auf Deutsch. Seine Bibliothek ist weitegehend erhalten im Hebrew Union College in Cincinnati/ USA.
  • Ludwig Bamberger (* 22. Juli 1823 in , † 14. März 1899 in Berlin), war Revolutionär, Bankier und Politiker. Er gehörte zu den Demokraten, die 1848 im Schloßpark von Kirchheimbolanden sich den preußischen Truppen entgegenstellten. In Abwesenheit zum Tode verurteilt, wurde Bamberger später Bankier (Gründungsmitglied der Deutschen Bank) und einer der führenden liberalen Politiker nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871. Man bezeichnete ihn als „Vater” der Deutschen Mark (Gründung einer unabhängigen Notenbank). Er war lange Jahre Reichstagsabgeordneter des Wahlkreises Bingen-Alzey (von 1871 bis 1893) und verheiratet mit Anna Belmont aus .

Alzeyer Weinköniginnen

  • Bärbel Janssen, 1992/93 aus Alzey
  • Kerstin Stelzer 2004/06 aus Alzey-Heimersheim
  • aktuell amtierend: Katharina Matheis, 2006 aus Alzey-Weinheim



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Informationsportal über Alzey in Rheinland-Pfalz - 21.5.2012