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Bad Gottleuba-Berggießhübel ist eine im Landkreis Sächsische Schweiz in Sachsen unweit von Dresden gelegene Kleinstadt. Sie entstand im Zuge der Gemeindegebietsreform von 1999 durch den Zusammenschluss der beiden Kurorte Bad Gottleuba und Berggießhübel sowie den Gemeinden Langenhennersdorf und Bahratal mit den jeweiligen Ortsteilen. Die Stadt ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Bad Gottleuba-Berggießhübel. GeografieGeografische LageDas knapp 90 km² große Gemeindegebiet von Bad Gottleuba-Berggießhübel befindet sich etwa 35 km südöstlich vom Zentrum der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Es umfasst weite Teile des mittleren Gottleubatales sowie Teile der Einzugsgebiete von Bahra, Seidewitz und Bahre. Damit befindet sich die Stadt im sogenannten Elbtalschiefergebiet, dem Übergangsgebiet zwischen den nordöstlichen Ausläufern des Osterzgebirges bzw. den südwestlichen Ausläufern der Sächsischen Schweiz. Der zentrale Teil um die an der Gottleuba selbst gelegenen Städte Bad Gottleuba und Berggießhübel weist Höhenlagen zwischen 300 und 450 m ü. NN auf. Der tiefste Gemeindepunkt befindet sich im Gottleubatal bei 211 m ü. NN, der höchste ist mit 644 m ü. NN die an der Grenze zur Tschechischen Republik gelegene Oelsener Höhe. GeologieDie Lage im Übergangsgebiet zwischen Osterzgebirge und Elbsandsteingebirge spiegelt der Aufbau der im Untergrund lagernden Gesteine deutlich wieder. Im südwestlichen Teil findet sich bis zu einer Linie nördlich von Hartmannsbach und Hellendorf der Freiberger Graue Gneis, das sogenannte Charaktergestein des Osterzgebirges. Daran schließt sich bis zu einer Linie nördlich von Berggießhübel und Bahra der schmale Streifen des Elbtalschiefergebietes mit seinen phyllitischen und altpaläozoischen Gesteinsgruppen u. a. aus Graniten, Schiefern, Brekzien und Kalken an. An der unmittelbaren Übergangsfläche zum Erzgebirgsgneis hat der Turmalitgranit eine widerstandsfähige Kette von Härtlingsbergen (u. a. Hüttenleite, Tannenbusch, Helleberg) ausgeformt. Zwischen Berggießhübel, Markersbach und Bahra bewirkte das Eindringen von Granit in die Kalksteine des Schiefergebietes das Entstehen der Berggießhübeler Magneteisenerzlager. Nördlich von Berggießhübel sowie östlich der Bahra werden die Gesteine des Elbtalschiefergebietes von der Sandsteindecke der Sächsischen Schweiz begrenzt. GemeindegliederungBad Gottleuba-Berggießhübel erstreckt sich im Süden von der tschechischen Grenze und dem Ortsteil Oelsen über die südöstlichen Dörfer Markersbach und Hellendorf, die südwestlichen Hartmannsbach, Breitenau, Börnersdorf und Hennersbach bis hin zu Bad Gottleuba und Berggießhübel im Zentrum und Zwiesel, Bahra und Langenhennersdorf im Norden.
GeschichteDie Besiedlung der Region wurde seit 1140 von den böhmischen Königen betrieben. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Lage an den Handelsstraßen, die zum Beispiel von Halle (Saale) über Gottleuba bis nach Aussig (Usti nad Labem) führten (Kulmer Steig, Königsweg, Salzstraße). Im Auftrag der herrschenden böhmischen Herzöge und Könige wurde die Entwicklung der Region wesentlich von Adelsfamilien auf Liebstadt, Weesenstein und Dohna sowie Pirna geprägt. Sie setzten so genannte Lokatoren ein, die ihrerseits Siedler anwarben und die Besiedlung der Region organisierten. Die Namen dieser Lokatoren spiegeln sich noch heute in den Namen der Dörfer in der Region wieder. Die Dörfer sind allesamt mit Waldhufen ausgestattete Reihendörfer. Die Siedler kamen aus Thüringen, Hessen und Franken, im oberen Osterzgebirge waren es aber auch deutschstämmige Kolonisten aus Nordböhmen. Ungefähr 1240 begann in der Region eine zweite Siedlungsperiode. Durch König Wenzel von Böhmen (1230–1253) wurde die Kolonisation in erster Linie wegen der Erzfunde Im Erzgebirge vorangetrieben. 1241 fanden deutsche Bauern aus dem Egerland unter dem Mückenberg (in der Nähe des heutigen Zinnwald) Zinnkristalle. Der Fund war von solcher Bedeutung, dass der Zinnpreis auf dem Weltmarkt auf die Hälfte sank. Später im Mittelalter wechselte die Zugehörigkeit der Orte mehrfach zwischen dem böhmischen Königreich und der Mark Meißen. OelsenDie erste urkundliche Erwähnung betrifft Oelsen. Bereits 1169 wurde in einem Schriftstück die Zueignung eines bei diesem Dorf gelegenen Waldes (silva iuxta Olesnice) vom Przemysl Herzog Vladislav II. (1158–1173) an die Johanniter beurkundet. Der ursprünglich tschechische Name bedeutet „Erlenbusch” (tschechisch: olesná). Die Gründung Oelsens gilt als eine der ältesten kolonisatorischen Tätigkeiten der Johanniter im östlichen Erzgebirge. 1429 zogen die Hussiten durch die Regionen und zerstörten auch Oelsen. Es wurde erst Ende des 15. Jahrhunderts wieder aufgebaut. In der Zeit dazwischen war urkundlich nur vom „wüsten Dorf” die Rede. 1459 wurde die Grenzziehung zwischen Böhmen und Sachsen durch Vertrag zwischen dem böhmischen König und den sächsischen Kurfürst Friedrich und Herzog Wilhelm neu geregelt (Vertrag von Eger). Damit kamen zum Beispiel Lauenstein, Königstein, Dippoldiswalde und auch Gottleuba mit Oelsen nach Sachsen. Dieser Grenzverlauf ist auch heute noch im Wesentlichen gültig. 1517 erwarb die Ritterfamilie von Bünau (ein weit verzweigtes Rittergeschlecht zum Beispiel auf Liebstadt oder Weesenstein) das Rittergut und Dorf Oelsen. Die Kirche zu Oelsen (die erstmalig bereits 1358 in einer Urkunde der Diözese Prag erwähnt wurde) ist um 1620 mit wertvollen Sandsteinreliefs von Lorenz Hornung ausgestattet worden. Nach 245-jährigem Besitz verkauften die Bünaus 1762 Oelsen an bürgerliche Eigentümer. Im Napoleonischen Krieg 1813 wurde auch Oelsen in die erbitterten Kämpfe zwischen Russen und Franzosen verwickelt. Es kam zu erheblichen Schäden; 10 Bauerngüter wurden ruiniert, 3 brannten völlig nieder, die Felder konnten nicht bestellt werden, die Bevölkerung litt unter Hunger und Krankheiten. 1921 wurde für Oelsen die Versorgung mit elektrischen Strom aufgenommen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden wegen der Räumung der großen Konzentrationslager ca. 150 KZ-Häftlinge in Oelsen untergebracht. Nach dem Krieg kamen auch in Oelsen viele Heimatvertriebene aus dem Sudetenland und aus Schlesien unter. Die Einwohnerzahl stieg deshalb 1945 auf fast das Doppelte der Vorkriegszahl. In den folgenden Jahren wurde die Infrastruktur des Ortes schrittweise verbessert (Busanbindung ab 1956, Straßenbau 1965/66 im Zuge des Baus der Talsperre Gottleuba). 1996 wurde Oelsen in die Stadt Bad Gottleuba eingemeindet. Markersbach und Hellendorf (Bahratal)Die Gründung des Waldhufendorfes Markersbach (Marquardi villa) könnte ebenfalls auf die Johanniter zurückgehen, ist aber nicht eindeutig belegt. Der Name wird 1363 erstmals urkundlich erwähnt und stammt wahrscheinlich von einem Herrschergeschlecht (Markwart oder Marquart) ab, das sich besonders um die Einführung deutscher Kultur in Böhmen verdient gemacht hatte. Das Waldhufendorf Hellendorf (Heldisdorf) wurde 1379 erstmalig erwähnt. Beide Orte haben böhmischen Ursprung und liegen im Tal der Bahra. Im Mittelalter waren hier die beiden Hammerwerke Kleppisch und Cratza angesiedelt, welche das um Berggießhübel geförderte Eisenerz verarbeiteten. Die kleine Dorfkirche von Markersbach besitzt eine kulturhistorisch wertvolle mechanische Schleifladenorgel von Christian Gottfried und Wilhelm Leberecht Herbrig aus dem Jahr 1842. Wie Oelsen litten die Bewohner beider Orte während des Napoleonischen Krieges 1813 ebenfalls unter Not und Elend, Zerstörungen und Plünderungen. Beide Orte erhielten im 19. Jahrhundert eine Schule (1837 beziehungsweise 1858). 1927 wurde die neue Schule in Markersbach eingeweiht. Die in den 1960er Jahren errichteten Rückhaltebecken Buschbach und Mordgrundbach dienen der Verhütung von Überschwemmungen, wie sie hier z. B. in den Jahren 1897 und 1958 auftraten. 1970 wurden beide Orte zur Gemeinde Bahratal (nicht zu verwechseln mit Bahretal, einer direkt benachbarten Gemeinde) zusammengelegt. 1976 wurde der Grenzübergang nach (Petrovice (Peterswald)) wieder eröffnet. In der sächsischen Gemeindegebietsreform von 1999 wurde Bahratal in die Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel eingemeindet.
HartmannsbachHartmannsbach ist im Sinne der politischen Gliederung der Gemeinde kein Ortsteil von Bad Gottleuba-Berggießhübel. Es gehört zu Bad Gottleuba, kann aber historisch gesondert betrachtet werden. Der Ort ist ein Reihendorf (Waldhufen-Flur) und liegt südwestlich von Gottleuba. Seine erstmalige urkundliche Erwähnung findet der Ort als Hartmanspach 1412. Der Name variiert in den nächsten Jahrhunderten nur leicht: Hartmansbach, Harttenßbach, Hartenspach, Hartzbach, Harczbach Hartzschbach, Hartmanstorff. Der Ort setzte sich aus Ober- und Niederhartmannsdorf, der Ehrlich- und Fischermühle sowie dem Hammergut Haselberg zusammen. Zu den Besitzern gehörten in der Region bekannte Namen, wie Nickel Karas, von Torgaw, von Czickow, von Bernstein, von Bünau, von Mecsch bzw. Metzsch. Dabei dürfte der Ort zunächst zur Burggrafschaft Dohna gehört haben, später, nach der Niederlage der Donins in der Dohnaischen Fehde zur Markgrafschaft Meißen („Dreßdenische pflege”, „pflege zcu Donyn”, „pflege zcu Pirne”). Entsprechend seinen Besitzern wurde Hartmannsbach teilweise zu den Rittergütern Giesenstein, Borthen und Röhrsdorf, zum Schloss Ottendorf, zu Liebstadt bzw. Weesenstein und schließlich auch zur Stadt Gottleuba gerechnet. Die Gerichtsbarkeit ist seit 1485 nachweisbar. Das Bier des Kretschams wurde gemäß einer Bestimmung aus dem Jahre 1511 aus Bärenstein bzw. Altenberg bezogen. Hartmannsbach wird zunächst nach Ottendorf gepfarrt (nachweislich 1548). 1576 gehört der Ort jedoch schon zu Gottleuba. Dies geht aus Beschwerden des Haubold von Bernstein auf Ottendorf, des Ottendorfer Pfarrers sowie der eingepfarrten Leute hervor. 1840 - Hartmannsbach besteht aus 23 Bauerngütern, 1 Erbgericht, 2 Mahl- und Schneidemühlen (Fischer- und Ehrlichmühle), 7 Gartennahrungen und einigen anderen Häusern. In der niederen Gerichtsbarkeit, mit Diensten und Abgaben ist es dem Erb-, Lehn- und Gerichtsherrn auf Rittergut Giesenstein, Kammerherr von Globig, unterstellt. Zu Hartmannsbacher Flur ist auch das Hammergut Haselberg zu rechnen. 1. Januar 1936 – die Gemeinde Hartmannsbach wird in die Stadt Gottleuba eingegliedert. GottleubaDie am gleichnamigen Fluss gelegene ehemalige Bergstadt Gottleuba wurde erstmals 1363 als Gotlavia erwähnt. Der Name änderte sich im Laufe der Zeit mehrfach, überliefert sind u.a. Gothlewen (1374), Gotleeb (1378), Gotelobe (1386), Goteleybe (1405) und Gottlewbe (1453). Indizien sprechen aber dafür, dass der Ort wesentlich älter ist, als seine Ersterwähnung. So wurde die hier befindliche Pfarre (Kirche) bereits 1352 genannt. Teile des Turmes der wohl ursprünglich als Wehranlage genutzten Kirche sowie der im Stadtwappen verwendete Reichsadler weisen auf eine Gründung des Ortes vor 1294 hin. Damals wurde die Region um Gottleuba als Reichslehen von den Burggrafen zu Dohna verwaltet. Karlheinz Blaschke gibt für Gottleuba für die Zeit um 1300 eine Einwohnerzahl von 250 an[1], was bereits auf ein ausgebildetes Gemeinwesen hindeutet, welches wahrscheinlich von den Donins gegründet wurde. Darauf deutet auch der 1298 zusammen mit Pirna erfolgte Verkauf des Ortes an König Wenzel von Böhmen hin, da die verkauften Gebiete 1405 vom meißnischen Markgrafen von Jan von Wartenberg auf Tetschen (heute Decin) als Pfand zurückgenommen wurden. Die Anlage der Siedlung ist im Zusammenhang mit einer Wehranlage zu sehen, die im Bereich von Kirche und Friedhof angelegt wurde. Unterhalb dieses Bereiches befand sich eine Furt durch die Gottleuba (1418: Gotelebe furte), die der Kulmer Steig auf seiner Wegführung über das Osterzgebirge nach Böhmen zur Flussquerung nutzte. Eine weitere Befestigungsanlage befand sich nahe des südöstlich von Bad Gottleuba befindlichen Dorf Erdmannsdorf. Dieses Dorf wurde urkundlich erstmalig 1379 als Ertmansdorf erwähnt, aber bereits 1206 wurden adlige Gerichtszeugen als Herren de Ertmaresdorf genannt. 1379 kam das Dorf in den Besitz des Thimo von Colditz auf Graupen (heute Krupka). Heute existiert der Ort nicht mehr, da er bereits 1429 im Hussitenkrieg völlig untergegangen ist und seine Ackerflur größtenteils an Gottleuba fiel. Zu Erdmannsdorf gehörte auch ein Schloss, von dem heute nur der der Name des Berges Wachstein (524 m ü. NN) beziehungsweise die im Volksmund als Wüstes Schloss benannte Felswildnis zeugt. Auch der Bachname Ratzschbach (tschech. hradschin = Burg) südlich vom Wachstein erinnert an die frühere Burganlage, von der noch Mitte des 19. Jahrhunderts die Reste der Umwallung zu sehen waren. Diese Wehranlagen dienten als meißnisches Gegenstück zu den böhmischen Befestigungen (Rittergut) in Oelsen. Beide Anlagen waren notwendig als Quartier für Fuhrleute und Tiere der Kaufmannswagen, die von Pirna und Dohna über Erdmannsdorf und Oelsen ins Böhmische zogen. Den Ausschlag für die Siedlungsgründung gaben aber nicht die Fuhrleute sondern im Umfeld getätigte Erzfunde. Der bergbauliche Hintergrund der Ortsanlage unstrittig, da Gottleuba eine Stadt ohne Ackerflur war. Ackerfluren erhielt sie erst, nachdem ihr die Fluren des bereits erwähnten Erdmannsdorf im 15. Jahrhundert zufielen. Auch der Grundriß Gottleubas mit seiner unregelmäßigen Struktur weist auf eine sich rasch entwickelnde Siedlung hin, deren wirtschaftliche Basis im Bergbau und nicht in der Landwirtschaft oder dem Handel lag. Eisenhaltiges Gestein sowie etwas Kupfer und Silber wurde am Nordende der Erdmannsdorfer Flur gefunden. Diese Funde lockten Bergleute aus Freiberg und Ehrenfriedersdorf aber auch aus dem nördlichen Thüringen und dem Harz herbei. Bereits 1386 regelte ein landesherrlicher Vogt die Bergwerksverhältnisse. Erst 1889 wurde die letzte Grube (Abbau von Silbererz) geschlossen. 1463 erhielt Gottleuba das Stadtrecht, wurde aber bereits 1405 als das stetchen Goteloybe erwähnt. Kurz zuvor (1459) wurde Gottleuba im bereits genannten Grenzziehungsvertrag von Böhmen der Mark Meißen zugeschlagen. Die privilegierte Lage an den Handelsstraßen nach Böhmen beförderte in Gottleuba auch Handwerk und Handel. Bereits im 16. Jahrhundert waren Gottleubaer Innungen mit besonderen Handelsrechten ausgestattet (zum Beispiel Abhaltung von Frühjahrs- und Herbstmärkten, Bewilligung von Wochenmärkten). Kriege, Krankheiten, große Stadtbrände (1746 und 1865) und die Hochwasserkatastrophen von 1552, 1897, 1927 und 1957 brachten der Stadt immer wieder große Rückschläge. 1881 begann in Gottleuba das Kur- und Badewesen (erste Kurgäste kamen sogar schon 1861). Grundlage dafür waren vorhandene Moorlager und die Nutzung einer eisenhaltigen Quelle. Die erste Heilquelle wurde 1828 bekannt. 1909–1913 baute die Landesversicherungsanstalt Sachsen eine Heilstätte, wodurch Gottleuba den Ruf einer sächsischen Badestadt erhielt. Der Sanatoriumsort wurde, als inzwischen seltenes bauliches Denkmal, in einheitlichem Jugendstil von der Architektenfirma Schilling & Gräbner gestaltet. Die staatliche Anerkennung und damit das Recht, die Bezeichnung Bad im Namen führen zu dürfen, erhielt Gottleuba am 20. Dezember 1936 auf Grund von § 9 der deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935. Am 1. Januar 1978 wurde Bad Gottleuba Staatlich anerkannter Kurort. Im Kliniksanatorium wurden zwischen 1954 und 1989 jährlich ca. 5000 Kuren durchgeführt. Seit 1991 wird das Sanatorium unter der Bezeichnung Gesundheitspark Bad Gottleuba von der TRIA Immobilienanlagen- und Verwaltungs-GmbH Berlin geführt. 1965 bis 1974 wurde endlich der seit Beginn des Jahrhunderts geforderte Hochwasserschutz im Gottleubatal durch den Bau der Talsperre realisiert. Die Staumauer ist 52 m hoch und 327 m lang, die Wasserfläche bedeckt 174 ha. Seine Bewährungsprobe bestand die Talsperre beim Jahrhunderthochwasser 2002. Dennoch entstanden im Stadtgebiet Schäden in einer Höhe von 6 Millionen Euro. Mit der Fertigstellung der Talsperre Gottleuba endete 1976 die knapp 71 Jahre währende Ära der Eisenbahn in Gottleuba. Die einst 1905 eröffnete Erweiterung der Nebenbahnstrecke Pirna–Berggießhübel nach Gottleuba beeindruckte durch ihre romantische Streckenführung entlang der Gottleuba. Berggießhübelwurde 1501 als "Gißhobel, das Dorf" erstmals erwähnt, 1450 betraf eine Abrechnung des Amtmanns von Pirna das Gottleubaer Vogteibergwerk Witeberg, nicht den Ort Gißhobel, der 1501 ersterwähnt ist. Für den Namen gibt es zwei Erklärungen: Bei Hey (Die slavischen Siedlungen im Königreich Sachsen – 1893) heißt es: „hubil” bedeutet so viel wie Bodenerhebung oder Hügel; das althochdeutsche „giozo”, mittelhochdeutsche „gieze” beziehungsweise süddeutsche „Gieß, Gießen” bedeutet so viel wie Wasserguss oder Wasserfall und käme somit nicht von alten Gießhütten her. Damit könnte unter Gießübel oder Gießhübel ein in die Luft hinausragender Gießstein beziehungsweise eine Wasserrinne gemeint sein. Schmidt hingegen ist in Landesverein Sächsischer Heimatschutz. –Band XVI. - 1927 der Auffassung, dass der Name die Bedeutung „Berg, wo Erz geschmolzen und gegossen wird” hat. Dass der Name bereits vor dem Beginn des Bergbaus in Berggießhübel bestand, ist eine Vermutung. Die Flur des späteren Berggießhübel war Besitz der Bergvogtei Gottleuba, Berggießhübel dürfte vor 1501 noch nicht existiert haben. Erst 1501 heißt es „Gishobell das durff”, erst 1542 ist vom „stetlein” die Rede, schließlich 1548 vom „stedtlein Bergk Gießhobel”. Kirchlich wurde es erst 1676 selbstständig. Im Dreißigjährigen Krieg kamen 1648 die Eisengruben und Hammerwerke fast vollständig zum Erliegen. 1717 wurde heilkräftiges Wasser beim Vortrieb eines Stollens gefunden. Die Quelle (Johann-Georg-Brunnen) begründete den Berggießhübler Badebetrieb. Fünf Jahre später wurde eine zweite Quelle („Friedrich- oder Sauerquelle” entdeckt. Es wurde ein neues Badehaus gebaut und die Stadt erhielt Schank-, Brau- und Jagdrechte. 1813 besetzten französische Truppen den Ort und richteten große Schäden an. Der Badebetrieb kam zum Erliegen. 1822 wurde der Badebetrieb durch Friedrich August Freiherr von Leyßer neu belebt. Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie von Pirna über Langenhennersdorf nach Berggießhübel am 17. Juli 1880 wurde die Region weiter erschlossen. 1905 wurde die Eisenbahn weiter bis nach Gottleuba geführt. Da Berggießhübel im sehr engen Gottleubatal liegt, war es schon immer von den Hochwässern des Flusses stark betroffen. Das Hochwasser von 1927 jedoch wurde zur Katastrophe für den Ort. In der Nacht vom 8. zum 9. Juli 1927 ergoss sich eine riesige Flutwelle über das Gottleuba- und das benachbarte Müglitztal. Dabei kamen im Gottleubatal etwa 130 Menschen ums Leben, darunter allein 88 in Berggießhübel. Der Wiederaufbau gab seit 1928 der Stadt sein Gepräge. 1934 wurde das „Kneipp-Kurbad-Berggießhübel” gegründet und damit das Wasserheilverfahren nach Pfarrer Sebastian Kneipp eingeführt. 1942 wurde die letzte Schicht auf der Prinzessinhöhe, Schacht 381 der Oberschlesischen Hüttenwerke Gleiwitz gefahren und damit eine über 700-jährige Bergbautradition beendet. Nach dem Krieg wurden 1945 die Wiederaufnahme des Kurbetriebes und der Ausbau zum bedeutendsten Kneippkurort der DDR begonnen. 1972 wurde Berggießhübel „Staatlich anerkannter Kneippkurort”. 1993 eröffnete die neue MEDIAN-Klinik auf dem Gelände des Gutes „Friedrichsthal”. 1999 schlossen sich die beiden Kurorte Berggießhübel und Bad Gottleuba zur Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel zusammen. 2006 zog mit der Eröffnung des Besucherbergwerks mit Heilstollen und binationaler Bildungsstätte "Marie Louise Stolln" nach genau 80 Jahren der Bergbau wieder in dieses historische Bergwerk ein. An Pfingsten 2006 gründete sich die Berggießhübler Knappschaft. Langenhennersdorf und BahraLangenhennersdorf wurde als „Hennici villa” 1356 erstmals erwähnt und 1404 der Markgrafschaft Meißen zugeordnet. Der Ort wurde zunächst zur Hälfte vom Kursächsischen Amt Pirna und zur anderen Hälfte vom Rittergut Cotta verwaltet. 1524 wurde Bahra erstmalig erwähnt. Der Name leitet sich vom althochdeutschen „bar” (so viel wie leer) und „para” (so viel wie Blöße, Waldblöße, abgetriebener Wald) her und bedeutet somit leere Fläche, Öde oder Waldblöße. Bahra wurde 1548 dem Rittergut Langenhennersdorf zugeordnet. 1649 erging eine Betriebsgenehmigung für einen Schmelzofen zur Eisenherstellung. 1838 erhielt Langenhennersdorf eine eigene Schule. 1971 wurden Bahra und Langenhennersdorf zu einer Gemeinde zusammengelegt und 1999 im Zuge der Gemeindegebietsreform in die Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel integriert. Die Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel bildet seit 1999 mit der Stadt Liebstadt und der Nachbargemeinde Bahretal eine Verwaltungsgemeinschaft und ist darin die erfüllende Gemeinde. Einwohner- und GrößenentwicklungBad Gottleuba
Berggießhübel
Bad Gottleuba-Berggießhübel
Zusammenstellung nach BLASCHKE 2003, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1961, SCHIFFNER 1840 und Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen, ab 1991: Stand zum 31.12. des jeweiligen Jahres (1): geschätzt nach überlieferten Hauszahlen aus dem 16. Jahrhundert, vgl. BLASCHKE 2003 PolitikDer Gemeinderat besteht aus 16 Ratsfrauen und Ratsherren.
(* Bürgerfraktion - 2 Sitze von CDU-Liste von März 2006 bis November 2006) (Wahlergebnisse vom 13. Juni 2004, Bürgerfraktion seit März 2006) Kultur, Bildung und SportSehenswürdigkeitenBad Gottleuba
Berggießhübel
Langenhennersdorf
Weitere Sehenswürdigkeiten
Kulturelles LebenEine der kulturellen Hauptattraktionen ist der jährliche Karneval (seit 1953 in Bad Gottleuba), der von den Karnevalsvereinen in Bad Gottleuba und in Langenhennersdorf getragen wird. Es gibt eine ganze Reihe weiterer kultureller Veranstaltungen, wie das Poststraßenfest in Bad Gottleuba, die Lichterfeste im Advent in Bad Gottleuba und in Berggießhübel, verschiedene Schützenfeste der Schützengesellschaft 1856 Berggießhübel e. V., Osterfeuer und Maibaumsetzen, Orts-, Heimat-, Vereinsfeste in den einzelnen Ortsteilen, Hauptstraßenfest mit Wildwasserrennen auf der Gottleuba in Berggießhübel, das Mühlenfest der Bähr-Mühle in Bad Gottleuba, Wandertage und Sonnenwendfeiern der Freiwilligen Feuerwehr und des Gebirgsvereins 1899 e. V. Berggießhübel sowie eine Vielzahl von Veranstaltungen des Kurortentwicklungs- und Förderverein Bad Gottleuba-Berggießhübel e. V.. SchuleDie Stadt unterhält eine Grundschule in Berggießhübel, die zweite Grundschule (Langenhennersdorf) wurde 2005 aufgrund der geringen Zahl an Neueinschulungen geschlossen. Die TRIA Immobilienanlagen- und Verwaltungsgesellschaft mbH Berlin führt im Gesundheitspark eine staatlich genehmigte Schule in freier Trägerschaft als Klinikschule. Außerdem unterhält das Berufliche Schulzentrum für Wirtschaft Pirna in Langenhennersdorf eine Außenstelle der Berufsschule mit einem beruflichen Förderschulteil. Hinzu kommt außerdem noch die Mittelschule in Bad Gottleuba, diese ist ab dem Schuljahr 2006/2007 die einzige Mittelschule in der Stadt Bad Gottleuba. Die Mittelschulen Rosental (2004) und Gersdorf (2006) wurden aufgrund des anhaltenden Schülermangels geschlossen und mit der Mittelschule zusammengelegt. SportBerggießhübel verfügt über ein Freibad, das Freizeit- und Erlebnisbad „billy”. Des Weiteren gibt es eine Reihe von Sportvereinen mit teils eigenen Sportanlagen sowie eine Skaterbahn in Markersbach. Die Sportvereine in der Stadt bieten die unterschiedlichsten Möglichkeiten für sportliche Betätigung von Fußball und Volleyball bis hin zum Wandern und Skaten. Die Schützengesellschaft 1856 Berggießhübel e. V. verfügt über eine eigene Schießanlage „Am Jagdstein” (für Groß- und Kleinkaliber). WissenschaftSeit 1957 betreibt das Institut für Geophysik der TU Bergakademie Freiberg in Berggießhübel in einem stillgelegten Stollen des Erzbergbaus ein Seismologisches Observatorium. Seit 1974 ist die Erdbeben-Station mit der Kennung BRG in das weltweite Netzwerk seismologischer Stationen integriert. Jährlich werden über 10.000 Ereignisse registriert, darunter Mikrobeben, Bergschläge und Sprengungen im Umfeld von bis zu 500 km. Erdbeben werden im globalen Maßstab registriert. Das Observatorium kann nach Anmeldung besichtigt werden. Wirtschaft und VerkehrWirtschaftDer wirtschaftliche Schwerpunkt der Stadt liegt im Fremdenverkehr und im Kurwesen. Darüber hinaus gibt es aber auch einige Produktionsbetriebe (zum Beispiel die Gesellschaft für Industrieautomation mbH in Berggießhübel, die MB Maschinenbau Berggießhübel GmbH für Werkzeugmaschinen, Steuerung und Zubehör) und eine Reihe von Händlern, Gastronomen und Hoteliers, Handwerkern und Dienstleistern sowie zwei Geschäftsstellen der Ostsächsischen Sparkasse Dresden (Bad Gottleuba, Berggießhübel) und eine der Volksbank Pirna (Berggießhübel). In den ländlichen Ortsteilen spielt auch die Landwirtschaft eine große Rolle. Hervorzuheben ist auch die ASCALON Gesellschaft für Innovation in der Medizintechnik mbH, die im Gewerbegebiet von Berggießhübel Hightech-Fasern für die Produktion von Dialyse-Filtern herstellt. VerkehrDie Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel erreicht man über die Staatsstraße 173 von Pirna, die weiter bis zur Grenzübergangsstelle (GÜST) Bahratal führt oder die Staatsstraße 174 ebenfalls von Pirna im Gottleubatal bis nach Berggießhübel und weiter nach Bad Gottleuba und vorbei an Oelsen nach Breitenau und dann nach Liebenau, Löwenhain, Geising und Zinnwald, wo sie schließlich am Grenzübergang in die Bundesstraße 170 /E 55 mündet. Sonstige Verkehrsanbindungen sind die Bundesautobahn 17 (A 17) Dresden–Prag (offizielle Eröffnung: 21. Dezember 2006), die Bundesautobahn 4 (A 4) Dresden–Chemnitz, die Bundesstraße 6 Dresden–Leipzig und die Bundesstraße 172 Pirna–Dresden. Der nächste Flugplatz liegt in Dresden-Klotzsche. Sportflieger können aber auch das Segelfluggelände von Pirna im Ortsteil Pratzschwitz nutzen. Bis 1976 verkehrte bis Bad Gottleuba eine Nebenbahn, welche 1880 bis Berggießhübel und 1905 bis Bad Gottleuba eröffnet worden war. 1973 wurde der Personenverkehr eingestellt. Bis 1976 wurde noch Baumaterial für die Talsperre Gottleuba transportiert, dann wurde die Strecke abgebrochen. Distanzen: (Ortseingang-Zentrum)
Nicht nur für Fremdverkehr und Kurgäste bedient der Kurliner (Citybus) mehrmals täglich mit einem Kleinbus die beiden Ortsteile Berggießhübel und Bad Gottleuba. Der Regionalverkehr wird durch die Verkehrsgesellschaft Sächsische Schweiz mbH mit den Linien von Pirna nach Bad Gottleuba beziehungsweise Bahratal sowie von Bad Gottleuba über Oelsen nach Breitenau realisiert. In Bad Gottleuba-Berggießhübel stehen insgesamt zwei verkehrsgeschichtlich interessante Kursächsische Postmeilensäulen.
Persönlichkeiten
Berühmte Badegäste
Kriege, Hochwasser und sonstige Katastrophen
Literatur
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