Bietigheim in Baden-Württemberg


Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rastatt
Koordinaten: 48° 55′ N, 8° 15′ O
Höhe: 121 m ü. NN
Fläche: 13,90 km²
Einwohner: 6042
Bevölkerungsdichte: 435 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 76462–76467
Vorwahl: 07245
Kfz-Kennzeichen: RA
Gemeindeschlüssel: 08 2 16 005
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Malscher Straße 22
76467 Bietigheim
Webpräsenz: www.bietigheim.de
Bürgermeister: Ernst Kopp (SPD)

Bietigheim ist eine Hardtgemeinde 7 km nördlich von Rastatt, 17 km südlich von Karlsruhe, westlich des Schwarzwaldes und östlich des Rheins, nahe zur Grenze Frankreichs.

Geografie

Bietigheim liegt in der 30 km breiten „Oberrheinischen Tiefebene”, die auf der einen Seite vom Schwarzwald und auf der anderen Seite von den französischen Vogesen begrenzt wird. Der Großteil der Ortschaft liegt auf dem Hochgestade, ein kleinerer Ortsteil befindet sich direkt an der Stufung zur Rheinniederung.

Nachbarorte

In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die Orte Ötigheim, Muggensturm, Malsch, Durmersheim, und Elchesheim-Illingen. Die nächstgelegenen Städte sind Baden-Baden, Ettlingen, Karlsruhe, Rastatt und Rheinstetten.

Geschichte

Die Endung -heim deutet darauf hin, dass Bietigheim eine fränkische Siedlung war. Die älteste urkundliche Erwähnung Bietigheims, stammt vom Kloster Weißenburg. Dort schreibt ein Abt Namens Edlin über die Besitzungen des Klosters Weißenburg in Bietigheim. Diese erste urkundliche Erwähnung im Jahre 991 ist jedoch nicht der Zeitpunkt der ersten Besiedlung des Ortes, dieser liegt viel früher. Seit ca. 4.500 v. Christus sind Funde einer steinzeitlichen Besiedlung der Region bekannt.

Zeittafel

  • 50 nach Christus Römer erobern und besiedeln das Gebiet am Oberrhein
  • Im 1. Jahrhundert nach Christus führte eine römische Militärstraße von Ladenburg nach Baden-Baden an Bietigheim vorbei.
  • 260 Alemannen siedeln sich an
  • 496 Franken übernehmen die Herrschaft über das Gebiet nördlich der Murg
  • Im 5./7. Jahrhundert werden in der Bietigheimer Umgebung Merowinger Reihengräberfriedhöfe angelegt.
  • 985 Der Salierherzog Otto eignet sich Besitzungen des Klosters Weißenburg in Bietigheim an
  • 991 sind Weißenburger Besitzungen in Bietigheim urkundlich erwähnt.
  • 1150 wird die Bietigheimer alte Kapelle erbaut, deren Turm noch aus dieser Zeit steht.
  • 1271 Erwirbt das Kloster Herrenalb Landbesitz in Bietigheim
  • 1291 Markgraf Hermann VII. von Baden erhält weißenburgische Besitzungen in Bietigheim
  • 1295 Erwähnung eines Ortsadels, Heinrich von Bütenkeyn
  • 1389 Verpfändung des Dorfes an das Kloster Lichtenthal
  • 1533 Teilung der Markgrafschaft Baden
  • 1584 Erwähnung einer Schule in Bietigheim
  • 1594 Markgrafschaft Baden-Baden ist bankrott, Baden-Durlach besetzt die obere Markgrafschaft
  • 1622 Die Truppen Tillys ziehen plündernd durch Baden
  • 1625-31 Hexenprozesse in der Marktgrafschaft Baden-Baden
  • 1632-34 Die Schweden besetzen die Markgrafschaft Baden-Baden
  • 1672-79 Französisch-Holländischer Krieg, seit 1674 auch am Oberrhein
  • 1689 Fast ganz Mittelbaden im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen zerstört
  • 1701-14 Spanischer Erbfolgekrieg
  • 1750 Auswanderungen nach Ungarn
  • 1733 Polnische Erbfolgekriege, Plünderungen in Durmersheim durch französische Truppen.
  • 1769/70 Dauerregen, Überschwemmungen, Missernten, viele Auswanderer.
  • 1771 Wiedervereinigung der Markgrafschaft Baden
  • 1789 Französische Revolution, Unruhen in Baden
  • 1792-97 1. Koalitionskrieg gegen Frankreich
  • 1794 Missernte und Typhusepidemie
  • 1795 Ausbruch der Rinderpest
  • 1796 Besetzung durch befreundete österreichische Truppen
  • 9. Juli 1796 Schlacht bei Malsch, Französische Linie stand in Bietigheim
  • 1810 Auswanderungen nach Russland, als Folge der Koalitionskriege
  • 1848/49 Deutsche Revolution, die Preußen kommen im Juni 1849
  • 1849 Auswanderungen nach Amerika, als Folge der badischen Revolution
  • 1850 Revolutionär Joseph Augenstein wird des Hochverrats angeklagt
  • 1863 Einweihung der neuen katholischen Pfarrkirche durch Bischof Freiherr Wilhelm Emmanuel von Ketteler aus Mainz
  • 1866 Baden unterstützt Österreich im Krieg gegen Preußen
  • 1870/71 Krieg gegen Frankreich
  • 1904 Erste Postagentur in Bietigheim
  • 1950 Produktion von exklusiven Sportcabriolets durch "Veritas Badische Automobilwerke GmbH" in Bietigheim
  • 1963 Der 5000. Einwohner
  • 1966 Einweihung des katholischen Gemeindehauses
  • 1972 Einweihung der neuen Hauptschule
  • 1975 Rüdiger Schäfer wird jüngster Bürgermeister Baden-Württembergs
  • 1977 Einweihung des evangelischen Gemeindezentrums
  • 1978 Bau der Mehrzweckhalle
  • 26. Dezember 1999 Schwere Verwüstungen durch den Orkan Lothar

Ortsnamen

Im Laufe der Geschichte hatte Bietigheim unterschiedliche Bezeichnungen unter anderem waren dies:

Biutincheim, Bütenkeyn, Biticken, Bitingen

Einwohnerentwicklung

  • 991 ca. 80 Einwohner
  • 1683 ca. 200 Einwohner (125 Kinder bei der Kommunion)
  • 1701 ca. 220 Einwohner
  • 1714 ca. 260 Einwohner, 50 katholische Familien und 1 evangelische Familie
  • 1803 639 Einwohner
  • 1813 850 Einwohner, davon 145 Bürger
  • 1836 1267 Einwohner
  • 1843 1482 Einwohner, 1479 katholische und 3 evangelische Einwohner
  • 1862 1688 Einwohner
  • 1871 2031 Einwohner
  • 1905 2821 Einwohner
  • 1922 3300 Einwohner
  • 1933 3495 Einwohner
  • 1946 3319 Einwohner
  • 1955 4066 Einwohner
  • 1963 5000 Einwohner
  • 1984 5127 Einwohner
  • 1990 5671 Einwohner
  • 2000 5917 Einwohner
  • 2005 6042 Einwohner

Spitzname

Die Bewohner Bietigheims nennen sich selbst die "Bietjer". Wie in fast jeder Gemeinde in dieser Region haben auch die Bietigheimer einen Spitznamen: Sie werden "Kieholzbuwe" genannt. Der Spitznamen kommt aus Zeiten in denen die Bietigheimer noch überwiegend von der Landwirtschaft lebten und über jeden Zusatzverdienst in den schlechten Zeiten froh waren. Die Bietigheimer, aber nicht nur diese, ließen sich dabei etwas besonderes einfallen, sie verkauften Kienholz. Das Kienholz wird aus dem Wurzelstock der Kiefer gewonnen, und dient zum Anzünden von Holzfeuern und zum Vertreiben von Motten. Auf der Gemarkung von Bietigheim wuchsen in früheren Zeiten sehr viele Kiefern, die von den Einwohnern zur Harzgewinnung angezapft wurden. Fällte man eine Kiefer, so blieb ihr Wurzelwerk noch einige Jahre im Boden, damit sich der Wurzelstock mit Harz anreichern konnte. Anschließend wurde dieser ausgegraben und unter großer Mühe in die Höfe verbracht. Dort zerteilte man das harzgetränkten Wurzelholz mit Axt, Hammer und Säge in kleine Stücke, die man zu Bündel a 10 Stück schnürte. Diese Bündel wurden dann in den angrenzenden Städten Rastatt, Karlsruhe und Baden-Baden am Wochenmarkt, an Gaststätten, an Zwischenhändler oder schlicht von Haus zu Haus verkauft. Der Verdienst lag in den zwanziger Jahren bei rund 5 Pfennig pro Bündel Kienholz, was am Tagesende einen einträglichen Verdienst darstellte. Heute gibt es in Bietigheim keinen Kienholzhandel mehr, aber der Spitzname ist geblieben.

Politik

Bürgermeister von Bietigheim ist Ernst Kopp (SPD)

1. Stellvertreter ist Hans-Walter Negwer (CDU)
2. Stellvertreter ist Willi Renkert. (FWG)

Ernst Kopp ist Mitglied des Kreistages.

Parteien:

  • BVB Bürgervereinigung Bietigheim
  • CDU Christlich Demokratische Union
  • FWG Freie Wählervereinigung Bietigheim
  • SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands

Wappen

In Bietigheim ist seit 1610 ein Wappen bekannt.

Das heutige Wappen beruht auf einem Entwurf des Generallandesarchiv von 1900 und wird seit Juni 1906 in der Gemeinde verwendet. Das Wappen ist eine neue Zusammenstellung des Wappens von 1610 mit Schild und Kreuz und ist in den badischen Farben gehalten.

Gemeindepartnerschaften

Bietigheim unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu

  • Saltara in Italien und
  • Kaposszekcsö in Ungarn.

Wirtschaft und Infrastruktur

Bietigheim ist überwiegend eine Wohngemeinde für Pendler in die Städte Karlsruhe, Rastatt und das Murgtal.

In vergangenen Zeiten war Bietigheim ein bäuerlich geprägtes Dorf das sich durch den Anbau von Kartoffeln, Getreide und die Viehzucht auszeichnete.

Durch die zentrale Lage im Zentrum Europas und die gute Verkehrsanbindung ist Bietigheim ein guter logistischer Standort für Speditionen geworden, welche sich im Industriegebiet angesiedelt haben.

Verkehr

Die Bundesstraße B 3 geht durch die Bietigheimer Gemarkung, genauso wie die Bundesautobahn A 5.
Mit der Verlegung der B 36 im Oktober 2006 nach Osten wurde die Gemeinde erheblich vom Durchgangsverkehr entlastet, verlor dadurch aber auch an Bedeutung als zentraler Ort und Verkehrsknotenpunkt zwischen den Gemeinden Ötigheim, Durmersheim, Steinmauern und Muggensturm.

Die Straßenbahn des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV, AVG) hält in Bietigheim. Ferner befindet sich in Bietigheim eine der elf Rapsöl-Tankstellen Baden-Württembergs.

Ansässige Unternehmen

Neben vielen kleineren Unternehmen des Mittelstandes ist vor allem Lidl mit einem Zentrallager ein großer Arbeitgeber.

Bildung

Die Gemeinde hat neben zweier Kindergärten St. Gabriel und St. Michael, eine Grundschule und eine Haupt- und Werkrealschule. Weiterführende Schulen sind in der Nachbargemeinde Durmersheim und in Rastatt zu finden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Gemeinde erreichte im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft” im Jahre 2003 den 1. Preis und im Jahre 2006 den 2. Preis.

Direkt an der "Badischen Spargelstraße" gelegen, kann man während der Spargelsaison in der lokalen Gastronomie, sowohl die gute badische Küche, als auch kulinarische Köstlichkeiten rund um das Edelgemüse genießen.

Eine besondere touristische Sehenswürdigkeit ist der grenzüberschreitende "PAMINA-Rheinpark", ein Ökomuseum, das wissenswertes über die Lebensräume des Oberrheins vermittelt. Ein gut ausgeschildertes Radwegenetz führt durch die einzigartige Auenlandschaft hin zu den Stationen und Museen an beiden Seiten des Rheins.

Das Wahrzeichen von Bietigheim ist die alte Kapelle, die im Jahre 1150 erbaut wurde. Die Kirche stellt die älteste erhaltene Kirche der Hardt dar und beinhaltet einen Taufstein aus dem 13. Jahrhundert.

Religionen

Bietigheim ist überwiegend römisch-katholisch geprägt, es gibt aber auch eine evangelische Kirche im Ort.

Durch den Beschluss des Augsburger Religionsfriedens, nachdem der Landesfürst die Religion der Untertanen bestimmen konnte, wechselte Bietigheim des öfteren die Religionszugehörigkeit. Im Zeitraum von 1534 bis 1634 wechselte die Glaubensrichtung achtmal, um schließlich katholisch zu bleiben.

1714 gab es in Bietigheim einen evangelischen Einwohner. 1846 gab es in Bietigheim drei evangelische erwachsene Einwohner.

Bauwerke

Das die Ortschaft überragende Bauwerk ist die in der Umgebung höchste katholische Kirche Heilig Kreuz von 1863.

Ferner gibt es eine alte Kapelle von 1150, die 1748 nach Plänen von Johann Peter Ernst Rohrer ein barockes Aussehen erhalten hat.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jährlich findet im August das Bietigheimer Volksfest statt.

Alle zwei Jahre findet seit 1978 inmitten des Ortskerns, rund um die Kirche, das Dorffest am ersten Wochenende im September statt.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Joseph Augenstein war Rebstockwirt in Bietigheim und in die Wirren der badischen Revolution involviert.
  • Willi Dürrschnabel, Spieler beim Karlsruher SC
  • Kevin Immler, Weltmeister im motorisierten Schlauchbootfahren 2004 in Lissabon
  • Laura Bertsch, Europameisterin im Schlauchbootfahren 2006 in Lissabon. 3. Platz in der Weltmeisterschaft in Catania in der Disziplin Manöverfahren.

Namen

Die 10 häufigsten Nachnamen in Bietigheim sind: Bertsch, Dürrschnabel, Ganz, Hartmann, Heck, Hettel, Jung, Kühn, Matz, Schmitt und Volz.

Ansonsten findet man neben anderen noch viele Namen wie: Arand, Bauer, Beckert, Deck, Dreixler, Essig, Hammer, Herm, Kambeitz, Klumpp, Kölmel, Mockert, Müller, Pfaff, Pfirrmann, Rapp, Rastätter, Rittler, Schenkel, Schorpp, Schröder, Speck, Stemmle, Stoll, Strotz, Trickel, Weber und Westermann.

In früheren Zeiten fanden sich noch folgende ausgestorbene oder ausgewanderte Familiennamen: Asprian, Dung, Hahn, Herbst, Koppert, Lausch, Natalis und Scheider

Die frühesten Familien am Ort erwähnten Familiennamen sind:

  • 1533 Dürrschnabel (Thürschnabel), Heck, Wendel,
  • 1561 Dürrschnabel, Gutz, Scheffer, Hettel (Hedel)
  • 1563 Götzmann
  • 1565 Daub, Dürschnabel, Jung

Vereine und Organisationen

In Bietigheim sind ca. 40 Vereine und Organisationen eingetragen. Den Bürgern wird eine Vielzahl an Möglichkeiten geboten, sich in sportlicher, kultureller bzw. sozialer Art und Weise zu engagieren.

Literatur

  • Uwe Rummel: 1000 Jahre Bietigheim. Aus der Geschichte eines Hardtdorfes. (Hrsg. von der Gemeinde Bietigheim), Dürrschnabel, Elchesheim-Illingen 1991, ISBN 3-87989-215-6.
  • Der Landkreis Rastatt, Jan Thorbecke Verlag Stuttgart 2002, ISBN 379951364-7



Texte und Bilder stammen ganz oder teilweise aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht somit ganz oder teilweise unter der GNU Lizenz. Eine Liste der Autoren und Fotografen, sowie den Originaltext finden Sie hier.

Informationsportal über Bietigheim in Baden-Württemberg - 23.5.2012