Binz in Mecklenburg-Vorpommern


Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Rügen
Koordinaten: 54° 24′ N, 13° 36′ O
Höhe: 7 m ü. NN
Fläche: 25,22 km²
Einwohner: 5461
Bevölkerungsdichte: 217 Einwohner je km²
Postleitzahl: 18609
Vorwahl: 038393
Kfz-Kennzeichen: RÜG
Gemeindeschlüssel: 13 0 61 005
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Jasmunder Straße 11
18609 Binz
Webpräsenz: www.gemeinde-binz.de
Bürgermeister: Horst Schaumann
Lage der Gemeinde Binz im Landkreis Rügen

Binz ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Rügen in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland).

Geografie

Binz liegt an der Ostküste der Insel Rügen zwischen der Bucht Prorer Wiek und dem Schmachter See. Nördlich von Binz erstreckt sich die Schmale Heide, eine Landzunge, die den Hauptteil Rügens mit der Halbinsel Jasmund verbindet. Östlich und südlich der Gemeinde ist das Gebiet hügelig, im Südosten werden in der Granitz Höhen knapp über 100 m ü. NN erreicht. Zu Binz gehört der Ortsteil Prora.

Geschichte

Fischer- und Bauerndorf

1318 wurde der Ort erstmals als Byntze in einer Steuererhebung der Grafschaft Streu erwähnt. Siedlungskern war die heutige mittlere Bahnhofstraße und die Rabenstraße, daneben existierten die Einzelgehöfte Granitz-Hof und Aalbeck. Kirchdorf und Zentrum des Kirchspiels war Zirkow.

Eine erste Andeutung der späteren Bedeutung als Ostseebad ergab sich bereits um 1830, als Gäste des Fürsten zu Putbus an der Mündung der Ahlbeck badeten. 1835 wurde eine einklassige Schule eingerichtet. Um 1850 durften Binzer Bauern das bis dahin vom Fürsten zu Putbus gepachtete Land kaufen.

Entwicklung zum Ostseebad

Ab 1860 fanden sich vereinzelte Badegäste im Dorfkrug ein. Um 1870 werden schon 80 Badegäste im Jahr gezählt. 1876 wurde das erste Hotel gebaut. Im gleichen Jahr entstand die erste Verbindungsstraße vom Dorf zum Strand (Putbuser Straße). 1880 ließ Wilhelm Klünder das Strandhotel als erstes Hotel in Strandnähe errichten, 1884 wurde Binz offiziell Badeort.

1888 wurde die „Aktiengesellschaft Ostseebad Binz” gegründet, die 1901 in Konkurs ging.

1892 erlangte Binz die Stellung einer selbständigen Landgemeinde.

Es folgte eine rege Bautätigkeit. 1893 wird das erste Kurhaus und der Kaiserhof gebaut. 1895 folgte der Bau der Kleinbahnstrecke Putbus-Binz und die Anlage der Strandpromenade, 1898 schließlich der Bau der ersten Post (Haus Kliesow, Hauptstraße). Am Strand wurden getrennte Damen- und Herrenbäder angelegt.

Im Jahr 1902 wurde eine 600 Meter lange Seebrücke erbaut. Weitere Infrastrukturmaßnahmen waren die Errichtung einer Trinkwasserversorgung und Kanalisation (1903) und der Bau eines Elektrizitätswerkes (Jasmunder Straße).

Mit der Zerstörung der Seebrücke durch Sturm in der Neujahrsnacht 1905 und dem Brand des Kurhauses 1906 erfolgten Rückschläge. Nach dem Wiederaufbau der Seebrücke wurde 1908 auch ein neues Kurhaus erbaut. Zugleich entstand ein Familienbad.

1912 stürzte ein Brückenteil der Seebrücke ein, wobei 17 Menschen ums Leben kamen.

1913 wurde die evangelische Kirche eingeweiht, 1928 das neue Postgebäude eingeweiht (Zeppelinstraße).

Nach und nach verschwanden die am Strand errichteten Badeanstalten. 1922 wurde das Herrenbad, 1932 als letztes das Familienbad abgerissen.

Nationalsozialismus

Im Jahr 1937 begannen die umfangreichen Arbeiten am KdF-Seebad Prora, das zum größten und modernsten Seebad Europas ausgebaut werden sollte. Im gleichen Jahr wurde der Kurplatz neu angelegt. 1938 wurde das Bahnhofsgebäude Binz (heute DB) erbaut, 1939 erfolgte die Eröffnung der Bahnlinie Lietzow-Binz.

Durch Eisgang wurde 1942 die Seebrücke wieder zerstört. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges trafen Binz insofern, als dass 1945 Hotels, Pensionen und Villen durch Flüchtlinge und Umsiedler belegt wurden.

DDR

1950 wurde Binz Bad der SDAG Wismut. Die unterbrochenen Arbeiten an den Gebäuden des KdF-Bades werden nach 1950 fortgesetzt, um Kasernen für die Volkspolizei zu schaffen, die später durch die Nationale Volksarmee genutzt wurden.

1952 wurde die Bahnstrecke Lietzow–Binz wieder in Betrieb genommen.

Im Jahr 1953 fand auch in Binz die „Aktion Rose” statt. Besitzer von Hotels, Pensionen und Häusern in Binz wurden willkürlich kriminalisiert, verhaftet und enteignet. Der FDGB übernahm 1956 mit dem Seeschloß das erste Ferienheim in Binz. Ab 1972 wurden für den FDGB noch weitere Ferienheime (z. B. Haus Arkona, Haus Rügen, Haus Rugard) errichtet. Es entstand nördlich des bisherigen Ortes ein Wohngebiet in Plattenbauweise, welches das gewachsene Ortsbild beeinträchtigt.

Zeit ab 1990

Mit den gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR und der deutschen Wiedervereinigung ergaben sich auch für Binz deutliche Veränderungen.

Viele der alten Villen an der Strandpromenade und im gesamten Ort wurden an die früheren Eigentümer zurückübertragen. Es setzte eine Welle von Sanierungen, Rekonstruktionen und Neubauten ein. Auch die ehemaligen Ferienheime des FDGB wurden privatisiert und völlig modernisiert.

Daneben entstanden zahlreiche neue Gebäude sowohl an der Peripherie als auch im Ortszentrum. Die Straßen und Bürgersteige wurden umfangreich instand gesetzt, die Strandpromenade in Richtung Prora verlängert. Der Kurplatz erhielt eine neue Gestaltung.

1990 wurde der Fremdenverkehrsverein Binz e. V. gegründet. 1994 wurde die neue Seebrücke eingeweiht, die die 1942 zerstörte Brücke ersetzt.

In der Jasmunder Straße wurde 1998 die neue Gemeindeverwaltung eingeweiht. Im Jahr 2000 wurde das Haus des Gastes und 2002 der Kurpark Binz eröffnet. 2003 wurde die Promenade am Schmachter See und der Park der Sinne eingeweiht.

Wappen

Blasonierung: „In Gold zwei erniedrigte schwarze Wellenbalken; auf dem oberen schwimmt ein roter Kahn, aus dem ein zwiegeschwänzter schwarzer Löwe mit roter Krone, ausgeschlagener roter Zunge und roter Bewehrung wächst.”

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswert sind das Jagdschloss Granitz und die Bäderarchitektur entlang der Promenade an der Ostsee, die Seebrücke, die Schmachter See-Promenade (wurde 2003 restauriert), der Park der Sinne, der Kurpark und das Binz Museum.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Binz liegt am Endpunkt der Bahnlinie von Stralsund über Bergen auf Rügen sowie an der Dampfschmalspurbahn Rasender Roland von Putbus nach Göhren (auch über Sellin und Baabe).

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Ulrich Müther (* 1934), deutscher Architekt, Bauingenieur und Bauunternehmer

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Wolfgang Schnur (* 1944), deutscher Politiker, war zwischen 1973 und 1978 in Binz als Rechtsanwalt tätig
  • Kathrin Grünke (* 1957), eine der wichtigsten Vertreter deutscher Fayencekunst und noch heute in Binz tätig



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Informationsportal über Binz in Mecklenburg-Vorpommern - 23.5.2012