Borkum in Niedersachsen


Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Leer
Koordinaten: 53° 35′ N, 6° 40′ O
Höhe: 6 m ü. NN
Fläche: 30,74 km²
Einwohner: 5547
Bevölkerungsdichte: 180 Einwohner je km²
Postleitzahl: 26757
Vorwahlen: 0 49 22
Kfz-Kennzeichen: LER
Gemeindeschlüssel: 03 4 57 002
Adresse der
Stadtverwaltung:
Neue Str. 1
26757 Borkum
Webpräsenz: www.stadt-borkum.de
Bürgermeister: Kristin Mahlitz (parteilos)

Borkum ist die westlichste und mit knapp 31 km² die größte der sieben Ostfriesischen Inseln. Sie liegt nördlich der Emsmündung, der niederländischen Küste näher als dem deutschen Festland. Borkum hat etwa 5.500 Einwohner. Die Nachbarinseln sind Rottumeroog (Niederlande) im Westen sowie Juist und die Kachelot-Plate im Osten.

Die Insel und das angrenzende Watt gehören zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Borkum ist seit 1830 Badeort und hat vier bewachte Badestrände.

Die Geschichte Borkums

Die ersten urkundlichen Erwähnungen der Insel Borkum erfolgten im Jahr 1227 als Borkna und am 11. September 1398 als Borkyn. Ab dem Ende des 14. Jahrhunderts wurde Borkum von den ostfriesischen Häuptlingen regiert. Ab 1464 übernahmen die Grafen von Ostfriesland die Regentschaft.

Nach dem Tod von Fürst Carl Edzard, dem letzten männlichen Vertreter des Hauses Cirksena, fiel Ostfriesland, und damit Borkum, 1744 auf Grund der 1694 von Kaiser Leopold I. dem Kurfürsten von Brandenburg.

Verkehr

Bahn

Die 7,5 km lange, zweigleisige Inselbahnstrecke mit einer Spurweite von 900 mm wurde 1888 fertiggestellt und verbindet den Ort mit dem Fähranleger. Neben dem Bahnhof im Ortskern gibt es die Haltestellen „Jakob-van-Dyken-Weg” und „Borkum-Reede”. In den 1940er Jahren gab es neben der „Hauptbahn” auch zahlreiche militärisch genutzte Feldbahnstrecken, die den Inselort mit verschiedenen Festungsanlagen verbanden. In den 1970er Jahren geriet die Kleinbahn in wirtschaftliche Turbulenzen, doch nahm die Bedeutung dieser Bahn in Folge des immer stärker werdenden Tourismus zu, so dass in den 1990er Jahren zahlreiche Neuanschaffungen im Fuhrpark getätigt wurden.

Bus

Daneben gibt es einen regelmäßigen, tagsüber etwa stündlichen Busverkehr annähernd parallel zur Kleinbahnstrecke. Einige Busse verkehren bis zum Ortsteil Ostland, der von der Bahnlinie nicht bedient wird.

Schiffsverkehr

Der Verkehr zum niedersächsischen Festland nach Emden Außenhafen findet mit Autofähren statt. Die Fahrzeit beträgt etwa 2,5 Stunden. Daneben gibt es Katamaran-Fähren, in denen Passagiere in etwa einer Stunde die selbe Strecke zurücklegen können. In Emden Außenhafen haben die Fähren Bahnanschluss Richtung Emden und weiter Richtung Süden, Osten und Norden.

Der niederländische Hafen Eemshaven wird ebenfalls durch Autofähren angesteuert. Alle diese Fahrten werden von der AG Ems durchgeführt. Die Fahrpläne sind tideunabhängig, d.h. die Abfahrtzeiten sind nicht von den Gezeiten abhängig.

Daneben gibt es auf Borkum mehrere Schiffe, die für Ausflugsfahrten, beispielsweise zu den Nachbarinseln, genutzt werden. Das größte dieser Schiffe ist die Wappen von Borkum.

Flugverkehr

Östlich der Stadt Borkum gibt es einen Verkehrsflughafen, der im Linienverkehr von Emden aus angeflogen wird. Die Flugzeit beträgt etwa 15 Minuten. Außerdem wird der Flughafen von Privatflugzeugen benutzt.

Vom Strandgut zum Tourismus

Die Insel galt während der Hansezeit als Fluchtort von Piraten.

Mit den Grafen von Ostfriesland lagen die Inselbewohner im ständigen Streit in Bezug auf die Zahlung von Anteilen an Strandungsgütern, die zu dieser Zeit nahezu die einzige Einnahmequelle der Borkumer darstellten.

Im 17. Jahrhundert brachte der Walfang vielen Borkumern, die meistens auf niederländischen Walfangschiffen als erfolgreiche Kapitäne und Harpuniere tätig waren, einen gewissen Wohlstand ein. Viele Straßennamen auf Borkum, aber auch aus Walkiefern hergestellte Zäune (der imposanteste „Walfischzaun” umfasst das ehemalige Haus von Roelof Gerrits Meyer, der mit seiner Mannschaft auf 42 Fahrten rund 270 Wale erlegte) und ähnliche Relikte zeugen von dieser Zeit. Im 18. Jahrhundert jedoch ließ der Walfang zunächst nach und wurde auf Grund des holländisch-englischen Seekriegs endgültig eingestellt. In der Folge setzte auf der Insel die Armut ein, und viele Einwohner verließen ihre Heimat. Die Einwohnerzahl erreichte gegen 1811 einen Tiefstand von rund 400 Personen.

Nach dem kurzen Intermezzo der napoleonischen Herrschaft in der Zeit von 1810 bis 1813 kamen ab 1834 die ersten Urlauber, hauptsächlich begüterte Bürger aus Emden, auf die Insel. Zehn Jahre später, 1844, wurden die ersten Badeeinrichtungen errichtet. Man begann, den Tourismus als Einnahmequelle zu entdecken.

Seither ist die Zahl der Touristen, die Borkum als Urlaubs-, Erholungs- und Kurziel wählen, kontinuierlich angestiegen. Während 1850, als man mit der Registrierung der Urlauber begann, noch 252 Besucher gezählt wurden, waren es 2003 etwa 270.000.

Borkum nahm im Rahmen des so genannten Bäder-Antisemitismus lange vor 1933 eine Spitzenstellung bei der Ausgrenzung jüdischer Gäste ein. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg waren antisemitische Zwischenfälle zu verzeichnen. Diese häuften sich, als von 1920 an der „Borkum-Pastor” und spätere „Reichsredner der NSDAP” Ludwig Münchmeyer mit aggressiven Hetzreden auftrat. Im antisemitischen „Borkum-Lied”, das die Kurkapelle mit Billigung des Gemeinderates intonierte, hieß es:

Borkum, der Nordsee schönste Zier,
bleib du von Juden rein,
laß Rosenthal und Levinsohn
in Norderney allein.

Mit dem offen zur Schau getragenen Antisemitismus gewann Borkum „völkisch-nationale” Gäste und setzte Rassenhetze im Konkurrenzkampf gegen das Seebad Norderney ein.

Entstehung der Insel

Borkum ist aus ursprünglich zwei, noch 1863 durch einen Priel getrennten Inseln, dem West- und Ostland, zusammengewachsen. Das Tüskendör („Zwischendurch”) zeigt heute die alte Nahtstelle an. Die beiden Inselteile weisen deutlich die hufeisenförmige Gestalt der konzentrisch verlaufenden Dünenketten auf, die zum Randzel-Watt hin offen sind. Das Innere der Dünenbogen ist mit eingedeichten Marschen aus größtenteils Grünland und Salzwiesen vor dem Seedeich ausgefüllt. Die Dünenketten des Westlandes werden mit Dünendeckwerken und Buhnen geschützt. Im Westen der Insel liegt die Greune Stee („grüne Stelle”), ein ausgedehnter Sumpfwald, der an trockenen Stellen von Dünen durchzogen ist.

Stadt Borkum

Zur Stadt Borkum gehören der gleichnamige Ort im Westen der Insel sowie die kleineren Ortsteile Ostland (im Osten der Insel) und Reede (im Südosten am Hafen). Borkum gehört zum Landkreis Leer in Niedersachsen. Sie verfügt als staatlich anerkanntes Nordseeheilbad über zahlreiche Kureinrichtungen. Im Ortskern von Borkum gelten für private Kraftfahrzeuge saisonale Verkehrssperren (in der Regel Mitte März bis Ende Oktober und etwa drei Wochen zum Jahreswechsel). In diesen Zeiten sind Fahrten nur mit einer Sondergenehmigung erlaubt.

Politik

Nach den Ergebnissen der Kommunalwahl vom 10. September 2006 ist die Verteilung der 17 Sitze im Stadtrat folgendermaßen:

  • CDU: 6 Sitze
  • SPD: 4 Sitze
  • Pro Borkum: 2 Sitze
  • Grüne: 2 Sitze
  • FDP: 1 Sitz
  • Unabhängige Insulaner: 1 Sitz
  • Bürgermeisterin: 1 Sitz

Besonderheiten

  • Erster elektrischer Leuchtturm Deutschlands

Der in den Jahren 1887 bis 1889 errichtete „Kleine Leuchtturm Borkum”, oft auch nur kurz „Der Elektrische” genannt, war der erste für den elektrischen Betrieb gebaute Leuchtturm in Deutschland. Er wurde im Sommer 2003 außer Dienst gestellt, da sich die Fahrwasser im Bereich der Emsmündung durch Sandverlagerung verändert hatten.

  • Erste Küstenfunkstelle der Welt

Zwischen Borkum, dem Feuerschiff „Borkumriff” (bis 1988 ca. 30 km nordwestlich der Insel verankert) und dem NDL Passagierdampfer Kaiser Wilhelm der Große wurde im Jahr 1900 der erste amtliche regelmäßige Funkdienst der Welt als Schiffsmeldedienst eingerichtet. Zudem konnten passierende Schiffe hierüber Seetelegramme abgeben.

  • Erste erfolgreiche Raketenstarts auf über 2 km Höhe

Am 19./20. Dezember 1934 wurden zwei Exemplare der A2-Rakete, genannt „Max” und „Moritz”, in der Nähe der Ostbake gestartet. Die vom Raketenpionier Wernher von Braun entwickelten Flüssigkeitsraketen waren weltweit die ersten, die eine Höhe von über 2 km erreichten; sie legten den Grundstein für die späteren Großraketen.

  • Größte Jugendherberge Europas

In den Gebäuden der ehemaligen Marine-Seemannschaftslehrgruppe der Bundeswehr, die bis in die 1990er Jahre ein bedeutender Marinestützpunkt und größter Arbeitgeber der Insel war, betreibt das Deutsche Jugendherbergswerk seit Oktober 1996 die Jugendherberge „Am Wattenmeer”. Mit 530 Betten und einem rund zwanzig Hektar großen Gelände ist sie die größte ihrer Art in Europa.

  • Schwimmbad „Gezeitenland”

Das ehemals größte Meerwasser-Wellenhallenbad in Europa wurde umgebaut und wird seit Sommer 2005 als modernes „Freizeitbad” bzw. „Spaßbad” genutzt. Eine Wellenfunktion gibt es jetzt nicht mehr.

  • Einzige noch betriebene zweigleisige Schmalspurbahn Deutschlands

Auf Borkum verkehrt eine traditionsreiche Kleinbahn auf 900mm-Spur vom Hafen zum Stadtkern. Die Borkumer Kleinbahn ist die einzige noch betriebene zweigleisige der deutschen Schmalspurbahnen.

  • Nordwestlichster Landpunkt Deutschlands

An der Strandpromenade zwischen dem Nordbad und dem Jugendbad liegt der nordwestlichste Landpunkt Deutschlands. Er ist durch einen symbolischen Grenzpfosten markiert und mit Informationstafeln versehen.

  • Klaasohm

Klaasohm ist ein Brauch aus der Zeit der Walfänger. Er wird in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember auf der Insel gefeiert.

  • Öy

Auf Borkum grüßen sich Jugendliche und des öfteren auch die älteren Einwohner Borkums mit dem Wort „Öy”.

Wirtschaft

Rund 45 Kilometer vor der ostfriesischen Insel wird der erste große Offshore-Windenergiepark in der deutschen Nordsee entstehen. Es ist die Aufstellung von zwölf Windenergieanlagen der 5-MW-Leistungsklasse bis 2008 geplant. Das Investitionsvolumen beträgt nach derzeitigen Planungen rund 175 Millionen Euro.

Literatur

  • Karl Herquet: „Die Insel Borkum”. in kulturgeschichtlicher Sicht. Schuster Reprint, ISBN 3-7963-0096-0
  • Frank Bajohr: „Unser Hotel ist judenfrei”. Bäder-Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert. fibu 15796, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-15796-X



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Informationsportal über Borkum in Niedersachsen - 23.5.2012