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Eberswalde (1970–1993 Eberswalde-Finow) ist die Kreisstadt des Landkreises Barnim im Nordosten des Landes Brandenburg und dem Rheinland mit ihren Familien ein. Der wieder einsetzende wirtschaftliche Aufschwung führte zwischen 1743 und 1746 zum erneuten Ausbau des Finowkanals, der sowohl als Verkehrsweg wie auch als Energiequelle große Bedeutung für die Stadt und die Industrie gewann. Mit dem Kanal entstand ein Wasser- und Schifffahrtsamt. Auf dem Kupferhammer der Stadt ist der Kessel für die erste 1785 in Deutschland in Betrieb genommene Dampfmaschine hergestellt worden. Eberswalde als LuftkurortNeben der Entwicklung Eberswaldes als Industriestandort bildete sich der Ruf der Stadt als Bade- und Luftkurort sowie als Waldstadt heraus. Ab 1750 wurde ein Gesundbrunnen betrieben. Es gab zahlreiche Versuche, die eisenhaltigen Quellen für einen Kur- und Bäderbetrieb zu nutzen. Dem Profil eines Kur- und Erholungsortes diente auch ab 1795 die Schaffung von Promenaden und Schmuckanlagen. 1898 ist der Badebetrieb wegen Unrentabilität eingestellt worden und Eberswalde verlor seinen Ruf als Badestadt. Luftkurort jedoch blieb die Stadt auch weiter. Am 1. Mai 1830 ist auf Grund der ausgedehnten Wälder der Umgebung die Forstakademie von Berlin nach Eberswalde verlegt worden. Der praxisbezogene Unterricht in den forstlichen Lehrrevieren und die wissenschaftlichen Leistungen der hier wirkenden Forstwissenschaftler begründeten Eberswaldes Ruf als Waldstadt. IndustriezeitalterDie industrielle Entwicklung ab Mitte des 19. Jahrhunderts fand ihren Niederschlag in der Gründung zahlreicher Fabriken (1851 Landmaschinenfabrik, 1852 Dachpappen- und Asphaltwerke, 1858 Seidenwarenfabrik, 1869 Hufnagelfabrik, 1883 und 1893 Eisengießereien, 1902 Ardeltwerke, heute Kranbau GmbH). Am 23. November 1877 fand die Inbetriebnahme des ersten Fernsprechapparates in Deutschland zwischen Eberswalde und der Postagentur Schöpfurth, dem heutigen Finowfurt statt. Mit der sich beschleunigenden Industrialisierung wurde die Stadt zu einem Eisenbahnknotenpunkt ausgebaut. Am 30. Juli 1842 ist die Bahnverbindung nach Berlin und am 15. August 1843 nach Stettin fertig gestellt worden, 1866 nach Bad Freienwalde und Frankfurt (Oder), 1898 nach Templin sowie 1907 nach Schöpfurth (Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn). Am 7. Januar 1878 wurde die königliche Hauptwerkstatt für die Ausbesserung von Lokomotiven und Wagen eröffnet. Später wandelte sie sich zum Reichsbahnausbesserungswerk. Die Deutsche Bahn betreibt es heute als Fahrzeuginstandhaltungswerk, das im Jahre 2003 sein 125-jähriges Bestehen feierte. Außerdem entstand die Eisenbahnbrücke in der Nähe des Bahnhofes, die am 27. Juni 1910 polizeilich abgenommen wurde. Parallel dazu wurde das Straßennetz ausgebaut (1843 nach Bad Freienwalde, 1848 nach Oderberg, 1860 nach Joachimsthal, 1873 nach Schöpfurth). Am 1. September 1910 eröffnete die städtische Straßenbahn. Sie verkehrte bis 2. November 1940. Einen Tag später nahm der elektrische Oberleitungsbus seinen Betrieb in Eberswalde auf. Als der Finowkanal trotz dauernder Ausbesserungen und Veränderungen dem Verkehrsaufkommen, der Schiffstechnik und dem Energiebedarf nicht mehr gewachsen war, wurde der neue Oder-Havel-Kanal geschaffen und 1914 eingeweiht. Ausgebaute Verkehrsstraßen und die seit Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelten Fabriken bewirkten eine explosionsartige städtische Entwicklung. Hatte Eberswalde 1831 noch 4.388 Einwohner, so ergab eine Volkszählung im Jahre 1910 eine Einwohnerzahl von 26.075. Damit schied Eberswalde am 1. April 1911 aus dem Verband des Kreises Oberbarnim aus und bildete einen eigenen Stadtkreis. Versuchsfunkstelle EberswaldeDie Firma Lorenz AG betrieb von 1909 bis 1939 in der Stadt (hinter der Badeanstalt) eine Versuchsfunkstelle, von der auch rundfunkartige Übertragungen zwischen 1919 und 1925 durchgeführt wurden. Als größter Antennenträger ist ein eisenarmierter, abgespannter Holzgittermast von 70 Metern Höhe errichtet worden. 1923 fand das erste Original-Rundfunkorchesterkonzert statt und im Oktober desselben Jahres wurde das Festkonzert zur Jahresversammlung des Deutschen Museums in München gesendet. Diese „drahtlosen” Konzerte waren bahnbrechend und machten die deutsche Rundfunktechnik international bekannt. 1930 ist im Rahmen eines Großversuchs die Technik des Richtfunkfeuers erprobt worden. 1939 wurde die Versuchsfunkstelle aufgelöst, die Antennenanlagen demontiert und in den Gebäuden eine Forschungsstelle für Torfverwertung eingerichtet. Drittes ReichAdolf Hitler und Hermann Göring haben Eberswalde einige Male besucht, meist auf der Durchreise nach Carinhall. Beide wurden – wie in vielen deutschen Städten – Ehrenbürger. Dieser Titel wurde ihnen erst 1991 wieder aberkannt. Der Ehrenbürger Ludwig Sandberg nahm sich 1933 das Leben. Sein Titel war ihm von den Nazis aberkannt worden weil er Jude war. 1991 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft wieder verliehen. In Eberswalde befand sich ein Außenlager des KZ Ravensbrück (in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs Eisenspalterei). Über dieses Lager ist bis heute nur wenig bekannt, nach dem Krieg wurde es von der Sowjetarmee genutzt. Der 1939 begonnene Zweite Weltkrieg ging auch an Eberswalde nicht spurlos vorüber. Am 20. April 1945 gab es in Eberswalde um 19:00 Uhr den ersten Panzeralarm, etwa in dieser Stunde verließ Hermann Göring sein Anwesen Carinhall in der Schorfheide Richtung Obersalzberg. Die SS-Sondereinheit Gruppe Steiner verschanzte sich nördlich der Stadt jenseits des Oder-Havel-Kanals (damals Großschifffahrtsweg) und sprengte alle Brücken in der Nähe der Stadt. In der Nacht vom 25. auf den 26. April 1945 wurde die Innenstadt von deutschen Flugzeugen mit Brandbomben stark zerstört. Ob diese Flugzeuge deutschem Kommando unterstanden, ist umstritten, weil die deutsche Luftwaffe zu diesem Zeitpunkt kaum noch über Treibstoffreserven verfügte. Die Stadtverwaltung Eberswalde nennt die Deutsche Luftwaffe als Zerstörer der historischen Altstadt. Einen strategischen Zweck erfüllte dieser Angriff nicht, da die sowjetischen Eliteeinheiten Eberswalde im Süden entlang der Bernauer Heerstraße umgingen um möglichst schnell Berlin zu erreichen. Etwa gleichzeitig sind mehrere Gebäude der Stadt von der Freischärlerorganisation Werwolf angezündet worden: der Aussichtsturm, der Wasserfall (Ausflugsgaststätte) und andere. Erst nachfolgende Einheiten der Roten Armee besetzten am 26. April 1945 Eberswalde. Die Entwicklung ab Ende des Zweiten WeltkriegesNach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Stadt zu einem bedeutenden Industrie- und Agrarstandort, Verkehrsknotenpunkt und kulturellen Zentrum der Region ausgebaut worden. 1952 wurde Eberswalde auf Grund der Verwaltungsreform in der DDR Kreisstadt des neugebildeten gleichnamigen Kreises Eberswalde. Zwischen 1954 und 1963 hatte das Institut für Forstwirtschaftliche Arbeitslehre der Humboldt Universität Berlin seinen Sitz in den Gebäuden der ehemaligen Versuchsfunkstelle Eberswalde. Im Jahre 1963 wurde die 1830 eröffnete Forstakademie geschlossen beziehungsweise nach Tharandt bei Dresden verlegt. Am 1. April 1992 ist die damals unterbrochene Lehre in der neu gegründeten Fachhochschule wieder aufgenommen worden. Die forstlichen Einrichtungen sind heute wieder ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt. 1993 ist der Landkreis Barnim mit Eberswalde als Kreisstadt gebildet worden. 1994 verließen die russischen Streitkräfte die Stadt. Am 10. April 2000 wurde der Binnenhafen eingeweiht und im Jahre 2002 fand die Landesgartenschau in Eberswalde statt. Bis zur Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990 ist die Entwicklung des Industriestandortes Eberswalde durch Betriebsneugründungen forciert worden. Die heutige Kreisstadt des Kreises Barnim setzt nach dem Niedergang der großen Industriebetriebe und Forschungszentren als Verwaltungszentrum auf die Förderung des Mittelstandes, den Aufbau des Stadtzentrums – dort sind bereits viele Neubauten entstanden – mit seinen Infrastrukturen, die Instandsetzung der jahrzehntelang vernachlässigten Wohnsubstanz, die Sanierung der Industrieflächen, Kasernenbauten und des Verkehrsnetzes sowie die Wiederbelebung als Erholungs- und Freizeitzentrum. Geschichte von Finow bis 1970Finow entstand 1928 durch Zusammenlegung des 1294 erstmalig genannten Dorfes Heegermühle mit den bis dahin selbständigen Gemeinden Eisenspalterei-Wolfswinkel und Messingwerk, und wurde 1935 zur Stadt erklärt. 1970 erfolgte der Zusammenschluss der Städte Eberswalde und Finow unter dem Namen Eberswalde-Finow. Vorgeschichte und OrtsgründungJungsteinzeitliches Material trat vereinzelt auf der südlichen Talsandterrasse und der anschließenden Moränenfläche südlich von Finow auf. Im Ziegeleigelände nordwestlich des Ortes barg man im 19. Jahrhundert ein Depot der mittleren Bronzezeit, das 30 Bronzegegenstände enthielt. Diese weisen auf verschiedene kulturelle Einflüsse aus dem nördlichen und dem südlichen beziehungsweise südöstlichen Europa hin, die hier im Gebiet zwischen Elbe und Oder zusammentreffen. An der Finow gab es ursprünglich eine landesherrliche Zollstätte, wo die Güter der von der Oder kommenden Kähne auf Landfahrzeuge umgeladen wurden. Bereits 1294 nennt eine Urkunde außer dem Krug (Schenke) und dem Hof, einem markgräflichen Wirtschafts- und Unterkunftsanwesen, auch die Heghermolle. Das Bestimmungswort Heger gehört zu mittelniederdeutsch heger, das folgende Bedeutung hat: 1. Knecht = Verwalter, 2. zinspflichtige Lehnsleute, Meier, 3. Heger, Hecken-, Knickarbeiter. Diese He(e)germühle gab der Ansiedlung den ersten Namen; 1608 ließ sie der Kurfürst zugunsten eines Eisenhammers beseitigen. Mittelalter und Beginn der NeuzeitDer bäuerliche Ort Heegermühle umfasste 1375 insgesamt 38 Hufen Land, davon vier Schulzenhufen und ein Kirchhufe. Die Flur, wie das Dorf vom Finowkanal zweigeteilt, setzte sich entsprechend der Dreifelderwirtschaft aus dem Langenstücken- und dem Mittelstückenfeld sowie dem Steinfurthschen Feld zusammen. Die Bewohner mussten ihre Hand- und Spanndienste beim elf Kilometer entfernten Amt Biesenthal leisten, nach der Inbetriebnahme des Eisenhammers für das Werk. Zusätzliche Forderungen stellte das Forstamt Biesenthal an die Gemeinde, beispielsweise in Form von Hackarbeiten in den Schonungen. Die unmittelbare Umgebung des Dorfes Heegermühle nahm seit Anfang des 17. Jahrhunderts auf Betreiben und mit Unterstützung des Landesherrn eine gewerbliche Entwicklung, die von günstigen Standortfaktoren, wie dem Finowkanal als Transportmittelträger, den Vorkommen von Raseneisenstein und dem Wald als damals wichtigsten Energielieferanten, begünstigt wurde. Das erste Eisenhammerwerk in Heegermühle arbeitete bis zu seiner Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg. Ihm folgte 1660 ein Blechhammer, dessen Warenabsatz durch ein Schutzedikt von 1687 gesichert war. An seiner Stelle entstand 1697 bis 1700 ein Messingwerk. Östlich des Ortes am Finowkanal sind zur gleichen Zeit eine Eisenspalterei und ein Drahthammer errichtet worden. Eine 1726 gebaute königliche Papiermühle fiel 1760 dem Siebenjährigen Krieg zum Opfer. Eine neue Fabrik erhielt fünf Jahre später ihren Standort in Wolfswinkel. 1832 arbeitete hier die erste englische Papiermaschine, so dass die manuelle Büttenpapierherstellung allmählich verschwand. Erwähnung verdienen die Ziegeleien, die Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem Ton aus der Finowaue verwerteten. Die Steine gelangten auf dem Wasserweg hauptsächlich nach Berlin. Der nach dem ehemaligen Besitzer benannte Mäckersee südlich vom Oder-Havel-Kanal, der Rest einer früheren Tongrube, dient heute zum Baden. Entwicklung im 20. JahrhundertNachdem am 16. Oktober 1907 eine Eisenbahnstrecke von Eberswalde über Heegermühle nach Schöpfurth eröffnet und 1920 die elektrische Straßenbahn von Eberswalde bis Eisenspalterei geführt worden war, verbesserte sich der Personen- und Güterverkehr bedeutend. In Wolfswinkel ging aus einer Linoleumfabrik ein chemischer Betrieb hervor, 1908 kam ein Elektrizitätswerk hinzu. 1909 wurde das Kraftwerk Heegermühle unter dem Namen Märkisches Elektrizitätswerk (MEW) nach Plänen von Georg Klingenberg erbaut, es hat als einziger Industriebau im Finowtal eine Schaufassade zum Finowkanal. 1914 verlegte das Messingwerk seine Produktionsanlagen an den Oder-Havel-Kanal, ein Zeichen für die Standortbedeutung der neuen Wasserstraße. Den Bau von Wohnhäusern trugen Siedlungsgesellschaften, so die Heimstättengesellschaft Heegermühle-Messingwerk. Am 15. Oktober 1928 entstand durch Zusammenlegung des Dorfes Heegermühle mit den bis dahin selbständigen Orten Eisenspalterei-Wolfswinkel und Messingwerk die Gemeinde Finow. 1935 wurde das neue Gemeinwesen zur Stadt erhoben. Ende der 20er Jahre kaufte das Kupfer- und Messingwerk in Finow Land vom Lichterfelder Rittergut, und zwar zwischen dem Oder-Havel-Kanal und dem Anstieg zur Golzower Platte, um eine Siedlung anlegen zu lassen. Auf einem schachbrettartigen Grundriss, mit einem 350 Meter langen Platz in der Mitte, entstanden im Jahre 1934 Doppelwohnhäuser mit entsprechendem Nutzland für die Selbstversorgung der Familien. 1936 kamen Einfamilienhäuser hinzu. Die Siedlung, die seit der Grundsteinlegung am 13. März 1934 den Namen des völkischen Dichters und Schriftstellers Dietrich Eckardt (1886-1923) trug, wurde 1945 in Clara-Zetkin-Siedlung umbenannt. Die Industrialisierung führte zu einem schnellen Wachstum der Bevölkerung. Lebten in Heegermühle 1840 erst 419 Menschen, so waren es 1910 bereits 5.859. Bei der Volkszählung im Jahre 1939 wurden in Finow 10.488 Personen gezählt. Im Dezember 1969 lebten in der Stadt 11.767 Menschen. Drei Monate später, im März 1970, wurde Finow mit Eberswalde vereinigt. EingemeindungenAm 1. Mai 1936 wurde die Gemeinde Kupferhammer aus dem Kreis Oberbarnim in den Stadtkreis Eberswalde eingegliedert. Am 20. März 1970 fand die Vereinigung der bis dahin eigenständigen Städte Eberswalde und Finow unter dem neuen Namen Eberswalde-Finow statt. Am 1. Juli 1993, gleichzeitig mit der Umstellung der Postleitzahlen, wurde aus Eberswalde-Finow wieder Eberswalde. Am 5. Dezember 1993 wurden die Gemeinden Sommerfelde und Tornow eingemeindet. Am 1. Januar 2006 wurde die Gemeinde Spechthausen aus dem Amt Biesenthal ein Ortsteil der Stadt. EinwohnerentwicklungIm Dreißigjährigen Krieg verlor Eberswalde fast seine gesamte Bevölkerung. Die Einwohnerzahl sank von 1.200 im Jahre 1618 bis auf 168 im Jahre 1643. Erst 1722 erreichte Bevölkerungszahl wieder den Vorkriegsstand. Im 18. Jahrhundert wuchs die Einwohnerzahl von Eberswalde nur langsam. Erst mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert setzte ein stärkeres Bevölkerungswachstum ein. Lebten 1817 knapp 4.000 Personen in Eberswalde, waren es 1898 schon 20.000. Bis 1939 verdoppelte sich diese Zahl auf knapp 41.000. Im Zweiten Weltkrieg verlor die Stadt etwa ein Drittel seiner Bevölkerung. Die Einwohnerzahl sank bis 1945 um 13.238 Personen auf 27.377. Am 20. März 1970 schlossen sich die Städte Eberswalde (33.400 Einwohner 1969) und Finow (11.767 Einwohner 1969) zur Stadt Eberswalde-Finow mit rund 45.000 Einwohnern zusammen. Im Jahre 1989 hatte Eberswalde-Finow mit etwa 55.000 die höchste Einwohnerzahl seiner Geschichte erreicht. 1993 erfolgte die Umbenennung der Stadt in Eberswalde. Waren 1990 bei der Stadtverwaltung 435 Ausländer (0,83 Prozent), darunter viele Vertragsarbeiter, melderechtlich registriert, so sank diese Zahl bis Ende 1991, bedingt durch die vorzeitige Kündigung der Arbeitsverträge durch die Betriebe und Abwanderung, auf 299 (0,58 Prozent). Bis 2000 stieg die Ausländerzahl auf 550 Personen (1,23 Prozent). Seit der Wende in der DDR verlor die Stadt durch Abwanderung und Geburtenrückgang, bedingt durch die hohe Arbeitslosigkeit, ein Viertel seiner Einwohner. Am 31. Dezember 2005 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl” für Eberswalde nach Fortschreibung des Landesbetriebes für Datenverarbeitung und Statistik Brandenburg Kultur und SehenswürdigkeitenAusflugsziele in der Stadt beziehungsweise in unmittelbarer Umgebung: MuseumDas Museum der Stadt befindet sich im ältesten erhaltenen Fachwerkhaus der Stadt in der ehemaligen Adler-Apotheke. In diesem Haus befindet sich auch die Touristen-Information. Schon 1623 existierte in diesem Haus eine Apotheke, dies setzte sich bis in das Jahr 1986 fort. Das Museum Eberswalde wurde am 4. Februar 1906 gegründet. Bei seiner Gründung wurde der Historiker Rudolf Schmidt, seit 1903 Redakteur der Eberswalder Zeitung, mit der Museumsgründung und der weiteren -verwaltung betraut. Nacheinander war das Museum im Rathaus (Dachgeschoss) in der Hindenburg-Oberrealschule (heute Gesamtschule Mitte), der St.-Georgs-Kapelle, der alten Schule in der Kirchstraße 8 und nun im Baudenkmal Adler-Apotheke untergebracht. Aus den bei Gründung 150 Exponaten sind mittlerweile 12.500 geworden. Zu den interessantesten Exponaten zählt die Nachbildung des bronzezeitlichen Eberswalder Goldschatzes mit 81 Teilen. Der Golddepotfund – der Hausschatz eines semnonischen Edelings – in der Messingwerksiedlung aus der nordischen jüngeren Bronzezeit gibt Hinweise auf Verbindungen in das heutige Siebenbürgen. Er gilt als der größte Goldfund in Deutschland. Die acht Goldschalen sowie 73 andere Teile wie Halsschmuck und Armbänder mit einem Gesamtgewicht von 2,54 Kilogramm purem Gold stammen aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. und wurden am 16. Mai 1913 bei Ausschachtungsarbeiten eines Hauses in einem Tongefäß entdeckt und nach Berlin gebracht. 1945 fielen diese offenbar der Roten Armee in die Hände. Im Januar 1994 wurde bekannt, das sich der sogenannte Eberswalder Goldschatz im Moskauer Puschkin-Museum befindet. Ende Januar 2004 sind erstmals seit den 40er Jahren wieder Originalfotos von ihm veröffentlicht worden. Musik
BauwerkeIm ältesten Fachwerkhaus der Stadt, der Adler-Apotheke aus dem 17. Jahrhundert, befindet sich heute die Touristeninformation, das Heimatmuseum und das Standesamt. Am Marktplatz befindet sich das Alte Rathaus, es ist ein barockes Bürgerhaus aus dem Jahr 1775 und wurde als Wohnhaus des Tuchfabrikanten Heller erbaut. Ebenfalls in der Nähe des Marktplatzes befindet sich die Maria-Magdalenen-Kirche, eine hochgotische Stadtpfarrkirche aus dem 13. Jahrhundert mit der höchsten gemauerten Kirchturmspitze der Welt. Der Martin-Gropius-Bau der Landesklinik Eberswalde (Klinik für Psychiatrie) war vom Zweiten Weltkrieg bis nach der Wende von der Sowjetarmee besetzt und wurde umfassend renoviert. Im Stadtzentrum befinden sich am südlichen Rand des Eberswalder Urstromtals zwei Treppen: die Goethetreppe und die Schillertreppe. Als Neubau wurde die Bibliothek der Fachhochschule Eberswalde mit Architekturpreisen bedacht, ist aber bei der Bevölkerung äußerst unbeliebt. Einige Kilometer nördlich der Stadt befindet sich das Kloster Chorin, eine Ruine des von Zisterziensermönchen erbauten Komplexes. Östlich von Eberswalde findet man am Oder-Havel-Kanal den Ragöser Damm und das Schiffshebewerk Niederfinow, nördlich der Stadt unterquert die Fernbahnlinie Berlin-Stettin den Kanal (Kanalunterführung). Die Teufelsbrücke am Finowkanal befindet sich im Stadtteil Finow auf dem Gelände des ehemaligen Messingwerkes. Sie wurde von 1824 bis 1826 als Weidendammer Brücke in Berlin errichtet. 1880 wurde sie um Fußwegbahnen ergänzt. 1895 erfolgte die erste Umsetzung der Brücke, sie wurde um 13 m gekürzt in Liepe über den Finowkanal wieder aufgebaut. Im Jahr 1913 wurde sie nochmals gekürzt und über der Ausfahrt des Messingwerkhafens montiert. Der mittlere Brückenteil ist herausnehmbar, um größeren Schiffen eine Durchfahrt zu ermöglichen. Gelegentlich wird sie auch 'Treidelpfadbrücke' genannt. Die Brücke ist eine dreijochige, jetzt 23 m lange und etwa 2,30 m breite Ganzmetallkonstruktion aus genieteten und verschraubten L-Profilen und Blechen; das teilweise geschweißte Geländer ist mit Sicherheit nicht original. Das Mittelteil ist auf gusseisernen Säulen gebettet. Die gesamte Brücke ist in sich schief, dies kann nachlässige Fertigung sein oder auf einen Transportschaden, auf Setzungen oder einen Unfall zurückzuführen sein. Hafen- und Kanalseite des Bauwerks sind um etwa 8 cm versetzt, was eine Schieflage von etwa 3° bedeutet. Die Widerlager sind ebenfalls schief, was Setzungen oder Unfälle am jetzigen Standort ausschließt. Woher der Name 'Teufelsbrücke' stammt, ist nicht mehr zu ermitteln. Laut Denkmaltopographie (siehe Literatur, S. 251) besitzt sie wegen ihrer Vorgeschichte besonderen kulturhistorischen Wert. Weitere Bauwerke:
ParksFür die Stadt hat sich der Beiname 'Waldstadt' eingebürgert, was aber nicht offiziell verbrieft ist. Auch in der Stadt finden sich viele Grünflächen, welche allerdings größtenteils durch einen Luftangriff der deutschen Luftwaffe im April 1945 und damit zerstörte Wohnbebauung im Zentrum der Stadt entstanden sind. Am südlichen Stadtrand befindet sich inmitten des Eberswalder Stadtforsts der Tierpark Eberswalde und der Forstbotanische Garten Eberswalde. Anlässlich der Landesgartenschau 2002 entstand in Eisenspalterei auf dem Gelände des ehemaligen Altwerkes (Walzwerk) der Familiengarten. Im Zentrum der Stadt befindet sich nahe des Campus der Fachhochschule der Park Weidendamm, welcher 2003 ähnlich seiner Gestalt vor dem Ersten Weltkrieg umgebaut wurde. NaturdenkmälerDie Stadt Eberswalde ist umgeben von ausgedehnten Waldflächen. Direkt an die Stadt grenzt im Süden der Eberswalder Stadtforst, welcher sich bis nach Trampe, Klobbicke, Tuchen und Grüntal erstreckt und eine Fläche von ca. 60 km² hat. Nordwestlich der Stadt befindet sich der Werbellinsee und direkt dahinter das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands, die Schorfheide, welche eines der Kernstücke des Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist. Nordöstlich der Stadt befinden sich weitere ausgedehnte Waldflächen mit dem Totalreservat Plagefenn nördlich der Ortschaft Liepe. Rings um die Stadt liegen viele Seen, Bäche, Moore und Heiden. SportDer SV Stahl Finow war sehr erfolgreich in den Sportarten Segeln und Tischtennis, stellte in den 1970er und 1980er Jahren mehrere DDR-Meister. Der Fußballverein MOTOR Eberswalde ist der größte Sportverein der Stadt und spielt mit seiner ersten Mannschaft in der 4. Liga (Fußball-Oberliga Nordost (Staffel Nord)). Die Sektion Segeln von Stahl Finow hat ihren Standort am westlichen Ende des Werbellinsees in Wildau bei Eichhorst. Tischtennis hat in Finow eine lange Tradition, der TTC Finow ist nicht nur national eine Größe. In der neuen Sporthalle der Technischen Werke in Westend ist der Judoclub Eberswalde beheimatet, dessen Mannschaft in der 2. Bundesliga kämpft. Der Tauchclub Werbellow ist in Eberswalde zu Haus, hat seine Tauchbasis am Werbellinsee. Am 15. Juli 1952 gründete sich aus der Chemischen Fabrik Finowtal die Betriebssportgemeinschaft „Chemie Finow". Daraus entstand der heutige FSV Eintracht Finowtal (seit 2005 SV Medizin Eberswalde e.V.). Auf das Jahr 1891 sind die ersten Anfänge des Schwimmsports in Eberswalde zurückzuführen. Seitdem hat der Eberswalder Schwimmverein viele große Erfolge gefeiert. Treffpunkt ist die Schwimmhalle (baff) im Stadtteil Westend. Regelmäßige Veranstaltungen
Kulinarische SpezialitätenEberswalder SpritzkuchenDer Eberswalder Spritzkuchen ist ein Gebäck aus Brandteig, der in Fett ausgebacken wird. In der Zeit nach der Weltwirtschaftskrise wurden von der Stadt Eberswalde zwei Notgeld-Scheine ausgegeben (25 und 50 Pfennig). Es kursiert das Gerücht, dass diese Scheine zum Bezahlen von Spritzkuchen auf dem Bahnhof gedacht waren, sie waren aber normales Notgeld. Der Berliner Konditor und Lebküchler Gustav Louis Zietemann erwirkt am 23. Februar 1832 die Genehmigung, sich als Konditor niederzulassen. Am 1. April 1832 eröffnet er seine Konditorei und überrascht die Bevölkerung mit einem neuen Gebäck, dem originalen Eberswalder Spritzkuchen. Ab 1842 lieferte er seine Spritzkuchen an den Bahnhof, wo seit dem 1. August die neue Bahnlinie Berlin–Stettin verkehrte. So wurden die Spritzkuchen ein Werbeträger für die Stadt und viele Reisende verbanden den Namen von Eberswalde mit den Spritzkuchen. Eberswalder WürstchenEberswalder Würstchen sind eine besondere Eberswalder Spezialität, die allerdings in Britz hergestellt wird. Es sind spezielle Bockwürstchen in echtem Darm, die eine große Verbreitung auch außerhalb von Eberswalde erlangten. Wirtschaft und InfrastrukturDie industriellen Ansiedlungen in der Stadt sind geprägt durch den Rohrleitungsbau, den Binnenhafen und den Kranbau. Weiterhin gibt es einige Betriebe aus der Lebensmittelverarbeitung. VerkehrStraßenverkehr In Eberswalde gibt es eines der letzten O-Bus-Netze Deutschlands. Erstmals 1901 für wenige Monate, dann seit dem 3. November 1940 fährt der elektrische Oberleitungsbus (Obus) in der Stadt. Der erste Obus war ein umgebauter Pferdeomnibus, der 1889 gebaut worden war. Er gehörte der Compagnie de Traction par Trolley Automoteur in Paris und hatte bei der Weltausstellung 1900 eine Goldmedaille errungen. Der Obus von 1940 ersetzte die Städtische Straßenbahn, die vom 1. September 1910 bis zum 3. November 1940 in Betrieb war. Eberswalde ist neben Esslingen am Neckar und Solingen die einzige Stadt Deutschlands mit einem Obus-Betrieb, der jetzt von der Barnimer Busgesellschaft mbH (BBG) betrieben wird. Die Obusse fahren in zwei Linien von Nordend (Linie 861) bzw. Ostend (Linie 862) zum Brandenburgischen Viertel und bewältigen den überwiegenden Teil des öffentlichen Verkehrs der Stadt. Im Stadtverkehr gibt es außerdem die Linien 864 (nach Lichterfelde und Clara-Zetkin-Siedlung) sowie 865 (über Tierpark und Westend). Im Einzugsgebiet werden 13 weitere Buslinien unterhalten, darunter ein Touristenbus, der in den Sommermonaten rund um den Werbellinsee fährt und einen Fahrradanhänger mitführt. Luftverkehr Der Flugplatz Finow ist ein Zivilflughafen, der bis zum Abzug der sowjetischen Truppen als Militärflugplatz betrieben wurde. Die Einflugschneise liegt über dem Süden der Stadt Eberswalde. Bis zur Wende wurden überwiegend Abfangjäger stationiert, es fanden aber auch Starts und Landungen mit schweren Transportflugzeugen statt. Bahn Eberswalde liegt an den Strecken Berlin–Pasewalk–Stralsund und Eberswalde–Frankfurt/Oder; Fernverkehr nach verschiedenen Orten Deutschlands, Amsterdam und Stettin, Nahverkehr nach Berlin, Frankfurt (Oder), Stralsund und Templin Bundesstraßen Die B 2 (Berlin–Stettin) und B 167 (Neuruppin–Frankfurt/Oder) führen mitten durch die Stadt und begründen ein entsprechend hohes Verkehrsaufkommen. Bundesautobahn Der Ort liegt nahe der A 11 (Berlin–Stettin). Die Anbindung der Stadt mit einer Umgehungsstraße entlang des Oder-Havel-Kanals ist geplant. Schifffahrt Der Oder-Havel-Kanal wird gegenwärtig für den Betrieb mit hochseetauglichen Schiffen ausgebaut. Dazu wird nördlich von Eberswalde das Kanalbett umgeleitet, um als Ersatz für die Kanalbrücke einen Tunnel unter dem neuen Kanal zu bauen. Der Binnenhafen Eberswalde wird ständig erweitert. Der Finowkanal besitzt keine Bedeutung als Schifffahrtsweg mehr. Seine idyllische Lage mitten in der Stadt macht ihn zu einem touristischen Anziehungspunkt. Ansässige UnternehmenVon der in Eberswalde bis 1990 ansässigen Schwerindustrie (vor allem metallverarbeitende Betriebe) ist kaum noch etwas übrig geblieben. Die großen Betriebe existieren nicht mehr bzw. nur noch in sehr viel kleinerer Form. Bekannt ist die EWG Eberswalder Wurst GmbH/EFG Eberswalder Fleisch GmbH in Britz, was streng genommen nicht zu Eberswalde gehört, aber die „Eberswalder Würstchen” herstellt. An größeren Firmen existieren Märka Märkische Kraftfutter GmbH, die KE Kranbau Eberswalde (Kirow Leipzig AG) sowie Finow Automotive GmbH. Überregionale Bedeutung hat der Brennstoff- und Mineralölhandel K.-Otto Hucke. Größter Arbeitgeber der Region ist die Bundessagentur für Arbeit. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei ca. 20,5% (Stand 10/2005, Statistik der Arbeitsagentur). Medien
Behörden, Institutionen, KörperschaftenIn Eberswalde beheimatet sind neben einem Amts- sowie Arbeitsgericht außerdem das Landeskriminalamt für das Bundesland Brandenburg: 15. März 1901
Siehe auchBahnhofsbrücke Eberswalde, Barnimer Busgesellschaft, Bibliothek der Fachhochschule Eberswalde, Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn, Eberswalder Blitz, Eberswalder Urstromtal, Familiengarten Eberswalde, Eberswalder Faschingstage, Finow, Finowkanal, Flugplatz Finow, Forstbotanischer Garten Eberswalde, Haus Schwärzetal, Eberswalder Kanaldeutsch, Kupferhaus, Medienhaus Eberswalde, Messingwerk Finow, Oder-Havel-Kanal, SV Stahl Finow, Schwärzefüße, Tierpark Eberswalde, Treidelweg, Versuchsfunkstelle Eberswalde Literatur und QuellenLiteratur
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