Enger in Nordrhein-Westfalen


Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Detmold
Kreis: Herford
Koordinaten: 52° 7′ N, 8° 34′ O
Höhe: 107 m ü. NN
Fläche: 41,21 km²
Einwohner: 19.951 (30. Juni 2006)
Bevölkerungsdichte: 484 Einwohner je km²
Postleitzahl: 32130
Vorwahlen: 05224 05225 große Teile von Westerenger 05223 Teile von Besenkamp
Kfz-Kennzeichen: HF
Gemeindeschlüssel: 05 7 58 008
Stadtgliederung: 9 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Bahnhofstr. 44
32130 Enger
Webpräsenz: www.enger.de
Bürgermeister: Klaus Rieke (SPD)

Enger ist eine Mittelstadt im Südwesten des Kreises Herford im Ballungsraum Ostwestfalen-Lippe in Nordrhein-Westfalen (Deutschland).

Geografie

Geografische Lage

Enger liegt im Ravensberger Hügelland zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge.

Nachbargemeinden

Die Stadt grenzt im Westen an Spenge, im Norden an Bünde, im Osten an Hiddenhausen sowie Herford und im Süden an die kreisfreie Stadt Bielefeld.

Einwohner

(jeweils zum 31. Dezember)

  • 1998 - 19.666
  • 1999 - 19.784
  • 2000 - 20.278
  • 2001 - 20.747
  • 2002 - 20.903
  • 2003 - 20.869
  • 2004 - 20.896
  • 2005 - 20.945

Stadtgliederung

Stadtteile und Einwohnerzahlen (Stand 31. Dezember 2005):

  • Belke-Steinbeck (2.471)
  • Besenkamp (1.849)
  • Dreyen (1.404)
  • Enger (7.809)
  • Herringhausen (West) (430)
  • Oldinghausen (773)
  • Pödinghausen (2.181)
  • Siele (122)
  • Westerenger (3.797)

Geschichte

Chronik

  • 948 wird Enger erstmals in einer Stiftungsurkunde Ottos des Großen erwähnt.
  • 1408 Vorher lippisch, fällt der Ort an die Grafschaft Ravensberg.
  • 1614 Enger geht mit Ravensberg an Brandenburg-Preußen.
  • 1719 (20. Oktober) Stadterhebung Engers (gemeinsam mit Preußisch Oldendorf und Bünde) durch Friedrich Wilhelm I. von Preußen.
  • 1747 (2. Mai) Großer Brand in Enger, der mehrere Todesopfer forderte. Es verbrannten 53 Häuser, vor allem im Bereich Bünder-, Bahnhof-, Brand- und Renteistraße.
  • 1757 Erste französische Besetzung im Zuge des Siebenjährigen Krieges.
  • 1811 (1. Januar) Eingliederung in das französische Kaiserreich.
  • 1815 Enger wird wieder preußisch, zunächst im Kreis Bünde, dann im Kreis Herford.
  • 1898 Elektrisches Licht. Dampfkraft zur Elektrizitätsgewinnung lieferte Müllers Riepe, der schon vorher mit einer Wassermühle, die er bald durch eine Windmühle ergänzte, Energie erzeugte.
  • Im August 1900 nahm die Herforder Kleinbahn ihren Betrieb auf; 1901 folgte die Bielefelder Kreisbahn über Jöllenbeck, Schildesche zum Bielefelder Kreisbahnhof (Streckenlänge 16 km). (1000mm Schmalspurbahnen, eingestellt 1954 bzw. 1966).
  • 1925-28 Errichtung des Freibads und Anlage eines Sportplatzes.
  • 1934 Gasversorgung durch Anschluss an das Gaswerk Bünde.
  • 1937 Einführung der Müllabfuhr.
  • 1948 1000-Jahr-Feier
  • 1966 Im April wird der Betrieb der Kleinbahn eingestellt.
  • 1969 (1. Januar) Kommunale Neugliederung im Zuge der Gebietsreform. Auflösung des Amtes Enger und Zusammenlegung der Stadt Enger mit den Gemeinden Siele, Westerenger, Dreyen, Pödinghausen, Oldinghausen, Herringhausen (West), Belke-Steinbeck und Besenkamp.

Die Verbindung Widukinds zu Enger

Erst in einer Quelle aus dem frühen 13. Jahrhundert wird erstmals erwähnt, dass Widukind in Enger begraben sein soll. So heißt es in dem Dokument MG D. Chr. II, S. 398, das in der Sonderveröffentlichung "Widukindstadt Enger" (1973) als Quellenangabe angegeben ist: "de here starf unde wart to Engere begraven". Es gibt darüber hinaus eine Reliefplatte in der Stiftskirche von Enger aus dem 11. Jahrhundert. Der Haken: Nur auf der Renaissance-Tumba des 16. Jahrhundert befindet sich ein Inschrift mit dem Hinweis auf Widukind. Gegenwärtig untersuchen Anthropologen Skelettfragmente, die in der Stiftskirche ausgegraben wurden. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 88 Prozent handelt es sich demnach bei den zwei Erwachsenen um Halbbrüder; das Skelett des jungen Mannes ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 98 Prozent ein Sohn eines der Halbbrüder. Offen ist - und das ist das große von den Forschern zu lösende Rätsel: Ist der Mann, der im zentralen Grab des Chorraums liegt, Widukind? Außerhalb der Grundumfassung des ältesten Kirchenbaus ist noch eine Frau bestattet, die einer weiblichen Familienlinie zugeordnet wird und als Nachfahrin von Widukind gilt.

Politik

Stadtrat

  • SPD 16 Sitze
  • CDU 12 Sitze
  • Grüne 4 Sitze
  • FDP 2 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 26. September 2004)

Fachausschüsse

  • Haupt-, Finanz- und Kulturausschuss
  • Rechnungsprüfungsausschuss
  • Ausschuss für Stadtplanung und -entwicklung
  • Ausschuss für öffentliche Sicherheit, Ordnung, Umwelt u. Verkehr
  • Betriebsausschuss
  • Ausschuss für Schule, Jugend, Sport und Soziales
  • Wahlprüfungsausschuss

Städtepartnerschaften

  • Lichtenstein/Sa., Landkreis Chemnitzer Land (seit 1990)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

  • Widukind-Museum, Museum, das hauptsächlich der Geschichte des sächsischen Adeligen Widukind gewidmet ist. Nach einem mehrjährigen Umbau erfolgte die Neueröffnung am 20. August 2006[1]. Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Etagen; in der dritten, oberen Etage finden Wechselausstellungen statt. Einer der Höhepunkte des Rundgangs, der multimedial aufbereitet wurde und mit einem Kopfhörer verfolgt werden kann, ist ein nachgebildetes Grab mit drei Skeletten.
  • Gerberei-Museum, Museum, das in der 1995 geschlossenen Gerberei Sasse untergebracht ist. Es zeigt den Arbeitsprozess des Gerbens und erläutert die Geschichte des Handwerks allgemein. Der Regionalbezug erfolgt durch die Darstellung der Gerberei Sasse, auch wird die Bedeutung des Betriebes für die Gewerbegeschichte der Stadt Enger gezeigt. Nach Angaben des Fördervereins handelt es sich bundesweit um das einzige Museum seiner Art, das sich noch am originalen Produktionsstandort befindet[2].
  • Kleinbahnmuseum (in Entstehung), Museum, dessen Bau im November 2006 begonnen wurde. Die Eröffnung ist für Mitte 2007 geplant. Das Gebäude ist ein direkter Anbau an einen Discountmarkt und soll eine große Ausstellungshalle mit Präsentation einer Diesellok und zweier Waggons enthalten[3].

Musik

In unregelmäßigen Abständen findet im Jugend und Kulturzentrum Kleinbahnhof Enger auch die HipHop Jam "Beat The Mass" statt, neben weiteren Veranstaltungen, wie z.B. dem Rock-Event "Je Enger desto Lauter", oder einem geplanten House Music Event.

Bauwerke

  • Stiftskirche, ehem. St. Dionysisus. Kreuzförmige Hallenkirche mit frei stehendem Turm. Das gotische Langhaus wurde Mitte des 14. Jh. errichtet. Unter dem jetzigen Bau befinden sich die Reste einer Saalkirche aus dem 9. Jahrhundert, die 1971 bei einer Grabung untersucht wurden. Im Inneren befindet sich ein großer Schnitzaltar von Hinrik Stavoer aus Braunschweig, der aus dem Jahr 1525 stammt[4]. Zu den weiteren Ausstattungsstücken gehören die Taufe mit geschnitztem Deckel, 1663 und 1677 bezeichnet und die Kanzel von 1703. Hinter dem Altar befindet sich ein Sarkophag mit einer Reliefplatte aus dem 12. Jahrhundert. Dargestellt ist Widukind im Königsornat.
  • Liesbergmühle, 1756 als Zwangsmühle im Auftrag von Friedrich den Großen errichtet. Sie steht auf einer kleinen Anhöhe in 118 Metern über den Meeresspiegel. Die Mühle bildet mit dem Motorenhaus und einem Fachwerkkotten ein Denkmalensemble. 1960 stellte die Mühle ihren Betrieb ein. Die Renovierung begann im November 2001 und wurde im September 2002 beendet.
  • Reste der Kirchringbebauung mit Fachwerkhäusern des 18. Jh., darunter das ehemalige Haus Rosenbaum (Widukind-Museum) von 1716 und das Haus Kirchplatz 2 (Apotheke), das im Jahr 1741 errichtet wurde.

Schulen

  • Städtische Realschule Enger
  • Rolf-Dircksen Schule (Hauptschule)
  • Widukindgymnasium
  • Vier Grundschulen: Belke-Steinbeck, Enger, Oldinghausen/Pödinghausen und Westerenger
  • Heideschule (Sonderschule für Lernbehinderte)
  • Zweckverband Musikschule Enger/Spenge am Lehmkuhlenweg
  • Volkshochschule an der Bahnhofstraße

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Timpkenfest: Jährlich am 6. Januar findet nach dem Gottesdienst in der Stiftskirche eine Verteilung von so genannten Timpken – das sind geviertelte, aus hellem Mehl gebackene süße Semmeln – statt. Die Legende besagt, dass der Sachsenherzog Widukind an seinem Todestag verfügt habe, durch die Timpken Bedürftige zu unterstützen. Heutzutage werden die Timpken jedoch an alle Gottesdienstbesucher verteilt.
  • Kirschblütenfest: Jährliches Stadtfest am letzten Wochenende im April
  • Kicken für Afrika: Jährliches Fußballturnier zugunsten von Hilfsbedürftigen (hauptsächlich Afrika), organisiert von der "Zwoten".

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Enger hat auf dem Stadtgebiet keinen Anschluss an Autobahnen oder die Eisenbahn. Die L545 verbindet jedoch Bielefeld über die Ostumgehung mit Bünde und der Autobahn A30.

Busverbindungen im RegioTakt bestehen nach Bielefeld (Anschlussverbindung mit Stadtbahn Linie 3), Herford, Spenge und Bünde.

Ansässige Unternehmen

Die wichtigste Branche ist die Möbelindustrie mit den überregional bekannten Unternehmen RWK, Wellmann, Ebke (Küchen) und Puhlmann (Polstermöbel). In Oldinghausen befindet sich der Hauptsitz der Alligator-Farbwerke.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Mathilde die Heilige (um 895–968), Gemahlin König Heinrichs I.
  • Axel Horstmann (* 1954), Politiker und NRW-Minister a.D.
  • Bernhard Lloyd (* 1960), bürgerlich Bernd Gössling, Keyboarder der Waveband Alphaville
  • Frank Mertens (* 1961), bürgerlich Frank Sorgatz, Keyboarder der Waveband Alphaville

Weitere Persönlichkeiten

  • Widukind (um 730–807), Sachsenherzog; unklare, möglicherweise legendenhaft ausgeschmückte Verbindung zu Enger.
  • Erich Kürschner (1911–1977), Bühnenleiter der Hohnsteiner Puppenbühne, begann seine eigenständige künstlerische Tätigkeit in Enger.

Literatur

  • Westfälischer Städteatlas; Band: II; 6 Teilband. Im Auftrage der Historischen Kommission für Westfalen und mit Unterstützung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, hrsg. von Heinz Stoob † und Wilfried Ehbrecht. Stadtmappe Enger, Autor: Leopold Schütte. ISBN 3-89115-349-x ; Dortmund-Altenbeken, 1981.
  • Widukindstadt Enger; Festschrift zur Schuleinweihung und Namensgebung am 12. Mai 1973, hrsg. von der Stadt Enger, Sonderdruck ohne ISBN-Nummer; Enger, 1973

Quellen




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Informationsportal über Enger in Nordrhein-Westfalen - 24.5.2012