Eppertshausen in Hessen


Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Darmstadt-Dieburg
Koordinaten: 49° 57′ N, 8° 51′ O
Höhe: 144 m ü. NN
Fläche: 13,11 km²
Einwohner: 5805
Bevölkerungsdichte: 443 Einwohner je km²
Postleitzahl: 64859
Vorwahlen: 0 60 71
Kfz-Kennzeichen: DA
Gemeindeschlüssel: 06 4 32 005
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Franz-Gruber-Platz 14
64859 Eppertshausen
Webpräsenz: www.eppertshausen.de/index1.html
Bürgermeister: Carsten Helfmann (CDU)
Lage der Gemeinde Eppertshausen im Landkreis Darmstadt-Dieburg

Eppertshausen ist eine Gemeinde im Landkreis Darmstadt-Dieburg im Regierungsbezirk Darmstadt in Hessen.

Geografie

Geografische Lage

Eppertshausen liegt 15 km nordöstlich von Darmstadt in der Untermainebene und nördlich des Odenwaldes.

Nachbargemeinden und -kreise

Eppertshausen grenzt im Norden an die Städte Rödermark und Rodgau (beide Kreis Offenbach), im Osten an die Stadt Babenhausen, im Süden an die Gemeinde Münster, sowie im Westen an die Gemeinde Messel.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Eppertshausen umfasst die Ortschaft Eppertshausen selbst und den östlich gelegenen Ortsteil 'Im Failisch'.

Höchste Punkte

  • Messeler Höhe, 195 m ü. NN
  • Dolmesberg, 187 m ü. NN

Beide Erhebungen liegen im Forst Eichen.

Niedrigster Punkt

  • Auf dem obersten Hoch, 131 m ü. NN

Der niedrigste Teil der Eppertshäuser Gemarkung, an der Gersprenz gelegen, heißt kurioserweise „Auf dem obersten Hoch”.

Gewässer

Flüsse:

  • Gersprenz, am Rand der südöstlichen Gemarkung gelegen, stellt teilweise die Grenze zu Münster bei Dieburg dar

Teiche und kleine Seen:

  • Alter Steinbruch, im Forst Eichen gelegen
  • Neuer Steinbruch, "Aje-See" oder "die Aje" genannt, im Forst Eichen gelegen
  • Beckmann-Teich, am Oberwald gelegen
  • Alte Tongrube, im Oberwald gelegen
  • Naturschutzgebiet Rallenteich, im Oberwald gelegen

Quellen (meistens ohne Wasseraustritt):

  • Sellborn, befindet sich an der Messler Chaussee gegenüber vom Alten Steinbruch
  • Eisenborn, befindet sich an der Thomashüttenschneise

Geschichte

Ortschronik

  • Römerzeit

Zur Zeit der Römer durchzogen vier Straßen von Dieburg her nach Norden und Osten unsere Gemarkung zu den Grenzkastellen am Limes. Der Verlauf der Römerstraßen und römische Funde. Die erste dauerhafte Besiedelung der Gegend erfolgte durch die Kelten. Die Schlackenhügel im Forst Eichen geben Zeugnis von der Eisengewinnung der Kelten. Die Franken nutzten die alten Römerstraßen, um in das dichte Waldgebiet vorzudringen und es zu besiedeln. Die Flurnamen der Gemarkung lassen uns diese Siedlungsstellen erkennen. Bei der Landnahme durch die Franken wurden nur Felder und Wiesen Privateigentum. Wälder, Weiden, Gewässer und Bodenschätze blieben gemeinsames Eigentum aller. Zur Verwaltung dieser Allmende wurden Markgenossenschaften gebildet. Eppertshausen gehörte zur Mark Babenhausen. Babenhausen war der Mittelpunkt. In diesem Ort amtierte der Märkervorstand mit dem Märkermeister. Hier kamen die Märkerschöffen zum Märkergericht zusammen, um die Markordnung zu beschließen und Markfrevler, die sich gegen die Markordnung vergangen hatten, mit der Markbuße zu belegen. Die Märker von Eppertshausen stellten erst einen und später zwei Märkerschöffen.

  • 836

Nach dem Historiker J. Christian Steiner erscheint Eppertshausen in der ältesten Zinsliste des Klosters aus dem Jahre 836 als „Ecgiharteshuson”. Das Waldgebiet, die Abtei genannt, war an die Ritter von Wasen verlehnt. Später kauften die Grafen von Hanau die Abtei. Die Mark Babenhausen lag im Wildbann Dreieich. Zum Schutze der Südflanke und zur Aufsicht in unserem Ort stand an der Südecke der Kirche eine solche Turmburg. Hier herrschten als Vögte die Herren von Groschlag. Um ihre Turmburg entstand die Ansiedlung „Ebrechtshusen”. Sie wurde zum Eigentumsort der Ritter von Groschlag. Nach dem Aussterben der Münzenberger kam die Mark unter die Oberhoheit der Grafen von Hanau.

  • Um 1300

errichteten die Ritter von Groschlag eine Holzkapelle in öder Wildnis gemäß einer geheimnisvollen Devotion. Leider fehlt jeder Hinweis auf die Ursache dieser Devotion. Als diese Kapelle 1438 baufällig war, wurde die heutige Valentinuskapelle erbaut. Da die Ritter von Groschlag in argen Geldnöten waren, musste ein Totschläger aus Höchst im Odenwald 400 Gulden zum Bau der Kapelle als Sühneleistung beisteuern. Die Ritter von Groschlag erkannten bald, dass es für sie in dieser kleinen Grafschaft Hanau keine Zukunft gab. Sie verdingten sich als Burgmannen nach Dieburg. Dieburg gehörte zum Kurfürstentum Mainz. Damit begann der Aufstieg der Familie von Groschlag als Beamte im Kurfürstentum und ein ewiger Streit mit den Grafen von Hanau in dessen Oberhoheit das Eigentumsdorf Eppertshausen der Familie Groschlag lag. Die Ritter von Groschlag versuchten nun Eppertshausen und die Lehensorte Hergershausen und Sickenhofen aus der Oberhoheit von Hanau zu lösen und sich der Oberhoheit des Erzbischofs von Mainz zu unterstellen.

  • 1355

Im Jahre 1355 wurde das geltende Märkerrecht zum ersten Mal im Babenhäuser Weistum schriftlich niedergelegt. Oberste Märker und damit Schutzherren der Mark waren die Grafen von Hanau. An zweiter Stelle folgten die Ritter von Groschlag zu Dieburg. Das Kloster Seligenstadt hatte mit Wald und Ländereien Anteil an der Mark. Der Abt war Mitmärker, aber ohne größere Sonderrechte. Das Kloster hatte seine Äcker an die Bauern verpachtet.

  • 1. Mai 1504

Nach langen und heftigen Auseinandersetzungen, selbst vor dem Reichskammergericht, erreichte der Erzbischof von Mainz am 1. Mai 1504 auf dem Reichstag zu Augsburg beim Kaiser Maximilian I. auf Bitten des Ritters von Groschlag einen Freiheitsbrief, der die drei Ortschaften dem Zentgericht Dieburg und somit der Oberhoheit von Mainz zuteilte. Doch auch die Grafen von Hanau hatten ein gutes Verhältnis zum Kaiser.

  • 7. Juli 1507

Beim Reichstag zu Konstanz am 7. Juli 1507 beklagte sich Philipp von Hanau beim Kaiser, dass seine alten Rechte in der Mark Babenhausen sehr stark beschnitten wurden. Daraufhin entschied der Kaiser, dass die wirtschaftlichen Belange bei der Verwaltung der Mark mit Hausdurchsuchungen in den drei Orten durch das Märkergericht geregelt wurden. Die politischen Belange wurden durch das Zentgericht Dieburg entschieden. Diese unglückselige Gewaltenteilung brachte in den kommenden Jahrhunderten viel Streit und viel Leid für die Bewohner der drei Orte.

  • 1521

Im Jahre 1521 wurde in der Ansiedlung die erste Kirche des heiligen Sebastian errichtet. Eine Pfarrstelle konnte aber nicht geschaffen werden. Kaiser Karl V. bestätigte durch einen neuen Freiheitsbrief am 21. Oktober 1547 die bestehenden Verhältnisse. Durch die Zugehörigkeit zur Oberhoheit von Mainz blieb Eppertshausen, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, auch nach der Reformation katholisch.

  • 30 jähriger Krieg

Im 30jährigen Krieg wurde die Mark Babenhausen von einem Regiment des Herzogs von Sachsen-Lauenburg heimgesucht. Eppertshausen hatte 400 Reichstaler aufzubringen. Etliche Häuser wurden zerstört. Der Ort erholte sich nur sehr langsam von den schlimmen Folgen des Krieges. Die Familie Groschlag gelangte durch Heirat in Verwandtschaft mit dem mächtigen Adelsgeschlecht von Schönborn. Nun erreichte die Familie Groschlag hohe Staatsposten im Kurfürstentum Mainz. Die Grundherren bemühten sich, für ihren Ort Eppertshausen bessere wirtschaftliche Bedingungen zu schaffen.

  • 25. September 1705

erhielt die Familie Braunwarth vom Grundherren die Erlaubnis, ganz allein im Ort auf ihrer „Hofraith” Bier zu brauen, Branntwein zu brennen und auszuschenken.

  • 1730/40

wurde die baufällige Kirche abgerissen und eine neue Kirche gebaut. 1750 folgte das Pfarrhaus. Gleichzeitig wurde Eppertshausen eine selbständige Pfarrei.

  • 1790-92

Die jüdische Synagoge soll in dieser Zeit in der Schulstraße 35 errichtet worden sein. Eine Skizze dieser Synagoge stammt von Peter Krickser.

  • 1799

1799 starb die Familie von Groschlag zu Dieburg im Mannesstamm aus. Die Tochter, die Gräfin von Lerchenfeld-Köfering erbte Eppertshausen.

  • 1802

Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam 1802 Eppertshausen unter die Oberhoheit des Fürsten von Isenburg-Birstein. Der Fürst bürdete dem Ort eine ungeheure Schuldenlast auf. Durch den Wiener Kongress wurde Eppertshausen dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt zuerkannt. Die großherzogliche Regierung teilte die Mark Babenhausen unter die Markgemeinden auf. Die Abtei und der Oberwald wurden Gemeindewald von Eppertshausen.

  • 1825-32

In den Jahren 1825-32 wurde die baufällige Kirche abgerissen und die heutige Kirche nach den Plänen des Landesbaudirektors Georg Moller von Darmstadt im klassizistischen Stil wieder aufgebaut. Das Bauwerk stellt sich uns in ausgewogenen Formen dar, aus denen die gelungenen Maße von vollendeter Harmonie sprechen. Es steht unter Denkmalschutz. Neubürger finden schnell Anschluss an diese lebendige und sehr aktive Pfarrgemeinde. Die großherzogliche Regierung bemühte sich, die wirtschaftlichen Verhältnisse zu verbessem. Die ersten Töpfer kamen in das Dorf. Die Töpferei nahm ihren Aufschwung. Die Straßen zwischen den Ortschaften wurden gebaut. Die Bauern wurden frei. Durch die Industrialisierung fanden immer mehr Bewohner Arbeit und Brot in den Fabriken. Der Strom der Auswanderer versiegte allmählich. Nachdem die Mark Babenhausen in Eppertshausen in den Jahren 1886/88 eine zweite Markziegelhütte errichtet hatte, ließ die Familie von Groschlag durch Thomas Enners aus Dieburg im Oberwald eine Ziegelhütte mit Hofgut errichten. Heute ist diese Ziegelhütte, die „Thomashütte” ein beliebtes Ausflugsziel und eine bekannte Speisegaststätte.

  • 1895

Der Bau der Eisenbahn 1895 öffnet den Ort der neuen Zeit. Viele Pendler fuhren in die Fabriken der Nachbarstädte. Sie brachten den modernen Zeitgeist in das Dorf. Nach dem 1. Weltkrieg entstand die erste Fabrik, eine Schamottefabrik, in Eppertshausen.

  • 1925

wurde das Gas durch elektrischen Strom ersetzt. 1930 wurde die Wasserleitung verlegt. Die Herstellung von Lederwaren kam zu voller Blüte.

  • 2. Weltkrieg

Den 2. Weltkrieg überstand der Ort ohne Zerstörungen. Jedoch die Gefallenen des Krieges haben tiefe Wunden hinterlassen. Doch zum Klagen blieb keine Zeit. Neue Schwierigkeiten mussten gemeistert werden. 1946 traf die erste Gruppe von Heimatvertriebenen im Ort ein und viele folgten ihnen nach. Sie wurden aufgenommen und in die Gemeinde integriert. Durch den immensen Zuzug mussten die kommunalen Einrichtungen erneuert werden.

  • 1908

Seit 1908 besteht im Ort ein Kindergarten der von katholischen Ordensschwestern geführt wurde. Von 1961 an ist der Caritasverband der Träger. Im Jahre 1972 wurde das Angebot an Kindergartenplätzen von der Gemeinde durch einen weiteren, gemeindeeigenen Kindergarten erweitert. Eine moderne Sozialstation umsorgt die Kranken und Hilfsbedürftigen.

  • 1956

wurde die Mehrzweckhalle ihrer Bestimmung übergeben. Sie dient der Schule wie den Vereinen gleichermaßen. 1958 war der erste Bauabschnitt der Volksschule fertiggestellt. Im dritten Bauabschnitt kamen nochmals 15 Säle hinzu. Heute ist der Grund- und Hauptschule eine Förderstufe und ein freiwilliges 10. Hauptschuljahr mit der Möglichkeit, den Realschulabschluss zu erreichen, angeschlossen. Weiterführende Schulen befinden sich im nahen Münster und Dieburg.

  • 1961

erhielt die Feuerwehr ein neues Gerätehaus mit den modernsten Löschgeräten. Im Jahre 1977 wurde hier der „1. Löschzug, Retten im Katastrophenschutz” stationiert.

  • 1965

trat die Gemeinde dem Wasserverband, Gruppenwasserwerk Dieburg bei. Die Kläranlage wurde erstellt.

  • 1966-76

Seit 1966 gibt es in Eppertshausen eine selbständige Evangelische Kirchengemeinde. Schon 1967 konnte die junge Gemeinde ihr Gemeindehaus einweihen und mit regem Leben füllen. 1976 wurde eine Pfarrvikarstelle eingerichtet. Heute gibt es im Ort eine lebendige Evangelische Kirchengemeinde mit einer großen Vielfalt an Aktivitäten für jedermann.

  • 1974

Bei der Gebietsreform erhielt der Ort seine Selbständigkeit.

  • 1980

Einweihung des Sportzentrums

  • 1983

wurde die Großsporthalle eingeweiht. Nun ging man daran den Franz-Gruber-Platz zu gestalten. Die ersten Geschäfte und Wohngebäude wurden errichtet.

  • 1986

Die Gemeinde feiert Ihr 1150 jähriges Bestehen 836 - 1986 mit einem großen Jahrmarkt der Jahrhunderte und einem historischen Festzug.

  • 1987

konnte die Gemeindeverwaltung in das neue Rathaus einziehen.

  • heute

Neue Wohn- und auch Gewerbegebiete wurden erschlossen, um Wohn- und Arbeitsplätze zu sichern. Für die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger ist ein Seniorenwohnheim im April 1999 bezugfertig geworden, in dem der Lebensabend in Ruhe gestaltet werden kann. Trotz dieser lebendigen Entwicklung blieb Eppertshausen ein liebenswerter, überschaubarer Ort, ein idealer Wohnort, auch mit sehr guten Bedingungen für Industrie- und Gewerbeniederlassungen. Durch den Anschluss an die B 45 neu, der Verbesserungen im öffentlichen Personennahverkehr und durch den Ausbau der Regionalstraßen sind die nahen lndustriestädte leicht zu erreichen.

Wappen

Seit dem Jahre 1957 führt die Gemeinde Eppertshausen ein eigenes Wappen.

Das Gemeindewappen wurde aus Teilen der Wappen der beiden einst hier ansässigen Rittergeschlechter vom Bürgermeister Stephan Gruber zusammengestellt. Von dem Wappen der eigentlichen Grundherren des Ortes, der Familie Groschlag, wurde die blaue Grundfarbe des Wappenschildes und der Schachriegel entnommen. Vom Wappen der Wasen, dem zweiten Rittergeschlecht, das hier Besitzungen hatte, stammen der Storch und die Kleeblätter. Dabei bleibt es sehr umstritten, ob die Wasen wirklich einen Storch als Wappenvogel führten. Der Storch für das Gemeindewappen wurde gewählt, weil auf dem Schulhaus ein Storch sein Nest hatte.

Die amtliche Beschreibung des Wappens der Gemeinde Eppertshausen: „Im Blau ein rot-silber geschachteter Schräglinksbalken, begleitet oben von einem nach links schreitenden silbernen Storch mit roter Bewehrung und unten von goldenen Kleeblättern in zwei schräglinken Reihen.”

Bürgermeister

  • 1822-1830 Andreas Braunwarth
  • 1830-1836 Peter Larem
  • 1837-1843 Adam Gruber
  • 1843-1848 Peter Larem
  • 1848-1866 Michael Gruber II.
  • 1866-1868 Franz Joseph Braunwarth
  • 1868-1901 Peter Andreas Euler II.
  • 1901-1919 Andreas Euler
  • 1919-1924 Johann Michael Gotta
  • 1925-1933 Peter Krickser
  • 1933-1934 Otto Dewet Blaschek (als Erster Beigeordneter)
  • 1934-1937 Otto Dewet Blaschek
  • 1937-1941 Johannes Wilhelm Helfrich
  • 1941-1945 Heinrich Eder (als Erster Beigeordneter)
  • 1945-1945 Franz Gruber II.
  • 1945-1948 Michael Scharf
  • 1948-1961 Stephan Gruber
  • 1961-1973 Peter Markus Larem
  • 1973-1991 Peter Gruber
  • 1991-2003 Herbert Weber
  • 2003-dato Carsten Helfmann

Valentinuskapelle

In der ersten Hälfte des 15. Jhd. wurde das heute älteste Gebäude der Gemeinde errichtet: die Valentinuskapelle. Sie wurde um 1440 erbaut und verdankt ihre Entstehung einem Streitfall mit Todesfolge. Der Totschläger wurde verpflichtet, vier Jahre lang Geld für den Kapellenbau zu geben. Die Valentinuskapelle, die eine schon in der zweiten Hälfte des 13. Jhds.existierende, aber bald schon zu klein gewordene Waldkapelle ablöste, steht am Ende des alten Dorfkerns, und war bis gegen 1800 ein Wallfahrtsort.

Pfarrkirche

Im Jahre 1737 ließen die Freiherrn von Groschlag eine neue Pfarrkirche bauen, die jedoch schon nach ungefähr 100 Jahren abbruchreif war. An der gleichen Stelle, nämlich am Südende der Gemeinde, wurde von 1827 bis 1832 die heutige Pfarrkirche von Eppertshausen errichtet. Die den Heiligen Sebastian und Valentin geweihte Kirche wurde unter der Regie des Staatsbauamts des Großherzogtums Hessen-Darmstadt gebaut, zu dem Eppertshausen seit 1816 gehörte. Die Pläne lieferte der Landesbaumeister Georg Lerch, ein Schüler des Darmstädter Baumeisters Georg Moller.

Eppertshausen, das Dorf der Häfner

Der Ursprung geht bis in das 17. Jhd. zurück. Das Material, der Ton (siehe Tonmineral), hierfür wurde zumeist in der Gegend um die heutige Thomashütte (einem beliebten Ausflugslokal) gegraben. Die Abgabe erfolgte durch die Bürgermeisterei mit einem Tonabgabeschein für ein- und zweispännige Fuhren oder waggonweise (10 Tonnen) gegen Entgelt. Eine Grubenpacht wurde ebenfalls erhoben. Noch heute zeugen in einem Naturschutzgebiet Wassertümpel von eingestürzten Tonlöchern und Gruben vom damaligen Abbau. Die Arbeit mit dem Ton vom Stechen, Transportieren, Trocknen, Formen, Verzieren und Brennen bis hin zum Verkauf war sehr mühsam. Das Endprodukt war ein gar vielseitiges Angebot an Töpfen, Schüsseln, Kannen, Krügen und Tassen. Dazu kamen Kacheln, Relieftafeln, Wandteller, Vasen, Dachreiter und vieles mehr - feuerfest dekoriert mit Marmorierungen und in Zierkeramik. All dies zeugt von der vollendeten Arbeit der Häfner (zu heutiger Zeit „Töpfer” genannt).

Der Verkauf der Waren als „Erdenes Geschirr” erfolgte nicht nur auf der „Dibbemess” in Frankfurt, sondern auch in der weiteren Umgebung bis in den Spessart, Vogelsberg und rheinabwärts, umgeladen auf Schiffe ab Hanau oder Offenbach bis nach Holland sowie rheinaufwärts bis an den Bodensee. Den Transport ab Eppertshausen besorgten Pferdefuhrwerke, in denen die Tonwaren wohlverpackt mit Stroh befördert wurden.

In Eppertshauen übten zwischen 1820 und 1830 dreizehn Häfner das Handwerk aus. 1850 gab es zudem noch drei Ziegeleien, die gleichfalls den Ton verarbeiteten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählte man im Dorf 34 Töpfer. Im Jahre 1900 waren es 14 Werkstätten mit Meistern und Gesellen. 1925 sank die Zahl der Töpfer auf sechs. Heute gibt es nur noch die Töpferei Müller, die die Tradition mit den immer noch beliebten Tonwaren fortsetzt. Die Massenanfertigung mit modernsten Geräten bedeutete das Ende vieler kleiner Werkstätten.

Thomashütte

Der Gutshof Thomashütte wurde im Jahre 1698 von Thomas Enners im damals „Groschlagischen Oberwäldchen” als Ziegelhütte erbaut, die 1703 als Groschlagisches Erbleihgut bestätigt und 1705 dem Grafen Philipp Reinhard zu Hanau zehntfrei erklärt wurde. Gleichzeitig wurde der Rodungshof als Landwirtschaft betrieben. Der alten Römerstraße „Hohe Straße”, eine damalige Hauptverbindung vom Odenwald nach Frankfurt, ist es wohl zuzuschreiben, dass sich in der Thomashütte bald ein Einkehrplatz, beziehungsweise eine Herberge zusätzlich entwickelte, wo man sich bei selbstgekeltertem Apfelwein und selbstgebackenem Brot erfrischen konnte. Auch die Pferde der Fuhrleute wurden versorgt.

Um 1809 betrieb der „Erbständer” bzw. „Erbleihziegler” Christoph Scharf den Gutshof Thomashütte. Die Erbleihe musste nach einer gewissen Zeit erneuert werden. In der neuen Erbleihe seines Sohnes Erwin Scharf vom 8. September 1819 ist dann zu lesen, dass er neben der Landwirtschaft in seiner Hofreite eine Gastwirtschaft betrieb, nahe bei den Ziegelbrennöfen. Gebrannt wurden Dach-, Mauerziegel und Kalk, die zum Teil noch heute auf den alten Dächern und Gemäuern zu sehen sind.

Am 25. November 1841 heiratete Katharina, die einzige Tochter des Erwin Scharf und seiner Frau Katharina, geb. Seipel, Andreas Gruber. Mittlerweile besteht der Name Gruber in der sechsten Generation der Thomashütte. Andreas Gruber erwarb dann das Erbleihgut durch Allodifikationsvertrag vom 29. Juli 1878 als uneingeschränktes Eigentum. Sein Nachfolger Wilhelm Gruber und seine Frau hatten sieben Kinder, vier Söhne und drei Töchter. Wilhelm Gruber starb 1908. Seine Frau schaffte es, mit ihrer Familie den Gutshof Thomashütte weiterzuführen. 1925 übernahm Josef Gruber mit seiner Frau Josefa, geb. Murmann, den Gutshof Thomashütte. Die Ziegelbrennerei eingestellt, aber im gleichen Zuge die Apfelweinkelterei und die Gastwirtschaft erweitert. Alte Rechnungen aus dieser Zeit bezeugen Apfelimporte aus Frankreich per Bahnwaggon. Als Speisen gab es Hausgemachtes, wie Wurst, Kochkäs' und Speck mit Eiern. Die Gastwirtschaft wurde, besonders im Sommer, immer stärker zum Ausflugsziel der Umgebung.

1952 übernahm Karl Gruber mit seiner Frau Elisabeth, geb. Willenborg, den Betrieb. 1955 wurden die Gasträume vollkommen umgebaut und renoviert. Durch einen Anbau 1965 machte man es dann möglich, die Küche und die Gasträume zu erweitern. Das Speisenangebot konnte ausgedehnt werden und es bestand jetzt die Möglichkeit, Feierlichkeiten für Gruppen bis zu 30 Personen auszurichten.

1975 wurde nochmals ein größerer Gastraum angebaut um der mittlerweile ständig wachsenden Nachfrage nach Räumen für Busgesellschaften und Feierlichkeiten aller Art gerecht zu werden. Für die kleinen Gäste wurde gleichzeitig ein Spielplatz angelegt.

Nach und nach wurden auch die Apfelweinkelterei und die Metzgerei zu ansehnlichen Nebenbetrieben. Seit 1984 wird auch die Landwirtschaft wieder zeitgemäß betrieben. Auf ca. 40 Hektar Grünland weiden 30 Mutterkühe mit ihren Kälbern.

Am 1. Januar 1993 übernahm Thomas Gruber mit seiner Familie den Gutshof Thomashütte.

Politik

Gemeindevertretung

Die Kommunalwahl am 26. März 2006 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 60,9 16 44,3 14
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 35,0 10 47,0 14
FDP Freie Demokratische Partei 4,1 1 8,7 3
gesamt 100,0 27 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 45,7 55,5

Agrar- und Forstwirtschaft

Bodennutzung in den Gemarkungsteilen

Der Forst Eichen (im Volksmund: „die Aje”), in der westlichen Gemarkung gelegen, ist geprägt durch Mischwälder und einige ehemalige Steinbrüche. Einige große Wiesen befinden sind im Wald: die Höllwiese, die Langwiese und die Schmillenbruchwiese.

Der Oberwald, ebenfalls in der westlichen Gemarkung gelegen, weist hohe Tonvorkommen auf, welche bis ins 20. Jhd. abgebaut wurden. Die verbliebenen Gruben wurden danach als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Ebenfalls im Oberwald befinden sich einige Weiden für Rinder, z.B. die Hellwies.

Der Abteiwald, in der östlichen Gemarkung gelegen, besteht auch aus Mischwald; der Boden ist überwiegend sandig, so wie die Böden des angrenzenden Rodgaus. Ebenfalls in der östlichen Gemarkung befindet sich die Brüchelswiese (hinterm Sportzentrum), welche aufgrund der oftmals nassen Böden vorzugsweise als Weideplatz genutzt wird.

Die südliche Gemarkung ist geprägt durch Felder und Weiden und weist humusreichere Böden auf. Der Anbau von Getreide, Mais und Raps ist verbreitet. Außerdem gibt es mehrere Weideplätze für Rinder und Schafe.

Verkehr

Straßenverkehr

Eppertshausen besitzt eine gute Verkehrsanbindung in alle Richtungen. Alle Orte des Rhein-Main-Gebietes können mit dem Kraftfahrzeug innerhalb von einer Stunde erreicht werden. Zum Rhein-Main-Flughafen beträgt die Fahrtzeit ca. 30 min. Zur Autobahn A3 Köln-Frankfurt-Würzburg benötigt man ca. 15 min. Zur Autobahn A5 Kassel-Frankfurt-Heidelberg benötigt man ca. 30 min.

Bahnverkehr

Eppertshausen liegt im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes und ist ein Haltepunkt der Dreieichbahn. Einmal pro Stunde fährt ein Triebwagen sowohl in nördlicher Richtung nach Buchschlag als auch in südlicher Richtung nach Dieburg. Von Buchschlag besteht Anschluss nach Frankfurt am Main. Von Dieburg besteht Anschluss nach Darmstadt und Aschaffenburg. Im Berufsverkehr gibt es zusätzliche Direktzüge nach Frankfurt am Main.

Der Güterverkehr wurde eingestellt.

Mundart

Allgemeines

„Ebbetshause” liegt im hessischen Mundartgebiet, welches zur Gruppe der rheinfränkischen Mundarten gehört. Die noch vorhandene starke lokale Prägung weicht seit dem 2. Weltkrieg einer südhessischen Umgangssprache. Die Gründe hierfür sind u.a. der starke Zuzug von Vertriebenen, Aussiedlern, ehemaligen Gastarbeitern und Menschen aus anderen Regionen Deutschlands. Das „Ebbetshaiserisch” wird hauptsächlich von älteren Einwohnern gesprochen.

Veröffentlichungen

Im Dezember 2005 haben die Autoren Carlo Blickhan, Claus Bernhard Blickhan und Norbert Anton die 2. Auflage des „Kleinen Eppertshäuser Wörterbuch” - eine Sammlung der Eppertshäuser Sprache/Dialekt - herausgegeben.

Bildungseinrichtungen

  • Stephan-Gruber-Schule (Grundschule, Förderstufe, Haupt- und Realschule)
  • 2 Kindergärten (kath.- und Gemeindekindergarten)

Vereine

  • Liederkranz-Frohsinn (Gesangverein: Männerchor, Kinderchor)
  • Germania (Gesangverein)
  • Die Choryphäen (Junger gemischter Chor)
  • TAV (Turnen,Tennis,Tanzen,...)
  • OWK (Wandern, Mandolinenorchester, Volkstanz, Naturschutz)
  • FVE (Fußball)
  • TTC (Tischtennis)
  • FFW (Freiwillige Feuerwehr)
  • GVE (Gewerbeverein)
  • GKV Lotus (Karateverein)
  • Angelverein Eppertshausen

Quellen und Literatur

  • Kapitel 1.4 und 1.5:

Wanderkarte Darmstadt - Messeler Hügelland, 1:20000, Hrsg.: Hess. Landesvermessungsamt, 2002

  • Kapitel 2.1:

Homepage der Gemeinde Eppertshausen, 2006

  • Kapitel 2.2 und 2.3:

Die Chronik von Eppertshausen, Wilhelm Körner, 1995

  • Kapitel 2.4 und 2.5:

Denkmäler im Landkreis Darmstadt-Dieburg, Hrsg.: Landkreis DA-DI, 1982

  • Kapitel 2.6:

Quo vadis Lerman, Reinhold Karl Lahrem, 2003

  • Kapitel 2.7:

Homepage vom Gutshof Thomashütte, Fam. Gruber, 2007




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Informationsportal über Eppertshausen in Hessen - 24.5.2012