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Eßweiler ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Kusel in Rheinland-Pfalz (Deutschland) und gehört zur Verbandsgemeinde Wolfstein. GeografieEssweiler hat 462 Einwohner und eine Fläche von 8,1 km². Der Ort liegt ca. 25 km nördlich von Kaiserslautern, ca. 15 km östlich von Kusel und etwa 4 km westlich von Wolfstein am Fuss des Königsberges. Verwaltung, Bürgermeister und GemeinderatEssweiler gehört seit dem 1. Januar 1972 zur damals neu gegründeten Verbandsgemeinde Wolfstein. Der Verwaltungssitz ist in der Bergstrasse 2 in 67752 Wolfstein. WappenDas Wappen wurde am 13. Oktober 1982 von der Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz genehmigt. Der Hintergrund ist goldfarben. Eine Teilung erfolgt durch eine von oben rechts nach unten links verlaufende, breite, blaue Wellenlinie. Im oberen Feld befindet sich eine rote Burg mit Turm; im unteren Feld sind zwei gekreuzte Steinabbauhämmer zu sehen. Das Wappen symbolisiert den Talbach, die Sprengelburg und die Steinbrüche im Ortsteil Schneeweiderhof. GeschichtlichesDie zum heutigen Zeitpunkt erste bekannte Erwähnung Essweilers ist ein Dokument der Grafen von Zweibrücken von 1296, in dem ein Ort "Esewilr" auftaucht. Der Ursprung des Namens soll ein "Weiler des Ezzo (oder Azzo)" sein. Doch schon vorher war die Gegend besiedelt: Von der Stein- bis zur NeuzeitBis zur Römerzeit Im Mittelalter Ursprünglich lag der Ort am Königsberg in der heutigen Gewanne Kirchwiese, in früherer Zeit wurden dort auch noch Mauerreste aufgefunden. Essweiler gehörte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zum Komplex "Essweiler Tal", einer Einheit, zu der die Gemeinden Essweiler, Oberweiler im Tal, Hinzweiler, Nerzweiler, Hundheim, Aschbach, Horschbach, Elzweiler und Hachenbach gehörten. Sitz der Verwaltung war zunächst Nerzweiler, zwischen 1443 und 1477 wurde der Amtssitz nach Hundheim verlegt. Zwischen Essweiler und Oberweiler im Tal bauten die Ritter von Mülenstein, Lehnsmänner der Wildgrafen, die Sprengelburg (Springeburg). Sie hatte jedoch nicht lange Bestand und wurde bald darauf wieder zerstört. In der frühen Neuzeit Die Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts verursachten grosse Verwüstungen und Verluste in der Bevölkerung. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Gegend mehrfach von verschiedenen Heeren durchzogen und dabei ausgeplündert, eine Mühle in Essweiler wurde zerstört (sie wurde 1661 wiederaufgebaut). Zwischen 1635 und 1638 wütete zusätzlich die Pest, die auch schon zuvor sporadisch auftrat. Auch die folgenden Auseinandersetzungen, vor allem der Pfälzische Erbfolgekrieg, spielten sich zum Teil in der Region ab. 1768 lebten im "Essweiler Tal" nur noch 141 Familien, viele Bewohner, auch aus Essweiler, wanderten nach Nord- und Südamerika sowie nach Osteuropa aus. Eine langsame Erholung setzte erst im 18. Jahrhundert ein. Um 1730 wurde in Essweiler mit dem Bau einer Kirche begonnen. 1745 gab es wieder zwei Mühlen im Ort, beide Gebäude sind noch vorhanden, die Mühle in der Mühlgasse wurde noch bis in die 1970er Jahre betrieben. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute Der Ausbruch der französischen Revolution brachte wieder kriegerische Auseinandersetzungen mit sich. Nachdem die Gegend von Napoleon erobert wurde, gehörte Essweiler seit 1797 zu Frankreich, zum Département „Mont Tonnère” (Donnersberg). Ab 1816 bis zum Ende des 1. Weltkrieges gehörte Essweiler zum Königreich Bayern, danach bis 1947 zum Freistaat Bayern. ReligionenChristentum Als Beleg für eine frühe Christianisierung der damaligen Bevölkerung wurde der 1904 gefundene Silberlöffel aus der Römerzeit gewertet, denn die an Weintrauben pickenden Tauben, mit denen er verziert ist, wurden in der Fundbeschreibung als typisch christliches Emblem bezeichnet. Er zeigt zumindest, dass damals schon Kontakte zu Christen bestanden. Die Jüdische Gemeinde Im Jahr 1688 wohnten in Essweiler 4 jüdische Familien. Deren Zahl erhöhte sich im Laufe der Jahre stetig. In den 1860er Jahren hatte Essweiler eine der grössten jüdischen Gemeinden im Landkreis Kusel, 1867 lebten hier 85 Juden. Einen ähnlich hohen jüdischen Bevölkerungsanteil hatte im Landkreis Kusel nur noch Steinbach am Glan. Die Zahl verringerte sich in den folgenden Jahren aber ebenso kontinuierlich wieder, viele Bewohner zogen in die grösseren Städte. Nach dem 1. Weltkrieg lebten bis zur Nazizeit nur noch zwei jüdische Familien in Essweiler. In der Reichspogromnacht drangen Nazianhänger in ihre Häuser ein und verwüsteten sie. Kurz darauf wurden die verbliebenen Familienmitglieder, der Witwer Isidor und sein Bruder Sigmund Rothschild mit seiner Frau Blondine, abgeholt. Sigmund und Blondine starben wohl in Theresienstadt. Auch 2 ihrer 4 Töchter wurden in den Konzentrationslagern ermordet. Die anderen beiden Töchter sowie die Söhne von Isidor Rothschild konnten entkommen und lebten später in den USA. Es gab eine Synagoge im Ort, im Volksmund "Judenschule" genannt. Sie wurde schon im Jahr 1789 erwähnt. Die Strasse, in der sie lag heisst bei der Bevölkerung heute noch "Judengasse". Die Synagoge wurde um 1900, nach anderen Angaben erst kurz vor dem 1. Weltkrieg aufgegeben und verkauft. Das Gebäude steht noch, es wird aber als Wohnhaus genutzt und enthält keine Zeugnisse seiner ursprünglichen Nutzung mehr. Im Nachbargebäude wurde bei Renovierungsarbeiten in den 1960er Jahren die Reste einer Mikwe gefunden. Die Toten wurden auf dem jüdischen Friedhof in Hinzweiler bestattet. wirtschaftliche Entwicklung, WandermusikantentumIm 19. Jahrhundert stieg die Bevölkerungszahl von Essweiler stark an. 1803 wurden 464 Einwohner gezählt, 1836 dann 614 (28 Katholiken, 525 Protestanten und 61 Juden) und 1867 716 Einwohner (14 Katholiken, 617 Protestanten und 85 Juden). Mangelnde Verdienstmöglichkeiten und immer wieder auftretende Hungersnöte führten jedoch zu diversen Auswanderungswellen, die bis in die 1920er Jahre in nennenswertem Umfang anhielten. Bergbau Wandermusikantentum Auch der Ursprung des Wandermusikantentums lag in den 1830er Jahren. Im Unterschied zu den permanenten Auswanderungen, nach Nord- und Südamerika oder nach Süd-Ost-Europa, kehrten die meisten Wandermusikanten immer wieder hierher zurück, wenngleich ihre Reisen manchmal auch mehrere Jahre dauern konnten.
Wirtschaft und InfrastrukturArbeitsplätzeDas Ende des Wandermusikantentums nach dem 1. Weltkrieg brachte einen empfindlichen Einschnitt bei den Arbeitsmöglichkeiten. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die früher typischen landwirtschaftlichen Betriebe zu Nebenerwerbsbetrieben umgewandelt oder verschwanden ganz. Auch der Steinbruch auf dem Schneeweiderhof, der bis in die 1960er Jahre teilweise über 500 Arbeiter beschäftigte, wurde um 1970 stillgelegt. So sind die Einwohner von Essweiler heute größtenteils gezwungen, als Pendler Arbeitsstellen in den umliegenden Gemeinden und Städten wie Wolfstein, Kusel oder Kaiserslautern anzunehmen. Die hier ansässigen Kleinbetriebe, unter anderem zwei Omnibusbetriebe, mehrere Handwerksbetriebe, die Kreismülldeponie des Landkreises Kusel auf dem Schneeweiderhof, die 1988 in Betrieb genommen wurde, sowie das Christliche Jugenddorf Wolfstein bieten nicht genügend Arbeitsplätze. VerkehrsanbindungenDurch Essweiler führt die Landesstraße L 372. Sie heisst im Ortsbereich Hauptstrasse und führt von Rothselberg nach Offenbach-Hundheim. In die Hauptstrasse mündet in der Ortsmitte die Landesstrasse L 369, im Ortsbereich Krämelstrasse genannt. Sie führt nach Jettenbach. Von der Krämelstrasse zweigt die Kreisstraße K 31 auf den Schneeweiderhof ab. Sie wurde 1959 gebaut. InfrastrukturVersorgungseinrichtungen 1907 wurde eine erste Wasserleitung verlegt. Das Wasser kam von einer Quelle am Trautmannsberg. Ab 1924 wurde Essweiler dann ans Stromnetz angeschlossen. Mit der Kanalisation wurde 1956 begonnen. In den 1980er Jahren wurde Essweiler, in den 1990er Jahren auch der Schneeweiderhof über Fernleitungen an eine überregionale Wasserversorgung angeschlossen. Die Brunnen befinden sich im Landstuhler Bruch. Schulen und Kindergärten 1936 wurde das Schulhaus am Ortsausgang nach Oberweiler im Tal gebaut. Es wurde, nach mehrmaligen Umbauten, bis 2002 genutzt. Zwischen 1952 und 1965 war auf dem Schneeweiderhof eine eigene Schule in Betrieb war. Geschäfte In früherer Zeit konnte noch der gesamte tägliche Bedarf im Ort gedeckt werden. Es gab mehrere Metzgereien und Bäckereien, die zur gleichen Zeit existierten. Während der Blütezeit des Wandermusikantentums betrieb der Musikant Adolph Schwarz sogar ein Musikgeschäft. Bis Mitte der 1970er Jahre gab es in Essweiler noch 3 Lebensmittelgeschäfte, 2 Metzgereien und eine Bäckerei. Aktuell sind noch 1 Lebensmittelgeschäft und eine Bäckereifiliale vorhanden. Gaststätten Ein ähnliches Bild wie bei den Geschäften zeigt sich bei den Gaststätten: Bis zum Anfang der 1970er Jahre existierten in Essweiler 4 und auf dem Schneeweiderhof 1 Gaststätte. Heute gibt es in Essweiler und auf dem Schneeweiderhof nur noch jeweils 1 Gaststätte sowie die nachmittags geöffnete Hütte des Heimatvereins, etwa 500 m ausserhalb des Ortes. Bürgerhaus Essweiler Da es in Essweiler keine Räumlichkeiten für grössere Veranstaltungen mehr gab (die früher vorhandenen Tanzsääle in den Gaststätten wurden nach und nach zu Wohnungen umgebaut), wurde Anfangs der 1990er Jahre mit den Planungen zum Bau eines Dorfgemeinschaftshauses begonnen. Ursprünglich sollte es am Ortsausgang in Richtung Jettenbach als Neubau erstellt werden. Glücklicherweise wurde jedoch noch in der Planungsphase ein landwirtschaftliches Anwesen in der Ortsmitte, bestehend aus Wohnhaus, Hof und Scheune mit Ställen, zum Verkauf angeboten. Die Gemeinde griff zu und die Planung wurde in die neue Richtung gelenkt. Sonstige Einrichtungen Zwischen 1967 und 1969 wurde das Rathaus erbaut. Es beherbergt heute das Sitzungszimmer des Gemeinderates, die Filiale der Kreissparkasse und eine Bäckereifiliale und wird von örtlichen Vereinen oder Gruppen genutzt. Im Keller wurde ein Jugendraum eingerichtet. Direkt daneben wurde 1988 das Feuerwehrgerätehaus errichtet. Nach dem Kauf eines landwirtschaftlichen Anwesens durch die Gemeinde und dem Abriss der Gebäude wurde 1987 der Dorfplatz in der Dorfmitte fertiggestellt. Kultur und FreizeitVereine und GruppenFolgende Vereine und Gruppen sind zur Zeit in Essweiler aktiv:
SehenswürdigkeitenDie Ruine Sprengelburg Zwischen Essweiler und Oberweiler im Tal, auf einem Ausläufer des Königsberges direkt an der Landstrasse 372 liegt die Sprengelburg (oder Springeburg). Sie wurde, nach den vorhandenen Bauresten zu urteilen, um 1300 errichtet. Die Burg wurde jedoch bald darauf schon wieder zerstört, da ihre damaligen Eigentümer, die Ritter Mülenstein, dem Raubrittertum frönten. Die "Kolonie" In den Steinbrüchen auf dem Schneeweiderhof waren bis in die Mitte des 20sten Jahrhunderts zeitweise bis zu 500 Menschen beschäftigt. Sie kamen aus den umliegenden Dörfern und legten den Weg auf den Berg, manchmal 5 bis 6 km, im Sommer wie auch im Winter zu Fuss zurück. Zwischen 1922 und 1924 wurde auf dem Schneeweiderhof vom Eigentümer der Steinbrüche, der Basalt AG, Linz am Rhein, aus den dort vorkommenden Basaltsteinen eine Arbeitersiedlung errichtet. Sie wird im Volksmund "die Kolonie" genannt. Der Komplex besteht aus einem dreigeschossigen Hauptbau und zwei Flügelbauten, die etwas näher zur Strasse liegen. Durch rundbögige Durchfahrten gelangt man auf die hinter dem Komplex liegenden Höfe. Dort lagen Stallungen für Ziegen und Hühner. Die Aussenansicht des Gebäudekomplexes ist grösstenteils noch im Original erhalten. Viele Wohnungen sind nicht mehr bewohnt. Evangelische Kirche In der Ortsmitte steht die evangelische Kirche. Das Langhaus wurde um 1730 errichtet. Nachdem der hölzerne Dachreiter baufällig geworden war, wurde 1865 ein steinerner Turm angebaut. FreizeitmöglichkeitenSegelflugplatz Oberhalb des Ortes liegt der Segelflugplatz Eßweiler, der vom Luftsportverein Eßweiler (vormals Landstuhl) e. V. betrieben wird. Der Platz wurde 1964 gebaut und ist für Segelflug, Motorsegler und UL zugelassen. Kolbengetriebene Motorflugzeuge bis 2 Tonnen Abfluggewicht sind nur mit Segelflugschleppkupplung zugelassen. Ortsteil SchneeweiderhofDer Ortsteil Schneeweiderhof liegt etwa 3 km von Essweiler entfernt auf dem 520 m hohen Bornberg. Seine Geschichte ist eng mit den Steinbrüchen verknüpft. Persönlichkeiten
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