Flöha in Sachsen


Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Regierungsbezirk: Chemnitz
Landkreis: Freiberg
Verwaltungsge-
meinschaft:
Flöha
Koordinaten: 50° 51′ N, 13° 4′ O
Höhe: 275 m ü. NN
Fläche: 18,53 km²
Einwohner: 10.633
Bevölkerungsdichte: 574 Einwohner je km²
Postleitzahl: 09557
Vorwahl: 03726
Kfz-Kennzeichen: FG
Gemeindeschlüssel: 14 1 77 120
Adresse der
Stadtverwaltung:
Augustusburger Str. 90
09557 Flöha
Webpräsenz: www.floeha.de
Bürgermeister: Friedrich Schlosser (CDU)
Lage der Stadt Flöha im Landkreis Freiberg

Die Große Kreisstadt Flöha ist eine sächsische Kleinstadt im Westen des Landkreises Freiberg. Nach der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1346 entwickelte sich das Gebiet am nördlichen Rand des Erzgebirges am Zusammenfluss der Flüsse Flöha und Zschopau mit dem Einsetzen der Industrialisierung im im 19. Jahrhundert zu einer Industriegemeinde, welche am 8. November 1933 zur Stadt erhoben wurde. Das heutige Stadtgebiet des unmittelbar an die Großstadt Chemnitz angrenzende Unterzentrums ging aus Gemeindezusammenschlüssen in den Jahren 1920 und 1962 hervor.

Geografie

Geografische Lage

Die Stadt Flöha befindet sich in dem gleichnamigen Becken, welches am Fuße des Unteren Erzgebirges durch die dort zusammenfließenden Flüsse Flöha und Zschopau ausgeräumt wurde. An diesem Zusammenfluss beider Flüsse bilden vier ehemals selbstständige Gemeinden das heutige zusammengewachsene Siedlungsgebiet der Stadt.

Nachbargemeinden

Die nachfolgenden Gemeinden grenzen an die Stadt Flöha. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten genannt:

  • im Landkreis Mittweida: Stadt Frankenberg
  • im Landkreis Freiberg: Falkenau und Stadt Augustusburg
  • die kreisfreie Stadt Chemnitz
  • im Landkreis Freiberg: Niederwiesa

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet von Flöha besteht aus den Ortsteilen Flöha, Gückelsberg, Plaue und Bernsdorf.

Geschichte

Flöha entstand als einreihiges Waldhufendorf in den Jahrzehnten nach der Mitte des 12. Jahrhunderts. Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte im Jahre 1399, als ein "Johannes pharer zcu der Flaw" in einer Chemnitzer Urkunde genannt wurde. Dies ist zugleich die erste indirekte Erwähnung der Dorfkirche von Flöha, die unmittelbar mit der Gründung des Ortes - vermutlich als Georgskirche - angelegt wurde. Die oft angenommene Ersterwähnung Flöhas in der Meißner Bistumsmatrikel Meißen beruht auf einer Irrung, da die älteste erhaltene Fassung dieser Matrikel aus dem Jahre 1495 (und nicht aus dem Jahre 1346) stammt. Ältestes sicher datierbares Bauwerk Flöhas ist der spätgotische Chor der erst seit um 1930 so "Georgenkirche" aus der Zeit um 1500/1510. Möglicherweise hat sich jedoch im Kirchenschiff Bausubstanz aus der Romanik (2. Hälfte 12. oder 1. Hälfte 13. Jahrhundert)erhalten. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche - abgesehen von dem spätmittelalterlichen polygonalen Chor - durch einen Barockumbau in der Mitte des 18. Jahrhunderts und durch eine historistische Erneuerung im Jahre 1880.

Seit 1453 wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein Kalk im Bergbau abgebaut. Mit dem Dreißigjährigen Krieg und die damit einhergehenden Morde, Brände, der Hungersnot sowie der darauffolgenden Pest reduzierte sich die Einwohnerzahl ab 1632 in einem Jahr um ein Viertel. Zahlreiche Bauerngüter fielen der Zerstörung preis. Auch mit dem Siebenjährigen Krieg gingen weitere Nöte einher. Zahlreiche wiederkehrende Überschwemmungen ließen die Siedlungsgebiete der vier Dörfer nicht zusammenwachsen, allerdings entwickelte sich die Flößerei auf beiden Flüssen zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig. Zwischen 1700 und 1880 wurde im Gebiet Flöha mit Unterbrechungen Steinkohle abgebaut.

Bis in das eingehende 19. Jahrhundert bewahrte Flöha den ländlichen Charakter seiner Siedlungen, die Gebiete waren auf die Lanndwirtschaft ausgerichtet. Mit der Gründung der ersten Baumwollspinnerei 1809 wurde Flöha zu einem Industriestandort, was den Beginn für die kommenden Jahrzehnte prägende Industrialisierung des Ortes darstellte. 1817 erfolgte die Gründung der zweiten Spinnerei in Flöha, Gückelsberg zog 1830 mit seiner ersten Spinnerei nach. Der Charakter der Industriegemeinden änderte sich mit dieser industriellen Entwicklung nachhaltig bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wie dies im Raum Chemnitz in vielen Gemeinden und Städten der Fall war. Flöha war maßgeblich durch das Ansehen der Baumwollspinnerei Clauß zur einer aufstrebenden Industriegemeinde aufgestiegen.

Ein weiterer Schritt dieser Entwicklung war die Anbindung Flöhas an das sächsische Eisenbahnnetz mit der Verbindung zwischen Chemnitz und Annaberg im Jahr 1866, der drei Jahre später errichteten Strecke nach Freiberg und Dresden sowie der Bau der in Flöha abzweigenden Nebenbahn nach Reitzenhain. Das beschleunigte die weitere Ansiedlung bedeutender Fabriken wie die der Buntpapierfabrik und Tüllfabrik in Plaue, des Dampfkesselbaus und einer Holzschleiferei in Flöha. Der Ort Plaue wurde 1874 zum Sitz der Amtshauptmannschaft Flöha erhoben, was den Bedeutungszuwachs der vergangenen Jahrzehnte deutlich wiedergab. Diese Entscheidung führte zum vermehrten Ansiedeln von Ämtern wie die Allgemeine Ortskrankenkasse im Jahr 1884 und der Gemeindesparkasse 1895.

Gückelsberg traf 1920 die Entscheidung, sich mit Flöha zusammenzuschließen. 1930 eröffnete man in der Stadt ein Hauptpostamt und eine Fach- und Handelsschule. Erst am 8. November 1933 wurde man mit der Erhebung zur Stadt auch auf formaler Ebene der Bedeutung gerecht, die Flöha durch die Industrie erlangt hat. Die von Arbeitersportlern errichtete Turnhalle in Plaue (Flöha-Süd) wurde von März bis Juli 1933 von SA und SS als „Schutzhaftlager” missbraucht. Zeitweise waren dort 200 Gegner der NS-Diktatur inhaftiert, welche schwersten Misshandlungen ausgesetzt waren. Nach der Auflösung des Lagers kam ein Teil der Häftlinge in das KZ Sachsenburg. An der Vorderseite der Turnhalle erinnert ein Relief mit Szenen aus dem Lageralltag an die Verbrechen. 1934 folgte ein neuer Bahnhof, weitere Wohngebiete entstanden in der Folgezeit.

Nachdem der Zweite Weltkrieg keine direkten Einwirkungen auf Flöha nahm, wurde 1945 die Stadt durch die sowjetische Armee besetzt. 1952 wurde Flöha Kreisstadt des Kreises Flöha. Am 1. Januar 1962 schloss sich Plaue mit Flöha zusammen, auch weil auch die Siedlungsgebiete verwachsen waren und die wirtschaftliche Verbindung bereits seit längerem gegeben war. Der Industriestandort und Kreisstadt Flöha war zu Zeiten der DDR weiterhin produktiv, es entstanden neue Wohngebiete, eine katholische Kirche, neue Kinderbetreuungs- und Schuleinrichtungen.

Mit der politischen Wende und der Wiedervereinigung Deutschlands brach die Industrie in der Stadt zusammen, eine hohe Zahl von Entlassungen im Bereich des industriellen Sektors war die Folge, was auch die verstärkte Abwanderung in die westlichen Bundesländer auslöste. 1994 verlor die Stadt mit der Zusammenlegung der Kreise Flöha, Freiberg und Brand-Erbisdorf ihren Status als Kreisstadt und wurde so zur Großen Kreisstadt. Heute ist Flöha die drittgrößte Stadt im Landkreis Freiberg und gehört zum Regierungsbezirk Chemnitz. Flöha gehört der Verwaltungsgemeinschaft Flöha an.

Eingemeindungen

  • 1920: Gückelsberg
  • 1. Januar 1962: Plaue

Politik

Stadtrat

  • CDU: 9 Mitglieder (hinzu kommt der Oberbürgermeister als Vorsitzender des Stadtrates)
  • Die LINKE.PDS: 5 Mitglieder
  • SPD: 4 Mitglieder
  • AUW: 3 Mitglieder
  • FDP: 1 Mitglied

Wappen

Das am 22. Januar 1997 vom Stadtrat angenommene Wappen hat folgende Blasonierung:

„In Blau auf oben bordiertem grünen Berg zwei silbern bekleidete Frauen mit goldenen Haaren, naturfarbenem Gesicht, naturfarbenen Armen und naturfarbenen Füßen, Hand in Hand, je einen kupferfarbenen Wasserkessel tragend, aus dem sich silbernes Wasser ergießt, dass zu den Füßen der Frauen zu einem Rinnsal zusammenfließt.”

Die beiden Rinnsale weisen auf den Zusammenfluss von Flöha und Zschopau hin.

Städtepartnerschaften

Seit 1963 existieren partnerschaftliche Beziehungen zur französischen Stadt Méricourt. Bis 1990 fand der Austausch mit Delegation aus Méricourt in Flöha statt, ab jenem Jahr war es möglich, auch Flöhaer Gruppen in die französische Stadt zu entsenden und so einen wechselseitigen Austausch zu ermöglichen. 2002 fand die Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages statt. Seitdem gibt es nahezu jedes Jahr Schüler- und Jugendaustausche, insbesondere durch die Flöhaer Mittelschule, und Kontakt auf kommunalpolitischer Ebene.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Die Stadt befindet sich mit dem Bahnhof Flöha an der überregionalen Bahnstrecke Dresden–Zwickau, der Sachsen-Franken-Magistrale, sowie an den regionalen Bahnstrecken zwischen Chemnitz und Neuhausen, Cranzahl und Vejprty. Dieser wird im 2-Stunden-Takt von der RE-Linie 3 Dresden–Zwickau–Hof sowie im Stundentakt von der RB-Linie 30 Dresden–Zwickau und im teilweise ungetakteten Verkehr durch die Erzgebirgsbahn bedient. Durch die Vielzahl der Züge gibt es nach Chemnitz im Tagesverkehr mehrere Züge pro Stunde.

Daneben verkehren zwei Stadtbuslinien und einige Regionalbuslinien durch die Stadt. Zentraler Umsteigepunkt ist der Busbahnhof vor dem Bahnhof.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Der Gründer von Aktion Sühnezeichen, Lothar Kreyssig, wurde am 30. Oktober 1898 in Flöha geboren.

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

Samuel von Pufendorf, ein deutscher Naturrechtsphilosoph, Historiker sowie Natur- und Völkerrechtslehrer, wurde am 8. Januar 1632 in Dorfchemnitz geboren und siedelte 1634 mit seiner Familie nach Flöha über. Er kann zu den bekanntesten ehemaligen Einwohnern Flöhas gezählt werden. Nach ihm wurde auch das Flöhaer Gymnasium benannt.

Literatur

  • Akademie der Wissenschaften der DDR, Geographisches Institut, Arbeitsgruppe Heimatforschung: Werte unserer Heimat. Das mittlere Zschopaugebiet. Berlin, Akademie-Verlag 1977



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Informationsportal über Flöha in Sachsen - 24.5.2012