Gernsheim in Hessen


Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Groß-Gerau
Koordinaten: 49° 45′ N, 8° 29′ O
Höhe: 88 m ü. NN
Fläche: 40,11 km²
Einwohner: 9418
Bevölkerungsdichte: 235 Einwohner je km²
Postleitzahl: 64579
Vorwahl: 06258
Kfz-Kennzeichen: GG
Gemeindeschlüssel: 06 4 33 004
Adresse der
Stadtverwaltung:
Stadthausplatz 1
64579 Gernsheim
Webpräsenz: www.gernsheim.de
Bürgermeister: Rudolf Müller

Gernsheim ist eine Stadt im Landkreis Groß-Gerau, Regierungsbezirk Darmstadt in Hessen und am Rhein gelegen.

Geografie

Geografische Lage

Gernsheim liegt südwestlich der Stadt Darmstadt, direkt am östlichen Rheinufer, südlich des Altrheins bei Stockstadt am Rhein im Rhein-Main-Gebiet. Landschaftlich zählt es zum Hessischen Ried.

Nachbargemeinden und -kreise

Gernsheim grenzt im Norden an die Gemeinde Biebesheim und die Stadt Riedstadt, im Osten an die Stadt Pfungstadt und die Gemeinden Bickenbach und Alsbach-Hähnlein (alle Landkreis Darmstadt-Dieburg), im Süden an die Stadt Bensheim und die Gemeinden Einhausen und Groß-Rohrheim (alle Kreis Bergstraße), sowie im Westen an die Gemeinde Hamm (Landkreis Alzey-Worms).

Stadtgliederung

Gernsheim besteht aus den Stadtteilen Allmendfeld, Gernsheim und Klein-Rohrheim.

Geschichte

Vorläufer der heutigen Stadt Gernsheim war ein römisches Kastell aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert. Ein 1972 in der Siegfriedstraße ausgegrabener Säulenstumpf stammt noch aus dieser Zeit. Das Kastell wurde spätestens im 3. Jahrhundert verlassen, als die Römer das rechte Rheinufer aufgaben.

Nach der Völkerwanderung wurde Gernsheim ein fränkischer Königshof (Ersterwähnung 852 in einer Urkunde Ludwig des Deutschen). 908 gelangte dieser in den Besitz des Klosters Lorsch (Erwähnung im Lorscher Codex) und 1232 unter die Herrschaft von Kurmainz, die bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 währte. So erklärt es sich, dass das Mainzer Rad heute im Wappen einer hessischen Stadt erscheint. Stadtrecht bekam Gernsheim 1356 mit einer Urkunde Karls IV.; es wurde befestigt und erhielt ein Wasserschloss als kurfürstliche Residenz.

Um 1425 wurde Peter Schöffer, Mitarbeiter Johannes Gutenbergs bei der Erfindung des Buchdrucks, in Gernsheim geboren. Die Stadt Gernsheim, die ihm 1836 auf dem heute nach ihm benannten Platz ein steinernes Denkmal setzte (gehauen von J. B. Scholl aus Darmstadt), feiert den 1503 in Mainz verstorbenen Drucker als größten Sohn der Stadt und nennt sich heute offiziell Peter-Schöffer-Stadt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gernsheim durch die Schweden geplündert. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde es durch die Truppen Generals Ezéchiel de Mélac 1689 in Brand gesetzt.

1803 kam Gernsheim im Zuge der Zerschlagung des kurfürstlichen Territoriums der Mainzer Erzbischöfe zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (ab 1815 Großherzogtum Hessen). Im 19. Jahrhundert wurde die Stadtbefestigung geschleift, die Vorstadt erweitert, die Stadt an die Rheinschifffahrt und eine Eisenbahnlinie angeschlossen, und erste Industrieanlagen entstanden.

Am 26. März 1945 wurde Gernsheim bei einem amerikanischen Artillerie-Angriff zu 40 % zerstört.

Der Wiederaufbau in den 1950er Jahren ging rasch vonstatten, und Gernsheim nahm eine große Zahl von Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten auf, deren Nachfahren heute noch im Städtischen Museum eine "Ostdeutsche Heimatstube" unterhalten.

Eingegliederte Gemeinden

  • Allmendfeld seit 1971 (gegr. 1937)
  • Klein-Rohrheim seit 1971 (ca. 1200 Jahre alt)

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Kommunalwahl am 26. März 2006 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 54,2 17 49,3 15
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 25,8 8 30,8 10
GRÜNE BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 7,4 2 8,7 3
FDP Freie Demokratische Partei 5,7 2 3,7 1
FWG Freie Wählergemeinschaft e.V. 6,9 2 7,6 2
gesamt 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 44,8 52,3

Partnerstädte

  • Bar-sur-Aube, Champagne-Ardenne, Frankreich seit 1976

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Die Bausubstanz des Ortskerns ist heterogen, was sich durch die Kriegszerstörungen erklärt; es dominiert Putz mit Flachdächern. Einzelne historische Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert haben sich in der Magdalenenstraße und in den benachbarten Straßenzügen erhalten, beispielsweise das Haus Zur Krone (Nr. 37) mit entsprechendem Emblem und Inschrift, der Komplex Nr. 64-68 sowie ein Langbau am Peter-Schöffer-Platz (1711) mit Torbogen von 1560 und Sonnenuhr von 1790 (Haus Nr. 71).

  • Die Pfarrkirche St. Magdalenen wurde 1750 durch den Mainzer Baumeister Johann Valerius Thomann erbaut. Stilistisch ist sie der Formensprache Balthasar Neumanns zuzuordnen, der im Umkreis (Heusenstamm, Hofheim im Ried) wirkte: Weißer Putz, alternierend mit rotem Sandstein an Lisenen und Portal, dreigliedrige Westfasade mit herauswachsendem dreigeschossigem Turm mit Oculus, Rundbogenfenstern und Zwiebelhaube. Querhaus, Nebenkapellen und Chor wurden 1887 hinugefügt. Am 26. März 1945 wurde die Kirche durch amerikanischen Artilleriebeschuss zerstört. Den Wiederaufbau in den Jahren 1947-51 leitete Hugo Becker aus Mainz. Durch Bischof Albert Stohr wurde die neue Kirche am 1. Mai 1951 eingeweiht. In den Jahren 2005/2006 fanden Sanierungsarbeiten statt. Der Hauptaltar des lokalen Baumeisters Andreas Diettmann (1783) mit Skulpturen von Sebastian Pfaff wurde rekonstruiert. Vor der Kirche steht die Statue des Heiligen Josef (restauriert 1979 nach Beschädigung 1945).
  • Das 12-achsige klassizistische Rathaus an der Ostseite des Marktplatzes wurde von Georg Moller entworfen. Es handelt sich um eine Rekonstruktion, da das Gebäude 1945 ausbrannte. 2005/2006 wurde es saniert.
  • Am Peter-Schöffer-Platz steht das Städtische Museum (so genanntes Peter-Schöffer-Haus), das 1978 eingerichtet wurde (renoviert 2002/2003 zum 500. Todestag des Buchdruckers). Vorher war das Gebäude, in dem auch die Stadtbücherei untergebracht ist, Städtische Volksschule, die 1823 an Stelle des nach seiner Zerstörung abgetragenen Kurmainzer Wasserschlosses errichtet wurde.
  • Highlight zeitgenössischer Architektur ist die 1997 erbaute Stadthalle mit Brunnenanlage aus Steinblöcken und Café unter Spalierpflanzungen.
  • Das Alte Elektrizitätswerk in Gernsheim (1903 im Jugendstil erbaut, 1954 stillgelegt) ist heute Galerie und Lehrmuseum des lokalen Graphik-Designers Mario Derra, der es 1995 erwarb und sanieren ließ.
  • An der Peripherie des Ortes, abseits der Bundesstraße 44 nach Groß-Gerau, steht inmitten der von kleinen Wasserläufen durchzogenen Riedlandschaft die Wallfahrtskirche Maria Einsiedel, 1495 erstmals erwähnt. Aus dieser Zeit stammt nur der Chor mit Kirchenschiff (erweitert 1508); Vorhalle und Sakristei stammen aus de Jahren 1871-75, die Fenster wurden 1912/13 eingebaut. Der gesamte Komplex wurde 1999 renoviert. Maria Einsiedel besitzt zwei Gnadenbilder, eine gotische Pieta um 1400 und eine barocke böhmische Madonna (um 1625), die am 2. Juli 1650 im Zuge einer großen Wallfahrt an diesen Standort kam.

Natur und Sport

Durch die Riedlandschaft am Rhein mit Weiden und Schilf führt der Rheinradweg.

Der Gernsheimer Stadtwald ist ebenfalls beliebt Radfahrern und Joggern; es werden auch naturkundliche Wanderungen organisiert. Der lokale Natur- und Vogelschutzverein hat hier seinen Standort.

1996 wurde ein 18-Loch-Golfplatz auf dem Gelände des aufgegebenen Bruchhofs gebaut; er gehört seit 2006 zum Verbundsystem der Golfanlagen Weiland.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Rheinisches Fischerfest - Seit 1948 eines der größten Volksfeste am Rhein (erstes Wochenende im August)
  • Straßenfastnacht (mit Umzug) - Fastnachtsamstag
  • Weihnachtsmarkt
  • Kerb
  • Innenstadtfest

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

  • B 44, B44a, B 426, A 67, L 3112, K 203
  • Eisenbahnanschluss: Bahnlinie Frankfurt - Mannheim
  • Busverbindung nach Darmstadt, Bensheim, Goddelau, Lampertheim
  • Rheinhafen mit Containerverladung und Gleisanschluss
  • Fährverbindung über den Rhein nach Rheinland-Pfalz (Eich a. Rhein)

Schulen

  • Peter-Schöfferschule (Grundschule)
  • Gutenberg-Schule (Haupt- und Realschule)
  • Gymnasium Gernsheim
  • Schiller-Schule (Sonderschule)

Literatur

Magnus Backes / Hans Feldtkeller: Kunsthistorischer Wanderführer Hessen, Stuttgart/Köln 1984, ISBN:3-88199-133-6




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Informationsportal über Gernsheim in Hessen - 24.5.2012