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Gerwisch ist eine Gemeinde an der Bundesstraße 1 auf halben Wege zwischen der Landeshauptstadt Magdeburg (12 km) und der Kreisstadt Burg (14 km) und hat Anschluss an die Bahnlinie Magdeburg - Berlin. Eine Anschlussstelle zur Bundesautobahn 2 ist acht Kilometer entfernt. Der Ort liegt am Westrand des Flämings, vier Kilometer von der Elbe entfernt. Das Umland ist landwirtschaftlich mit Böden mittlerer Qualität geprägt. GeschichteVor etwa 150.000 Jahren siedelten schon Menschen im heutigen Gerwischer Gebiet, das beweist der Gerwischer Faustkeil, der bei Ausgrabungen gefunden wurde. Mit weiteren Bodenfunden konnte die Besiedelung bis zum Beginn der Bronzezeit nachgewiesen werden. Danach finden sich erst zu Beginn des 1. Jahrtausend n. Chr wieder Spuren menschlichen Daseins. Einen ersten schriftlichen Nachweis gibt es aus dem Jahre 992 unter dem Namen Grobizi. Darin steckt der slawische Wortstamm „grob”, zu übersetzen als „Stätte am Graben oder Grab”. Die erste urkundliche Erwähnung stammt vom Magdeburger Erzbischof Wichmann aus den Jahre 1176, dort Grobiske genannt. Als Gherwitz bzw. Jerwitz wird der Ort im so genannten „Roten Buch”, dem Lehnsregister des Magdeburger Domkapitels der Jahre 1360 bis 1370 geführt. Die Zuordnung zum Domkapitel dauerte bis 1810, ehe Napoleon I. mit der Schaffung des Königreichs Westfalen die althergebrachten Herrschaftsverhältnisse beendete. Da Napoleons Machtbereich am Westufer der Elbe endete, blieb Gerwisch auch zu dieser Zeit unter preußischer Verwaltung und wurde von Potsdam aus verwaltet. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft bildete Preußen 1815 die Provinz Sachsen und führte eine Kreisreform durch, mit der Gerwisch in den Kreis Jerichow I mit der Kreisstadt Burg eingegliedert wurde. Ein großer Brand vernichtete 1825 den gesamten Ort. Da inzwischen zwei Kilometer weiter östlich die Chaussee Magdeburg - Burg gebaut worden war, errichtete man dort Gerwisch völlig neu. 1846 wurde der Bahnhof an der Strecke Magdeburg - Berlin eröffnet. Damit wurde Gerwisch für die zu dieser Zeit aufstrebende Industrie interessant und so entstanden 1859 eine Zuckerfabrik, 1878 eine Konservenfabrik und 1888 ein Kieswerk. Die Zuckerfabrik musste allerdings nach zwanzig Jahren bereits wieder ihre Produktion einstellen, sie wurde abgerissen und auf dem nordöstlich des Dorfes gelegenen Gelände entstand eine neue Wohnsiedlung. Anfang des 20. Jahrhunderts richtete das preußische Heer ein großes Munitionsdepot bei Gerwisch ein, das bis zum Ende des 1. Weltkriegs bestand. Danach wurde an seiner Stelle in den 1920er Jahren auf einem Teil durch die Reichsbahn eine neue Siedlung gebaut, während ein weiterer Teil von einem Schrottaufbereitungswerk genutzt wurde. Nach dem 2. Weltkrieg richtete die Stadt Magdeburg bei Gerwisch ein Klärwerk für seine Abwässer mit einer Pumpstation ein, mit deren Hilfe die Felder der Umgebung berieselt wurde. Auch nach dem Ende der DDR ist Gerwisch gemessen an seiner Größe ein guter Industriestandort mit dem Betonwerk, einer Verpackungsmittel- und einer Recyclingfirma geblieben. Westlich der Eisenbahn entstand eine neue Wohnsiedlung, sodass sich die Einwohnerzahl erheblich vergrößerte. Heute wird Gerwisch von seinen Einwohner auch liebevoll das "Schweinenest" genannt. Dieser Ausspruch lässt sich auf die dort ansässigen Landwirtschafts- und Zuchtbetriebe zurückführen. Am 21. Oktober 2006 kam es in Gerwisch zu einem rechtsradikalen Übergriff auf eine Geburtstagsparty, welche bundesweite Aufmerksamkeit erregte[1]. Gerwischer KircheDie mittelalterliche Kirche zu Gerwisch ging zusammen mit dem Ort beim Brand von 1825 unter. 1837 wurde die Königliche Technische Ober-Bau-Deputation Berlin, die zu dieser Zeit unter der Leitung von Karl Friedrich Schinkel stand, mit der Planung für eine neue Kirche beauftragt. Mit dem Bau wurde 1840 auf einem Grundstück an der Hauptstraße Breiter Weg begonnen, und innerhalb eines Jahres entstand ein klassizistischer Saalbau mit einem quadratischen Westturm. Der Turm wurde mit einem achteckigen Helm versehen, während das Haussteinmauerwerk der Kirche mit Gliederungselementen aus rotem Backstein verziert wurde. Gerwisch ist heute keine eigenständige Pfarrgemeinde mehr, das zuständige Pfarramt befindet sich in Lostau. Kommunale SelbstverwaltungDer für 2004 bis 2009 gewählte Gemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern. Die ehrenamtliche Bürgermeisterin Karla Michalski wurde erstmals am 6. Mai 2001 gewählt. Seit 2005 gehört Gerwisch zur Verwaltungsgemeinschaft Biederitz-Möser. Bedeutende PersönlichkeitenVon 1998 bis 2005 lebte die ehemalige Leichtathletik-Welt- und Europameisterin Grit Breuer in Gerwisch. Texte und Bilder stammen ganz oder teilweise aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht somit ganz oder teilweise unter der GNU Lizenz. Eine Liste der Autoren und Fotografen, sowie den Originaltext finden Sie hier. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
