Hahnheim in Rheinland-Pfalz


Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mainz Bingen
Verbandsgemeinde: Nierstein-Oppenheim
Koordinaten: 49° 52′ N, 8° 14′ O
Höhe: 124 m ü. NN
Fläche: 6,39 km²
Einwohner: 1578
Bevölkerungsdichte: 247 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55278
Vorwahl: 06737
Kfz-Kennzeichen: MZ
Gemeindeschlüssel: 07 3 39 025
Adresse der
Verbandsverwaltung:
Sant` -Ambrogio-Ring 33
55276 Oppenheim
Webpräsenz: www.hahnheim.de
Ortsbürgermeister: Sigrid Mangold-Wegner (SPD)

Hahnheim ist ein Gemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz (Deutschland).

Geografie

Geografische Lage

Hahnheim liegt zwischen Mainz und Worms, in Rheinhessen an der Selz. Der Weinort gehört der Verbandsgemeinde Nierstein-Oppenheim an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Oppenheim hat.

Geschichte

Die früheste Besiedlung ist durch archäologische Funde aus der Bronze- und Eisenzeit belegt. Ein wieder entdeckter Brunnen verweist auf die Zeit der Römer. Am 12. Juni 764 wird das fränkische Gut Hahnheim, wie im Lorscher Kodex nachzulesen ist, dem Kloster Lorsch vermacht. Das Kloster Lorsch tritt seine Rechte an der Siedlung dann im 12. Jahrhundert an verschiedene Lehnsherren ab.

1560 geht Hahnheim samt Kirchenrecht in den Besitz der Herren von Dienheim über, in deren Hand beides bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bleibt. Heute gehört Hahnheim, inzwischen ein 1600-Seelen-Ort zur Verbandsgemeinde Nierstein-Oppenheim, die der Kreisverwaltung Mainz-Bingen zugeordnet ist und von der Bezirksregierung in Neustadt verwaltet wird.

Besonders stolz sind die Hahnheimer Bürger auf ihr Renaissanceschlößchen aus dem 16. Jahrhundert. Es wurde von den Herren von Dienheim erbaut und - da völlig zerfallen - im Jahre 1961 von Bernhard Sucker erworben und in mühevoller Kleinarbeit wieder renoviert. Heute gehört das Schlösschen der Familie Sayn-Wittgenstein.

Vom Hahnheimer Angelbaum - einer über 1000 Jahre alten Ulme - ist leider nichts mehr vorhanden. An dessen Stelle steht nun der Partnerschaftbaum.

Dem Ort in westlicher Richtung vorgelagert liegt der Wahlheimer Hof (erstmals erwähnt im 10. Jhd.). 1277 richtet das Zisterzienserkloster Eberbach (Rheingau) einen Wirtschaftshof in Wahlheim ein. Hierzu gehören Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Mühle, Abthaus und Zehntscheuern. Von dort aus wurden die umliegenden Besitzungen der Zisterzienser bewirtschaftet. Die offene Bauweise eines solchen Weilers ist im Wahlheimer Hof noch recht gut zu erkennen.

Das heutige Hahnheimer Wappen entspringt einem Hahnheimer Gerichtssiegel, dessen Verwendung im Jahre 1651 zum ersten Mal nachgewiesen ist. Hahnheim liegt am Fuße seiner Weinlagen am Hahnheimer Knopf in einer außergewöhnlich reizvollen Landschaft, die vom Flußlauf der Selz, dem Naturschutzgebiet "Hahnheimer Bruch" und dem sich öffnenden rheinhessischen Hügelland geprägt ist. Außer seiner zentralen Lage in Rheinhessen im Einzugsbereich der Landeshauptstadt Mainz bietet Hahnheim ein breites Spektrum an Geschäften und Betrieben im Dienstleistungs-, Handwerks- und Gaststättenbereich. Ergänzt durch Kindergarten, Grundschule, Sportstätten und einer Gemeindehalle bietet sich zusammen mit dem Angebot der Hahnheimer Vereine die Grundlage für ein Leben und Wohnen in Hahnheim .

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat aus Hahnheim setzt sich aus 17 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen, einschließlich der nebenamtlichen Bürgermeisterin Frau Mangold-Wegener.

SPD CDU FWG Gesamt
2004 5 4 7 16 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 13. Juni 2004)

Bauwerke

In der Gemarkung in Richtung Köngernheim befindet sich an der Landstraße in Richtung B240 ein alter Judenfriedhof

Hahnheimer Schloss

Das Hahnheimer Schlösschen gehört zu einer Gruppe von ländlichen Adelssitzen aus dem 16. Jahrhundert, die die zahlreichen Kriegszerstörungen überlebt haben. Hierzu zählen die auch die Häuser in Nieder-Saulheim, Heidesheim und Mandel im Kreis Bad-Kreuznach, alle an dem architektonischen Charakteristikum eines schlichten Rechteckbaus ohne Ecktürme zu erkennen.

Manchmal gab es noch einen vor die Mitte gestellten Treppenturm mit Helmbekrönung und einen Kellereingang vom Hof aus, so auch in Hahnheim.

Unser Schlösschen wurde von den Herren von Dienheim errichtet, diese hatten von der Mitte des 16. Jahrhunderts an die Ortsherrschaft übernommen. Aus dem Geschlecht der Herren von Dienheim kamen wichtige Persönlichkeiten wie Kurpfälzer und Kurmainzer Amtmänner sowie Domherren in verschiedenen Bistümern, z.B. war Eberhard von Dienheim von 1581 bis 1610 Bischof von Speyer. Die Freiherren von Dienheim hatten außer in Hahnheim noch in Dienheim Besitztümer, außerdem noch Häuser oder Höfe in Dexheim, Kreuznach, Oppenheim, Nieder-Saulheim und Mainz.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts hat der Kurmainzer Rat Albrecht von Dienheim (1526-1586) den Ort Hahnheim mit Kirche und Pfarrrecht gekauft. Sein Sohn Johann Heinrich (1557-1627) war kurpfälzischer Amtmann zu Odernheim und forderte am 22. Mai 1590 eine Beisteuer des Mainzer Domkapitels zum Kirchenbau in Hahnheim. Diese Jahreszahl am Portal des Schlösschens neben dem Treppenturm weist darauf hin, dass eben dieser Johann Heinrich dieses kleine Schloss gebaut hat.

Von einem vorherigen Gebäude hatte man die Fundamente, den Keller und weite Teile des alten Mauerwerks mit verwendet.

Das Gebäude hatte eine vorzügliche Lage am Nordwestrand des Ortes mit einem wunderbaren Ausblick auf die Selzniederungen, den Wahlheimer-Hof und die wertvollen Weinbaugebiete, das komplette Grundstück mit Hofreite war ca. 10.000 m² groß.

Bis zum Jahre 1689 war das Gebäude in einem sehr guten Zustand, wurde aber dann während der Verwüstung der Pfalz nieder gebrannt. Verschiedene Reparaturen ließ der vorletzte Ortsherr von Hahnheim, Ludwig Carl von Dienheim in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durchführen. Er selbst wohnte schon zu der damaligen Zeit nicht mehr in Hahnheim, sondern im Dienheimer Hof zu Mainz.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wechselte das Schlösschen einige Male den Besitzer, keiner von diesen trug aber zur Verbesserung des baulichen Zustands des Gebäudes bei. Aus dem Brandkataster der Gemeinde geht hervor, dass seit 1811 Heinrich Weingärtner aus Mainz der Besitzer des Schlösschens war und somit der direkte Nachfolger der Familie von Dienheim.

Zwischen 1837 und 1857 ging das Schlösschen in den Besitz von Karl Schilling, einem Landwirt aus dem benachbarten Undenheim über. In den nächsten Jahrzehnten verblieb das Schlösschen im Besitz von Mitgliedern der Familie Schilling und wurde in dieser Zeit sehr vernachlässigt. Auch Anfang des 20. Jahrhunderts wollte oder konnte sich niemand so richtig um dieses Gebäude kümmern. Erst durch das Bemühen von Professor Dr. Meissner, seines Zeichens großherzoglicher Denkmalpfleger für die Provinz Rheinhessen, das Schlösschen unter Denkmalschutz zu stellen, brachte Bewegung in diese Angelegenheit. Erst im Jahre 1910 wurden diese Bemühungen erfolgreich beendet, indem man von Seiten des Denkmalrates in Darmstadt das Haus in die Denkmalliste eintrug. Diese Bescheinigung wurde dem damaligen Besitzer Schilling vorgelegt, dieser weigerte sich aber, zu unterschrieben. Auch diese neue Rechtslage trug nicht zur Verbesserung des baulichen Zustande des Schlösschens bei.

Im Jahre 1919 wurde das altehrwürdige Haus wieder einmal verkauft. Der Käufer war der damalige Metzgermeister von Hahnheim, Philipp Schömbs. In der Zeit der damals schonsich stark im Gange befindlichen Inflation konnte das Gebäude ohne viel Mühe bezahlt werden.

Da im Dorf zu der damaligen Zeit kein Gemeindehaus vorhanden war, richteten die Franzosen die örtliche Mairie (Bürgermeisterei) dort ein, zuvor arbeitete der jeweilige Bürgermeister immer in seinem eigenen Haus. Erst im Jahre 1929 wurde in der hinteren Landstraße ein entsprechendes Gebäude für die Bürgermeisterei und die Kleinkinderschule errichtet.

Der neue Besitzer hatte nicht unbedingt die große Hochachtung zu seinem doch sehr historischen Gebäude, denn er errichtete 1921 in diesen Räumen eine Metzgerei, ohne dringende Reparaturen vorzunehmen. Auch Anregungen vom hessischen Staatsarchiv in Darmstadt, doch etwas für dieses „hübsche Renaissance-Bauwerk „ zu tun fruchteten nichts, auch Versuche vom Regierungsbaurat der Kreisverwaltung Oppenheim brachten nicht viel. Glücklicherweise erlitt das Schlösschen im Zweiten Weltkrieg nicht noch mehr Schäden. Das Landesamt für Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz mit Sitz in Mainz berichtete im Jahre 1952 über den baulichen Zustand an das Ministerium für Unterricht und Kultus.

Die spätere Besitzerin, Frau Käthi Biermann (Tochter von Philipp Schömbs) hatte schon etliche Versuche hinter sich, das Gebäude zu verkaufen, als in einer August- Nacht im Jahre 1961 bei einem Unwetter das Dach abgerissen wurde. Das Hahnheimer Schlösschen sah nun wirklich wie eine Ruine aus und sollte abgerissen werden, sogar in der Allgemeinen Zeitung von Mainz stand in der „Landskrone” ein Artikel über dieses Vorhaben. Dieser Artikel rief den aus Schlesien stammenden Kirchenrestaurator Bernhard Sucker auf den Plan, der sich entschloss, dieses rheinhessische Kleinod zu kaufen und zu restaurieren.

Am 30. März 1963 wurde der Kaufvertrag unterzeichnet und bald danach wurde mit den ersten Arbeiten für die Restaurierung des historischen Schlösschens begonnen. Mit großem Eifer und dem nötigen Sachverstand ging Herr Sucker dieses Projekt an, steckte sehr viel Herzblut und hohe finanzielle Mittel hinein, denn die staatlichen Zuschuss-Gelder reichten bei weitem nicht aus.

Erst nach ca. 10 Jahren konnten die Arbeiten abgeschlossen werden, nachdem das Landesamt für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit dem Staatsbauamt in Mainz die Arbeiten während der gesamten Bauphase unterstützt und überwacht hatten. Nun war das Schlösschen in dem Zustand, wie es vor ungefähr 300 Jahren ausgesehen hatte, ein zweistöckiger Massivbau mit Steingiebeln und einem hohen Dachaufbau und einem im östlichen Teil vorgelagerten Turm, der den Zugang zum übrigen Gebäude durch eine Wendeltreppe beinhaltete. In diesem Treppenhaus sind noch heute die Steinmetz- zeichen der ursprünglichen Erbauer sichtbar.

Unter diesem Treppenhaus befindet sich der Eingang zu dem bis heute unveränderten Tonnengewölbe des Kellers.

Eine kurze Beschreibung soll dem Leser einen Einblick in das innere des Hauses vermitteln:

Betritt man das Portal, so steht man in einem weiträumigen Flur, der bis zur westlichen Außenwand reicht. Links befinden sich zwei Zimmer, die wunderschöne Stuckdecken haben. Rechts neben dem Flur befinden sich die Küche und die anderen Wirtschaftsräume.

In der gleichen Qualität wie das Erdgeschoss wurde auch das Obergeschoss restauriert, wobei die sorgfältig wieder hergestellten Einzelheiten wie das Renaissanceportal, die profilierten Steinfenster in allen Räumen, die oben in Kreuzform geteilt sind und innen mit Wandnischen ausgestaltet wurden, die schön bearbeiteten Wangen an der Wendeltreppe sowie die im Urzustand belassenen Wandmalereien aus der Zeit um 1600 im Eckzimmer des Erdgeschosses das ganze noch einmal besonders hervor heben.

Auch das äußere Erscheinungsbild ist heute eines Schlösschens würdig und zieht, bedingt durch die exponierte Lage, die Blicke der vorbeifahrenden Autofahrer von oder in Richtung Wahlheimer Hof auf sich.

Nach Beendigung der Restaurierungsarbeiten hatte der Besitzer innerhalb der alten Mauer, dies das Schlösschen umgibt, einen großen Garten im Barockstil angelegt. Dort betrieb er bis zu seinem gesundheitsbedingten Wegzug eine weit über die Selztalgrenzen hinaus bekannte Orchideenzucht.

Nun stand das Schlösschen wieder einige Jahre leer, bis sich ein neuer Besitzer fand, der genau in dieses Gebäude passt, eine Familie Graf zu Sayn-Wittgenstein. Es bleibt nun zu hoffen, dass dieses rheinhessische Kulturdenkmal uns allen noch eine sehr lange Zeit erhalten bleibt.

Biotope

In der Gemarkung sind vor allem an der Selz und an der ehemaligen Strecke der Amiche mehrere Biotope angelegt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Die Gemeinde wird durchquert von der Landstraße L432. Zur B 420 sind es in südlicher Richtung 2 km. Die Bundesautobahnen A 60 und A 63 sind mit dem Auto in ca. 20 bzw 10 Minuten zu erreichen.




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Informationsportal über Hahnheim in Rheinland-Pfalz - 25.5.2012