
|
Hameln ist eine mittelgroße Stadt in Niedersachsen. Die im Landkreis Hameln-Pyrmont an der Weser gelegene Mittelstadt ist vor allem bekannt durch die Sage vom Rattenfänger von Hameln, die die lokale Tradition auf das Jahr 1284 datiert. GeografieLageHameln liegt südwestlich von Hannover etwa auf halber Luftlinie zwischen Herford im Westen und Hildesheim im Osten. Die Stadt befindet sich im Zentrum des Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln und ist jeweils von Teilen des Weserberglands im Westen bzw. Leineberglands im Osten umgeben. Hameln wird von einem Abschnitt der Oberweser durchflossen, in die im Stadtgebiet die Hamel (von Osten) und die Humme (von Westen) einmünden. Direkt westlich der auf 68 m. ü. NN. gelegenen Stadt erhebt sich der Berg Klüt (258 m. ü. NN.), auf dem heutzutage der Klütturm (Aussichtsturm) und das Klüthaus (Restaurant) stehen. Stadtgliederung
GeschichteFrüheste SpurenErste Siedlungsspuren im heutigen Stadtgebiet von Hameln gehen bis in die Steinzeit zurück. Ungeklärt ist, ab wann sich auf dem Boden der heutigen Altstadt erste dörfliche Strukturen herausbildeten. Im Jahre 802 oder 812 errichteten der sächsische Graf Bernhard und seine Frau Christina auf ihrem Gut in Hameln eine Eigenkirche im Tilithigau. Im Jahre 826 starben beide kinderlos, die Besitzung geht an die Reichsabtei Fulda über. Diese gründete im Jahr 851 an dem günstig gelegenen Weserübergang ein Benediktinerkloster. Die ersten Nennungen nennen den Ort als "Hamela" oder "Hameloa". KlostergründungIm Laufe der Zeit bildete sich vor dem in ein Kollegiatstift umgewandelten Kloster (urkundliche Nennungen 1054 und 1074) eine Marktsiedlung, die um 1200 erstmals als Stadt genannt wird. Damit gehört Hameln zu den allerersten Städten im ehemaligen Königreich Hannover. Im Jahr 1209 wird erstmals eine (Stifts-)Mühle in Hameln erwähnt. Die Stadthoheit über Hameln liegt im 12. und 13.Jahrhundert bei der Abtei Fulda bzw. ihren Stiftsvögten in Hameln, den Grafen von Everstein. Die geistliche Oberhoheit liegt beim Bischof von Minden. Im Jahr 1259 verkauft der Abt von Fulda seine Rechte an Hameln an den Hochstift Minden. Das Hamelner Bürgerheer, welches dieses nicht hinnehmen will, unterliegt 1260 in der Schlacht von Sedemünder dem Bischof von Minden. Im Verlauf weiterer Auseinandersetzungen erwirbt Herzog Albrecht I. (Braunschweig) 1268 die Vogtei über Hameln. Im Jahr 1277 bestätigt er der Stadt mit einem Privileg ihre bis dahin innegehabten Rechte. RattenfängerWeltweite Bekanntheit erlangt Hameln durch den bald darauf im Jahre 1284 erfolgten Auszug der "Hämelschen Kinder", aus welchem sich später die Rattenfängersage entwickelt. Die Datierung auf dieses Jahr geht auf das Spätmittelalter zurück, der älteste Bericht hierzu datiert aus der Zeit zwischen 1430 und 1450. Noch heute nennt sich die Stadt offiziell als Rattenfängerstadt Hameln. Hanse1426 wird Hameln Mitglied der Hanse, welcher es bis 1572 angehört. 1540 wird die Reformation eingeführt. Im 16. Jahrhundert erfolgte ein wirtschaftlicher Aufstieg, der bis zum Dreißigjährigen Krieg anhält. Im Wettstreit der reichen Kaufmannschaft mit dem Landadel entstehen in dieser Zeit die prächtigen Bauten der Weserrenaissance, die das Stadtbild noch heute schmücken. Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges besetzt 1625 König Christian IV. von Dänemark als Kriegsoberster des Niedersächsischen Reichskreises die Stadt. Ihm folgt der kaiserliche Feldherr Tilly. Die kaiserliche Besatzung währt bis 1633, als Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg und die schwedischen Truppen die kaiserlichen Besatzungstruppen belagern. Nach ihrer Niederlage bei Hessisch Oldendorf kapituliert Hameln am 3. Juli 1633 vor dem Herzog Georg von Calenberg. FestungIm Jahr 1664 beginnt der Ausbau der Stadt zur welfischen "Haupt- und Prinzipalfestung". Der erste Bauabschnitt der Festung gilt 1684 als abgeschlossen. 1664 bis 1668 wird die Stadt mit sternförmigen Bastionen umgeben. Im Jahr 1690 werden durch herzogliches Privileg in Hameln Refugiés aus Frankreich (Hugenotten) angesiedelt. 1734 wird auf dem Werder bei Hameln die erste in staatlicher Regie errichtete Weserschleuse in Betrieb genommen, die den Schiffern bei der Überwindung des berüchtigten "Hamelner Loches" hilft. Nach dem Tod von König Georg II. von England-Hannover 1760 wird noch während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) unter seinem Nachfolger König Georg III. die Festung Hameln durch Festungsbauten auf dem Berg Klüt verstärkt. Das Fort I (Fort George) wird von 1760 bis 1763 errichtet. 1774 bis 1784 werden auf dem Klüt zwei weitere Forts angelegt: Fort II (Fort Wilhelm) und Fort III. Damit wird Hameln zum uneinnehmbaren Gibraltar des Nordens, der stärksten Festung des damaligen Fürstentums Hannover. Während der napoleonischen Zeit und unter wechselnden französischen und preußischen Besatzungen wird 1806 am Fuße des Klüts Fort IV (Fort Luise) errichtet. Nach der Schlacht bei Jena kapitulierte Hameln 1806 kampflos vor Napoleon, auf seinen Befehl wurden bis auf zwei Stadttürme alle Befestigungen 1808 geschleift. So wurden die Voraussetzungen für eine weitere Ausweitung der Stadt geschaffen. Aus den Steinen des ehemaligen Fort George wird 1843 ein zunächst "Georgsturm" genannter Aussichtsturm erbaut (1887 aufgestockt), der heute unter dem Namen "Klütturm" ein beliebtes Ausflugsziel ist. Kreisfreie Stadt / Kreisstadt1866 wurde Hameln nach 700-jähriger Oberhoheit der Welfen preußisch, 1923 kreisfreie Stadt. Mit der Verwaltungs- und Gebietsreform in Niedersachsen 1972/1973 wurde der kreisfreie Status wieder beendet. Hameln ist seit 1885 Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Hameln-Pyrmont. 1872 wurde die Bahnstrecke Hannover–Altenbeken durch die Hannover-Altenbekener Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet, 1875 kam die Bahnverbindung nach Hildesheim und Löhne (Weserbahn) hinzu. Zwischen 1889 und 1897 wurde die Strecke Hameln–Lage (Begatalbahn) mit der Weserbrücke und dem Klüttunnel gebaut[1]. Ende 1935 wird das Gefängnis Hameln von den Nationalsozialisten in ein Zuchthaus umgewandelt. Nach dem Krieg werden dort von der britischen Besatzung über 200 Kriegsverbrecher hingerichtet. In Hameln befindet sich ein großer Stützpunkt der britischen Rheinarmee. In der Linsingenkaserne (erbaut 1938) ist das 28. Pionierregiment mit 937 Soldaten und 500 Zivilangestellten stationiert, dazu leben noch 1376 Familienangehörige in der Stadt (Stand: Juni 2001) (Militärbasen im Ausland). Neben der Linsingenkaserne hatte die britische Garnison bis Anfang 2001 eine weitere Kaserne im Hamelner Stadtgebiet in Besitz (Scharnhorstkaserne; erbaut 1898). Im Zuge der Konvertierung von Militäranlagen in Wohnanlagen entsteht derzeit dort ein hervorragendes Wohngebiet in denkmal- und ensemblegeschützten, ehemaligen Militärbauten. Bis zur Auflösung der Regierungsbezirke in Niedersachsen gehörte Hameln dem Regierungsbezirk Hannover an. Einwohnerentwicklung
(ab 1998 jeweils zum 31. Dezember) PolitikOberbürgermeister und Oberbürgermeisterinnenehrenamtliche Oberbürgermeister und Oberbürgermeisterinnen (Zweigleisigkeit, Wahl durch Stadtrat)
hauptamtliche Oberbürgermeister und Oberbürgermeisterinnen (Direktwahl seit 1999)
Oberstadtdirektoren (1945-1998)
WappenDas Stadtwappen zeigt im roten Felde einen bogenförmig geschärften silbernen Mühlstein, belegt mit einem aufrecht gestellten blauen Mühleisen. Der Schild ist gekrönt von der stilisiert dargestellten doppeltürmigen, mit vier Querdachgiebeln besetzten silbernen Münsterkirche St. Bonifatius, deren Fenster, Turmdächer und Kreuzblumen blau und deren Mitteldach rot tingiert sind. In der Form des Prachtstücks zeigt das Stadtwappen die mit der Wappenfigur belegte und mit unterschiedlichen Turmhelmen ausgestattete Münsterkirche als Helmzier sowie zwei Löwen als Schildhalter. Städtepartnerschaften
Kultur und SehenswürdigkeitenTheaterDas Theater Hameln (ehemals Weserbergland-Festhalle) bietet rund 700 Besuchern einen umfangreichen Spielplan an. Über Konzerte, Musicals, Opern, Komödien bis hin zur Kleinkunst und dem Kinder- und Jugendtheater sorgen rd. 150 Veranstaltungen für eine große Auswahl an unterhaltsamen Theaterbesuchen. BauwerkeHameln bietet an den Hauptstraßen ein nahezu geschlossenes historisches Stadtbild mit einer großen Zahl prachtvoller Fachwerk- und Steinhäuser, viele davon aus der Renaissance. Repräsentativer Mittelpunkt der Altstadt sind Osterstraße und Markt.
Besonders zu erwähnen sind:
ParksStadtwald und der Bürgergarten nahe der Hamelner Altstadt. Der Bürgergarten im Osten der Altstadt ist eine schöne, zentral gelegene Parkanlage. Er ist sowohl bei Touristen wie auch den Einwohnern Hamelns sehr beliebt. In der Sommerzeit ist er Spielort für große Freiluftkonzerte. Seine zentrale Lage und die hervorragende Eingrenzung, sowie der Baumbestand machen ihn zu einer Konzert-Location der Spitzenklasse. SportBekannt ist Hameln als Standort des Ruderverein Weser von 1885 (RVW), der bereits mehrere Olympiateilnehmer und Weltmeister im Rudersport hervorgebracht hat. Vorsitzender des RVW ist der Unternehmer Helmut Griep, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Deutschen Ruderverbands ist. Derzeit (2005) kommen z. B. zwei Ruderer im Deutschlandachter aus Hameln. Des weiteren gibt es als Fußball- und Allgemeinstadion das Weserberglandstadion. Dieses Stadion war u. a. Veranstaltungsort mehrerer Freiluftkonzerte (z. B. Michael Jackson, PUR) sowie von Spielen von Jugend-Welt- und Europameisterschaften im Fußball. Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 trainierte hier mehrfach die Französische Fußball-Nationalmannschaft, die vier Wochen im Golf- und Schlosshotel Münchhausen in Aerzen-Königsförde logierte und Vizeweltmeister wurde. Der VfL Hameln ist bekannt für die Abteilungen Basketball (2. Regionalliga), Handball (1. Regionalliga) und Leichtathletik. Der PSV Hameln (Postsportverein) bietet u.a. Hockey für Kinder und Jugendliche an; gespielt wird auf dem großen Kunstrasenplatz im Ortsteil Afferde. Regelmäßige VeranstaltungenFreilichttheater in der Innenstadt (Hochzeitshausterasse):
Infrastruktur und WirtschaftVerkehrSchienen- und BusverkehrDer Bahnhof Hameln liegt an der zweigleisigen, elektrifizierten Hauptbahn Hannover–Altenbeken (KBS 363.4.5), die sich hier mit der zweigleisigen, nicht elektrifizierten Weserbahn (KBS 372) Löhne (Westf)–Hildesheim kreuzt. Er wird im Personennahverkehr von der S5 Hannover Flughafen–Hannover Hbf–Hameln–Altenbeken täglich im Stundentakt mit stündlicher, sonntags zweistündlicher Durchbindung nach Paderborn bedient. Das Angebot wird montags bis samstags in Richtung Hannover zum Halbstundentakt verdichtet. Außerdem verkehrt täglich im Stundentakt die RB 77 „Weserbahn” (Bünde–)Löhne–Hameln–Hildesheim, zwischen Löhne und Hameln an Wochenenden alle 2 Stunden. Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr für die S5 von der DB Regio Niedersachsen, die Elektro-Triebwagen der DB Baureihen 424 und 425 für Geschwindigkeiten bis zu 140 km/h einsetzt und für die „Weserbahn” von der Eurobahn, die Diesel-Triebwagen der Bauart Alstom LHB Coradia LINT (DB-Baureihe 640) einsetzt. Im Straßenpersonennahverkehr verfügt die Stadt seit 1996 über ein Stadtbussystem, das vom Nahverkehr Hameln-Pyrmont, auch genannt "die Öffis" geleitet wird. StraßenIn Hameln laufen die Bundesstraßen 1, 83 und 217 sternförmig zusammen. Ansässige Unternehmen
MedienVon regionaler Bedeutung ist die 1848 gegründete Deister- und Weserzeitung, kurz Dewezet genannt; sie erscheint als Hauptausgabe "Hameln" und als Nebenausgabe "Bodenwerder" sowie unter dem Titel "Pyrmonter Nachrichten" in Bad Pyrmont. Außerdem liefert die Zentralredaktion - seit 2004 teils in Zusammenarbeit mit der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" - die überregionalen Seiten für die "Schaumburger Zeitung" (Rinteln), die "Schaumburg-Lippische Landeszeitung" (Bückeburg), die "Neue Deister Zeitung" (Springe) und die "Deister-Leine-Zeitung" (Barsinghausen). Zunehmend an Bedeutung gewinnt der Onlinedienst "dewezet.de". Aus Rundfunkgebühren finanziert wird der Sender Radio Aktiv, der weite Teile des Landkreises Hameln-Pyrmont abdeckt und täglich in seinen gläsernen Studios am Hamelner Bürgergarten ein an Wortbeiträgen reiches Programm produziert. Außerdem unterhält der NDR ein Redaktionsstudio in Hameln. Öffentliche EinrichtungenKrankenhausHameln ist Standort des Kreiskrankenhauses Hameln, das sich an den Standorten Weser und Wilhelmstraße befindet. BildungHochschulenAls einzige Hochschule befindet sich in Hameln die private Berufsakademie Weserbergland e.V.. Zwar gab es immer Bestrebungen, einzelne Fachbereiche der Universität Hannover nach Hameln zu holen bzw. zu begründen (so z. B. die Solarforschung), dieses ist bislang jedoch immer vom Land Niedersachsen abgelehnt worden oder durch eigene Versäumnisse der Stadt bei Bewerbungen um eben solche von vornherein zum scheitern verurteilt gewesen. SchulenGymnasienDie ursprüngliche höhere Schule Hamelns war die aus der früheren Klosterschule hervorgegangene Höhere Knabenschule, aus der sich später das heutige Schiller-Gymnasium Hameln entwickelte. Im 19. Jahrhundert kam die Viktoria-Luise-Schule ("Vikilu") hinzu, die sich aus einer Höheren Töchterschule zum heutigen Gymnasium entwickelte, die 1859 von der Stadt übernommen worden war. Im Jahr 1972 wurde dann aufgrund der stark gestiegenen Schülerzahl ein drittes Gymnasium, das Albert-Einstein-Gymnasium Hameln ("AEG") gegründet. Realschulen
Grund- und Hauptschulen
Förderschulen
Berufsbildende und sonstige Schulen
Außerschulische BildungSeit 2003 gibt es den Verein zur Förderung der politischen Bildung Hameln e.V., der als Ergänzung zur Schule einen Beitrag zur Allgemeinbildung leistet. JugendanstaltIn Hameln-Tündern befindet sich die Jugendanstalt Hameln mit 793 Haftplätzen, welche die einzige Jugendanstalt (JA) Niedersachsens und zugleich die größte Deutschlands ist. PersönlichkeitenEhrenbürger
Im Jahr 1979 fasste der Rat der Stadt Hameln zur Distanzierung von der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Adolf Hitler und Margarete Wessel den Beschluss, dass die Ehrenbürgerschaften beider Personen bereits mit dem Tod erloschen seien, und weder rechtlich noch politisch eine Ehrenbürgerschaft von Adolf Hitler und Margarete Wessel bestehe. Nach der Niedersächsischen Gemeindeordnung endet das Ehrenbürgerrecht mit dem Tod. Wegen unwürdigen Verhaltens kann es nur zu Lebzeiten der Person wieder entzogen werden. Söhne und Töchter der Stadt oder im Ort Wirkende
Literatur
Texte und Bilder stammen ganz oder teilweise aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht somit ganz oder teilweise unter der GNU Lizenz. Eine Liste der Autoren und Fotografen, sowie den Originaltext finden Sie hier. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
