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Hessisch Oldendorf ist eine Stadt im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen unweit der Weser. 1905 wurde dem Ortsnamen amtlich der Zusatz „Hessisch” zwecks besserer Unterscheidung im Bahn- und Postverkehr hinzugefügt. Zu jener Zeit gehörte die Stadt noch zum Kurfürstentum Hessen-Kassel. GeographieGeographische LageAn der Weser, 10 km nordwestlich vor der Rattenfängerstadt Hameln, liegt die Stadt Hessisch Oldendorf mit ihrem namensgebenden historischen Kern. StadtgliederungSeit der Gemeindereform von 1973 gliedert sich Hessisch Oldendorf in 8 Ortschaften mit insgesamt 24 Ortsteilen:
Geschichte
Schlachtfelder rund um Hessisch OldendorfIdistaviso-Schlacht (16 n. Chr.)Die Annalen des Tacitus sind die einzige authentische Quelle, die über den Feldzug der Römer unter Germanicus durch Nord-Germanien 15-16 n. Chr. und seinen Sieg über das Heer des Arminius berichten. Angelegt war dieser überaus sorgfältig angelegte Feldzug der Römer als Rachefeldzug für die schmerzliche römische Niederlage in der Varus-Schlacht im Jahre 9 n. Chr. Das Fehlen von exakten Ortsangaben hat seit Jahrhunderten die Historiker mit unterschiedlichen Hypothesen über die geographische Lage des Idistaviso-Schlachtfeldes beschäftigt. Die Mehrzahl der Autoren legen aber überzeugend dar, dass diese Schlacht nur in den Stauwiesen zwischen Hessisch Oldendorf und Fischbeck stattgefunden haben kann. Schlacht am Süntel (782)Im Verlauf der gewaltsamen Christianisierung durch Karl den Großen stoßen im Jahre 782 Franken und Sachsen am Süntel aufeinander. Ein Frankenheer, ursprünglich gegen die Sorben in Thüringen ausgesandt, erfährt von einem erneuten Aufstand der Sachsen, entdeckt deren Lager am Süntel und stürmt blindlings auf den Feind ein. Die Sachsen unter ihrem Führer Herzog Widukind erwarten den Angriff in guter Ordnung; ein Teil von ihnen umgeht die Franken, die daraufhin fast alle erschlagen werden. Die Namen Totental und Blutbach am Hohenstein und das Dachtelfeld (tachteln = schlagen) erinnern noch an das Massaker. Karl der Große rächt sich mit dem „Blutgericht in Verden an der Aller”, bei dem angeblich 4500 Edle der Sachsen hingerichtet wurden. In der lateinischen Handschrift darüber heisst es „decollavit” (= er hat enthauptet). Wahrscheinlich liegt hier ein Schreibfehler vor, es muss wohl „delocavit” (= er hat umgesiedelt) heissen. Derartige Umsiedlungen hat Karl häufig zur Disziplinierung unterworfener Stämme durchgeführt. Schlacht bei Oldendorf (1633)Das dritte historisch bedeutsame Treffen um Hessisch Oldendorf fand am 28. Juni 1633 statt, als ein protestantisches Heer von Schweden, Hessen und Braunschweig-Lüneburgern dem katholisch-kaiserlich besetzten Hameln zu Hilfe kam. Zum Kampf kam es in der Schlucht zwischen Segelhorst und Barksen. Zum glänzenden Sieg über die kaiserlichen Truppen halfen die genaue Ortskenntnis eines Rittmeisters, der in Oldendorf geboren war, und der erste Einsatz beweglicher Feldartillerie. Diese militärhistorisch bedeutsame neue Kampfform wird noch heute auf vielen Militärakademien der Welt gelehrt. Politisch wurde die Ergebnisse dieser Schlacht, bei der an einem Tag über 7000 Tote gezählt wurden, von den evangelischen Truppen trotz vieler Möglichkeiten nicht genutzt. Siebenjähriger Krieg (1756-1763)Hauptquartier einer merkwürdigen Schlacht wurde Hessisch Oldendorf 1757: Wilhelm August, ein Sohn des Kurfürsten Georg II. von Hannover, und der englischen Herzog von Cumberland standen einer französischen Armee unter dem Kommando des Marschall d'Estree gegenüber. In der Schlacht bei Hastenbeck wähnte der Herzog von Cumberland das Treffen verloren und gab den Befehl zum Rückzug, während jedoch, ohne sein Wissen, die Franzosen tatsächlich geschlagen waren und zurückfluteten. Als der Herzog seinen Irrtum erkannte, waren die Franzosen bereits wieder auf das Schlachtfeld zurückgekehrt uznd behaupteten es, ohne eigentlich gesiegt zu haben. Die Folge der Niederlage war die Kapitulation der Festung Hameln und der Verlust des Kurfürstentums Hannover an die Franzosen. Hessisch Oldendorf erlitt enorme Verluste durch Kontributionen, Plünderungen und Einquartierungen. Geschichte(n)für heimattreue Oldendorfer, die gar keine Hessen sindDie Segelhorster Revolution 1848Die Märzrevolution 1848 in Berlin mit ihrer Forderung nach mehr politischer Freiheit für die Bürger hatte ihre Auswirkungen bis in das kleinste Dorf. Hier standen keine politischen Fragen an erster Stelle der Unruhen, vielmehr bewegte die Menschen die tägliche Not nach mehrjährigen Missernten. Die Proteste im fernen Berlin kamen gerade im rechten Augenblick, um auch auf dem Lande „Dampf ab zu lassen” und gegen konkrete Maßnahmen der „Obrigkeiten” seinen Unmut zu zeigen. Die „Segelhorster Revolution” ist ein schönes Beispiel für die neue „Mündigkeit der Bürger”. Fast die gesamte Bevölkerung von Segelhorst revoltierte gegen eine Maßnahme der kurhessischen Forstverwaltung. Diese hatte auf dem „Baumgarten”, einem Forstdistrikt unterhalb des Amelungsberges eine neue Eichenschonung , den „Eichelkamp”, angelegt und mit einem Zaun und Graben geschützt. Nach dem Verständnis der Segelhorster war das ein Eingriff in ihre alten Rechte. Nach der schaumburgischen Holzordnung von 1572 standen die Wälder zwar unter landesherrlicher Aufsicht, die älteren Hute- und Holzrechte der Markgenossen, die das Hüten von Haustieren im Wald und den Holzeinschlag regelten, waren davon aber ausdrücklich ausgenommen. Die Segelhorster sahen in den Aktionen der kurhessischen Forstverwaltung einen ersten Schritt zur Abschaffung ihrer alten Rechte. Am 21. April 1848 fand deshalb in der Segelhorster Schmiede eine Versammlung der Einwohner statt, auf der nach erregter Debatte die Zerstörung des Eichelgartens beschlossen wurde. Schon einen Tag später zogen 38 Segelhorster Männer zum Baumgarten, rissen die Zäune ein, warfen die Gräben zu und gruben die jungen Eichenbäume wieder aus. Das gewonnen Holz wurde unter den Männern verteilt und mit nach Hause genommen. Wenn die Segelhorster glaubten, damit ihr altes Recht gegenüber der Forstverwaltung behauptet zu haben, so hatten sie die Macht des Staates falsch eingeschätzt. Am 15, August 1849 wurden fast alle erwachsenen Einwohner Segelhorsts vor dem kurfürstlichen Obergericht in Rinteln des gemeinsamen Landfriedensbruchs angeklagt. Das Gericht ließ sich zwar davon überzeugen, dass die Angeklagten sich in einem uralten Volksrecht glaubten, trotzdem wurden die Ausschreitungen als Forstfrevel mit erheblichen Geldstrafen und Schadensersatz geahndet. Verbittert nahm man in Segelhorst zur Kenntnis: Gewalt geht vor Recht! Das alte Huterecht, das es gestattete, Rinder, Schafe und Schweine in den Wäldern zu mästen, wurde erst durch ein preußisches Gesetz von 1870 abgelöst. Bestehen blieb aber das schon durch die alte kurhessische Holzordnung festgelegte Recht auf Bezug des sogenannten „Losholzes”. Noch heute wird die Ausübung dieses alten Rechtes regelmäßig durch die Hessisch Oldendorfer Stadtverwaltung angeboten. Dabei werden unterschiedliche Holzqualitäten an unterschiedlichen – teilweise sogar schwer zugänglichen – Einschlagstellen an die Bürger ausgelost. Quelle: Renzel, Chronik Segelhorst und Bernd Stegemann Kloster Mariastede und das Seelenheil des Grafen ErichDie heutige „von-Ahlefeld-Straße”, die frühere Klosterstraße, an der Nordseite des Münchhausenhofes führt direkt auf das Areal des ehemaligen alten „Süsternhauses der Augustinerinnen”. In alten Urkunden wird das Augustinerinnenhaus aber meistens Spital oder Kloster „Mariastede” genannt. Der um sein Seelenheil besorgte Graf Erich von Schaumburg übergab am 24. Juli 1477 der Schwesternschaft der Augustinerinnen einen freien Burgmannshof in der Südwestecke der Stadt. Graf Erich leistete dem neu gegründeten Kloster großzügig Hilfe: so durften sich die Schwestern neben dem großen Schwesternhaus eine eigene Kapelle mit drei Altären und einem eigenen Friedhof einrichten. Ferner bekamen sie das Recht, einen eigenen Priester für sich und ihr Gesinde zu halten. Sie sollten frei sein von städtischen Steuern und Diensten, konnten steuerfrei Handel mit dem selbst erzeugten Woll- und Leinentuch treiben und genossen allgemeine Handels- und Verkehrsfreiheit. Überhaupt waren sie den Burgmannen und freien Bürgern in ihren Rechten gleichgestellt. Die wirtschaftliche Grundlage der Nonnen bildete das Einkommen aus dem reichen Land- und Forstbesitz. Dem Schwesternhaus, das besonders alleinstehenden Frauen im Alter Versorgung und Schutz gewährte, wurde schnell sehr wohlhabend und über die Grenzen der Stadt Oldendorf hinaus einflußreich. Besonders reiche Hamelner Bürger unterstützten Mariastede mit erheblichen Geldsummen und Ländereistiftungen , so dass die Priorin schon bald in der Lage war, erhebliche Geldsummen gegen Zins zu verleihen. Die Blüte des jungen Klosters war nur von kurzer Dauer. Als der Oldendorfer Prediger Eberhard Poppelbaum im Schaumburger Land der Reformation zum Durchbruch verhalf, setzte rasch der Niedergang des Klosterlebens ein. Als letzte Bewohner des Stiftes starben 1604 die alte Meisterin Lucke Sandmeyer im biblischen Alter von fast 100 Jahren und die 80jährige Schwester Anna Meyer. Damit fiel der gesamte Besitz wieder an den Grafen Ernst von Schaumburg zurück. Dieser verkaufte das Haus mit allem Grundbesitz, Geldzinsen, Renten und Landpachten 1606 für 1000 Reichsthaler an die Stadt Oldendorf weiter. Allerdings machte der Graf Auflagen. So musste die Stadt weiterhin die aus dem Besitz der Augustinerinnen stammende Oldendorfer Münze am Marktplatz, in der die gesamten Münzen der Schaumburger Grafschaft unter der Aufsicht eines gräflichen Münzmeisters geprägt wurden, kostenfrei zur Verfügung stellen. Auch sollte die neue Nutzung der vorhandenen Klostergebäude ausschließlich sozialen Zwecken dienen. Diese Einschränkung versagte der Stadt in den darauf kommenden Notzeiten eine wirtschaftliche Nutzung der Klosteranlagen, so dass die ehemals gepflegten Gebäude bald verfielen. Schon Ende des 17. Jahrhunderts wurden die Ruinen restlos abgebrochen und die Grundstücke an die benachbarten Burgmannshöfe von Münchhausen und von Mengerßen verkauft. Im stillen Winkel am alten Stadtwall, wo vor Jahrhunderten kirchliches und wirtschaftliches Leben blühte, ist heute wieder neues Leben eingekehrt. Als die Familie von Ahlefeld, Erbe der ausgestorbenen Familie von Mengerßen, den alten Burgmannshof der Stadt Hessisch Oldendorf vererbte, blieben die Stadtväter der Verpflichtung des Grafen Ernst treu. Sie setzten gewissenhaft den sozialen Auftrag der Schaumburger Grafen, der mit der Gründung von Mariastede verbunden war, mit dem Bau des Eberhard-Poppelbaum-Altenheimes und den angrenzenden Seniorenwohnungen zum Segen der Stadt fort. Wie auf dem Amelungsberg das Automobil erfunden wurdeSintemalen ich in meinem Inwendigen gar wohl fühle, daß die Zeit nicht mehr ferne, da ich dieses irdische Jammertal und meine stille Klause verlassen und mit dem Tode abscheiden muß, dieweil mir ein Geheimnis gar schwer auf der Seele ruhet, das, so ich´s verschweige, mich am Ende wohl um die ewige Seligkeit bringen möchte, ich aber hinwiederum hoch und heilig versprochen, zu keiner Menschenseele ein Wörtlein davon verlauten zu lassen, so will ich´s diesem Pergamente anvertrauen und damit mein Gewissen befreien, ohne doch meinem Gelöbnis untreu zu werden. Ist nämlich vor etlichen Jahren, als die große Heimsuchung dieses ewigen Krieges kaum erst über uns gekommen, ein Meister der Kleinschmiedezunft aus Oldendorf mit Namen Amelung nebst seinem Sohne Hans vor meiner stillen Klause an diesem Berge erschienen und hat mich um Obdach, Schutz und Hilfe gebeten, Da ich´s ihm in brüderlicher und christlicher Nächstenliebe gewährte, so hat er mir sonder Arg‘ und Fehl seine Geschichte erzählet. Da er schon etliche Jahre in Oldendorf sein ehrbares Handwerk zu Nutz und Frommen seiner Mitbürger mit Fleiß und Kunst betrieben, wußte er mit Hammer und Niet, Schrauben und Federn, Kolben und Rädern gar geschickt umzugehen, war auch ein heller Kopf mit kühnem Fluge der Gedanken. Item ist er auf den absonderlichen Plan verfallen, ein Gefährt oder Wagen zu erbauen, das von geheimer Kraft getrieben mit Windeseile über Wege und Straßen dahinbrausen solle, ohne doch von Mensch, Pferd oder anderem Getier gezogen oder geschoben zu sein, Indem er solches fein tüchtig ersann und erprobte, erhob sich in seiner Werkstatt gar lautes Getöse, Knattern, Puffen und Rasseln nebst üblem Gestank, Feuer und Rauch, wodurch seine dummen und einfältigen Mitbürger zu dem Glauben gebracht worden, er habe den leibhaftigen Gottseibeiuns als Gehilfen angestellet. Darob männiglich gar sehr erboste, ihn der Hexerei anklagte und am Ende mit Schimpf und Schande aus der Stadt seiner Väter verjagte. So ist er denn landflüchtig geworden, gar weit in der Welt umhergewandert und letztlich, als Kriegsgeschrei und fremde Heerscharen das Land unsicher gemacht, in seine Heimat zurückgekehrt, sich aber nicht in die Stadt hineingetrauet, sondern abseits bei mir angeklopfet, wie ich vorhin gesaget. Allhier nun hat er in der Stille weiter an seinem Plan gesonnen und gewerket, auch seinen Sohn Hans fleißig unterwiesen und gelehret, auf daß dieser, was nicht gerate, vollenden möge. Ich aber habe ihm feierlich gelobet und versprochen, zu keinem Menschen von all‘ dem, was bei mir vorgehe, auch nur ein Wörtlein verlauten zu lassen. Die Leute aber, so auf dem Bierweg an der Rannenberger Straße vorbeigingen und von Ferne das Getöse vernahmen, verwunderten sich und sprachen: „Klingt´s doch, als sei der Amelung zurückgekommen!” Den Berg aber, auf dem ich meine Klause errichtet, nannte man seitdem den Amelungsberg. Ehe er noch sein Werk hat vollenden können, ist er in Frieden dahingeschieden. Sein Sohn Hans aber, der obzwar ein gelehriger Schüler von den Plänen und Versuchen seines Vaters nicht eben viel gehalten, hat mir versprochen, davon gänzlich Abstand zu nehmen und, sobald nur der mörderische Krieg sein Ende gefunden, sich wiederum in die Stadt Oldendorf zu begeben und seinen Beruf als Kleinschmied fein bescheiden zu betreiben, wie seine Altvorderen getan, die Erfindung des selbstfahrenden Wagens aber seinen Nachfahren in späteren Jahrhunderten zu überlassen. Für diese hab‘ ich´s nun fein säuberlich aufgeschrieben, und auf daß es nicht Wind und Wetter zum Opfer falle, will ich´s einschließen in ein Stück Reifen, mit welchem mein Freund und Bruder Amelung die Räder seines Wagens hat umhüllen wollen, auf daß das Schütteln und Stoßen durch Steine und dergleichen Unebenheiten des Weges gemildert würde. So soll es denn ruhen im Schoße des Amelungsberges, bis es durch Zufall nach Jahrhunderten mag gefunden werden als ein letzter Gruß von Bruder Carolus aus dem Walde Im Weinmonat, Anno Domini Eintausendsechshundertvierzig und Acht. (Aus einer Festrede, die Oberforstmeister Karl Lehmann zum 300jährigen Jubiläum der Handwerkerfamilie Amelung in Hessisch Oldendorf im Jahre 1948 hielt) Der schwere Eisgang 1947Der Winter 1946/47 begann schon Anfang Dezember mit strengem Frost. Nur von wenigen milden Tagen unterbrochen , dauerte der harte Winter bis zum März. Das Thermometer sank bis auf –20 Grad. Im Januar setzte sich das Treibeis auf der Weser fest und die Eisdecke wurde so dick, dass Lastwagen über den Strom fahren konnten. Da die Fuhlener Weserbrücke noch kurz vor Ende des 2. Weltkrieges gesprengt worden war und die Weserfähren wegen des Eises nicht verkehren konnten, bildete die Eisbrücke die einzige Verbindung zwischen den Ortschaften diesseits und jenseits der Weser. Besonders kritisch wurde die Situation Anfang März, als sich oberhalb des Hamelner Weserwehres das Treibeis zu einer Barriere aufschob und so riesige Wassermassen staute. Dieser gewaltige Druck entlud sich am 9. März 1947, als die Eisbarriere brach und ab 0.15 Uhr eine Flutwelle von 5,60 Meter Höhe sich in das Oldendorfer Wesertal wälzte. Mit dem Wasser wurden gewaltige Mengen dicker Eisschollen transportiert, die sich erst nach vierstündiger Flutwelle am Boden ablagerten. Ineinander geschoben, neben- und übereinander hatte sich die Weseraue in eine Polarlandschaft verwandelt. Nachmittags um 15 Uhr brach auch die Weser vor Hessisch Oldendorf auf und setzte langsam das Eis in Bewegung, weserabwärts hielt die Eisdecke noch. Wolfgang Blanke, ein Augenzeuge, der die Naturkatastrophe in einem Holzhaus an der (heute verfüllten) Kiesgrube zwischen Weserbrücke und Steinbrinksbach, der sogenannten „Insel”, überlebte, berichtet eindrucksvoll: „Wir waren längst schlafen gegangen, als gegen Mitternacht jemand stürmisch an unsere Tür klopfte und erklärte, dass wir mit unserer nötigsten Habe schleunigst unsere Wohnung räumen sollten. Die Weser sei vor Hameln aufgebrochen und eine große Flutwelle stünde unmittelbar bevor. Diese unangenehme Nachricht nahmen wir zunächst nicht ganz ernst, beratschlagten dann aber doch, was zu tun sei. Ich entschloss mich, Kleidung anzulegen und draussen Umschau zu halten. Ich vergesse nicht den ersten Eindruck. Die Warnung war reichlich spät gekommen. Es war, als ob die Welt untergehen wollte. Die Luft war erfüllt vom Brausen und Tosen des Wassers und vom Bersten und Brechen des Eises. Das Wasser war ständig im Wandern und Wachsen. Neben uns füllte sich mit donnerndem Getöse die große Kiesgrube, die tief unten noch eine dicke Eisdecke trug, mit Eisschollen und Wasser. Vögel , in ihrer Nachtruhe aufgeschreckt, schwirrten lärmend und aufgeregt vorüber. Es war nun keine Zeit mehr zu verlieren. Schnell wurden ein paar Dinge im Koffer verpackt. Unseren kleinen Sohn setzte ich in den Rucksack und dann zog ich mit meiner Frau in dunkler Nacht los – der schützenden Stadt entgegen. An manchen Stellen hatte uns bereits Wasser den Weg versperrt und wir mussten hindurch waten. Ich konnte aber Frau und Kind im elterlichen Hause wohlbehalten abliefern und damit war das wichtigste erst einmal getan. Nun ging es im Dauerlauf zurück, um unsere Haustiere und den Hausrat zu retten. Der Rückweg zu unserem Hause war grausig. Der Mond trat aus den Wolken hervor und beleuchtete die Wasserwüste. Es war ein schaurig schönes Bild. Das Wasser hatte bereits die Straße erreicht. Ich stand unschlüssig, ob ich hindurch gehen sollte oder nicht. Ich ging – und musste den ganzen Weg durch eiskaltes Wasser waten. Die Hühner holte ich einzeln aus dem Hühnerstall und setzte sie im Zimmer auf den Kleiderschrank. In Sekundenschnelle baute ich mit Brettern ein Gerüst von Schrank zu Schrank und packte Kleidung und Wäsche hinauf. Das Bett stellte ich auf zwei Tische, Tische und Stühle verband ich wiederum mit Brettern und stellte so Laufstege her. Meinen Hund setzte ich in einen Sessel hoch unter der Zimmerdecke und gab ihm Brot zur Ablenkung, denn er war mächtig aufgeregt. Da quoll auch schon das Wasser durch die Fußbodenritzen und stieg höher und höher. Allmählich wurde es ungemütlich. Draußen war das Wasser schon auf eineinhalb Meter gestiegen. Mit starker Strömung trieben Eisschollen an das Haus, stießen unter Scheuern und Knirschen an die Holzwände und erschütterten das ganze Gebäude. Noch immer stieg das Wasser und immerfort berannten die Eisblöcke das leicht gebaute Haus. Wie lange mochte der Holzbau noch halten? Ich öffnete das Fenster und rief in die tosende Nacht hinaus um Hilfe. Doch wer sollte den Ruf bei einem derartigen Getöse hören, wer sollte mir überhaupt bei diesem Eisgang zu Hilfe kommen können? Später erzählt man mir, dass meine Hilferufe doch gehört worden waren. Da ich noch in dem Holzhaus vermutet wurde, hatte man schon vorsorglich englische Soldaten alarmiert. Diese versuchten dann mit einem Schwimmpanzer mich aus meiner Not zu retten, aber gegen die Eismassen war auch ein Panzer hilflos und musste abdrehen. Vom Fenster aus schaute ich in die dunkle Nacht, sah nur Wasser und sich drehende riesige Eisschollen auf denen oft Hasen, Kaninchen und Mäuse ängstlich vereint um ihr Leben zitterten. Als das Wasser im Zimmer auf 80 cm gestiegen war, blieb es endlich stehen. Darüber war ich zunächst beruhigt und legte mich total erschöpft etwas hin. Von meinem erhöhten Bett aus ließ ich den Zollstock zur Tiefenlotung hinabgleiten und stellte fest, dass das Wasser nicht mehr stieg. Dann ließ ich meinen Arm als Warn- und Kontrollorgan aus dem Bett hängen und schlief ein. Erst gegen neun Uhr morgens wachte ich auf. Ich glaubte, ich hätte geträumt. Das Wasser im Zimmer war verschwunden, nur dicker Schlamm bedeckte den Fußboden. Als ich zum Fenster hinaussah, lachte mich ein sonniger Morgen an. Das Wasser hatte sich verlaufen, aber dafür war die ganze „Insel” zu einer wilden Eiswüste geworden. Zu Hügeln hatte sich das Eis aufgeschichtet, übereinander lagen die Eisblöcke und bildeten eine Gletscherlandschaft mit Spalten und Klüften. Die große Eisdecke der nahen Kiesgrube hatte sich vollständig gehoben und sich genau neben unser Haus auf den Garten gelegt. Zwischen den Eismassen lagen angeschwemmte Zäume, Bretter, Bäume, ganze Schuppen und tote Tiere. Soweit das Auge reichte, war nur Eis – nichts als Eis. Und Ruhe fand die eisige Pracht immer noch nicht. Es rutschte, knisterte und brach, es tropfte ,floss und bildete kleine Bächlein unter den Schollen. Eine Überwindung dieser arktischen Landschaft schien für mich zunächst unmöglich. Aber als ich weit hinten am Bahndamm viele Menschen erkannte, die das Naturschauspiel betrachteten, machte ich mich doch auf den Weg. Mit Hilfe einer langen Stange überwand ich die zwei Meter hohe Eiswüste. Für den sonst nur fünf Minuten langen Weg benötigte ich jetzt über eine halbe Stunde.” Niemand konnte sich in jenen Tagen vorstellen, dass die gewaltigen Eismassen schon bald verschwunden sein könnten. Doch die Kraft der Märzsonne und ein warmer Frühlingsregen ließen das Eischaos schon Ende März vergessen. Nur einzelne besonders große und dicke Schollen lagen wie urzeitliche Findlinge auf erhöhten Stellen der Weserwiesen und Kleingärten und erinnerten an das gewaltige Naturereignis. Noch im April, als meine Großmutter in ihrem Garten auf der „Insel” schon Erbsen legte, spielten wir Kinder „Bergsteigen” auf den inzwischen schmutzig unansehnlich gewordenen Eisblöcken. Quelle: Bernd Stegemann Vom Broyhan und Bierbrauen in OldendorfIm Weserlande hatte man seit Jahrhunderten eine Vorliebe für ein obergäriges Weissbier von süßlich-säuerlichem Geschmack, das nach seinem ersten Brauherrn „Broyhan” genannt wurde. Allerdings unterschieden sich die vielen Broyhans ganz erheblich in ihrer Qualität. Das Broyhan-Bier aus dem Oldendorfer Brauhaus zählte zu den Spitzensorten und so verwundert es nicht, dass bereits 1414 die ersten Bierexporte in den Urkunden vermerkt wurden. Voraussetzung für den guten Geschmack eines Bieres sind die Qualität des Braugetreides und des Hopfens, der Mineralgehalt des Wassers und eine sorgfältige Verarbeitung. Alle diese Bedingungen waren durch Anbauverhältnisse, durch Klima, Boden, Kultur- und Ernteweise im Oldendorfer Wesertal gegeben, so dass sich in Oldendorf schon früh ein blühendes Brauwesen entwickeln konnte. Man braute mehr Bier, als für den eigenen Bedarf benötigt wurde und exportierte dann den Überschuss in die umliegenden Städte. Das beliebte Bier wurde von den Oldendorfer Bürgern „reihum” im Städtischen Brauhaus hergestellt. Dieses sogenannte „Reihebrauen” war ein nur bestimmten Hausbesitzern zustehendes Recht, in Reihenfolge Bier zu brauen und auch ausschenken zu dürfen. Diese Braugerechtigkeiten, von denen man 1770 immerhin 146 zählen konnte, waren für viele Bürger ein willkommener Nebenverdienst und oft auch der wertvollste Bestandteil eines Grundstücks und daher sehr begehrt, da außer dem Brau- und Schankrecht auch noch die Lieferung von Brennholz aus dem Stadtwald beansprucht werden konnte. 1621 stand den brauberechtigten Bürgern bereits die beachtliche Menge von 500 Broyhan-Fässern zu Verfügung. Jedes Fass war auf 82 Mass = 102,5 Liter geeicht. Scharfe Kontrollen Um eine gleichbleibende Export-Qualität zu sichern, war der Oldendorfer Broyhan strengen Qualitätsnormen unterworfen, die von einem „Prüfeherren” , einem Mitglied des Stadtrates, scharf kontrolliert wurde. Festgelegt waren die Prüfkriterien in der Stadt-Brauordnung. Chemisch untersucht wurde die Biere vom Stadtapotheker. So beugte man auch einer möglichen Überproduktion vor und konnte den Ruf den Oldendorfer Bieres als bestes Schaumburger Bier im 17. Jahrhundert erhalten. Nach der Brauordnung von 1767 wurden regelmäßig drei Sorten Bier gebraut, und zwar Weißbier (Broyhan), Braunbier und Stark-Braunbier. Für die verschiedenen Biersorten wurde die Menge der Zutaten genau vorgeschrieben, die dann in der 6951 Maß Wasser fassenden kupfernen Braupfanne auf exakt 5472 Maß eingekocht wurden. ( 1 Maß = 1 ½ Liter). Auf die größte Reinlichkeit der Braugefäße und der Zutaten musste peinlichst geachtet werden. Alle mit dem Brauen beauftragten Braumeister und Brauknechte wurden „expresse darauf vereidet”, dass kein Wasser oder Dünnbier unter das Starkbier vermischt wurde. Neben dem Bierausschank in den Häusern mit Braugerechtigkeiten gestattete die Polizeiordnung des Grafen Ernst von 1615 nur „drei fürnehme Wirtshäuser und Herbergen”. Strenge Verordnungen warnten nicht nur die Bürger, sondern auch die Braumeister und Krüger (Gastwirte), dass sie über dem Biertrinken nicht ihr Handwerk vergessen sollten. Oldendorfer Brauhäuser Sowohl die wirtschaftlichen Folgen des Dreißigjährigen Krieges als auch die Vorrechte brauberechtigter Bürger führten schon bald zur Einrichtung von städtischen Brauhäusern, die eine wirtschaftlichere Bierproduktion ermöglichten. Das erste Oldendorfer Brauhaus ist urkundlich seit 1654 in der Langen Straße 31/ Bäckerstraße 1 nachweisbar. Ein zweites Brauhaus bestand seit 1699 in der Langen Straße 49. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts betrieb man das Bierbrauen immer noch überwiegend als ländlichen Nebenerwerb. Die einsetzende allgemeine technische Entwicklung machte aber bald eine rationelle Produktion unerläßlich, um weiterhin konkurrenzfähig bleiben zu können. So bündelte man jetzt die einzelnen Braugerechtigkeiten und schloss sich zu einer Städtischen Brauerei zusammen. Das Hauptproblem der damaligen Bierproduktion lag in der geringen Haltbarkeit des Gerstensafts. Deswegen setzte man große Hoffnung auf den Bau eines Bier- und Eiskellers, der in den Jahren 1861/62 als Stollen in den Steilhang der Weserterrasse zwischen Hessisch Oldendorf und Krückeberg getrieben wurde. Die Naturkühle des Stollens sollte eventuelle Überproduktionen aufnehmen und so für eine gleichmäßige Auslastung des Brauhauses sorgen. Doch auch diese letzte Anstrengung der Oldendorfer Brauergilde verhinderte nicht das nahende Ende – bereits 1880 musste die so hoffnungsvoll gestartete Städtische Brauerei aufgeben. Durch die Aufhebung der landesherrlichen Bann- und Zwangsrechte konnten sich nun moderne Großbrauereien entwickeln, die mit ihrer Finanzkraft die technische Entwicklung des Bierbrauens zur heutigen weltberühmten Qualität erst ermöglichten. Quelle: Bernd Stegemann Wölfe im WesertalIn Sagen und Erzählungen des Oldendorfer Wesertals, an die man sich heute noch erinnert, steht er häufig im Mittelpunkt: der geheimnisvolle, blutdürstige Wolf. In allen Geschichten ist der Wolf das sagenumwobene, mordlustige Untier. So wird der ängstliche, schmächtige Schneidergeselle aus Zersen in der Nacht nach Weihnachten auf seinem Wege über den Hohenstein in das auf der anderen Seite de Süntels gelegene Beber vom großen Wolf verfolgt und zerrissen. Nur Musik war dem vierbeinigen Mordgesellen offensichtlich zuwider: Der Musikant, der nachts bei der Rückkehr von der Tanzmusik vom Wege abirrte und in eine Wolfsgrube fiel, konnte den schon vor ihm in die Grube gestürzten Wolf nur durch sein ununterbrochenes Spiel abwehren. Viel Glück hatte auch eine arme Frau aus Rumbeck. Als in dem Weserdorf die Wolfsplage überhand nahm, legte man auch hier Wolfsgruben an. Man schaufelte tiefe Erdgruben, überdeckte diese mit Reisig und band einen lebenden Köder für den erwarteten Wolf darauf. Als Köder kaufte man von einer armen Frau eine Gans. „Schade um den leckeren Braten”, dachte diese Freundin einer leckeren Gänsebrust, und ging in der Abenddämmerung zur Wolfsgrube, um die Gans wieder zu holen. Als die Rumbeckerin aber die um sich schlagende Gans losbinden wollte, kam sie zu weit auf das dünne Reisig und brach mitsamt der Gans ein. Es dauerte nicht lange, so kam, angelockt durch das ängstliche Schnattern der Gans, auch der Wolf herbei, der ebenfalls in die Grube stürzte und sofort die fette Gans verzehrte. Der vor Angst aber zitternden Frau tat er nichts, da er wohl schon satt war. Am andern Morgen kamen die Bauern aus Rumbeck, um zu sehen, ob sie einen Fang getan hätten. Sie trauten ihren Augen kaum, als sie die Frau und einen Wolf fanden. Die Gänsezüchterin rettete man unversehrt aus der Grube, den Wolf aber schlug die Rumbecker tot. Zahlreicher Oldendorfer Flurnamen bestätigen das Vorkommen des Wolfes im Wesertal. So gibt es die „Wolfsbreite” bei Kleinenwieden, die Flur „Im Wolfstale” bei Krückeberg, „Auf der Wulfershelle” bei Rohden, „In den Wolfssieken” bei Höfingen, „Auf´m Wolfshagen „ bei Fuhlen, „Wolfslager” bei Wahrendahl und die „Wolfsschlucht” unter der Paschenburg. Auch die unheimlichen Sagen vom „Böxenwulf” – in anderen Landschaften Werwolf genannt – sind eigentlich nur ein rauhes Spiel mit der im Volk verbreiteten Furcht vor dem Wolfe. Bis zum Dreißigjährigen Krieg konnte man der Wolfsplage mit Gruben und Fangnetzen noch Herr werden, wobei Gemeinschaftsaktionen einzelner Dorfgemeinschaften allerdings Voraussetzung waren. Diese verfielen durch den langen Krieg zusehends und die Wölfe wurden zur gefährlichen Landplage. Nach dem Kriege übernahm die Landesherrschaft die Bekämpfung der heulenden Grauen. Als das Fallenstellen keine ausreichende Wirkung mehr zeigte, wurden großangelegte Wolfsjagden veranstaltet. Allein im strengen Winter 1645/46 mußten Oldendorfer Bürger sechsmal an Wolfsjagden in den benachbarten Wäldern teilnehmen. Eine besonders hohe Prämie von 5 Reichstalern - 1 Reichstaler war der Wochenverdienst eines Handwerksgesellen – erhielt 1638 der gräfliche Wildschütz Claus von der Revierförsterei Zersen, der am Hohenstein einen besonders gefürchteten Räuber erlegte. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Wolf in den Sagen und Geschichten als der gefährliche „große Hund vom Hohenstein” mit den glühenden Augen fortlebt. Noch mein Großvater ließ sich nicht davon abbringen, diesem „Hund” mit glühenden Augen und einer klirrenden Kette um den Hals auf dem Rückweg von Bakede nach Oldendorf am Hohenstein begegnet zu sein. Bis zum 18. Jahrhundert noch mußten die Bauernhöfe das sogenannte Wolfsfanggeld zur Deckung der Fangkosten an das Rentamt der Grafen von Schaumburg entrichten.. Quellen: Schaumburger Heimatkalender 1965, Heimatkunde Grafschaft Schaumburg 1921 . . . dass sich dem Trinker die Gurgel zusammenziehetDie Sage von der Tienke Meume Karl Freiherr von Münchhausen, der 1759 auf dem Oldendorfer Burgmannshof geboren wurde, teilt uns vom Stadtbrauhaus in Oldendorf und dem Oldendorfer Broyhan eine kleine Sage mit, die hier mit seinen Worten wiedergegeben werden soll: „Im Brauhause zu Oldendorf, so raunt uns die Sage zu, hatten die Wichtel lange Zeit ihre Heimstatt. Zu Gunsten der Bürgerschaft, der sie wohlwollend verbunden waren, trieben sie dort ihr unsichtbares Wesen und ließen ihren segnenden Einfluss überall merklich spüren, der – so unsichtbar auch ihre Urheber waren – so auffallend sichtbar wurde. Davon kam es, dass ehedem das dortige Bier unter dem Namen des Oldendorfschen so berühmt war wie jetzo die Braumschweigische Mumme (Berühmtes Braumschweiger Bier –Anmerkung des Verfassers). Das Brauhaus, dem Posthalterhaus gegenüber, wurde von den Postknechten, wenn sie im Winter recht blau gefroren waren, oft besucht, weil es da stets hübsch warm war. Einst kam zur Winterszeit auch ein Postknecht dahin, um sich durch zu wärmen. Man fragte ihn: „Was Neues, Schwager?”. „Nichts”, antwortete er, „als dass wir im Gebirge (damit meinte er die alte preußische Poststraße entlang des Süntels über Pötzen und Höfingen), wo wir heute nacht durchfuhren, ein Heulen und Klagen vernahmen und Rufen hörten: Meume Tienke ist tot! Tot ist Tienke Meume” (Meume Tienke wird auch in anderen Schaumburger Sagen als „lokale Wichtelkönigin beschrieben – Anmerkung des Verfassers).” Bei dieser Nachricht erhebt sich auch im Brauhaus Jammern und Wehklagen und hundert Stimmchen rufen tausendmal jenen Namen aus. Die an der Braupfanne beschäftigten Wichtel vergessen in ihrer äußersten Bestürzung ihre Unsichtbarkeit und alle anwesenden Gäste des Brauhauses sehen nun, wie Hunderte von Wichteln mit dem Bierbrauen beschäftigt sind. Ein Wichtel trägt gerade mühselig ein einziges Korn die Treppe zur Braupfanne empor. Und er trägt so schwer an dem einen Korn, dass ein Brauknecht darob lacht und spottet. Das Wichtelmännchen aber wird böse, wirft sein Körnchen zur Erde, das Korn bleibt liegen und – ist urplötzlich in das feinste Gold verwandelt. Aber alle Wichtel sind von dem Augenblick an verschwunden und auf ewig ausgezogen. Seit der Zeit ist das Oldendorfer Bier - und besonders der Broyhan - eben so schlecht als vorher es gut und berühmt war. Nichts brachte die vorherige Güte wieder: es ruht immer der Wichtelfluch darauf, so dass sich dem Trinker die Gurgel zusammenziehet!” Kuhlmann, loat dat, eck sin doch din Brotherr!Das alte Bürgerhaus Lange Straße 39 war seit Mitte des 18. Jahrhunderts Heimat verschiedener jüdischer Familien, die als Schutzjuden unter der besonderen Fürsorge der Schaumburger Grafen standen – gegen gute Bezahlung, versteht sich. Moses Jakob war der letzte Oldendorfer Schutzjude, bevor Napoleon die allgemeine Gleichstellung aller Bürger anordnete. Die bisher nur mit einem oder mehreren Vornamen ausgestatteten jüdischen Mitbewohner mussten auf Anordnung der neuen französischen Herrschaft Familiennamen annehmen. Rosenberg nannten sich künftig die Bewohner von Lange Straße 39. Sie handelten überwiegend mit rohen Tierfellen und Leder. Das Geschäft florierte und bald reichte der Platz zum Trocknen der Häute nicht mehr aus. Um 1910 gab deswegen Hermann Rosenberg dem Maurermeister und Hausschlachter Carl Kuhlmann den Auftrag zum Bau einer neuen Scheune mit zwei Trockenböden und einer „Remise”. Maurermeister Kuhlmann kam mit seiner Arbeit gut voran – nur das Baumaterial wurde immer knapper, da sich besonders nachts „Liebhaber” fanden, die auch Verwertung dafür hatten. „Kuhlmann, willst du nicht nachts auf meine Steine aufpassen – es soll dein Schaden nicht sein!” „Dat will ick woll, Rosenberg.” Und so machte Kuhlmann auch noch nachts seine Kontrollgänge an der neuen Scheune. Kuhlmann war als kräftiger Mann bekannt, dem man besser nicht in die Quere kam und so herrschte nachts auf Rosenbergs Baustelle schon bald Ruhe. Erst „vergaß” Kuhlmann mal einen nächtlichen Kontrollgang und schon bald fand er es unter seinem warmen Federbett gemütlicher als in verregneter dunkler Nacht auf Rosenbergs Baustelle. Es dauerte nicht lange, dass auch Hermann Rosenberg davon erfuhr, wie genau es sein verdingter Nachtwächter mit dem gut bezahlten Nebenjob nahm. „Warte nur, dir will ich wohl helfen”, schimpfte Rosenberg und kündigte nun seinerseits einen nächtlichen Kontrollgang an. In den Kleinstädten haben die Wände Ohren und so erfuhr auch unser pflichtvergessener Maurermeister schnell von den Absichten des Fellhändlers. Als nun Hermann Rosenberg um Mitternacht zwischen Gerüstbrettern und aufgestapelten Ziegelsteinen vorsichtig anschlich, um die Anwesenheit Kuhlmanns zu prüfen, war unser pfiffiger Maurermeister längst auf Posten. „Diu vermuckte diebische Elster!” und schon tanzte Kuhlmanns Eickheister auf Rosenbergs Rücken den Viertourigen. Alles Schimpfen Rosenberg half nichts, bis unser misstrauischer Bauherr in höchster Not rief: „Kuhlmann, Kuhlmann, loat dat, loat dat, eck sin doch din Brotherr!” Da ließ Kuhlmann von ihm ab: „Rosenberg, Ihr seid das! Das hättet ihr doch gleich sagen sollen!” Zweifel an Meister Kuhlmanns Zuverlässigkeit hat man nie wieder gehört. Bernd Stegemann Der Schatz in der AmelungsburgAuf der Burg am Amelungsberge wohnte der reiche Graf Amelung. Seine Vorfahren hatten die Kreuzzüge mitgemacht und aus dem Orient große Schätze an Gold und Silber mitgebracht. Unter der Burg In einem tiefen Keller, der mit einer Falltür besonders gesichert war, bewahrte der Graf seinen Schatz auf. Der Graf von Schaumburg hatte von diesem Schatz gehört und wollte ihn gerne haben. Er glaubte ihn am leichtesten zu bekommen, wenn sein Sohn die Tochter des Grafen Amelung heiraten würde. Deshalb schickte er einen Knecht mit einem Schreiben zur Amelungsburg und bat für seinen Sohn um die Hand der Tochter. Der Graf Amelung antwortete, daß seine Tochter niemals Gräiln von Schaumburg würde. Einige Zeit danach wurde auf der Amelungsburg ein ungetreuer Knecht beim Diebstahl ertappt. Er wurde ausgepeitscht und aus der Burg gewiesen. Der Graf von Schaumburg nahm Ihn in seine Dienste und ließ sich von ihm Immer wieder von dem sagenhaften Schatz des Grafen Amelung berichten. Dem Schaumburger ließ der Gedanken an den Schatz keine Ruhe und er hielt ein zweites Mal um Amelungs Tochter an - und wurde wieder abgewiesen. Zornentbrannt sann der Graf von Schaumburg jetzt zusammen mit dem ungetreuen Knecht auf Rache. In einer dunklen Nacht zog der Schaumburger vor die Amelungsburg und ließ seine Knechte von allen Seite brennende Pechkränze über die Mauern der stolzen Burg werfen. Bald stand die Bergfeste lichterloh In Flammen und Türme und Häuser stürzten zusammen. Kein Mensch konnte sich aus der brennenden Burg retten. Nach Tagen sollte der Knecht dem Grafen von Schaumburg die Tür zu dem Schatzkeller zeigen. Aber die Steinhaufen von dem elngestürzten Mauerwerk lagen so hoch, daß der Eingang zum Schatzkeller nicht wiedergefunden werden konnte. So wird der Schatz wohl noch heute in der Tiefe des Amelungsberges ruhen. Schatzsucher sollen noch heute in die Ruinen der Amelungsburg (die jetzt Burg Roden genannt wird) begehrliche Blicke werfen.
Die Riesen und das Oldendorfer WesergebirgeAls in grauer Vorzeit die Riesen den Brocken im Harz aufschütteten, holten sie dazu auf ihren Riesenschubkarren das Baumaterlal aus Nordeuropas Gebirgen und von den Stränden der Nordsee. Das kleine Gestein packten sie nach unten und obenauf rollten sie die schwereren Felsblöcke. Als sie vom Meere quer durch die norddeutsche Ebene nach dem Harze fuhren, rieselte der Meerkies und das dünne Steingeröll durch die breiten Ritzen der Schubkarren. Die Riesen mußten so oft fahren, daß sich ihre Spuren tief in das Land elnschnitten. So entstanden das Wesertal und das Wesergebirge. Einem Riesen, dessen Stiefel von der schweren Arbeit ein Loch bekommen hatten, war Sand in den Strumpf gekommen. Als er nun mit der leeren Karre nach der Nordsee zurückfuhr, belästigte ihn das beim Gehen, weshalb er auf halbem Wege zwischen Hessisch Oldendorf und Rinteln den Stiefel und Strumpf auszog und den Sand ausschüttete. Daraus entstand ein Hügel, den die Bauern von Fuhlen nachmals den Sandbrink nannten. Zwei weiteren gewaltige Riesen gefiel das „Oldendorfer Wesertal” so gut, daß sie beschlossen hier zu hausen. Der eine wohnte im Paschenberge und der andere auf dem Borberge bei Pötzen. Die Erde erbebte, wenn einer von Ihnen nieste und Pfützen entstanden bei jedem Fußtritt, wenn sie bei Regenwetter ausgingen. Ihr Brot backten sie gemeinschaftlich in einem großen Backofen. Abwechselnd heizten beide Riesen den Ofen ein. War die richtige Backhitze erreicht, so wurde dem Nachbarn Bescheid gegeben, indem man kräftig am Holzbacktrog kratzte.Als einst Backetag war, hörte der Borbergsriese schon früh ein ganz gewaltiges Kratzen. Er nahm daher seinen Brotteig und trug ihn zum Ofen. Anstatt eines heißen Backofens fand er aber nur seinen schlafenden Riesen-Nachbarn, der noch ruhig auf der Seite lag. ”Ei, ei, Kamerad, was ist denn das, ich hörte doch das Kratzen?‘, so sprach der Borbergsriese. Der Paschenberger aber antwortete: ‘Da habt ihr euch geirrt, mich stach nur just ein Floh, da habe ich mich gekratzt Der Ofen ist noch lange nicht heiß!” Da blies der Borbergsriese seine Nüstern auf und schnaufte gewaltig. Wütend warf der jäbzornige Borberger den Teig hin und eilte wieder nach Hause. Unterwegs schüttelte er aus seinen Schuhen Sand und Lehm, woraus der Hünenbrink bei Fuhlen entstanden ist. Doch aus dem Teig vor dem Paschenberge wurde der Berg, worauf heute die Schaumburg steht. Auch auf der Hünenburg bei Hohenrode hauste ein Riese. Das Glockenläuten der Großenwiedener Kirche konnte er nicht ertragen und wollte sie deswegen zerstören. Er nahm Felsblöcke und schleuderte sie nach dem Kirchturme. Die Steine verfehlten aber die Kirche. Der eine fiel an der Klrchhofsmauer und der andere am Ausgange des Dorfes nach Kleinenwieden zu nieder, wo sie noch zu sehen sind. Quelle: Struck. Geschichte der Grafschaft Schaumburg Der wilde JägerIn den zwölf Nächten von Weihnachten bis zum Dreikönigstag am 6. Januar, den sogenannten ”Zwölften”, durchzieht nach altem Glauben des Volkes der wilde Jäger im brausenden Sturmwinde die Lüfte. In der Sage vom wilden Jäger ist noch ein Rest des germanischen Götterglaubens enthalten. Wie Wodan, der auf weißem Rosse einherstürmende Gott, gefolgt von Wölfen, umflattert von Raben, begleitet von den Seelen der Verstorbenen stürmisch am Himmel entlangzog, so jagt auch der wilde Jäger im Sturmessausen daher. Dem Wanderer oder Jäger, der in das wilde Jagdgeschrei mit einstimmt oder den wilden Jäger anruft, droht Unglück. So erging es drei Jägern aus Welsede, die zwischen Weihnachten und Dreikömge im Welseder Gemeindeholz Dachse ausgraben wollten. Von der Dachsjagd ermüdet, legten sie sich unter einen Baum, um ein Weilchen auszuruhen. Da brauste es plötzlich über Ihnen und sie sahen einen Schatten in der Luft, der sich in Form eines großen Beines langsam zu ihnen herunterließ. Die Jagdhunde verkrochen sich winselnd und heulend und auch den Jägern wurde angst und bange. Verfolgt von einem unheimlichen Schatten und einem furchtbaren Getöse in der Luft liefen sie atemlos bis zur Rohdener Mühle, wo sie Schutz fanden. (Nach Wagenführer) Der Raubritter von der KatzennaseAuf der Katzennase, einem Berg des Süntelgebirges nördlich von Haddessen, stand im Mittelalter eine Burg. Der Burgherr, früher ein edler Ritter, war jetzt verarmt. Da er nichts anderes gelernt hatte, als mit dem Schwert umzugehen, fiel ihm nichts besseres ein, als zum Raubritter zu werden. Von seiner Feste aus fiel der Ritter mit seinen Knechten über die Reisenden her, und plünderte die Fuhrwerke der im Wesertal durchziehenden Kaufleute. Besonders reiche Handelsherren hielt er Im Burgverließ als Geiseln gefangen. Konnten die Unglücklichen sich nicht durch ein hohes Lösegeld freikaufen, so mußten sie hier so lange schmachten, bis der Tod ihren Qualen ein Ende machte. Die Bewohner des Wesertal freuten sich, als der grausame Ritter endlich starb. Der Sage nach kann er aber wegen seiner bösen Taten im Grabe keine Ruhe finden. Während der Geisterstunde reitet der Räuber auf einem Schimmel, begeitet von einem großen Hund, durch den Süntel. Bei dem nächtlichen Ritte durchreitet das Gespenst auch regelmäßig das Dorf Haddessen am Fuße der Katzennase, wo schon mancher den Spuk um Mitternacht erlebt haben soll. EinwohnerentwicklungZahlen beziehen sich auf das heutige Stadtgebiet.
Kultur und SehenswürdigkeitenSehenswert ist in Hessisch Oldendorf vor allem das Schloss, das 1585 von den Freiherren von Münchhausen im Stil der Weserrenaissance als Wasserschloss an einem Weserarm erbaut wurde. Seit 21. August 2004 ist als neueste Attraktion die Schillat-Höhle in der Nähe von Langenfeld zu bewundern. Bauwerke
Wirtschaft und InfrastrukturVerkehrDie Stadt liegt an der Bundesstrasse B83, sowie der Eisenbahn von Löhne über Rinteln und Hameln nach Hildesheim. PersönlichkeitenSöhne und Töchter der Stadt
Literatur
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