Kevelaer in Nordrhein-Westfalen


Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Düsseldorf
Kreis: Kleve
Koordinaten: 51° 35′ N, 6° 15′ O
Höhe: 20 m ü. NN
Fläche: 100,6 km²
Einwohner: 27.867 (31. Dez. 2005)
Bevölkerungsdichte: 277 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 47623 47627
Vorwahlen: 0 28 32
Kfz-Kennzeichen: KLE
Gemeindeschlüssel: 05 1 54 032
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Peter-Plümpe-Platz 12
47623 Kevelaer
Webpräsenz: www.kevelaer.de
Bürgermeister: Dr. Axel Stibi (CDU)
Lage der Stadt Kevelaer im Kreis Kleve

Die Stadt Kevelaer liegt am unteren linken Niederrhein im Nordwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Sie ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Kleve im Regierungsbezirk Düsseldorf. Kevelaer ist Mitglied der Euregio Rhein-Waal.

Geografie

Räumliche Lage

Die Stadt Kevelaer liegt in der niederrheinischen Tiefebene, im Zentrum des Kreises Kleve. Die Gewässer Niers, Dondert, Kervenheimer Mühlenfleuth und Issumer Fleuth fließen durch das Stadtgebiet. Die Umgebung ist eingebettet in eine Donkenlandschaft, was sich zum Beispiel in den Namen der Ortsteile Winnekendonk, Kervendonk, Kolvendonk und Grotendonk widerspiegelt.

Stadtgebiet

Räumlich ist das Stadtgebiet in folgende fünf Stadtteile gegliedert

  • Kervenheim/Kervendonk
  • Kevelaer
  • Twisteden/Kleinkevelaer
  • Wetten und
  • Winnekendonk.

Kevelaer ist vor allem in kultureller und touristischer Hinsicht interessant.

Im Zentrum der Stadt liegt der Kapellenplatz mit der Gnadenkapelle, der Basilika, der Kerzenkapelle und der Beichtkapelle. Daran schließen sich vier Fußgängerzonen mit Kaffees und Restaurants an.

Das fast 100jährige „Niederrheinische Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte” sieht sich als volkskulturelles Bilderbuch der Region. Daneben hat es sich nach der Übernahme der „Spielgutsammlung Juliane Metzger” zu einem bedeutenden Spielzeugmuseum entwickelt.

Die Stadt Kevelaer ist Nordwesteuropas größter Wallfahrtsort und staatlich anerkannter Erholungsort. Jährlich besuchen etwa eine Million Pilger die Kleinstadt mit ihren knapp 28.000 Einwohnern. Daneben sind Kunsthandwerk und vielfältige Industrien wie Holz- und Metallverarbeitung von wirtschaftlicher Bedeutung. Zu den größten Ereignissen des 20. Jahrhunderts der Stadt Kevelaer zählen die Besuche von Papst Johannes Paul II. und Mutter Theresa im Jahre 1987.

Nachbargemeinden/-städte

Die Stadt Kevelaer grenzt im Norden an die Gemeinde Weeze, im Osten an die Gemeinden Uedem und Sonsbeck (Kreis Wesel), im Süden an die Stadt Geldern sowie im Westen an die Gemeinde Bergen (Provinz Limburg, NL).

Geschichte

Frühzeit und Spätmittelalter

Über die Entstehung Kevelaers sind hinsichtlich der Zeit und Art keine genauen Anhaltspunkte vorhanden. Die ersten Zeugnisse für das Vorhandensein einer Siedlung im Stadtgebiet Kevelaers gehen bis in die ältere Eisenzeit zurück (etwa 800 v. Chr.). Sedimente einer vorzeitlichen Brunnenanlage sowie Urnenfunde deuten darauf hin. Die erste schriftliche Nachricht über diese Bewohner gibt der römische Feldherr Julius Caesar in seiner Beschreibung des gallischen Krieges (58–51 v. Chr.). Er nennt sie Menapier (Volksstamm im belgischen Gallien, der sich von der Nordsee bis an den Rhein ansiedelte). Ein Beweis für die Besiedlung dieses Gebietes sind römische und merowingische Scherben und Keramik aus dem 9. Jahrhundert, die im Stadtgebiet gefunden wurden.

Urkundlich wird Kevelaer zum erstmal am 10. Mai 1300 erwähnt. Bei dieser Urkunde handelt es sich um eine Verkaufsurkunde über einen Bauernhof. Zu dieser Zeit besteht Kevelaer aus Bauernhöfen und Katen und befindet sich zu großen Teilen im Besitz des Stiftes Xanten und des Klosters Grafenthal. Die Bauernschaften Kevelaer und Wetten bildeten einen Gerichtsbezirk und gehörten im Spätmittelalter zum Niederamt Geldern der Grafschaft Geldern. Am 19. März 1339 wurde die Grafschaft zum Herzogtum erhoben. Die heutigen Gemeinden Kervenheim und Winnekendonk gehören zu diesem Zeitpunkt dem Herzogtum Kleve an.

Spanische Niederlande (Generalstaaten)

Durch den Venloervertrag vom 12. September 1543, wurde das Herzogtum Geldern in seiner damaligen Form aufgehoben und zu einer der 17 Provinz der Niederlande erklärt. 1559 erfolgt eine Bistumsreform durch Margarethe von Parma, wodurch die Bauernschaften Kevelaer, Twisteden und Wetten, welche bis dato zum Erzbistum Köln gehörten, dem neuen Bistum Roermond unterstellt wurden. Winnekendonk und Kervenheim verblieben im Erzbistum Köln.

Im Jahr 1578 (ebenso 1633) verbreitete sich die Pest am Niederrhein wovon Kevelaer auch betroffen war. Im Krieg um die Vorherrschaft in den Spanischen Niederlande marschierten niederländische Truppen in die Stadt Geldern ein und plünderten die umliegenden Dörfer Kevelaer, Twisteden und Wetten. Zudem wurde die Ausübung der katholischen Religion verboten. 1586 wird die Pfarrkirche des unbesetzten, im Herzogtum Kleve gelegenen Winnekendonk, durch Spanier geschändet.

Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Frieden

1614, unmittelbar vor dem 30jährigen Krieg, fiel das Herzogtum Kleve an das protestantische Kurbrandenburg. Mitten durch das heutige Stadtgebiet verlief eine neue Staatsgrenze. Kervenheim und Winnekendonk gehörten zum protestantischen Brandenburg wurde der Gemeinde Kevelaer am 25. Mai 1949 das Stadtrecht verliehen.

1985 fand die erste Motorradwallfahrt statt, welche seitdem jährlich abgehalten wird.

1987 wurde Kevelaer von Papst Johannes Paul II. und Mutter Theresa besucht.

Entstehung und Entwicklung der Wallfahrt

Die Anfänge der Wallfahrt

Um die Weihnachtszeit des Jahres 1641 vernahm der Handelsmann Hendrick Busman (auch Hendrik Busmann), als er an einem Hagelkreuz betete, eine geheimnisvolle Stimme, die ihm sagte: "An dieser Stelle sollst du mir ein Kapellchen bauen!" (Op deze plaats sult gij mij een kapelleken bouwen!). Im Verlauf der nächsten Tage hörte Busman die besagte Stimme noch zweimal bei seinen täglichen Gebeten, auf seinem alltäglichen Weg von Weeze nach Geldern, nahe dem Dorf Kevelaer in der Kevelaerer Heide. Der Händler war zwar nicht reich, dessen ungeachtet führte er diesen Auftrag aus.

Einen Monat vor Pfingsten im Jahr 1642 hatte seine Frau Mechel Schrouse eine nächtliche Erscheinung. Sie sah in einem großen glänzenden Licht ein Heiligenhäuschen mit einem Bildchen der Gottesmutter Maria aus Luxemburg, welches ihr einige Zeit zuvor von zwei Soldaten zum Kauf angeboten worden war. Hendrick Busman sah sich in seinem Erlebnis bestätigt und beauftragte sein Frau damit, die beiden Soldaten ausfindig zu machen und das Bild zu kaufen. Mechel konnte in Kempen einen Leutnant ausfindig machen der die beiden angebotenen Bildchen nun besaß und kaufte diesem eines der Bildchen ab.

1939:
1968:
1969:
1990:
Dez. 2002:
Dez. 2003:
Dez. 2004:
Dez. 2005:
Dez. 2006:

9.092
12.896
20.895
23.309
27.591
27.824
27.928
27.867
29.048

Der Knick nach 1969 ist auf die kommunale Neugliederung in NRW zurückzuführen.

Politik

Aktueller Stadtrat und Bürgermeister

Der Rat der Stadt Kevelaer hat seit der letzten Wahl vom 26. September 2004 insgesamt 36 Mitglieder. Nach Fraktionsübertritten verteilen sich die Sitze derzeit (2006) wie folgt auf die einzelnen Parteien:

  • CDU 18 Sitze
  • KBV (Kevelaerer Bürgervereinigung) 7 Sitze
  • SPD 5 Sitze
  • Grüne 4 Sitze
  • FDP 2 Sitze

Zum Bürgermeister der Stadt Kevelaer wurde Dr. Axel Stibi (CDU) mit 58,03 % der Stimmen gewählt. Seine Stellvertreter sind Dr. Edmund Bercker (CDU), Egon Kammann (CDU) und Andrea Wynhoff (KBV).

Bürgermeister in der Geschichte Kevelaers

  • 1800 - 1817: Johann Marian van den Wyenbergh 1)
  • 1817 - 1822: Peter Heuvens
  • 1822 - 1875: Gerhard Heinrich Cremeren
  • 1875 - 1884: Wilhelm Brügelmann
  • 1884 - 1901: Theodor Leeuw
  • 1901 - 1924: Matthias Marx
  • 1924 - 1933: Bernhard Widmann
  • 1933 - 1945: Matthias Broeckmann
  • 1945 - 1946: Theodor van Ooyen 2)
  • 1946: Fritz Holtmann 3)
  • 1946 - 1978: Peter Plümpe 4)
  • 1978 - 1989: Karl Dingermann
  • 1989 - 1999: Dr. Friedrich Börgers
  • 1999 - 2004: Heinz Paal (CDU)
  • 2004 - heute: Dr. Axel Stibi (CDU)

1) In der Franzosenzeit von 1800 - 1814 Maire der Mairie Kevelaer

2) Am 3. März durch die britische Kommandantur ernannt

3) Am 11. Februar 1946 durch die Gemeinderatssitzung gewält, einen Monat später durch die britische Kommandantur aufgehoben

4) Am 8. März durch die britische Kommandantur ernannt

Wappen

Das Wappen der Stadt Kevelaer wurde offiziell am 19. November 1973 genehmigt. Das geteilte Stadtwappen zeigt oben eine goldene Mispelblüte mit roten Kelchblättern und Butzen auf blauen Grund und unten eine rote Lilie auf goldenen Grund.

Die Mispelblüte, auch Geldernsche Rose bezeichnet, gehörte zu den Insignien des Grafen (später Herzogs) von Geldern und befand sich im Siegel des Niederamtes Geldern. Auf diese ursprüngliche Zugehörigkeit der Stadt Kevelaer zum Land Geldern soll die Mispelblüte hinweisen. Die rote Lilie steht in Verbindung mit der Klever Lilienhaspel, auch Karfunkel oder Clevenrad genannt, die von den Herzögen von Kleve geführt wurde. Damit wird auf die Zugehörigkeit von Kervenheim und Winnekendonk zum Land Kleve verwiesen. Das Wappen nimmt als Ganzes Bezug auf die kommunale Neugliederung der Stadt Kevelaer von 1969, bei der die Ämter Kevelaer und Kervenheim zusammengeführt wurden.

Städtepartnerschaften

Kevelaer unterhält seit 1981 eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Bury St. Edmunds (GB), die vor allem für die im Stadtzentrum gelegene Ruine einer Benediktiner-Abtei bekannt ist. Die Abtei, in der der letzte angelsächsische König Edmund begraben liegt, entwickelte sich im Mittelalter zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.

Das Kardinal-von-Galen-Gymnasium betreibt eine aktive Schulpartnerschaft mit der Abilene High School in Abilene, Kansas, USA.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater, Konzerte und Museen

In Kevelaer werden über das gesamte Jahr hinweg Veranstaltungen, sowie Theater- und Konzertvorstellungen im Konzert- und Bühnenhaus angeboten. Daneben besteht das im Jahr 1910 gegründete Niederrheinisches Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte (auch bekannt als Memoria-Haus), welches die bäuerliche und bürgerliche Sachkultur der Region darstellt, aber ebenso für seine umfangreiche Spielgutsammlung Juliane Metzger, seinen Fundus an regionalen Keramiken, Druckgrafiken und seine Kupferstichsammlung bekannt ist.

Architektur und Bauwerke

Im Stadtkern Kevelaers befinden sich knapp 200 denkmalgeschützte Gebäude. Darunter fallen unter anderem die historischen Kirchenbauwerke, aber vor allem Gebäude aus der Zeit der Jahrhundertwende. Die im wilhelminischen Zeitalter entstandenen Bauwerke sind insbesondere wegen ihrer aufwendigen Gestaltung der Frontfassaden sehenswert. Darunter fällt zum Beispiel das "Haus Stassen" mit seinem Erker und den verzierten Giebel, das im 19. Jahrhundert errichtete "Goldschmiedehaus Polders", die Apotheke auf der Hauptstraße die im 17. Jahrhundert als Hotel und später als Brauerei genutzt wurde, das Buerohaus Schreiner am Friedensplatz, der Wasserturm, der zwischen 1904 und 1905 gebaut wurde, das "blaue Gebäude" und eine Reihe von Gebäuden auf der Annastraße. Ebenso unter Denkmalschutz Steht der etwa 1 Kilometer lange Kreuzweg, in dem die 14 Stationen der Passion Christi dargestellt werden.

In der gesamten Innenstadt wurden einzelne Kunstwerke aufgestellt, die das Stadtbild ausschmücken. Am Peter-Plümpe-Platz (Marktplatz) befindet sich das "Alte Rathaus", dessen Grundsteinlegung 1902 stattfand und ein Jahr später fertig gestellt war. Auf dem Gebäude sieht man noch heute das alte Wappen der Stadt Kevelaer. Es zeigt auf der rechten Seite das Kreuz von St. Antonius und auf der linken Seite ein Kleeblatt. Ebenfalls von historischer Bedeutung ist das so genannte Kroatenkreuz, das an die am 1. August 1635 getöteten Kevelaerer erinnert. Damals fielen kroatische Truppen in Kevelaer ein und töteten 100 Kevelaerer in ihren Schutzanlagen. Noch heute steht dort geschrieben: "ANNO 1635 DEN ERSTEN AUGUST ALZOO DEZEN .DATO VERKLAERT ZYN HIER OP DE SCHANS BIE HONDERT MENSCH VERMOORT / BIT VOOR DY ZELLE OP DAT GODT HAER IN DER EEWICHEID GENADICH ZYN WILL!"

Historisch Interessant ist zudem die Burg Kervendonk, die in der Gemeinde Kervenheim liegt. Die Burganlage wurde urkundlich zum ersten mal 1270 erwähnt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die Anlage ausgebaut. 1757 wurde die Burg durch einen Stadtbrand zu großen Teilen zerstört. Die Reste wurden danach als Gutshof genutzt. Seit dem Ende des 20. Jahrhundert stehen Teile des Grundstückes im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde und in Privatbesitz. Ebenfalls in Kervenheim liegt das denkmalgeschützte Potthaus, welches 1733 zum ersten mal urkundliche Erwähnung findet. Das Potthaus war eine Töpferei die Keramiken herstellte, die wohl von ausgezeichneter Qualität und deshalb überregional Bekannt war. Das Gebäude ist im so genannten Gulfhaus-Stil gebaut.

Kirchenbauwerke

Durch ihre Stellung als Wallfahrtsort bietet die Stadt Kevelaer zahlreiche sehenswerte Kirchenbauwerke, die während der letzten 350 Jahre entstanden. So zum Beispiel die Marienbasilika, in der die größeren Pilgergottesdienste gefeiert werden. Sie wurde von 1858 bis 1864 erbaut. Die Ausmalungen des Gotteshauses wurden von Friedrich Stummel durchgeführt. Das Langhaus, sowie das nördliche und südliche Querhaus wurden nach Plänen des Kölner Dombaumeisters Vincenz Statz umgesetzt. Der Bau des über 90 m hohen Westturmes wurde 1883 begonnen und ein Jahr später abgeschlossen. Im Jahre 1923 wurde die Kirche zur päpstlichen Basilica minor erhoben.

Im Zentrum der Wallfahrt steht die Gnadenkapelle, welche das Gnadenbild von Kevelaer beheimatet. Die Kapelle wurde im Jahr 1645 um den Bildstock errichtet. Die Gnadenkapelle ist ein sechseckiger Kuppelbau, der auf der Seite des Gnadenbildes eine große, portalartige Fensteröffnung besitzt. Die künstlerische Ausgestaltung der Kapelle wurde erst im Jahr 1888 begonnen und vier Jahre später abgeschlossen.

Neben der Gnadenkapelle befindet sich die Kerzenkapelle, die älteste Wallfahrtskirche der Stadt Kevelaer, die zwischen 1643 und 1645 errichtet wurde. Der Kirchenraum ist mehr als 30 Meter lang, sowie etwa 10 Meter breit und 15 Meter hoch und ähnelt durch diesen Baustil einer schmalen Filialkirche. Der einschiffige Backsteinbau besitzt keinen Turm, sondern wurde mit einen Dachreiter ausgestattet. Später wurde der Kirche eine Sakristei angeschlossen. Schutzpatron der Kirche ist der Erzengel Michael.

Im Jahr 1857 wurde mit den Bauarbeiten der Beichtkapelle begonnen, und schon ein Jahr später konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Heute befindet sich die Beichtkapelle direkt an der Marienbasilika. Von 1890 bis 1892 wurde die zweischiffige Beichtkapelle an der nördlichen Langseite erweitert, wodurch weiterer Platz für Beichtstühle geschaffen wurde. 1987 wurde ein Teil der alten Beichtkapelle für die Marienbasilika abgetrennt und zum heutigen so genannten Klostergang umfunktioniert, der zu mehreren Beichträumen führt. Der Erweiterungsbau von 1892 dient heute als eigentliche Beichtkapelle.

Die heutige Sakramentskapelle wurde 1860 erbaut und diente damals als Beichtkapelle der niederländischen Pilger. In den 1880er Jahren wurde die Paradiesvorhalle an die Sakramentskapelle angebaut, die zum Ende das zweiten Weltkrieges zerstört wurde. 1890 wurde der Innenraum von zwei auf ein weiteres, drittes Schiff erweitert. Ab 1975 wurde die damalige Beichtkapelle zur Sakramentskapelle umfunktioniert.

Im Forum Pax Christi, welches sich zwischen der Kerzenkapelle und dem Niederrheinisches Museum für Volkskunde und Naturgeschichte befindet, findet unter anderem der jährliche Krippenmarkt statt. Im Jahre 1948 fand in Kevelaer der erste Pax-Christi-Kongress auf deutschem Boden statt. Aus diesem Anlass wurde die damalige Kapelle in Pax-Christi-Kapelle umbenannt. 1999 wurde die Kapelle mit einem Glasdach überdacht und der Gesamtkomplex trägt seither den Namen Forum Pax Christi.

Die Johanneskapelle wurde im Jahre 1992 erbaut und ist eine Kapelle für orthodoxe Christen. Die liturgischen Feiern hingegen dürfen nur von den autokephalen orthodoxen Kirchen durchgeführt werden.

Das heutige Priesterhaus wurde von 1647 bis 1650 errichtet und war damals noch ein Kloster der Oratorianerpatres. Zwischen 1664 und 1802 war das Kloster immer durch einen Oratorianerpater besetzt. 1802 wurde der Orden durch die Säkularisierungsbemühungen der Franzosen aufgehoben und das Kloster geschlossen.

Weitere kirchliche Bauwerke von größerer Bedeutung sind das Klarissenkloster, das Provinzialmutterhaus der Vorsehungsschwestern (inzwischen geschlossen), das Exerzitienhaus der Clemensschwestern (inzwischen geschlossen) und die St. Antonius-Kirche. Daneben bestehen noch zahlreiche weitere Kirchen in den einzelnen Gemeinden und der verschiedenen Konfessionen.

Freizeit- und Sportanlagen

Kevelaer verfügt über eine Vielzahl von Freizeit- und Sportanlagen, so bestehen in der Stadt Kevelaer ein Hallenbad und ein Freibad, Park- und Wiesenanlagen, Rasensportplätze, Fußballplätze, Tennisanlagen, die Gemeinden von Kevelaer verfügen daneben über Minigolfanlagen, Reithallen, Anlagen für Westernreiten, Tennis- und Squashhallen.

Durch die ländliche Lage und die ausgedehnten Wälder und Heiden können ausgeschilderte Radrouten befahren, Trimm-dich-Pfade und Lehrpfade in den Wäldern abgelaufen werden. An der Schravelschen Heide befindet sich eine Jugendherberge,nördlich davon ein stattlicher Ferienpark und ein gepflegtes Landguthotel. Dort in der Kervendonker Landschaft führt ein Teilabschnitt des Jakobspilgerweges (Rhein-Maas) von Weeze-Wissen nach Kevelaer, vorbei an einer großen Reithalle und entlang der nahe gelegenen Niers. Auf der Niers können Paddelboottouren unternommen werden. Im Dorf Kervenheim befindet sich ein bekanntes Gestüt. Bereits 1846, also vor 160 Jahren, begann dort die Warmblutzucht auf dem Vogelsangshof, die weiterhin die Trakehner- und die Rheinische Pferdezucht prägt. In Twisteden liegt der Traberpark Den Heyberg und der 1998 eröffnete Niederrheinpark Plantaria, der den Schwerpunkt als ein Vogel- und Blumenpark gelegt hat, aber noch weiteres bieten kann. Neben dem Kevelaerer Wochenmarkt findet jeden Freitag in der Ortschaft Winnekendonk der so genannte Niederrheinische Bauernmarkt statt, auf dem ausschließlich eigenproduzierte Lebensmittel angeboten werden. Seit dem ersten Quartal 2006 gibt es am Samstagmorgen zusätzlich einen kleinen Wochenmarkt in der Ortschaft Wetten.

Der historische Stadtkern Kevelaers lädt zum Flanieren ein, es bestehen zahlreiche Straßencafés, Gaststätten, Kneipen und die Luxemburger Galerie, eine überdachte Einkaufspassage. Natürlich stehen auch hier die Wallfahrt und die sehenswerten Kirchenbauwerke im Zentrum des Interesses.

Die wichtigsten Bestandteile des Kevelaerer Brauchtums sind der Karneval, die Osterfeuer, die Schützenfeste, die Kirmesfeste und die St. Martinsumzüge in den einzelnen Gemeinden.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jährlich am Ostermontag findet in Kevelaer der philatelistische Grenzlandtauschtag statt. Zu diesem Ereignis treffen sich über 200 Briefmarken- und Ansichtskartensmaller im Konzert- und Bühnenhaus. Die Kevelaerer Wallfahrt beginnt jedes Jahr am 1. Mai mit der Öffnung des Pilgerportals der Marienbasilika und endet mit der Schließung am 1. November. In Verbindung mit der Wallfahrt findet alljährlich am dritten Wochenende im Juli die Motorrad-Wallfahrt, am zweiten Wochenende im August die Tamilen-Wallfahrt (christlichen und hinduistischen Glaubens) und am Wochenende vor dem 11.11. die Karnevalistenwallfahrt statt. Im Sommer 2005 hat erstmals im Zusammenhang mit dem Weltjugendtag der Katholischen Kirche ein Jugendforum mit über 1000 Teilnehmern stattgefunden, welches auch für die kommenden Jahre geplant ist. Weiter wird immer im Advent, im Forum Pax Christi der Kevelaerer Krippenmarkt ausgerichtet. Daneben finden noch die Kevelaerer Oldtimer-Ausfahrt, das Kevelaerer Heißluft-Ballon-Festival und das Weltmusikfestival, sowie diverse Volksfeste statt.

Kevelaerer Heimatlied

Das Kevelaerer Heimatlied "Wor hör ek t´hüß?", geschrieben von Theodor Bergmann (geboren am 29. Dezember 1868, gestorben 17. Mai 1948).

Wor hör ek t´hüß?

I.
Wor hör ek t'hüß? - kent gej min Land?
Gän Baerge schnejbelaeje,
Gän driewend Waater träkt en Band
Voerbej an groote Staeje:
Dor, wo de Nirs doer't Flackland geht,
Wor in den Baend et Maisüt steht,
On wor de Keckfoars quakt in't Lüß,
|: Dor hör ek t'hüß. :|

II.
Wor op de Hej de Loewrek sengt,
Den Haas sprengt doer de Schmeele,
Wor ons de ricke Sägen brengt
De Aerbejshand voll Schweele,
Wor in et Koarn de Klappros drömt,
Van Fäld on Weije rond ömsömt,
So frindlek röst et Burenhüß,
|: Dor hör ek t'hüß. :|

III.
Wor gärn de Lüj en oapen Hand,
in Not de Noaber reike,
Voer Gott on Kerk on Vaderland
Noch faas ston, as de Eike,
Wor män'ge Drömer, män'ge Sock,
So gut es, as den aandern ok,
Wor sälde Strit on groot Gedrüß,
|: Dor hör ek t'hüß. :|

IV.
Pries gej ow Land mar allemoal,
In Nord, Ost, Süd on Weste,
Ok män'ge groote Noet es hoel -
Min Laendche es et beste!
Hier stond min Wieg, hier lüjt mej ok,
So Gott well, eins de Dojeklok
Dann schrieft mej op et steene Krüß:
|: Hier hört haen t'hüß! :|

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Wirtschaftlich ist Kevelaer sehr von der Wallfahrt geprägt, konnte aber seine wirtschaftliche Unabhängigkeit von dieser in den letzten Jahren weiter ausbauen. Kevelaer ist in erster Linie eine Stadt des Kunsthandwerks. Glasmaler, Gold- und Silberschmiede, Krippen- und Orgelbauer, Bronzegießer, Buchbindereien, Fahnensticker, sowie Verlage, Druckereien und Hersteller von Devotionalien sind in Kevelaer ansässig. Die einzelnen Kunsthandwerker sind überregional bekannt und Devotionalien werden weltweit von Kevelaer aus verkauft.

Aufgrund des Pilgeraufkommens, sind neben den Kunsthandwerken, vor allem auch Gaststätten, Hotelbetriebe und Pensionen in Kevelaer beheimatet, um das jährliche Aufkommen von etwa 800.000 Pilger verarbeiten zu können. Daneben profitiert der Einzelhandel von den jährlichen Besuchern.

1988 wurde die Wirtschaftsförderungsgesellschaft gegründet, wodurch die die Anzahl der in Kevelaer beheimateten Industrie- und Dienstleistungsbetriebe kontinuierlich ausgebaut werden konnte.

Verkehr

Der Bahnhof Kevelaer liegt an der Linksniederrheinischen Strecke, auf der wochentags halbstündlich und am Wochenende stündlich der „Niers-Express” (RE 10) von Kleve über Krefeld nach Düsseldorf verkehrt. Die Strecke ist ab Krefeld in Richtung Kleve nicht elektrifiziert und ab Geldern eingleisig.

Innerhalb des Stadtgebiets und in die angrenzenden Kommunen fahren eine Reihe von Buslinien. Seit 1996 besteht eine Bürgerbus-Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Stadtteil Twisteden. Aufgrund der positiven Erfahrungen wurde das Bürgerbus-System 1999 auf die übrigen drei Stadtteile Kervenheim, Wetten und Winnekendonk ausgeweitet. Die vier eigenständigen Linien, die jeweils durch einen eigenen Verein betrieben werden, fahren gemeinsam das gesamte Stadtgebiet ab. Die Winnekendonker Bürgerbuslinie fährt zudem das im Kreis Wesel gelegene Sonsbeck an. Vom Bahnhof aus bestehen zusätzlich Verbindungen mit dem Anrufsammeltaxi bzw. Rufbus zum 10 km entfernten Flughafen Niederrhein.

Kevelaer ist über die Bundesstraße 9 an die Bundesautobahn 57 (E 31) angebunden.

Die nächstgelegenen Flughäfen sind der Flughafen Düsseldorf und der Flughafen Niederrhein in Weeze.

Bildungseinrichtungen

Die Stadt Kevelaer verfügt über sieben Grundschulen, von denen sich drei in Kevelaer befinden und jeweils eine Grundschule in den vier Gemeinden vorhanden ist. Ebenso besitzt Kevelaer drei weiterführende Schulen. Die Gemeinschafts Hauptschule Kevelaer (zusammengelegt aus der Theodor-Heuss- und der Edith-Stein Hauptschule), die Städtische Realschule Kevelaer und das Kardinal von Galen-Gymnasium, die sich alle in einem Schulkomplex befinden. Daneben existiert noch die Pestalozzi-Sonderschule für Lernbehinderte und die Virginia-Satir-Schule für Erziehungshilfe des Kreises Kleve.

Kinder- und Jugendeinrichtungen

Die Stadt Kevelaer mit ihren vier Gemeinden verfügt über 13 Kindergärten. Als Jugendeinrichtungen bestehen in Kevelaer das 1985 gegründete städtische Jugendheim „Kompaß”, eine öffentliche Einrichtung für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 26 Jahren. In der Innenstadt gibt es auch noch weitere Jugendtreffs. Die vier Gemeinden besitzen zudem jeweils einen eigenen so genannten Jugendraum. Seit 1999 besteht der städtische „Mittagstreff nach Schulschluss”. Dort werden Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren nachschulisch betreut. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden im Jahr 2004 die Bauarbeiten für ein neues Gebäude, welches sich direkt am Rand des städtischen Schulkomplexes befindet, begonnen. Im Juli 2005 wurden die Baumaßnahmen abgeschlossen und das Gebäude bezogen. In den zahlreichen Vereinen wird auch eine intensive Jugendarbeit betrieben.

Heilquelle

Die an der Twistedener Straße gelegene Thermalquelle wurde am 27. Oktober 2006 als Heilquelle mit dem Namen Therme Kevelaer anerkannt.

Vereine

  • Neuy-Kunst-Verein e. V. Kevelaer
  • "IMPULS", Verein zur Kulturförderung Kevelaer e. V.
  • Bogensportverein Kevelaer e.V.
  • Bürger-Schützen Gesellschaft Kevelaer 1881 e.V.
  • Kevelaerer Eisenbahnfreunde und Modellbahner e.V.
  • Schachclub Kevelaer 1948 e.V.
  • Kevelaerer Sportverein 1890/1920 e.V.
  • Sankt Hubertusgilde Keylaer e.V.
  • DLRG OG Kevelaer e.V.
  • Theaterverein SpuDnik e.V.
  • St.-Antonius-Schützengilde
  • Förderverein Kath. St. Hubertus- Grundschule e.V.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Personen die die Ehrenbürgerrechte der Gemeinde/Stadt Kevelaer verliehen bekommen haben:

  • Schwester Hermenegildis
  • Bischof Heinrich Maria Janssen, Bistum Hildesheim
  • Prälat Richard Schulte Staade, ehem. Rektor der Kevelaerer Wallfahrt und Pfarrer em. der Kirchengemeinde St. Marien
  • Adolf Hitler 1)

1) In der Niederschrift des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Kevelaer vom 27. Mai 2003 heißt es: "[...] Da das Ehrenbürgerrecht mit dem Tode des Ehrenbürgers erlischt, ist eine Entziehung des Ehrenbürgerrechts nur so lange möglich, wie der Betreffende lebt (vgl. Kommentar Rehn/ Cronauge/von Lennep) zu § 34 Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen). Im Übrigen nimmt die Stadt Kevelaer die in Teilen der Öffentlichkeit zu diesem Thema geführte Diskussion zum Anlass, sich von der durch die Gemeinde Kevelaer im Jahre 1933 ausgesprochene Ehrung des Adolf Hitler ausdrücklich zu distanzieren. [...]"

Söhne und Töchter der Stadt

  • Dr. Jochen van Aerssen, CDU-Politiker
  • Theodor Bergmann, Heimatdichter und Fabrikant
  • Harald Ehren, deutscher Journalist
  • Horst Gecks, Fußballspieler
  • Willy van Heekern, Fotograf
  • Hubert Hönnekes, Mitglied des Deutschen Reichstages 1930-1933, Zentrum
  • Weihbischof Heinrich Janssen, Bistum Münster
  • Heinrich Neuy, Bauhauskünstler
  • Weihbischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst, Bistum Münster
  • Tina Theune-Meyer, ehemalige Trainerin der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Frauen
  • Wilhelm Wehren, CDU-Politiker

Literatur

  • Fritz Dyckmans, Kevelaer, Butzon & Bercker 1970
  • Robert Plötz, Die Wallfahrt nach Kevelaer. Ein Wallfahrtsort und seine Geschichte, 1986
  • Josef Heckens und Richard Schulte Staade, Consolatrix Afflictorum - Das Marienbild zu Kevelaer : Botschaft, Geschichte, Gegenwart, Kevelaer
  • Robert Plötz und Herbert Cürvers, Kevelaer, Sutton Verlag 2003



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Informationsportal über Kevelaer in Nordrhein-Westfalen - 25.5.2012