Kößlarn in Bayern


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Passau
Koordinaten: 48° 22′ N, 13° 7′ O
Höhe: 425 m ü. NN
Fläche: 25,48 km²
Einwohner: 1951
Bevölkerungsdichte: 77 Einwohner je km²
Postleitzahl: 94149
Vorwahl: 08536
Kfz-Kennzeichen: PA
Gemeindeschlüssel: 09 2 75 131
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 25
94149 Kößlarn
Webpräsenz: www.koesslarn.de
Bürgermeister: Franz Holub (ödp/Aktive Bürger)

Kößlarn ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Passau.

Geografie

Gemeindegliederung

Hubreith und Thanham sind Ortsteile der Gemeinde.

Es existieren folgende Gemarkungen: Hubreith, Kößlarn, Thanham.

Geschichte

Der Markt gehörte zum Rentamt Landshut und zum Landgericht Griesbach des Kurfürstentums Bayern. Kößlarn besaß ein Marktgericht mit magistratischen Eigenrechten.

Siedlungsanfänge

Das Kößlarner Siegel aus dem Jahre 1488 weißt den Namen "kosl-orn" auf. Die Endung -orn, häufig auch -arun oder -arn, weißt auf eine geplante Besiedelung von einer Grundherrschaft in der Zeit von 1000 bis spätestens 1200 hin. Vermutlich wurde die Besiedelung von den Grafen von Formbach vorangetrieben, denen der Grafenwald zu dieser Zeit gehörte. Die Endung weist darauf hin, dass die Siedlungsstätte einen speziellen Auftrag erfüllen sollte. Die Silbe kosl- lässt etymologisch zwei Vermutungen zu: Entweder wurden in der Siedlung Kesselschmiede beschäftigt oder die erste Siedlung wurde für die Schweinehaltung gegründet. Für erstere Vermutung spricht, dass alle Rohstoffe, die für eine Schmiede benötigt werden, ausreichend vorhanden waren. Wasser und Holz waren reichlich verfügbar und von Erzvorkommen zeugen noch heute existierende Erdaufwürfe und Gruben.

Beginn der Wallfahrt

1364 ritt der Graf von Ortenburg nahe dem Kößlhof vorbei und wollte den Bach überqueren. Als die Pferde scheuten, kehrte der Graf mit seinen Bediensteten um und fand in einer Wachholderstaude ein geschnitztes Marienbild mit dem Jesuskind auf dem Arm. Der fromme Graf ließ eine Bretterhütte für das Bild errichten und konnte seinen Weg über den Bach ungehindert fortsetzen. Im selben Jahr noch wirkte das Marienbild sein erstes Wunder: Der todkranke Kößlbauer ließ sich zur Marienabbildung tragen und betete. Sein Glaube und Vertrauen in Gott wurden belohnt und er konnte aus eigener Kraft wieder nach Hause gehen. Die Geschichte dieser wundersamen Heilung verbreitete sich schnell und viele kranke und leidende Menschen suchten Hilfe bei der Gnadenmutter beim Kößlhof. Durch die vielen Opfergaben und Spenden der Wallfahrer konnte bereits im Jahre 1400 eine kleine Steinkirche mit 3 Altären errichtet werden, welche 1443 ihre Weihe erhielt. Ein Dokument aus dem Jahre 1448 führt bereits 137 Pfarreien auf, welche mit Kreuz und Fahnen nach Kößlarn pilgerten und wallfahrten. Bis zur Reformationszeit war Kößlarn der meistbesuchte Marienwallfahrtsort in "Unterland" Bayern. 1451 kam es bereits zum zweiten Kirchenbau. Gedenktafeln und Wandmalereien in der Kirche weisen noch heute auf die Anfänge der Wallfahrt in Kößlarn hin.

Die Blütezeit der Wallfahrt

Ursprünglich gehörte Kößlarn, welches seinen Namen inzwischen vom Kößlhof "geerbt" hatte, noch zur Pfarrei Münster. Da der Kaplan von Münster jedoch mit den Pilgermassen und der Wallfahrtsseelsorge überfordert war, wurde eine Stelle für einen zweiten Kaplan in Kößlarn geschaffen, der die Aufgabe bekam täglich Messe zu lesen. In dieser Zeit wurde aus dem "Hof im Kößl vor dem grünen Wald" schnell ein kleines Dorf mit allen nötigen Gewerben und Handwerken zur Versorgung und Betreuung der zahlreichen Wallfahrer. Am 9. Januar 1474 erhielt Kößlarn von Herzog Ludwig dem Reichen die Erlaubnis "den Pilgern offen Wein und Bier auszuschenken" und Gaststätten zu errichten. Das Dorf Kößlarn wurde zum herzoglichen Markt. Um die Seelsorge für die Pilger sicherzustellen, wurde die Pfarrei Münster mit den Teilen Kühnham und Kößlarn von Papst Sixtus IV. 1476 dem Zisterzienserkloster Aldersbach übertragen. 1478 erhielt der Markt einen eigenen Pfarrvikar sowie einen eigenen Kaplan und einen Wallfahrtsprediger und erreichte somit seelsorglich zumindest teilweise Unabhängigkeit. Während der Blütezeit der Wallfahrt waren in Kößlarn somit 6 Priester tätig. Während der Jahre 1461 - 1480 wurde auch die Kirchhofbefestigung errichtet (Wehrkirche).

Als weiterer Hinweis für die florierende Wallfahrt kann auch die Fertigung des Prunkstücks der Kößlarner Kirche im Jahre 1487 gedeutet werden: Aus eigenen Mitteln des Marktes wurde damals vom Goldschmied Balthasar Waltenberger die Silbermadonna angefertigt, welche heute im Votivraum der Kirche ausgestellt wird.

Einwohnerentwicklung

1858 zählte die Gemeinde 753 Einwohner. In neuerer Zeit wurden auf dem Gebiet der Gemeinde 1970 1.790, 1987 dann 1.696 und im Jahr 2000 1.993 Einwohner gezählt.

Politik

Bürgermeister ist Franz Holub (ödp/Aktive Bürger ). Er wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Benno Hennhöfer (CSU/Freie Wählergemeinschaft).

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 563 T€, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 7 T€.

Wirtschaft und Infrastruktur

Fremdenverkehr

Die Gemeinde liegt inmitten des sogenannten Bäderdreiecks (Bad Griesbach, Bad Birnbach, Bad Füssing). Sie erwirtschaftet ihre Einnahmen hauptsächlich aus dem Fremdenverkehr.

Der Ort profitiert hauptsächlich dabei vom Tourismus. Attraktionen sind zum Beispiel die reizvolle Landschaft und altes Brauchtum wie die Palmsonntagsprozession, die Erntedankfeier oder der örtliche Bauernmarkt. Die Wallfahrtskirche ist die einzige noch vollständig erhaltene Wehrkirche in Süddeutschland. Weiterhin liegt Kößlarn am europäischen Pilgerweg Via Nova

Trotz Protest der Einwohner soll eine Schießanlage für einen überregionalen Einzugsbereich errichtet werden. Ein Nutzungskonflikt mit bestehenden Wirtschaftszweigen ist offensichtlich. Die Zukunft des Tourismus und damit die wirtschaftliche Basis des Ortes sowie die Wallfahrt werden nach Ansicht aller Einwohner von der geplanten Schießanlage gefährdet.

Bildung

Im Ort existieren folgende Einrichtungen:

  • Kindergarten St. Josef
  • Montessori-Grundschule
  • Volksschule

Literatur

  • Pfarr- und Wallfahrtskirche Kößlarn, Verlag Schnell & Steiner GmbH, 4. neubearbeitete Auflage 1992
  • Markt Kößlarn 1483, Dr. Josef Hofbauer, Neue Presse Verlags-GmbH, Passau, 1985



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Informationsportal über Kößlarn in Bayern - 25.5.2012