Kolbermoor in Bayern


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Rosenheim
Koordinaten: 47° 51′ N, 12° 4′ O
Höhe: 461 m ü. NN
Fläche: 19,87 km²
Einwohner: 18.723
Bevölkerungsdichte: 942 Einwohner je km²
Postleitzahl: 83059
Vorwahlen: 08031 und 08061
Kfz-Kennzeichen: RO
Gemeindeschlüssel: 09 1 87 150
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rosenheimer Str. 30n
83059 Kolbermoor
Webpräsenz: www.kolbermoor.de
Bürgermeister: Peter Kloo (SPD)

Kolbermoor ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Rosenheim.

Ortsteile

  • Aiblinger Au
  • Kolbermoor
  • Lohholz
  • Mitterhart
  • Oberhart
  • Pullach
  • Schlarbhofen
  • Grubholz
  • Markholz

Nachbargemeinden

  • Bad Aibling
  • Großkarolinenfeld
  • Raubling
  • Rosenheim

Geschichte

Kolbermoor ist eine junge Stadt. Der Ort entstand erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Zuge des Eisenbahnbaues und der daraus folgenden Industrialisierung rund um eine Baumwollspinnerei ein Tonwerk sowie mehreren industriellen Torfstichen. Industrie und Gewerbe prägen die Entwicklung der Stadt bis heute - mittlerweile ist Kolbermoor zur größten Stadt im Landkreis Rosenheim aufgestiegen.

Gründung und Entwicklung bis 1945

Die Erschließung des Mangfalltals durch die Eisenbahn war Voraussetzung für die Entwicklung der Stadt: Am 31. Oktober 1857 wurde die Bahnlinie München-Holzkirchen-Rosenheim-Salzburg als Teil der " Maximiliansbahn" eröffnet. Sie machte den Weg frei für die Industrialisierung des an Torf und Holz reichen Gebiets, die Mangfall lieferte die nötige Wasserkraft. Zunächst fuhren die Züge von Bad Aibling nach Rosenheim durch, ohne anzuhalten. Am 1. September 1859 wurde der Haltepunkt Kolbermoor eingerichtet.

Im Jahr 1860 gründete der Ingenieur Theodor Hassler an der Mangfall eine Aktiengesellschaft mit dem Namen "Baumwollspinnerei Kolbermoor", die im Januar 1863 die Produktion aufnahm. Die neue Industrieansiedlung lockte viele Arbeiter nach Kolbermoor und legte den Grundstein für die Stadtentwicklung.

Ab 27. August 1863 wurde Kolbermoor aus der damaligen Landgemeinde Mietraching ausgegliedert und ein selbständiger Ort mit etwa 400 Einwohnern. Mehrere Vereine musischer, gesellschaftlicher und sportlicher Art entstanden. 1864 gründete die Spinnerei die erste Kolbermoorer Schule. Zur Spinnerei gesellte sich 1875 das Tonwerk nördlich der Bahnlinie. (damals: Presstorfwerk). 1887 wurde Kolbermoor selbständige (katholische) Pfarrei.

Gewaltige Hochwasser der Mangfall richteten 1890, 1899 und 1940 schwere Schäden an Häusern, Brücken und Straßen an.

Während der Revolution 1919 war Kolbermoor eine starke Bastion der kommunistischen Räte-Republik. Als Reichswehr und Freikorps Ende April 1919 wieder auf München vorrückten, mussten die meisten Außenposten der Roten rasch geräumt werden. Dachau wurde am 30. April aufgegeben. Kolbermoor kapitulierte hingegen erst am 3. Mai 1919. Bei den Kämpfen um Kolbermoor kamen auch Geschütze zum Einsatz. Der damalige Bürgermeister der Räte-Regierung von Kolbermoor, Georg Schuhmann, wurde standrechtlich erschossen, obwohl er zur Waffenniederlegung aufgerufen hatte.

Nach Beendigung der Rätezeit war Carl Unsin (SPD) bis 1928 Bürgermeister. Abgelöst wurde er dann von Josef Fleischmann, der berufsmäßig als Bürgermeister von der konservativen Mehrheit im Gemeinderat gewählt wurde. Fleischmann wurde von der NSDAP als Bürgermeister akzeptiert und konnte bis 1945 im Amt blieben. Am 19. Februar 1936 wurde Kolbermoor mit damals rund 6000 Einwohnern zum Markt erhoben. Ab 1943 wurden in Kolbermoor ca. 1000 Zwangsarbeiter und -innen zur Arbeit eingesetzt. Die Handschuhfabrik Roeckl aus München und die Auer AG stellten Gasmasken her; russische Offiziere mussten für ein BMW-Außenwerk arbeiten. Im Rahmen der Entnazifizierung wurden mehrere hundert Kolbermoorer vor Spruchkammern belastet. Einer der wenigen überlebenden Juden in Deutschland war Dr. Alexander Lion. Er hielt sich mehrere Jahre in Kolbermoor versteckt. Lion war Gründer der Pfadfinder Deutschlands und später Ehrenpräsident des Weltpfadfinderverbands.

Nachkriegsgeschichte

Nach dem Krieg stieg die Einwohnerzahl Kolbermoors nochmals sprunghaft durch die Ansiedlung von Flüchtlingen an. Kultureinrichtungen und Vereine wurden unter Bürgermeister Staudter neu aufgebaut. Staudter verstand es, die christlichen und sozialdemokratisch-kommunistischen Parteien zur gemeinsamen Wiederaufbauarbeit in der Gemeinde anzuregen. Die Struktur der Stadt hat sich in den Jahrzehnten geändert. Am 1. Oktober 1951 wurde die bisher zur Gemeinde Pang gehördene Ortschaft "Grubholz" eingemeindet. Am 1. April 1958 fand das bisher auf Rosenheimer Gebiet liegende Siedlungsgelände "Am Gangsteig" Anschluss an Kolbermoor.

Besonders zu erwähnen ist die Geschichte von Schlarbhofen, einer Streusiedlung am südwestlichen Stadtrand. benannt nach der Sippe der Schlarb. Sie waren aus der Pfalz um 1800 in die Batschka ausgewandert, flüchteten 1945 auf Umwegen in die damalige Gemeinde Pang. Dort machten sie um 1950 die so genannten "Panger Filze" um 1950 urbar.

Am 26. Juni 1963, hundert Jahre nach der Gründung Kolbermoors, konnte die Stadterhebung mit ca. 9000 Einwohnern gefeiert werden.

Mit der Auflösung des Landkreises Bad Aibling 1972 wurde der Ort dem Großlandkreis Rosenheim zugeschlagen. Durch die Gebietsreform von 1978 wurden auch die Siedlungen Mitterhart, Oberhart und Schlarbhofen (ehemalige Gemeinde Pang) nach Kolbermoor eingemeindet. Damit wuchs Kolbermoor auf 12.000 Einwohner.

Bundesweite Schlagzeilen machte Kolbermoor bei der Europawahl 1989: Damals erreichte die rechtspopulistische Partei Die Republikaner 29,1 Prozent der Stimmen - das beste Ergebnis in der Geschichte dier Partei.

Die Strumpffabrik Kolbermoor Herbert Meier mit 400 Beschäftigten zur Spitzenzeit stellte 1974 ihren Betrieb ein.

Das Tonwerk Kolbermoor (Ziegelei), später Betondachplattenwerk und dann Wellplattenfabrikation hat 2005 die Pforten geschlossen.

Im Jahr 1993 stellte die Baumwollspinnerei ihren Betrieb ein. Seit 1998 dokumentiert ein Heimatmuseum die Geschichte der Stadt. Träger ist ein reger Förderverein. Die ebenfalls aktive Geschichtswerkstatt Kolbermoor arbeitet die Ortsgeschichte auf wissenschaftlicher Grundlage auf.

Das frühere Spinnereigelände das seit der Einstellung des Betriebes, von den unterschiedlichsten Firmen genutzt wurde, ist von der Fa. Quest erworben worden. Dieses Areal soll sich nach 13 Jahren des Verfalls in den nächsten Jahren zu einen neuen Stadtteil mit einem modernem Einkaufszentrum, Cafés, Büros, Firmen, Wohnungen, Museen, Ein-und Mehrfamilienhäuser verwandeln. Außerdem bleibt der Spinnereipark erhalten und wird für alle Bürger zugänglich gemacht.

Kolbermoor besitzt außerdem noch die im Jahr 2005 eröffnete Pauline-Thoma Hauptschule, die eine der größten und teuersten Hauptschulen Bayerns ist.

Mit 18.744 Einwohnern ist Kolbermoor heute die größte Stadt im Landkreis Rosenheim, davon 11,25 % Ausländer und 3,77 % Doppelstaatler (Nov. 2006) Das für das Alpenvorland sehr milde Klima im Rosenheimer Becken, die Nähe der Berge und der Seen in der Region, die Lage am Fluss und die vielen Naherholungsgebiete in der Umgebung dürften den Ausschlag geben.

Politik

Bürgermeister ist Peter Kloo (SPD). Er wurde im Jahr 2001 zum Nachfolger von Ludwig Reimeier (CSU) gewählt.

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 8.901.000 €, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 2.491.000€.

Wichtigstes Projekt in Kolbermoor ist derzeit die neue Nutzung des ehemaligen Spinnereigeländes westlich der Innenstadt. Das Gelände wurde 2005 von der Firma Quest erworben und soll jetzt nach und nach neu genutzt werden, überwiegend für Gewerbe, teils für neue Wohnungen. Ein Bürgerbegehren, dass den Erhalt eines Waldstücks hinter dem Gelände forderte, scheiterte am 2. Oktober 2005.

Weiteres wichtiges Thema ist der Hochwasserschutz. Kolbermoor liegt zum Großteil tiefer als der Deich der Mangfall. Ein "hundertjähriges Hochwasser", also eine Flut, wie sie statistisch alle 100 Jahre vorkommt, würde fast das gesamte Stadtgebiet südlich des Bahndamms überfluten. Zuletzt war das 1940 der Fall. Daher werden große Anstrengungen unternommen, die Deiche zu ertüchtigen. Die Arbeiten sollen 2012 abgeschlossen sein. Am 23. August 2005 blieb das Mangfallgebiet nur knapp vor einem größeren Hochwasser verschont. Ein Bauabschnitt für 16,5 Mio liegt Ende 2006 zur Genehmigung beim LRA vor

Wirtschaft und Infrastruktur

Es gab 1998 (**sh. neue Gesamtsumme 2006) nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 30, im produzierenden Gewerbe 1120 und im Bereich Handel und Verkehr 821 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 1027 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 5948. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine, im Bauhauptgewerbe 27 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 38 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 633 ha, davon waren 277 ha Ackerfläche und 354 ha Dauergrünfläche.

  • Nach Angabe des Bürgermeisters Mitte Nov. 2006 insges. 2203 Gewerbebetriebe in der Stadt registriert

Kolbermoor bezeichnet sich selbst als "Einkaufsstadt". Heute prägen neben Industriebauten Einkaufsmärkte das Stadtbild in großen Teilen. Im Osten ist Kolbermoor inzwischen mit Rosenheim fast zusammengewachsen, das Industriegelände "Aicherpark" verbindet die beiden Städte. Entlang der Staatsstraße, die Kolbermoor und Rosenheim südlich der Mangfall verbindet, zeichnet sich bereits eine ähnliche Entwicklung ab. In den vergangenen Jahren werden dort immer mehr Gewerbeflächen ausgewiesen. Die noch bestehenden Wiesen und Baulücken dürften sich bald schließen.

Verkehr

Die Staatsstraße 2078 München-Rosenheim schneidet genau durch den Süden der Stadt, nördlich der Mangfall fließt der Verkehrsstrom, von Rosenheim kommend durch den "Aicherpark" mitten durch den Stadtkern in Richtung Bad Aibling. Eine West-Ost-Umfahrung für Kolbermoor ist nicht angedacht, sie wäre topographisch auch kaum zu realisieren. Kolbermoor tangierende Straßenprojekte wie die Westtangente Rosenheim und die Verbindung "Panorama-Schwaig" sind in Planung bzw. Bau

Bildung

  • Kindergärten: 556 Kindergartenplätze (Stand Nov. 2006)
  • Grundschule Rainerstraße
  • Adolf-Rasp-Schule
  • 2004 wurde die Pauline-Thoma-Schule im Süden der Stadt fertiggestellt. Mit ihrem Ganztagesbereich ist diese Hauptschule Modellschule in Bayern.
  • Die Sing- und Musikschule genießt einen guten Ruf weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Schmiedestadt

Kolbermoor ist Mitglied im Ring der Europäischen Schmiedestädte, der sich zum Ziel gesetzt hat, die regionale Vielfalt des Schmiedehandwerks und der Metallgestaltung in der globalen Einheit Europas auf allen Ebenen zu fördern.

Alle zwei Jahre findet ein Treffen (Biennale) der Schmiede und Metallgestalter in Kolbermoor statt.

Söhne und Töchter, Persönlichkeiten der Stadt

  • Josef Straßberger (1894–1950), Gewichtheber, Goldmedaille Olympia 1928, Europameister
  • Karl Gilg (1901–1981), Internationaler Schachmeister (FIDE); starb in Kolbermoor
  • Ewald Thunig (1897-1991), Häftling im KZ Dachau, Staatssekretär im Bayer. Landwirtschaftsministerium im Kabinett Hoegner
  • Hans Ernst (1904–1984), Heimatschriftsteller; starb in Kolbermoor
  • Helmut Dirnaichner (*1942), Maler und bildender Künstler. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Lebt heute in Gemini/Apulien, Mailand und München
  • Paul Breitner (* 1951), Fußballnationalspieler
  • Max Rauffer (* 1972), Skirennfahrer
  • Manuel Kofler (* 1980), Eishockeynationalspieler
  • Bastian Schweinsteiger (* 1984), Fußballnationalspieler

Literatur

  • Jahrbücher zur Geschichte Kolbermoors Band 1 (2002),Band 2 (2004)und Band 3 (2007).
  • Veronika Diem (2005). Fremdarbeit in Oberbayern. Studien zur Geschichte der Zwangsarbeit am Beispiel Kolbermoor und Rosenheim. 1939 bis 1945.
  • Klaus Weber (2007). Kolbermoor - Geschichte und Bilder einer Stadt.
  • Klaus Weber (Hg.) (2007). Neue Wasserkraftanlage Kolbermoor 1904/1905. Mit einem Nachwort des Herausgebers.

Herausgeber aller 4 Bücher: Geschichtswerkstatt Kolbermoor

  • Heimat Kolbermoor Band 1 bis 4
  • Herausgeber: Horst Rivier (gest. 2004)

Verlag: A. Erdl, Trostberg/Alz

  • Christa Landgrebe (1980). Zur Geschichte der Arbeiterbewegung im südostbayerischen Raum. Eine Fallstudie am Beispiel Kolbermoor. C.H. Beck Verlag
  • Karl Staudter (1997). Bewegte Jahre. Erinnerungen an meine Zeit als Bürgermeister von Kolbermoor. 2 Bände.



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Informationsportal über Kolbermoor in Bayern - 25.5.2012