Krauchenwies in Baden-Württemberg


Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Sigmaringen
Koordinaten: 48° 1′ N, 9° 15′ O
Höhe: 599 m ü. NN
Fläche: 44,66 km²
Einwohner: 5062
Bevölkerungsdichte: 113 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72505
Vorwahl: 07576
Kfz-Kennzeichen: SIG
Gemeindeschlüssel: 08 4 37 065
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hausener Straße 1
72505 Krauchenwies
Webpräsenz: www.krauchenwies.de
Bürgermeister: Jochen Spieß

Krauchenwies ist eine Gemeinde ungefähr 10 km südlich von Sigmaringen in Baden-Württemberg.

Geografie

Geografische Lage

Krauchenwies liegt ungefähr 10 km südlich von Sigmaringen und circa 25 km nördlich des Bodensees. Der Ort liegt an der Oberschwäbischen Barockstraße (Westroute) und am südlichen Rand des Naturparks Obere Donau. Krauchenwies wird von der Ablach durchflossen, die an der europäischen Wasserscheide entspringt und in die Donau mündet. Die sich zum Donautal hin neigende Umgebung mit Tälern und sanften Höhenzügen ist geprägt von großen zusammenhängenden Waldgebieten und landwirtschaftlich genutzten Wiesenflächen.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde besteht aus dem Kernort Krauchenwies und den Ortsteilen Ablach, Bittelschieß, Ettisweiler, Göggingen und Hausen am Andelsbach.

Die Einwohnerzahlen der Teilorte (Stand: 15. Oktober 2004):

  • Krauchenwies: 2315
  • Ablach: 647
  • Bittelschieß: 350
  • Ettisweiler: 61
  • Göggingen: 929
  • Hausen am Andelsbach: 802

Geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Krauchenwies in einer Reichenauer Urkunde aus dem Jahre 1202. Der damalige Name „Cruchinwis” (= Wiese des Cruchin) erklärt sich wohl aus der Lage des Ortes am Rande der Wiesenfluren. Die Tatsache, dass Krauchenwies bereits 1216 eine eigene Pfarrkirche und 1306 bereits ungefähr 45 Häuser hatte, lässt allerdings auf eine längere Entwicklungszeit schließen.

Später übernahmen die Herren von Leiterberg das Dorf und verkauften es gegen Ende des 13. Jahrhunderts an die Habsburger. 1595 kaufte Karl von Hohenzollern-Sigmaringen Krauchenwies, das seitdem eng mit der Grafschaft Sigmaringen verbunden blieb. Infolge der Abtretung des Fürstentums Hohenzollern-Sigmaringen an Preußen wurde Krauchenwies 1850 preußisch.

Seit der Gemeindereform von 1975 besteht die Gesamtgemeinde aus den 6 Teilorten.

Politik

Gemeindepartnerschaften

1997 wurde mit der ungarischen Gemeinde Isztimèr ein offizieller Partnerschaftsvertrag unterzeichnet. Die Kontakte bestehen allerdings schon länger und werden intensiv durch wechselnde Besuche, beispielsweise der beiden Feuerwehren, gepflegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Klassizistisches Schloss

Die Schlossanlage liegt an der Südostecke eines Englischen Parks am Ortsrand von Krauchenwies, Richtung Sigmaringen an der stark befahrenen B 311. Krauchenwies gehörte seit 1595 den Grafen von Hohenzollern-Sigmaringen; hier hatten die Grafen und späteren Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen ihren Sommersitz.

1303 wurde das Schloss erstmals als Turm erwähnt, 1595–97 als Wasserhaus umgebaut. 1769–85 wurde das Gebäude zur frühklassizistischen Dreiflügelanlage umgebaut, dabei der Ostflügel nach Süden verlängert. Fürst Karl von Hohenzollern-Sigmaringen (1785–1853) nutzte die am Rand des Fürstlichen Parks in Krauchenwies erbaute Sommerresidenz als beliebten Aufenthaltsort, während im Schloss Sigmaringen (Residenzstadt) die Hofbehörden ihren Sitz hatten. Nach dem Neubau des Landhauses in unmittelbarer Nachbarschaft 1828-1832 ging die Funktion als Residenz des Fürstenhauses auf dieses über. Zunächst wurde das alte Schloss noch als Wohnung hochgestellter Persönlichkeiten genutzt. Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte der einstöckige, hölzerne Saalanbau an der Westseite. Danach begann eine wechselvolle Geschichte des Gebäudes, es wurde Unterkunft einer Nähschule und heimatloser deutscher Soldaten.

1941 wurde es als Arbeitslager für Zivilarbeiter genutzt. Sophie Scholl leistete hier von April bis September 1941 ihren Reichsarbeitsdienst (RAD) ab. Von 1954 bis 1979 diente es als „Malteser Kinderheim Schloss Krauchenwies” der Schönstatter Schwestern. Danach waren vietnamesische Flüchtlinge und deutsche Heimkinder untergebracht. Zuletzt diente das Alte Schloss ab 1981 für einige Jahre dem Bildungszentrum der Bundesfinanzverwaltung als Unterkunft. Danach stand es leer und verfiel zusehens. In einer Rettungsaktion 2006 wurde eine Erhaltungssanierung durchgeführt, die von der staatlichen Denkmalpflege, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Denkmalstiftung Baden-Württemberg sowie dem Fürstenhaus Hohenzollern finanziert wurde. Vom Hausschwamm befallene und unrettbare Teile des Schlosses (die als spätere Anbauten hinzugekommen waren) wurden abgebrochen und das Dach saniert. Die ursprüngliche Gestalt der Dreiflügelanlage konnte erhalten werden. Das Schloss ist im heutigen Zustand eine südseitig geöffnete Dreiflügelanlage im Stil des frühen Klassizismus. Es ist ein zweigeschossiger, verputzter Fachwerkbau mit hohen Walmdächern und wappengeschmückten Dreiecksgiebeln über den Hauptportalen. Das Schloss steht unter Denkmalschutz und befindet sich im Besitz der Fürsten von Hohenzollern. Es ist ungenutzt, weiterhin sanierungsbedürftig und steht zum Verkauf. Es war im Januar 2007 „Denkmal des Monats” der Denkmalstiftung Baden-Württemberg.

Sommerresidenz der Fürsten von Hohenzollern

Das fürstliche Sommerschloss (Landhaus, erbaut 1828-1832) liegt am Rand des Parks unweit des alten Schlosses. Hier wurde 1837 Stephanie von Hohenzollern geboren, die 1858 Königin von Portugal wurde, jedoch bereits 1859 an Diphtherie verstarb. Das Gebäude dient noch heute als Wohnsitz der fürstlichen Familie.

Fürstlicher Park

Eine besondere Stellung nimmt der durch die Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen im 19. Jahrhundert angelegte große fürstliche Park ein. Er wurde als „Kleinod der Gartenbaukunst” bezeichnet und lockt zu jeder Jahreszeit viele Einheimische und Besucher zu einem interessanten und erholsamen Spaziergang. Er wurde im Stil der Englischen Landschaftsparks des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau gestaltet.

Alljährlich findet hier seit 1966 am ersten Juliwochenende das von der Musikkapelle Krauchenwies veranstaltete Parkfest statt. Bei diesem 3-Tage-Fest spielt u.a. Hausherr Erbprinz Karl-Friedrich von Hohenzollern mit seiner Combo „Charly and the Jivemates” Jazzstandards. Der Eintritt ist an allen Tagen frei.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

In Krauchenwies treffen mehrere Fernverbindungen aufeinander:

  • Die Bundesstraße 311 Ulm - Geisingen (weiter über die Bundesstraße 31 nach Freiburg)
  • L456: Die Bundesstraße 312 von Reutlingen führt über Gammertingen zur Bundesstraße 32 nach Sigmaringen. Diese trifft dort auf die Bundesstraße 463, die vom Autobahnanschluss Empfingen über Balingen nach Sigmaringen führt. Ab Sigmaringen erreicht man über die L456 - Krauchenwies - Pfullendorf - die Bodensee-Autofähre Konstanz–Meersburg
  • Die L286 aus Richtung Ostrach - Altshausen - Ravensburg

Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (naldo) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich in der Wabe 444.

Ansässige Unternehmen

Neben etwa 250 Beschäftigten in Handel und Dienstleistung sind über 1000 Beschäftigte im produzierenden Gewerbe und Handwerk tätig.

Die nach Beschäftigungszahlen am Standort Krauchenwies größten Betriebe sind:

  • Tegometall, Metall verarbeitende Industrie (Regale für Ladeneinrichtungen)
  • Kieswerke Lutz, Nord-Möräne, Baur, Valet & Ott mit Kiesabbau in mehreren Kieswerken
  • Steidle, Betonverarbeitung (Fertiggaragen) und Lutz (Fertigteile für die Kanalisation sowie für den Straßenbau)
  • Metzgerei Frick GmbH, Großmetzgerei (Fleischfabrik)
  • Der Columbus Verlag (kartografischer Verlag) in Krauchenwies ist einer der größten und ältesten deutschen Hersteller von Globen
  • TOX Dübel - Inhaber Diepenbrock (im Ortsteil Ablach)
  • VEMA Werkzeug- und Formenbau GmbH und VEMA Technische Kunststoffteile GmbH (im Ortsteil Göggingen)

Ansässig sind auch Betriebe der Branchen Floristik und Gartenbau, Holzverarbeitung, Möbelherstellung, Textilverarbeitung, eine Getreidemühle, Werbeunternehmen, Landmaschinenhandel, Kanalreinigung, eine Lackiererei sowie mehrere Kraftfahrzeughändler und -werkstätten.

Freizeit

Die durch jahrzehntelangen Kiesabbau entstandene und renaturierte Seenlandschaft wird als Naherholungsgebiet genutzt. Zwei Badeseen mit Restaurantbetrieb sowie ein Vogelschutzsee und ein Surfersee bilden die Seenplatte entlang der Ablach. Andere Seen werden noch zum Kiesabbau genutzt. Im Winter ist ein kleiner Skilift in Betrieb. Mehrere Fußballplätze und eine Tennishalle sind vorhanden.

Bildung

Im Kernort gibt es zwei Kindergärten sowie eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Die Schule wurde nach Sophie Scholl benannt, die 1941 in Krauchenwies den Reichsarbeitsdienst ableistete. Im Ortsteil Göggingen befindet sich eine Grundschule, eine weitere im Ortsteil Ablach

Bevölkerungsstruktur

Übersichts- und Vergleichsdaten
Markungsfläche 2005 in qkm 44,66 in % des Landes Ba-Wü 0,12 %
Bevölkerung 2005 5062 in % des Landes Ba-Wü 0,05 %
Kinder unter 6 Jahren 317 in % der Ges.Bev. 6,3 %
Kinder unter 7 Jahren 358 7,1 %
Kinder/Jugendliche unter 18 J. 1114 22 %
65jährige und ältere 771 15,2 %
75jährige und ältere 350 6,9 %
Frauen 2552 50,4 %
Ausländer 378 7,5 %
darunter unter 18 Jahren 81 in % der Gesamtbev. 1,6 %
in % der ausl. Bev. 21,4 %
Lebendgeborene 2005 52 1 %
Geburtenüberschuß/-defizit + 14 + 0,3 %
Zugezogene 257 5,1 %
Wanderungsgewinn/-verlust - 39 - 0,8 %

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2006

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Johann Baptist Wehrle (* 1791 im Ortsteil Göggingen), Maurermeister und Architekt, später Stadtbaumeister von Konstanz
  • Karl Anton Joachim Zephyrin Friedrich Meinrad Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen (* 7. September 1811 in Krauchenwies; † 2. Juni 1885 in Sigmaringen), von 1858 bis 1862 preußischer Ministerpräsident
  • Leopold Stefan Karel Anton Gustaaf Eduard Tassilo von Hohenzollern-Sigmaringen (* 22. September 1835 in Krauchenwies bei Sigmaringen, † 8. Juni 1905 in Berlin), verzichtete auf die ihm angebotene spanische Krone, trotzdem kam es, insbesondere durch die in Deutschland nicht akzeptierte Forderung der französischen Regierung, Deutschland solle auf immer auf eine Thronkanditatur in Spanien verzichten, zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.
  • Stephanie von Hohenzollern (* 1837 auf Schloss Krauchenwies bei Sigmaringen; † 1859 in Lissabon) war eine Prinzessin von Hohenzollern-Sigmaringen und Königin von Portugal.
  • Lorenz Menz (*3. August 1935 im Ortsteil Hausen am Andelsbach), deutscher Jurist und Politiker der CDU, 1988-2000 Staatssekretär der Landesregierung Baden-Württembergs
  • Sophie Scholl leistete von April bis September 1941 ihren Reichsarbeitsdienst (RAD) in Krauchenwies ab

Literatur

  • Monika Cramer: Der Fürstliche Park zu Krauchenwies. Magisterarbeit. Kunsthistorisches Institut der Eberhard-Karls-Universität, Tübingen 1996
  • Otto Frick (Red.): Krauchenwies - Ein Bilderbuch aus der Vergangenheit. Geiger, Horb 1992, ISBN 3-89264-740-2
  • Anton Gmeiner: Krauchenwieser Liederbuch 2002
  • Gustav Kempf: Das Gögginger Dorfbuch. Gemeinde Göggingen, [Krauchenwies-]Göggingen 1971
  • Edwin Ernst Weber: Sophie Scholl und das weibliche Reichsarbeitsdienstlager Krauchenwies. In: Zeitschrift für hohenzollerische Geschichte. 34 = 120. Jg. 1998, S. 207–224
  • Erwin Zillenbiller, Bernhard Fuchs: 800 Jahre Ablach. 1202–2002. Gemeinde Krauchenwies, 2002



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Informationsportal über Krauchenwies in Baden-Württemberg - 25.5.2012