Lähden in Niedersachsen


Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Emsland
Samtgemeinde: Herzlake
Koordinaten: 52° 45′ N, 7° 34′ O
Höhe: 30 m ü. NN
Fläche: 79,88 km²
Einwohner: 4578
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner je km²
Postleitzahl: 49774
Vorwahlen: 0 59 64 0 54 32 (OT Vinnen)
Kfz-Kennzeichen: EL
Gemeindeschlüssel: 03 4 54 026
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile

Lähden ist eine nördliche Mitgliedsgemeinde in der Samtgemeinde Herzlake im Osten des Landkreises Emsland in Niedersachsen (Deutschland).

Geografie

Lage

Lähden liegt in der Region Hümmling wenige Kilometer südlich der Hügellandschaft Hümmling (Geestrücken). Im Nordwesten bildet die Mittelradde die Gemeindegrenze, im Südosten die Südradde. Einige Kilometer westlich verläuft die Ems und wenige Kilometer südlich die Hase.

Geologie

Während der Eiszeit war Skandinavien von einem etwa 2.500 m mächtigen Gletscher bedeckt. Er stieß während der größten Eisausbreitung ca. 1.200 km weit nach Norddeutschland und über 2.500 km bis tief nach Osteuropa vor. Ganze Teile Nordeuropas (England, Irland, Skandinavien, Norddeutschland und Polen) waren mit Eis bedeckt. Die Eismassen der Gletscher schoben gewaltige Geröllmassen vor sich her und lagerten sie an den Seiten (Seitenmoränen) und am Ende der Gletscherzunge (Stirnmoräne) ab. Aber auch größere Gesteinsbrocken wurden mitgeschleppt und blieben nach dem Rückgang der Gletscher als Findlinge (erratische Blöcke) liegen. Auf der Suche nach Feuersteinen zur Herstellung von Waffen und Werkzeugen wurden steinzeitliche Jäger als erste auf eiszeitliche Geschiebe aufmerksam. Danach spielten Findlinge aus eiszeitlichen Moränen im Volks- und Aberglauben eine gewisse Rolle.

Nachbargemeinden

Nachbargemeinden sind im Norden die Gemeinden Groß Berßen und Hüven in der Samtgemeinde Sögel, sowie die Gemeinden Lahn und Werlte in der Samtgemeinde Werlte, im Osten die Stadt Löningen im Landkreis Cloppenburg, im Süden die Gemeinde Herzlake und im Westen die Stadt Haselünne.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde Lähden gehören neben der Ortschaft Lähden die Ortsteile Ahmsen, Herßum, Holte-Lastrup und Vinnen.

Lage der Ortsteile im Gemeindegebiet

  1. Ahmsen
  2. Herßum
  3. Holte-Lastrup
  4. Lähden
  5. Vinnen

Geschichte

Das lokale Großsteingrab gehört mit 21,5 m zu den längsten Ganggräbern der Region. Im Ortsteil Herßum befindet sich eine weitere Anlage. Es hat Reste einer doppelten ovalen Einfassung. Die Gemeinde Lähden gibt es seit 1974. Der größte Ortsteil ist Lähden mit etwa 2.000 Einwohnern. 1998 wurde das 1050 Jährige Bestehen gefeiert.

Die Ortsteile Holte (Hümmling) und Lastrup (Hümmling) wurden erstmals 947, Vinnen 1000, Herßum 1074, urkundlich erwähnt. Bis 1814 waren diese Dörfer auch politisch auf Holte ausgerichtet. Erst danach wurden die Dörfer selbständig. 1964 schlossen sich das nur 103 ha große Holte mit der flächenmäßig bedeutend größeren Nachbargemeinde Lastrup zur neuen Gemeinde Holte-Lastup zusammen.

1971 kam es dann zum Zusammenschluß der Gemeinden Holte-Lastrup, Ahmsen, Herßum, Vinnen und Lähden zur Samtgemeinde Lähden. Zuvor gab es einen erbitterten Kampf um Schulstandort, Namen und Sitz der Gemeinde. Der Schulzweckverband setzte sich für Holte als geschichtlich gewachsener Mittelpunkt und Sitz der Pfarrkirche ein. Lähden verwies auf seine größere Fläche, höhere Einwohnerzahl und seinen gewerblichen Schwerpunkt.

Im Namen einigte man sich auf Lähden, während Holte der Standort für die Hauptschule wurde.

Mit der Gemeindereform, die im Altkreis Meppen am 1. März 1974 in Kraft trat, wurde Lähden eine Mitgliedsgemeinde in der Samtgemeinde Herzlake.

Politik

Gemeinderat

Der Bürgermeister ist in seiner 3.Amtsperiode Bernhard v. d. Ahe aus Lähden. Der Gemeinderat hat 15 gewählte Mitglieder. Ihm gehören seit der Kommunalwahl am 10. September 2006 zwei Parteien an.

  • CDU - 13 Sitze
  • SPD - 2 Sitze

Die nächsten Kommunalwahlen werden 2011 stattfinden.

Wappen

Das Wappen der Gemeinde Lähden ziert ein Hünengrab.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kirchen

In der Samtgemeinde befinden sich vier Kirchen

  • Ahmsen

In Ahmsen hatten sich etwa 1920 die Maristen ein Kloster erbaut. Während des zweiten Weltkrieges wurde dieses Kloster von den Nazis beschlagnahmt. Die Ahmser richteten sich in einer Scheune eine Notkirche ein. Der Weg nach Holte zur Pfarrkirche war wohl zu beschwerlich. Nach dem Krieg wurde in Ahmsen eine eigene Kirche erbaut, diese gehört aber weiterhin zur Pfarrgemeinde Holte. Ihre Toten werden in Holte auf dem Friedhof beerdigt.

  • St. Clemens Kirche, Holte

Die St. Clemens Kirche zählt zu den ältesten Kirchen im Emsland. Sie war Mittelpunkt des Kirchspiels Holte, zu dem die Gemeinden Holte, Lastrup, Herßum, Vinnen, Ahmsen und Lähden gehörten. Die Kirche wurde 1276 erstmals urkundlich erwähnt. 1523 wurde die Kirche neu erbaut, der Turm stammt aus dem Jahre 1852.

Der Kirchturm verfügt über ein Geläut von drei Glocken. Die kleinste stammt aus dem Jahr 1340, hat 94 cm Durchmesser und wiegt ca. 500 kg. Sie soll die älteste Glocke des Hümmlings sein. Die mittlere und die große Glocke stammen aus dem Jahr 1509. Die mittlere hat einen Durchmesser von 118 cm und wiegt 1.050 kg, die große Glocke mit einem Durchmesser von 129,5 cm wiegt 1.350 kg.

Nach Fertigstellung des Turmes 1852, wechselten die bis dahin in einem provisorischen Glockenstuhl eines Holzturmes neben der Kirche aufgehängten Glocken, an ihren endgültigen heutigen Platz. Im Kirchturm blieben sie auch hängen, obwohl sie im Krieg beschlagnahmt wurden und zu Munition verarbeitet werden sollten.

Der Taufstein und das Holter Kreuz stammen aus dem 14. Jahrhundert. Die erste Orgel wurde 1698 angeschafft. 1705 verlegte der Bildhauer Thomas Simon Jöllemann seine Werkstatt von Quakenbrück nach Holte. Er hatte den Auftrag bekommen, die St. Clemens-Kirche neu auszustatten. Er schuf einen Hochaltar, zwei Seitenaltäre, die Kanzel, die Kommunionbank, eine Pieta, sowie die lebensgroße Holter Kreuztracht, die auch als „Holter Juden” bezeichnet werden. Auch eine Monstranz soll aus dieser Zeit stammen. 1738 war der Auftrag abgeschlossen.

In den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Kirche vollständig renoviert und erstrahlt in neuem Glanz. Zu erwähnen ist auch die neue Vorhangmalerei. Die St. Clemens Kirche ist eine der sehenswerten Kirchen des Emslandes.

  • Unbefleckte Empfängnis Mariens, Lähden

Im Jahre 1920 wurde in Lähden die Kirche Unbefleckte Empfängnis Mariens erbaut und die Kirchengemeinde aus der Pfarrgemeinde Holte ausgepfarrt. Ihre Toten werden jetzt auf dem eigenen Friedhof in Lähden beerdigt. Noch 1910 wurde für die Erweiterung der Holter Kirche gesammelt. Das Geld wurde dann für den Kirchbau in Lähden verwendet. Besonderes Merkmal in dieser Kirche ist das Original einer Madonna. Diese wurde um 1800 herum von Hollandgängern mitgebracht als Dankeschön für die Gastfreundschaft. Bei Renovierungsarbeiten im Jahre 1980 entdeckte man den hohen Wert dieser. Im Inneren fand man Reliquien. Eine Kopie steht im Ostlähdener Glockenturm. Die Kirche ansich wurde anfangs der 90er Jahre renoviert und erstrahlt in einem für Kirchen ungewöhnlich modernen Stil.

  • Betschule, Lähden

Der Glockenturm ist aus der Zeit um 1700. Er war zunächst ein Teil der Betschule, welche den Ostlähdenern auch zum regelmäßigen Kirchgang diente. Anfang des 20.Jahrhunderts verfiel der Schulteil leider und man entschloss sich, diesen abzureißen. im Jahre 2006 wurde dann dieser Teil im Rahmen der 72h-Aktion der KLJB gemeinsam mit dem Jungkolping wieder aufgebaut und erstrahlt somit heute in neuem Glanz und Lähden ist seither um eine Sehenswürdigkeit reicher.

  • St. Antonius-Kirche, Vinnen

Die St. Antonius-Kirche wurde in den Jahren 1853 - 1858 durch den Architekten Josef Niehaus aus Haselünne erbaut. Der vorhandene Taufstein (Bentheimer Typ) und ein altes Messbuch, das eigens für Vinnen geschrieben wurde, stammen aus der Zeit von 1430 - 1450. Es handelt sich dabei um ein „Promptuarium”, in das nur solche Teile aufgenommen wurden, die vor Ort erforderlich waren, da nicht jeden Tag Messen gefeiert wurden. Hervor zu heben sind die Buchmalereien, insbesondere eine aufwändige Kreuzigungsszene, und die ungewöhnliche Notengebung, die einen Hinweis auf die damalige Sakralmusik liefern. Der Barockaltar, um 1760 geschaffen, stammt aus einem aufgehobenen Franziskanerkloster in Aschendorf.

Sonstige Sehenswürdigkeiten

  • Glockenturm in Lähden

Um das Jahr 1800 wurde in Ostlähden eine Betschule errichtet. Diese wurde von den Bewohnern bis zu ihrem Abriss im frühen 20.Jahrhundert benutzt. In ihr ausgestellt befindet sich eine Kopie der Madonna, welche von Hollandgängern im 18.Jhd. mitgebracht wurde. Auf Grund des hohen Wertes dieser Skulptur wird das Original in der Lähdener Kirche ausgestellt. Im Jahre 2006 wurde die Betschule von Jugendlichen aus Lähden wieder neu aufgebaut und erstrahlt jetzt im neuen Glanz.

  • Pferdesportgeläde in Lähden

Alle 2 Jahre finden in Lähden eine Woche nach Pfingsten die Lähdener Pferdetage statt. Dieses ist zu bestaunen auf dem riesigen Turniergelände der PSG Lähden. Dieses Gelände befindet sich an der Ostlähdener Str./Schillerberg.

  • Lähden

Im Jahre 2005 gewann Lähden den Preis "Unser Dorf hat Zukunft - Schönstes Dorf im Emsland 2005". Alleine das sagt schon das Lähden, aber auch die Gemeindemitglieder auf jeden Fall einen Besuch wert sind.

  • Die alte Schule

Im Jahre 1356 wurde in Holte als Gymnasium die erste urkundlich nachweisbare Schule des Emslandes erwähnt.

  • Kriegerdenkmal Holte

Die Jöllemannsche Kreuztrachtgruppe, genannt die "Holter Juden", steht jetzt im 1950 erstellten Kriegerdenkmal auf dem Kirchhof.

  • Waldbühne Ahmsen

Im Ortsteil Ahmsen werden seit 1949 Freilichtspiele auf der Waldbühne aufgeführt. Seit 1949 wird jährlich ein religiös orientiertes Stück angeboten, seit 1964 Jahr für Jahr auch ein Märchenspiel. Die Aufführungen finden jährlich von Mai bis September statt.

  • Großsteingräber

Aus der Zeit um 2000 v. Chr. sind noch heute sichtbare Spuren vorhanden, dass es in der Gemeinde schon in der vorgeschichtlichen Zeit feste Siedlungsplätze gegeben hat. Beispiele hierfür sind die Hünengräber, aus der Zeit der so genannten Trichterbecherkultur. Diese Großsteingräber, aus tonnenschweren Findlingen errichtete weiträumige Totenhäuser, dienten als Grabkammern für ganze Sippen. Im Grundriss besonders lange Kammern mit einem kurzen Gang an einer der Längsseiten sind typisch für die Region und werden auch als „Emsländische Kammern” bezeichnet.

In der Gemeinde Lähden gab es mehrere Großsteingräber. So im Herßumer Wald zwischen Holte und Ahmsen (Dieses Grab ist noch gut erhalten). In Lastrup in der Nähe des „Tiefen Vehns” gibt es ein weiteres Hühnengrab, das aber als Steinbruch gedient hat und nur noch teilweise erhalten geblieben ist. Gut erhalten ist das Steingerab in Lähden, kurz vor der Hüvener Mühle.

Von mehr als 90 Großsteingräbern im Emsland, blieben nur etwa 30 erhalten. Zerstört wurden sie durch die Verwendung der Steine in Fundamenten von Gebäuden oder als „Hünenschotter” beim Straßenbau, der selbst bis zur Stadt Münster geliefert wurde.

  • Überreste aus dem 3. Reich in Lähden

An der Berßener Straße in Lähden sind noch Zeitzeugen aus dem 2. Weltkrieg zu finden. Überreste eines Arbeiterlagers deuten darauf hin, dass auch in Lähden, die Zeit des Nationalsozialismus nicht ohne Spuren geblieben ist.

Wirtschaft und Infrastruktur

Besonders Lähden hat eine starke Wirtschaftsentwicklung in den letzten Jahren vorgenommen und ist seit rund 5 Jahren mit dem 2.Gewerbegebiet ein attraktiver Ansiedlungsort geworden.

Verkehr

zweistündliche Busverbindungen über Haselünne zum Bahnhof Meppen Bahnhöfe Bundes- u. Europastraßen, Flughäfen befinden sich alle in unmittelbarer Nähe.

Persönlichkeiten

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Thomas Simon Jöllemann (*1670 in Quakenbrück; † unbekannt) war ein deutscher Bildhauer des Barock in Nordwestdeutschland. Er stammte aus einer weit verzweigten Bildhauerfamilie.
  • Pastor Ostermann, der von 1703 bis 1746 Pastor in Holte war. Ihm verdankt die Kirche die reichhaltige Ausstattung.
  • Pastor Jansen, unter Pastor Jansen 1897 bis 1908 wurde der Holter Friedhof erweitert.
  • Christoph Sandmann, Weltmeister im Pferdesport aus Lähden, hat die zu den wichtigsten Turnieren in Deutschland gehörenden Pferdetage mit ins Leben gerufen

Literatur

  • LIEDTKE, H. (1981): Die nordischen Vereisungen in Mitteleuropa.- 2. Aufl.; Forschungen zur deutschen Landeskunde, Bd. 204; 307 S. [V]
  • Friedrich-Wilhelm Wulf und Wolfgang Schlüter: Archäologische Denkmale in der Kreisfreien Stadt und im Landkreis Osnabrück - Gebundene Ausgabe, Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2000, ISBN 3-7752-5661-X
  • Merian / Hamburg / Hoffmann und Campe Verlag / 1971 / kt. / 26.9x19cm / 24. Jg., Nr. 7 / ill. / BL / Zeitschrift / Photographie - Reisebericht - Reisephotographie - Deutschland, Niedersachsen - 20. Jahrh. / Merian-Themenheft Juli 1971 / M277
  • Pfarrarchiv Holte



Texte und Bilder stammen ganz oder teilweise aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht somit ganz oder teilweise unter der GNU Lizenz. Eine Liste der Autoren und Fotografen, sowie den Originaltext finden Sie hier.

Informationsportal über Lähden in Niedersachsen - 25.5.2012