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Lemgo ist eine mittlere kreisangehörige Stadt in Nordrhein-Westfalen im Regierungsbezirk Detmold (Ostwestfalen-Lippe) und gehört zum Kreis Lippe. Bis 1973 war Lemgo Sitz des Kreises Lemgo. GeographieStadtgliederungNeben der Kernstadt gehören folgende Ortsteile zu Lemgo:
GeschichteLemgo wurde um 1190 von Bernhard II. gegründet und war wegen seiner Lage am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Handelswege des Mittelalters für lange Zeit die größte und bedeutendste Stadt Lippes und kam durch ihre Zugehörigkeit zur Hanse zu ansehnlichem Wohlstand. 1527 trat der Fürst zum evangelisch-reformierten Bekenntnis über, so dass in Lippe nach dem Prinzip cuius regio, eius religio die Reformation eingeführt wurde. Das außerhalb der Stadt gelegene Schloss Brake wurde 1584 Residenz der Grafen zur Lippe. Die Stadt wurde im ausgehenden Mittelalter wegen der Hexenverfolgung und -verbrennung, die zur Amtszeit des Bürgermeisters Hermann Cothmann (1667–1683) ihren Höhepunkt erlebte, als „Hexennest” tituliert. Maria Rampendahl war die letzte als Hexe angeklagte Frau in Lemgo 1681. Der Dreißigjährige Krieg setzte Lemgo durch Einquartierungen und Kontributionsleistungen arg zu. Erst im 19. Jahrhundert erholte sich das Gemeinwesen wieder. Der Bevölkerungszuwachs nach dem Zweiten Weltkrieg bewirkte einen weiteren sozialen und strukturellen Aufwärtstrend. PolitikStadtrat
(Stand: Kommunalwahl am 26. September 2004) Städtepartnerschaften
Kultur und SehenswürdigkeitenErhalten geblieben ist der städtebauliche Gesamtcharakter mit den kostbaren Zeugnissen aus der Zeit der Renaissance, denn Lemgo wurde im Zweiten Weltkrieg von Bomben verschont. Museen
BauwerkeHexenbürgermeisterhausDas bekannteste Haus Lemgos ist das sog. Hexenbürgermeisterhaus aus dem Jahre 1571 mit einer Fassade im Stile der Weserrenaissance. Seinen ungewöhnlichen Namen hat es von seinem im 17. Jh. in Lemgo wütenden Bürgermeister Cothmann, der aus Machtgier den Hexenwahn als Bestandteil des christlichen Glaubens nutzte, um seine politischen Gegner aus dem Feld zu räumen. Damit dies nicht zu deutlich wurde, ließ er einige weitere Dutzend Bürger umbringen, Frauen wie Männer. Am Unterbau der Fassade gibt es eine breite, reich durchfensterte Zone aus angesetzten und auf die Straße vorgeschobenen Vorbauten, die man „Utluchten” nennt, einen sogar in der Fachliteratur selten gebrauchten Ausdruck. Üblich wurden solche Utluchten an Steinbauten der Renaissance und an Fachwerkbauten des 17. und 18. Jhs. Am rechten Teil der Fassade sitzt dagegen ein Erker, der im Gegensatz zur Utlucht nicht ebenerdig ist und auf Konsolen aufgefangen wird. Die darüber liegende Fassade ist durch Halbsäulen und Gesimse gegliedert. RathausDas in die UNESCO-Liste der Kunstwerke von europäischem Rang aufgenommene Rathaus im Stile der Weserrenaissance besteht aus drei zu verschiedenen Zeiten gebauten Teilen. Solche Entstehungsgeschichten sind für große Profanhäuser wie Rathäuser durchaus üblich gewesen, weil durch die wachsende Einwohnerzahl und die zunehmende soziale Verwaltung der Städte immer mehr Zimmer für das Rathaus gebraucht wurden. Und anstatt umzuziehen oder ein neues Rathaus zu bauen, kaufte man die benachbarten Häuser dazu und verband sie im Innern. Der mittlere Trakt stammt aus der Zeit 1480-90. In ihm befinden sich die Ratskammer und darunter die Gerichtslauben. Solche geöffneten Erdgeschosse gehören generell zu den mittelalterlichen Rathäusern, weil hier die ebenfalls öffentlichen Gerichtsverhandlungen stattfanden. Hier in Lemgo wurden vor allem die berüchtigten Hexenprozesse abgehalten. Die linke Ecke bildet der Renaissance-Erker. Die Hauptkennzeichen solcher eigentlich italienischen Formen sind in Deutschland: glatte, ebene Wandflächen, keine in sich gebogenen Wände wie später im Barock, dazu scharfe, rechteckig geschnittene Fenster und auf den verbleibenden Wandflächen ornamentale Dekorationsformen, die ebenfalls eher flächig sind - ohne deutlich hervorgehobene Vollplastiken beispielsweise, wie es später der Barock bevorzugte. Also insgesamt ein streng-geometrischer, klarer Eindruck, der nur in den Schmuckflächen schnell unübersichtlich und beladen wirken kann. St. NicolaiDie Nicolaikirche wurde 1210 als Basilika begonnen und ab 1300 zur Halle umgebaut. Geweiht ist die Kirche - wie in vielen norddeutschen Kaufmannsstädten - dem Hl. Nikolaus, dem Schutzpatron der Seefahrer und Fernkaufleute, schließlich war Lemgo eine Hansestadt. Am Außenbau fällt zunächst die Doppelturmfront mit den unterschiedlich hohen Turmhelmen auf, die die Stadt schon von weitem kenntlich machen. Es ist nicht selbstverständlich, dass Stadtkirchen eine solche Zweiturmfassade haben, die steht normalerweise nur Kloster-, Stifts- oder Domkirchen zu. Die Fassade der Lemgoer Stadtkirche dokumentiert mit ihren zwei Türmen die Ansprüche, die die Bauherren, die Herren zur Lippe, gestellt haben, also auch hier wieder die Machtdemonstration in der Architektur. Vom spätromanischen Vorgängerbau ist noch ein sehr schönes Querhausportal übrig geblieben, an dem man schon erkennen kann, dass der romanische Rundbogen langsam in den gotischen Spitzbogen übergeht. Der Inneraum von St. Nicolai ist in angenehmen hellen Farben gehalten und enthält einige bedeutende plastische Kunstwerke. Eines fällt besonders auf, das Grabmal des Franz von Kerssenbrock. 1597 schuf der Lemgoer Bildhauer Georg Crosman diese aufwändige Taufanlage mit dem umlaufenden reichen Brüstungsgitter. 1863 wurde sie vor das Kerssenbrock-Epitaph im Südost-Chor versetzt und verlor dabei eine Seite der Einfassung. Hier hat man ein besonders reichhaltiges Beispiel für die Renaissance-Dekoration auf deutschem Boden vor Augen. Das prunkhafte Aussehen sollte nicht dahingehend täuschen, es sei typischer Barock - das ist Renaissance. Wenn man die einzelnen Elemente für sich nimmt, hat man genau das, was für den Rathauserker gilt: glatte Flächen, geometrisch scharfe, klare Muster in der Ebene, nicht in der Tiefe wie beim Barock, die Detailformen für sich sind auch prägnant als Einzelformen kenntlich usw., - nur diese dichte Zusammenstellung der Einzelformen sorgt für eine Unübersichtlichkeit, die man gewohnt ist, nur bei der Barockkunst zu sehen. Dieses Werk hier stammt aber aus dem Jahr 1597 und der Barock fängt in Deutschland erst um 1660 an, nach dem 30jährigen Krieg.
BürgerhäuserIm historischen Stadtkern haben sich eine Reihe Kaufmannshäuser aus der Spätgotik und der Renaissance erhalten. In der Breiten Straße, der Hauptstraße der Neustadt, sind neben dem Hexenbürgermeisterhaus (Nr. 19) vor allem die Steinbauten Nr. 57 (erbaut 1580, Fassade stark verändert) und 67 (erbaut um 1580) sowie die so genannten Neustädter Zwillinge (Nr. 45 und 47, zwei Fachwerkhäuser der Zeit um 1580 mit annähernd identischen Schnitzgiebeln) hervorzuheben. In ihrer Verlängerung, der Kramerstraße, findet sich das Wippermannsche Haus (Nr. 5, erbaut 1576, mit für die damalige Zeit altmodischem gotischen Treppengiebel). In der Papenstraße finden sich neben dem Zeughaus und dem Ballhaus noch drei steinerne Giebel (Nr. 8, 17 und 24) sowie zwei Steinbauten mit mächtigen Fachwerkgiebeln (Nr. 32 und 34, um 1610 erbaut). Außerdem ist der ehemalige Adelshof Nr. 22 erwähnenswert, dessen Fachwerkobergeschoss jedoch im 19. Jahrhundert stark entstellt wurde. In der Echternstraße sind vor allem die ehemaligen Adelshöfe Nr. 6/8 (Steinbau mit Fachwerkobergeschoss, um 1560), Nr. 116 (um 1500, stark verändert), Nr. 117 (Steinbau mit Fachwerkobergeschoss, um 1580) und 137/139 (Steinbau mit Fachwerkgiebel, ebenfalls um 1580) sowie die Bürgerhäuser Nr. 85 (mit Fächerschnitzereien, um 1560) und Nr. 92 (mit Beschlagwerkschnitzerei, um 1600) zu erwähnen. Die bedeutendsten Bürgerhäuser befinden sich jedoch entlang der Mittelstraße, der Hauptstraße der Stadt. Neben spätgotischen (Nr. 26, 29, 52, 54 und 104) und renaissancezeitlichen (Nr. 40/42, 56, 58, 64 und 81) Steinhäusern gibt es auch viele Bauten in Mischbauweise (Steinunterbau mit Fachwerkgiebel, Nr. 13, 17, 27, 36 und 128/130) und Fachwerkbauweise (Nr. 9, 11, 14, 24, 27, 39, 124). Neben diesen besonders hervorzuhebenden Häusern finden sich vor allem in der Altstadt hunderte kleinerer Fachwerkhäuser aus der Zeit vom 15. bis zum 19. Jahrhundert. StadtbefestigungDie Stadtbefestigung wurde im 18. und 19. Jahrhundert größtenteils abgetragen (das über 30 m hohe Ostertor wurde 1863 niedergelegt, das deutlich kleinere Regenstor erst 1876). Heute finden sich nur noch geringe Reste der Stadtmauer (ein 25 m langes Stück an der Hirtenstraße, ein 10 m langes Stück am Langenbrücker Tor und ein 120 m langes Stück entlang der Straße Im Rembken) sowie der Pulverturm (Neue Straße) und der teilweise rekonstruierte Hohe Turm ob dem Rembken (Im Rembken). Am Kastanienwall hat sich eine Bastion erhalten, die 1990 zum 800-jährigen Stadtjubiläum saniert wurde. An der Südseite haben sich die Befestigungswälle in einer Höhe von bis zu 10 m erhalten, an den übrigen Seiten wurden sie vor 1900 eingeebnet und zu Parkanlagen umgestaltet. Der Stadtgraben wurde an der Südseite entlang des Abteigartens vor einigen Jahren wieder freigelegt. Weitere Teile harren noch der Offenlegung. SportDie Stadt ist durch die erfolgreiche Handballmannschaft TBV Lemgo überregional und international bekannt. Regelmäßige Veranstaltungen
Kulinarische Spezialitäten
Wirtschaft und InfrastrukturSchienen- und BusverkehrDer Bahnhof Lemgo liegt an der eingleisigen, nicht elektrifizierten Begatalbahn (KBS 404), auf der im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) die RegionalBahn (RB 73) „Der Lipperländer” Bielefeld–Lage (Lippe)–Lemgo verkehrt (montags bis samstags im Stundentakt, sonntags alle zwei Stunden). Durchgeführt wird der SPNV von der Eurobahn, die Talent-Dieseltriebwagen einsetzt. Im Straßenpersonennahverkehr betreibt Lemgo ein Stadtbusnetz mit fünf Linien. Mit über zwei Millionen Fahrgästen pro Jahr gilt es als eines der erfolgreichsten Busnetze einer Mittelstadt in Deutschland. Für den gesamten öffentlichen Personennahverkehr gilt der Tarif des Verkehrsverbundes OstWestfalenLippe (Der Sechser) und tarifraumüberschreitend der NRW-Tarif. Ansässige Unternehmen
Medien
Öffentliche EinrichtungenDas „Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe” mit Sitz in Lemgo ist ein als kommunaler Zweckverband organisierter Informations- und Kommunikationsdienstleister der drei Kreise Herford, Lippe und Minden-Lübbecke sowie ihrer 35 Städte bzw. Gemeinden Bildung
Die Fachhochschule Lippe und Höxter in Lemgo (weitere Standorte: Detmold und Höxter) bietet z. T. hochspezialisierte Studiengänge, die andernorts in Nordrhein-Westfalen nicht vertreten sind, beispielsweise der Fachbereich 4 Life Science Technologies mit den Studiengängen Biotechnologie, Lebensmitteltechnologie, Pharmatechnik und Technologie der Kosmetika und Waschmittel. PersönlichkeitenSöhne und Töchter der Stadt
Weitere PersönlichkeitenFolgende Persönlichkeiten stammen nicht gebürtig aus Lemgo, haben aber in der Stadt gewirkt:
Literatur
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