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Leutesdorf ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied in Rheinland-Pfalz. Geografische LageLeutesdorf liegt am nördlichen Ende des Neuwieder Beckens direkt am Ufer des Rheins und den Hängen des Rheinischen Schiefergebirges. Regelmäßig wird der Ort bei Hochwasser überschwemmt. Davon wird das Unterdorf besonders stark betroffen. Zeitweise steht das Wasser dann in der ersten Etage der am Rhein gelegenen Häuser. Leutesdorf ist das älteste Weindorf am unteren Mittelrhein. Es gehört zur Verbandsgemeinde Bad Hönningen. Bereits im 6. Jahrhundert wurde hier an den Hängen des Rheins Wein angebaut. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite liegt die Stadt Andernach. Bekannt ist Leutesdorf auch wegen seines Brombeerweines. Geschichte
Der Ortsname wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte von Liudwinesthorp (Volksfreunddorf) 868 über Ludesdorp(1333) zu Leudesdorf (1665). Seit Ende des 19. Jahrhunderts heißt der Ort Leutesdorf. Die Bevölkerung ist überwiegend katholisch. 1993: 80 % PolitikGemeinderatDer Gemeinderat von Leutesdorf setzt sich aus 17 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen einschließlich des nebenamtlichen Bürgermeisters.
(Stand: Kommunalwahl am 13. Juni 2004) WappenDie Wappenbeschreibung lautet: Das Wappen von Leutesdorf zeigt den Hl. Laurentius, der eine blaue Dalmatika (liturgisches Gewand der Diakone) trägt. In seiner rechten Hand hält er einen Rost, in seiner linken die Siegespalme der Blutzeugen. Kultur und SehenswürdigkeitenEs gibt in Leutesdorf eine Weinkul-Tour: ein 3,2 km langer Wanderweg mit 33 Thementafeln zum Thema Wein (ging 2003 aus einem 1986 eingerichteten Weinlehrpfad hervor). MuseumEin kleines Dorfmuseum bietet eine guten Einblick in die Geschichte des Weinanbaus und zeigt viele Gerätschaften und Dokumente aus vergangener Zeit. Es bietet auch Einblicke in die Arbeiten der heute noch bestehenden 14 Nachbarschaften. NachbarschaftenIn Leutesdorf gibt es 14 Nachbarschaften, wie sie auch in vielen Orten am Mittelrhein zu finden sind. Die Ursprünge reichen bis in das Mittelalter. Namentlich genannte Nachbarschaften sind durch ihre Nachbarschaftsbücher aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg bekannt. In Leutesdorf sind diese Bücher meist jüngeren Datums, es sind aber Vorgängerbücher vermerkt, die verbrannt oder unbrauchbar geworden sind. Die Nachbarschaften benannten sich nach Straßen, Kirchen, Heiligenhäuschen oder in neuerer Zeit nach Gemarkungen. In den Büchern werden Geburten, Todesfälle, Katastrophen oder andere Vorkommnisse im Dorf festgehalten. Nach dem Bau der Eisenbahnstrecke um 1870 kommt es zu Neugründungen von Nachbarschaften oberhalb der Bahnlinie. Die letzte Neugründung ist die Nachbarschaft "Im Frontal" 1991. Die Aufgaben der Nachbarschaften sind in den Satzungen festgehalten. Dazu gehörten früher unter Anderem die Hilfe bei Katastrophen, Geburt, Sterbefällen, das Waschen der Toten, Anfertigen des Totenhemdes, Gestellung von Sargträgern. Manche Nachbarschaften hatten auch eigene Kleidervorschriften. Der Vorstand einer Nachbarschaft ist der "Amtmann", ihm zur Seite stehen Beisitzer, Schriftführer und Kassenwart.
Klosterhöfe und KlösterDer älteste Klosterhof ist der Fronhof, dessen Ursprünge lückenlos bis in das 9. Jahrhundert nachgewiesen sind.
Heute stehen auf dem Grundstück das mit seiner Barockfassade dem Rhein zugewandte Wohnhaus und das alte Kelterhaus, in dem verschieden Veranstaltungen stattfinden.
Nach der Säkularisation im Jahr 1803 ging das Haus in Privatbesitz und wurde mehrfach an- und umgebaut. Zuletzt, am 1. Oktober 1945, wurde die Zenn, die jetzt Schusterinsel hieß, von einem Opladener Textilbetrieb an den Johannesbund verkauft. Von da an hieß es Agnesheim und beherbergte ältere Bürger und ledige Mütter. 1952 zog hier die Schriftenmission des Johannesbundes ein. Heute ist es die Zentrale der Gemeinschaft Ancilla Domini, die zu den Gemeinschaften des Johannesbundes zählt. Neben der Zinn steht das Johannes-Haw-Heim. In ihm befinden sich eine Bildungsstätte und ein Exerzitienhaus, sowie ein Kindergarten. Weitere klösterliche Einrichtungen sind das Christkönigshaus - Mutterhaus der Johannesmissionare und die Johannesburg - Mutterhaus der Johannesschwestern. Das Christkönigshaus steht neben der Heilig-Kreuz-Kirche und die Johannesburg in der Bungert-Allee.
Das Zolltor
Der Leutesdorfer Zoll wird erstmals am 24. Januar 1309 erwähnt. Kaiser Heinrich VII.. überließ dem Aachener Geldverleiher Bartholomäus den Leutesdorfer Zoll zur Begleichung seiner Schulden. Im April 1309 kaufte er ihn wieder zurück. Nach dem Tod Heinrichs 1313 wird vereinbart, daß der Kölner Erzbischof jährlich 200 Pfund Turonenser Königsgroschen als Entschädigung für den von ihm angerichteten Schaden am Leutesdorfer Zoll zu entrichten hat. Von da an finden sich 300 Jahre lang keine geschichtlischen Eintragungen mehr über den Leutesdorfer Zoll. Im Jahr 1616 wird in Hammerstein ein neuer Zoll errichtet, der wird aber wegen des Dreißigjährigen Krieges nach Leutesdorf verlegt. Erstmals 1638 tauchen in Taufbüchern wieder Leutesdorfer Zöllner auf. Ende 1688 war der Zoll nicht mehr besetzt. 1690 läßt der Kurfürst das Zollgebäude instandsetzen, was mehrere Rechnungen belegen. Daß die Zöllner sehr wohlhabend gewesen sein müssen, beweisen die vier herrschaftlichen Häuser, die sich an das Zolltor nordwärts anschließen. Sie tragen in Mauerankern die Zahlen 1687, 1770 und 1780. Die Zöllner, Beseher und Nachgänger erbauten sie auf eigene Rechnung und sie gingen bei ihrem Tod auf die Nachfolger über. 1805 wurde der Leutesdorfer Zoll aufgehoben. Heute, nach einer aufwändigen Renovierung, ist das Zolltor bewohnt. Bei den Renovierungsarbeiten wurde im Keller eine gußeiserne Ofenplatte mit dem Wappen des Kurfürsten Johann Hugo von Orsbeck gefunden. Auf der Nordseite sind Hochwassermarken aus verschiedenen Jahrhunderten. Neben dem Schlußstein ist eine kleine Statue des Dorfheiligen Sankt Laurentius. Heiligenhäuschen und KreuzeIm Ort gibt es noch mehrere Heiligenhäuschen und Kreuze, wie das Siechenkreuz am Rhein oder das Hochkreuz am Ortsende am Fuß der Weinberge und das Lingässer Kreuz in der Bungert-Allee. An verschiedenen Häuser sind kleine Reliefs in die Hauswand eingelassen, die Stationen des „Sieben Kniefall Weges” waren. BauwerkeZu den Sehenswürdigkeiten von Leutesdorf zählt die gesamte Rheinfront. Geht man von Süden kommend durch die August-Bungert-Allee, die von alten Platanen gesäumt wird, kommt man an dem mit ionischen Stilelementen verzierten Bungert-Haus vorbei. Gleich daneben ist die Johannesburg. Sie ist das Mutterhaus des Ordens der Johannesschwestern von Maria Königin. Daran anschließend ist das Hotel Leyscher Hof mit seiner wunderschönen Rheinterrasse. Geht man jetzt weiter durch das Zolltor von 1638, gelangt man in die Rheinstraße, wo alte Fachwerkhäuser und ehemalige Klosterhöfe stehen. Bekannt ist die Rheinfront aus der Fernsehserie MS Franziska. Die am Ortsende Richtung Hammerstein stehende Wallfahrtskirche Heilig Kreuz mit der Nachbildung des Heiligen Grabes und der angehängten Ölbergs-Kapelle mit dem Grab von Johannes Haw ist ebenfalls sehenswert. Die Ursprünge der in der Ortsmitte gelegenen katholischen Pfarrkirche St.Laurentius gehen auf eine romanische Kirche zurück, der Turm ist noch aus dieser Zeit. Die heutige Kirche wurde um 1730 im Wesentlichen von dem kurtrierischen Hofbaumeister Paul Kurz erbaut. Bemerkenswert ist die Stumm-Orgel. Neben der Kirche befindet sich der Friedhof. Natur und WandernDurch die Gemarkung Leutesdorf führen der Rheinsteig, der Limes-Wanderweg und der Rhein-Radweg. Oberhalb der Weinberge ist das seit 1935 ausgewiesenen Naturschutzgebiet Langenbergskopf mit seltenen mediterranen Pflanzen. Von dort gelangt man zur "Edmundshütte", die im Sommer an Sonn- und Feiertagen bewirtschaftet wird. Noch weiter oberhalb befinden sich Streuobstwiesen mit einem Apfel-Lehrpfad. Auf der Höhe ist auch eine Brombeerplantage, die zu der Gastwirtschaft "Brombeerschenke" gehört. In dieser kann man alles genießen, was man aus Brombeeren machen kann: von Waffeln mit heißen Brombeeren bis zu Brombeerwein und Likör. Ganz besonders ist der Ausblick über das gesamte Neuwieder Becken. Regelmäßige VeranstaltungenBeim jährlichen Winzerfest und dem Winzerzug ist Leutesdorf zu einem Anziehungspunkt nicht nur für Weinliebhaber geworden und füllt die kleinen Gassen, Straußwirtschaften und den Rummel an der Rhein-Promenade drei Tage lang mit Leben. Die Straußwirtschaften sind teilweise auch schon in den frühen Sommermonaten geöffnet. Karnevalsumzug, Konzerte im Hotel Leyscher Hof. Theateraufführungen der Theatergruppe Leutesdorf. Schützenfest. Alljährlich findet am Ostermontag der Emmausgang statt. Am Muttertag wird in den Weinbergen von Leutesdorf ein "Kulinarisches Weinerlebnis" ausgerichtet. Dort bieten die heimischen Winzer und Gastronomen Speis und Trank an. In dem "Kaffee-Galerie Marienburg" stellen die Winzer im August ihre Weine vor. Wirtschaft und InfrastrukturDen größten Anteil an der heimischen Wirtschaft haben die Winzer. Leutesdorfer Wein ist bekannt für seine Qualität und wird immer wieder ausgezeichnet. Für den täglichen Bedarf stehen nur eine Metzgerei, ein Backshop und eine Tankstelle zur Verfügung. Im Dorf sind ein Allgemeinmediziner und eine Zahnarztpraxis. Mehrere Handwerksbetriebe und Dienstleister, sowie eine Maschinenbaufirma runden das Angebot ab. WeinbauDie in Leutesdorf ansässigen 17 Winzerbetriebe bearbeiten die drei Hauptlagen Rosenberg, Gartenlay und Forstberg. Dort sind rund eine Million Rebstöcke angepflanzt. Hauptsorte ist der Riesling. Daneben werden noch Gewürztraminer, Kerner, Spätburgunder und Dornfelder angebaut. Im Jahr 1927 gab es in Leutesdorf 75 einzelne Weinberglagen auf 130 ha, mit 1,3 Millionen Weinstöcken. Im Juni 1944 und 1972 wurden Teile der Weinberge durch heftige Unwetter und einen Bergrutsch verwüstet. Dieser reichte über die Hauptstraße hinweg bis auf die Bahngleise. Im Rahmen der Flurbereinigung in den 1970er Jahren wurden 2.378 Einzelparzellen zusammengelegt, neue Wirtschaftwege und 10,5 Kilometer neue Stützmauern gebaut. Die Weinberge sind alles Steillagen mit 30 - 70 % Steigung. Der Boden ist ein Tonschieferverwitterungsboden, der nach Süden hin einen immer höher werdenden Bimsanteil hat. Durch die Ausrichtung der Anbauflächen nach Süd bis Südwest erhalten sie viel Sonneneinstrahlung, was natürlich die Qualität der Weine beeinflusst. Ebenso spielt die Nähe des Rheins eine große Rolle wegen der Luftfeuchtigkeit, die von ihm ausgeht. Früher besaß das Kloster Maria Laach mehrere Weinberge in Leutesdorf, die von Andernacher Winzern bestellt wurden. Heute gibt es nur noch einen symbolischen Weinberg mit einem Rebstock. Die Weinkönigin von Leutesdorf ist zugleich Weinkönigin von Andernach. Für die amtierende Weinkönigin wird jedes Jahr ein Baum gepflanzt. Viele Weine werden von bekannten Weinführern empfohlen und ausgezeichnet. Da in Leutesdorf schon lange Wein angebaut wird, ist es nicht verwunderlich, dass es Winzerbetriebe gibt, die schon seit 1640 in Familienbesitz sind. VerkehrLeutesdorf hat eine Haltepunkt der Deutschen Bahn und zwei Haltestellen der Buslinie Koblenz-Neuwied-Linz. Durch den gesamten Ort führen die vielbefahrene Bundesstraße 42 und die rechtsrheinische Eisenbahntrasse, die überwiegend von Güterzügen benutzt wird. Durch das Zusammentreffen von drei Hauptverkehrsadern auf engstem Raum leidet Leutesdorf unter einer hohen Lärmbelastung. Bis 1985 bestand zwischen Leutesdorf und Andernach eine Fährverbindung mit einer Personen- und Autofähre. Das erste Fährrecht wurde am 5. Mai 1682 an den Leutesdorfer Fährmann Mattheiß Nalbach übertragen. Öffentliche EinrichtungenGrundschule, Kindergarten, Heiltherapeutisches Zentrum für Mehrfachbehinderte, Post-Agentur Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben
Literatur
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