
|
Leutkirch im Allgäu ist eine ehemalige freie Reichsstadt im Südosten des Bundeslandes Baden-Württembergs. Im westlichen Allgäu zwischen Memmingen und Wangen im Allgäu an der A 96 gelegen, bildet die Stadt ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Leutkirch i.A. ist (aufgrund seiner Einwohnerzahl) nach Ravensburg, Wangen und Weingarten die viertgrößte Stadt des Landkreises Ravensburg sowie (aufgrund seiner Fläche von 175 km²) nach Stuttgart, Baiersbronn, Bad Wurzach und Ehingen die fünftgrößte Gemeinde im "Ländle". Leutkirch im Allgäu ist seit dem 1. Januar 1974 Große Kreisstadt. Mit seinen Nachbargemeinden Aichstetten und Aitrach hat die Stadt Leutkirch eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart. GeografieLeutkirch liegt im westlichen Allgäu am nördlichen Ende der Adelegg, dem nördlichsten Ausläufer der Alpen. Die Altstadt liegt zwischen dem rechten Ufer der Eschach und der Wilhelmshöhe, einer Aufragung am Rande des Aitrachgebiets. Die Eschach betritt im äußersten Südosten des Stadtgebiets bei Schmidsfelden das Stadtgebiet, fließt dann in nordöstlicher Richtung durch den Osten des Stadtgebiets vorbei an Emerlanden, Winterstetten, Friesenhofen und Urlau, erreicht dann die Kernstadt, die sie von Süden nach Norden durchfließt, anschließend am Stadtteil Mailand vorbeifließt und sich dann unweit nördlich mit der von Westen kommenden Wurzacher Ach zur Aitrach vereinigt, die wenige Kilometer nördlich das Leutkircher Stadtgebiet wieder verlässt um schließlich in der Iller zu münden. Das westliche Stadtgebiet wird hingegen über Nebenflüsse der Argen zum Bodensee hin entwässert, somit liegt Leutkirch auf der sogenannten Europäischen Wasserscheide. NachbargemeindenFolgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Leutkirch im Allgäu. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt: Lautrach (Landkreis Unterallgäu), Legau (Landkreis Unterallgäu), Altusried (Landkreis Oberallgäu) sowie Isny im Allgäu, Argenbühl, Kißlegg, Bad Wurzach und Aichstetten (alle Landkreis Ravensburg). StadtgliederungDas Stadtgebiet Leutkirchs besteht aus der Kernstadt und den im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre eingegliederten ehemaligen Gemeinden Diepoldshofen, Friesenhofen, Gebrazhofen, Herlazhofen, Hofs, Reichenhofen, Winterstetten und Wuchzenhofen. Die eingegliederten Gemeinden sind heute zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden. In jedem der Ortschaften gibt es eine Ortsverwaltung, quasi ein "Rathaus vor Ort", dessen Leiter der Ortsvorsteher ist. Zu allen Stadtteilen und zur Kernstadt gehören noch viele räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die oft wenige Einwohner haben oder Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Bezeichnung sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen dann meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen sind zu nennen:
RaumplanungLeutkirch im Allgäu ist ein Mittelzentrum im Ländichen Raum im engeren Sinne innerhalb der Region Bodensee-Oberschwaben, dessen Oberzentrum die Städte Ravensburg, Weingarten und Friedrichshafen (in Funktionsergänzung) sind. Der Mittelbereich Leutkirch umfasst den nordöstlichen Bereich des Landkreises Ravensburg, im Einzelnen die Städte und Gemeinden Aichstetten, Aitrach, Bad Wurzach, Isny im Allgäu und Leutkirch. Darüber hinaus gibt es Verflechtungen mit den Gemeinden des angrenzenden Oberzentrums Memmingen in Bayern. Ferner liegt Leutkirch laut Landesentwicklungsplan Baden-Württemberg auf der Landesentwicklungsachse Lindau (Bodensee)-Wangen im Allgäu-Leutkirch-Memmingen und der Regionalen Entwicklungsachse Bad Saulgau-Aulendorf-Bad Waldsee-Bad Wurzach-Leutkirch-Isny im Allgäu. GeschichteGeschichte der KernstadtVor- und frühgeschichtliche Siedlungsspuren sind im Allgäu selten, um so mehr fällt auf, dass aus Leutkirch ein Grabfund der Völkerwanderungszeit bekannt ist (namengebend für Fibeln vom Typ Leutkirch). Offenbar ließen sich im Vorfeld des Donau-Iller-Rhein-Limes, zu dem das nahe Kastell Isny gehört, frühe Alamannen nieder. Eine Besiedlung des Westallgäuer Hügellandes während der Merowingerzeit ist archäologisch bisher kaum nachweisbar, ist jedoch aufgrund historischer Quellen – frühe Nennungen, Patrozinien und Ortsnamenformen – anzunehmen. Bei angeblich alamannischen Funden aus Leutkirch, wo gleichwohl eine schriftliche Nennung des 8. Jahrhunderts vorliegt, handelt es sich aufgrund der Nennung von Hufeisen wahrscheinlich jedoch um Funde jüngerer Zeit. Die Stadt entstand durch das Zusammenwachsen zweier Dörfer, Ufhofen und Mittelhofen, die zu Füßen der Leutekirche St. Martin lagen. Die Namensgeberin der späteren Stadt, die Leutekirche ist heute im Wappen der Stadt abgebildet. Eine erste urkundliche Erwähnung des alten Kirch- und Gerichtsortes des Nibelgaus findet sich in einer St. Gallener Urkunde aus dem Jahr 766, in der das Gebiet nach dem Aussterben der Udalrichinger an die Grafen von Bregenz und im Weitern an die Grafen von Montfort. Während deren Regentschaft entstand zwischen Ufhofen und Mittelhofen eine Marktsiedlung. Im Jahr 1293 wurde Leutkirch von König Adolf von Nassau die Rechte der Stadt Lindau verliehen und wurde so zur Freien Reichsstadt. Frühere Urkunden lassen aber auch schon auf eine städtische Siedlung mit dem Begriff "in burgo" schließen. Das Hauptgewerbe der Stadt wurde der Leinwandhandel, die größte Zunft mit bis zu 200 Mitgliedern waren die Weber, deren Erzeugnisse bis nach Italien und Spanien gehandelt wurden. 1488 wurde Leutkirch Mitglied im Schwäbischen Bund und erlangte Sitz und Stimme auf dem Reichstag und im Schwäbischen Bund. 1546 hielt in Leutkirch die Reformation Einzug (siehe hierzu den Abschnitt: Religionen). Der Dreißigjährige Krieg setzte der Stadt schwer zu. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, die Zahl der Bürger sank auf 184. Auch die Zeit nach 1648 war keine Blütezeit für die Stadt, deren Verschuldung weiter zunahm. Trotz dieser wirtschaftlich schlechten Zeiten wurde 1740 das barocke Rathaus erbaut. Die Stuckdecke von Johannes Schütz zählt heute zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt. Bei der Mediatisierung 1803 wurde Leutkirch zunächst bayerisch, 1810 kam die Stadt zum Königreich Württemberg und wurde Sitz des Oberamtes Leutkirch, das im Jahr 1938 aufgelöst wurde. 1872 wurde die Bahnstrecke Kißlegg-Leutkirch eröffnet, 1874 die Bahnlinie nach Isny und 1889 nach Memmingen. Im 19. Jahrhundert setzte zögernd eine Industrialisierung ein. Die eher handwerklich geprägte traditionelle Glasindustrie im heutigen Ortsteil Schmidsfelden beispielsweise ging jedoch um 1900 wieder zugrunde. Im Zuge der Gebietsreform schlossen sich 1972 acht Nachbargemeinden mit der Stadt Leutkirch zusammen. Dadurch überschritt die Einwohnerzahl die Grenze von 20.000, so dass die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt stellte. Die Landesregierung von Baden-Württemberg beschloss dies dann mit Wirkung vom 1. Januar 1974. Zum 11. Juni 1974 wurde der Name der Stadt geändert. Seither lautet die offizielle Bezeichnung Große Kreisstadt Leutkirch im Allgäu. Am 01. Januar 1973 erfolgte im Rahmen einer Kreisreform die Eingliederung in den heutigen Landkreis Ravensburg (KFZ-Kennzeichen RV). Zuvor gehörte Leutkirch zum Altkreis Wangen i.A. (KFZ-Kennzeichen WG). Geschichte der eingemeindeten DörferEine Reihe der heute zu Leutkirch eingemeindeten Dörfer (Reichenhofen, Herlazhofen, Wuchzenhofen) besaßen während der Frühen Neuzeit den Sonderstatus eines Reichsdorfes (siehe auch: Freie auf der Leutkircher Haid). Diepoldshofen wurde 1152 erstmals erwähnt. Im 13. Jahrhundert war es im Besitz der Klöster Baindt, Isny und Rot. Die Herrschaft oblag der Grafschaft Zeil, mit der der Ort 1810 an Württemberg fiel. Danach gehörte der Ort zunächst zur Oberschultheißerei Zeil innerhalb des Oberamts Leutkirch. 1820 wurde die Gemeinde Diepoldshofen gebildet, die bis 1849 zum fürstlich Waldburg-Zeilschen Amt gehörte, dann wieder zum Oberamt Leutkirch. Bei dessen Auflösung 1938 kam die Gemeinde zum Landkreis Wangen. Friesenhofen wurde um 1176 erstmals erwähnt. Im 14./15. Jahrhundert war der Ort im Besitz des Klosters Kempten. Das Gebiet bildete eine eigene Hauptmannschaft der Herrschaft Trauchburg, bei welcher die Landeshoheit lag. Ende des 18. Jahrhunderts verödete die Siedlung. 1805/07 entstanden die mehrere neue Siedlungen (Bachschwemme, Boschen, Bottentann, Speckenloch u. a.) 1806 kam das Gebiet an Württemberg und es wurde die Gemeinde Friesenhofen gebildet. Diese gehörte zunächst zum Oberamt Wangen, kam 1842 an das Oberamt Leutkirch und bei dessen Auflösung 1938 an den Landkreis Wangen. Gebrazhofen wurde 1249 als Egebrechtshoven erstmals erwähnt, doch ist nicht mit Sicherheit festzustellen, ob es sich dabei wirklich um den heutigen Ort handelt. 1353 wird ein Ort Geberatzhofen genannt. Der Ort bildete ein Amt der Landvogtei Oberschwaben. Es umfasste ein Gebiet, das König Rudolf 1291 zusammen mit der Grafschaft Zeil und der Stadt Leutkirch erworben hatte. 1415 wurde es in die Landvogtei Oberschwaben eingegliedert und unterstand dem Oberamt Altdorf. Ab 1802 war es zwischen Österreich und Bayern strittig, bis es 1806 an Bayern kam. 1810 wurde es württembergisch und in die Schultheißerein Gebrazhofen, Herlazhofen, Niederhofen, Tautenhofen und Wuchzenhofen aufgeteilt, die alle zum Oberamt Leutkirch gehörten. 1819 wurden Tautenhofen nach Herlazhofen und Niederhofen nach Wuchzenhofen eingegliedert, so dass nur noch drei Gemeinden bestanden. Diese kamen 1938 zum Landkreis Wangen. Herlazhofen wurde um 1246 als Erlandishovin erstmals erwähnt. Im 14. Jahrhundert kamt der Ort teilweise an die Herren von Hohentann und im 15. Jahrhundert an das Kloster Kempten. Später gehörte es zum Amt Gebrazhofen der Landvogtei Oberschwaben. 1806 unter bayerische und ab 1810 unter württembergische Verwaltung. Dann wurde Herlazhofen eine eigene Gemeinde im Oberamt Leutkich. 1819 wurde die Gemeinde Tautenhofen eingegliedert und 1938 kam die Gemeinde zum Landkreis Wangen. Hofs wurde 1359 erstmals genannt als es von Truchseß Otto von Waldburg an das Kloster Weingarten verkauft wurde. Der Ort gehörte dann zum Amt Ausnang, deren hohe Obrigkeit der Landvogtei Oberschwaben unterstand. Mit Weingarten kam das Amt Ausnang 1802 an Nassau-Oranien, 1804 an Österreich, 1806 an Bayern und 1810 an Württemberg. Ausnang war als Ort bereits im 18. Jahrhundert vereinödet. So entstand 1810 die Gemeinde Hofs innerhalb des Oberamts Leutkirch. 1938 kam die Gemeinde zum Landkreis Wangen. Reichenhofen wurde 1127 als Richehoven erstmals erwähnt. Im 14. Jahrhundert war der Ort Sitz der Herren von Trauchberg. Später hatten die Klöster Isny, Rot und Kempten Besitzungen. Schließlich das Spital Waldsee. 1756 vereinödete der Ort und andere Siedlungen entstanden. Die Landeshoheit über das Gebiet lag bei der Grafschaft Zeil. Mit dieser kam es 1806 an Württemberg und gehörte zunächst zur Schultheißerei Zeil-Zeil, wurde 1820 eine Gemeinde im fürstlichen Amt Waldburg-Zeil und Trauchburgischen Amt Zeil (bis 1849), gehörte aber seit 1810 zum Oberamt Leutkirch und kam 1938 zum Landkreis Wangen. Tautenhofen wurde nach 1094 als Tutenhofen erstmals erwähnt. Der Ort gehörte zum Amt Gebrazhofen der Landvogtei Oberschwaben und kam mit dieser 1810 an Württemberg. Danach war Tautenhofen eine selbstständige Gemeinde im Oberamt Leutkirch. 1819 wurde sie jedoch nach Herlazhofen eingegliedert und kam mit dieser 1938 zum Landkreis Wangen. Urlau wurde 834 als Urallon erstmals erwähnt. Besitzungen hatte das Kloster St. Gallen. Im 15. Jahrhundert gehörte es den Herren von Hohentann und dem Kloster Kempten. Die Kirche wurde kam über die Herren von Hohentann, die sie als Lehen des Hochstifts Würzburg hatten an die Memminger Familie Ammann. Schließlich kam es über die Augsburger Familie Feuchtwekk an die Herren von Laubenberg und 1700 an die Deutschordenskommende Altshausen. Winterstetten wurde 834 als Wintirsteti erstmals erwähnt. Das Gebiet war eine Hauptmannschaft der Herrschaft Trauchberg, welche die Landeshoheit ausübte. 1806 kam das Gebiet an Württemberg und 1820 wurde die gleichnamige Gemeinde im Oberamt Wangen gebildet. Dann kam sie zum Oberamt Leutkirch und 1938 (wieder) zum Landkreis Wangen. Wuchzenhofen wurde 1353 als Wuczenhofen erstmals erwähnt. Der Ort gehörte zum Amt Gebrazhofen der Landvogtei Obeschwaben und kam 1806 an Bayern und 1810 an Württemberg. 1811 entstand die Gemeinde Wuchzenhofen, in die 1819 die Gemeinde Niederhofen eingegliedert wurde. Sie gehörte stets zum Oberamt Leutkirch und kam 1938 zum Landkreis Wangen. EingemeindungenIn die Stadt Leutkirch im Allgäu wurden folgende Gemeinden eingegliedert:
EinwohnerentwicklungEinwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).
¹ Volkszählungsergebnis ReligionenDas Gebiet der heutigen Stadt Leutkirch gehörte anfangs zum Bistum Konstanz und war dem Archidiakonat Tannenfels, Dekanat "auf der Heide" unterstellt. Eine Kirche und Pfarrei wird bereits 788 erwähnt. 797 taucht sie als St. Martinskirche auf, die 1352 von König Karl IV. an das Stift Stams verschenkt wurde. Durch Tausch kam sie schließlich an das Kloster Weingarten. Die heutige Kirche wurde 1514/19 im spätgotischen Stil erbaut, der Turm hat noch romanische Überreste. 1814 erhielt die Kirche eine Zwiebelhaube auf ihrem Turm. Die Reformation fand in Leutkirch ab 1546 Einzug. Die Bevölkerung schloss sich dem Augsburgischen Bekenntnis und dem Schmalkaldischen Bund an. Die Folge waren langjährige Streitigkeiten mit dem Patronatsherrn der Pfarrkirche St. Martin, dem Kloster Weingarten. 1562 wurde zwischen beiden Parteien ein Vergleich geschlossen. Danach behielten die Katholiken die Pfarrkirche St. Martin, den Protestanten wurde die Spitalkirche zugesprochen. 1589 wurde diese baulich erweitert und heißt heute Gedächtniskirche. Das Spital selbst war 1418 gegründet worden. Die Zahl der Katholiken wurde jedoch nach diesem Vergleich begrenzt. 1613/15 baute sich die evangelische Gemeinde die Dreifaltigkeitskirche, den ersten protestantischen Kirchenbau zwischen Donau und Bodensee, die heutige evangelische Hauptkirche der Stadt. Architekt war Daniel Schopf, der eine Kirche im Stil von Heinrich Schickhardt schuf. Diese wurde 1857/60 neugotisch umgestaltet, doch wurde dies 1972/72 bis auf die Ausstattung wieder rückgängig gemacht. 1963 wurde das Markushaus erbaut. Neben den unten aufgeführten konfessionellen Gotteshäusern gibt es in Leutkirch auch einen ökumenischen Sakralbau: Im Juli 2002 wurde auf dem Winterberg nahe dem Ortsteil Tautenhofen die St. Galluskapelle als ökumenische Autobahnkapelle eingeweiht. Evangelische KirchengemeindeDie evangelische Kirchengemeinde Leutkirch blieb bis 1802 selbständig und wurde 1810 in die Evangelische Landeskirche in Württemberg eingegliedert und dem Dekanat Ravensburg zugeordnet. In der Gemeinde sind heute zwei Pfarrer tätig. In die Stadtteile Leutkirchs zogen vor allem nach dem 2. Weltkrieg auch evangelische Bewohner. Auch sie gehören zur Evangelischen Kirchengemeinde Leutkirch. Dabei finden in Unterzeil, Gebrazhofen und Friesenhofen regelmäßige Gottesdienste meist in den dortigen katholischen Kirchen oder Gemeindehäusern statt. Katholische KirchengemeindenDie katholische Gemeinde gehörten bis 1802 noch zum Bistum Konstanz. Dann wurde sie dem Ordinariat Ellwangen unterstellt, aus dem 1821/27 das neu gegründete Bistum Rottenburg (heute Rottenburg-Stuttgart) hervorging. Hier wurde Leutkirch Sitz eines Dekanats. Zu ihm gehören auch alle katholischen Kirchengemeinden in den Stadtteilen Leutkirchs, die nach der Reformation ausnahmslos katholisch blieben. Im Einzelnen gibt es in den Leutkircher Ortsteilen folgende katholische Kirchen:
Darüber hinaus gibt es einige Filialkirche und Kapellen, wie z.B. St. Leonhard Rimpach (erbaut 1765 unter Verwendung des gotischen Vorgängerbaus), Kapelle La Salette Engerazhofen (erbaut 1864 mit Schiff von 1889), Kapelle St. Johann und Paul Herlazhofen (erbaut 1603, im 19. Jahrhundert restauriert), Kapelle Ellerazhofen (erbaut 1845), Kapelle St. Veit Grünenbach (spätgotisch mit barockem Umbau), Kapelle Lanzenhofen (vermutlich 18. Jh.), Kapelle St. Silvester und Wendelin (1594 umgebaut), Kapelle zur Hl. Ottilie Raggen (neoromanisch, frühere Kapelle St. Agatha wurde 1902 abgebrochen), Kapelle Auenhofen (Baujahr unbekannt), Filialkirche St. Stephan Striemen (gotisch mit Erneuerung 1890), Kapelle St. Wolfgang (im gleichnamigen Weiler, 1427-67 erbaut), Kapelle Sebastianssaul (1675 erbaut), Kapelle St. Fridolin (erbaut 1934, Vorgängerbau aus dem 18. Jh.), Kapelle Balterazhofen, Kapelle Lauben (18. Jh.) und Kapelle Wielazhofen (erbaut 1883, erweitert 1954). Andere christliche GemeindenNeben den beiden großen Kirchen gibt es in Leutkirch auch Gemeinden, die zu Freikirchen gehören, darunter eine Evangelisch-methodistische Gemeinde. Auch die Neuapostolische Kirche ist in Leutkirch vertreten. PolitikGemeinderatBei der Kommunalwahl am 13. Juni 2004 ergab sich folgende Sitzverteilung:
BürgermeisterAn der Spitze der Freien Reichsstadt Leutkirch stand der vom königlichen Landvogt ernannte Amtmann. Die Bürger konnten dabei mitwirken. Daneben gab es auch einen erstmals 1311 erwähnten Rat, deren Mitglieder zugleich die Richter waren. Vorsitzender des Stadtgerichts war der Amtmann. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Zunftverfassung eingeführt. Danach nahm der von den Bürgern gewählte Bürgermeister den Vorsitz im Rat. Der Ammann war nur noch Vorsitzender des Gerichts. Neben dem Rat gab es dann noch den so genannten "Ausschuss" der "Zwanzig" als Vertreter der Zünfte. Später war der Ammann wieder Mitglied im Rat, dem ferner zwei Bürgermeister, drei Geheime und 9 Ratsherren angehörten. 1802 wurde die bayerische und ab 1810 die württembergische Verwaltung eingesetzt. Danach gab es einen Stadtschultheiß und den Rat. Seit 1935 wurde aus dem Stadtschultheiß der Bürgermeister, der seit der Erhebung zur Großen Kreisstadt 1974 die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister trägt. Heute wird der Oberbürgermeister für eine Amtszeit von 8 Jahren gewählt. Er ist Vorsitzender des Gemeinderats und Leiter der Stadtverwaltung. Der Oberbürgermeister hat einen (Ersten) Beigeordneten als hauptamtlichen Stellvertreter, der die Amtsbezeichnung "Bürgermeister" trägt. Daneben gibt es derzeit zwei ehrenamtliche Stellvertreter aus der Mitte des Gemeinderats (Wolfgang Wild CDU und Dr. Hans Schmid Freie Wähler). Die Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister seit 1802:
WappenDas Wappen der Stadt Leutkirch im Allgäu zeigt in Blau eine rot gedeckte silberne Kirche mit rechtsstehendem großem Turm mit Giebeldach und goldenem Kreuz sowie mit zwei linksstehenden kleinen Türmchen mit Kegeldächern; über dem Kirchendach in goldenem Schildchen ein doppelköpfiger schwarzer Adler. Die Stadtflagge ist blau-gelb. Das Wappen ist schon im Siegelabdruck aus dem Jahr 1382 zu sehen. Es handelt sich um ein "redendes Wappen" und bezieht sich auf die Kirche St. Martin, die Pfarrkirche ("Leutekirche") für ein weites Umland war. Der Adler deutet auf die frühere Reichsstadt hin. Im 19. Jahrhundert war der Adler teilweise durch die württembergischen Hirschstangen ersetzt, doch setzte sich schließlich wieder das heutige Wappen durch. Die Flagge wurde aus den Wappenfarben entnommen, doch hatte die Bürgergarde im Jahr 1832 ebenfalls eine Fahne in den gleichen Farben. StädtepartnerschaftenLeutkirch unterhält Städtepartnerschaften mit
Wirtschaft und InfrastrukturVerkehrLeutkirch liegt an der A 96, die von Lindau (Bodensee) nach München führt. Leutkirch liegt an der Bahnstrecke Augsburg–Lindau. Per Bahn ist die Stadt somit täglich im Zwei-Stundentakt (morgens und nachmittags teilweise auch stündlich) erreichbar. 1872 wurde die Bahnstrecke Kißlegg-Leutkirch und damit der Anschluss nach Aulendorf fertiggestellt (Württembergische Allgäubahn). 1874 wurde die Bahnstrecke Leutkirch–Isny, 1889 die Strecke Leutkirch-Memmingen eröffnet. Die Stadt ist mit einigen Buslinien u. a. mit Isny und Bad Wurzach verbunden und gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an. Der seit 1955 existierende Verkehrslandeplatz Leutkirch-Unterzeil (ICAO-Ortskennung: EDNL) erfreut sich großer Beliebtheit. Ansässige Unternehmen
MedienIn Leutkirch befindet sich seit 1945 Verlag und Zentralredaktion der Schwäbischen Zeitung. Behörden, Einrichtungen und JustizLeutkirch ist Sitz eines Amtsgerichts, das zum Landgerichtsbezirk Ravensburg und zum Oberlandesgerichtsbezirk Stuttgart gehört. Die Stadt ist auch Sitz des Dekanats Leutkirch des Bistums Rottenburg-Stuttgart, das zum Dekanatsverband Wangen-Leutkirch gehört. BildungseinrichtungenIn Leutkirch gibt es ein allgemein bildendes Gymnasium (Hans-Multscher-Gymnasium), eine Realschule (Otl-Aicher-Realschule), eine Förderschule (Don-Bosco-Schule), drei Grund- und Hauptschulen (Leutkirch, Gebrazhofen und Wuchzenhofen), eine selbständige Hauptschule (Diepoldshofen) und sechs selbständige Grundschulen (Engerazhofen, Friesenhofen, Oberer Graben, Herlazhofen-Willerazhofen, Nachbarschafts-Grundschule Reichenhofen und St.-Leonhard-Grundschule Ausnang). Der Landkreis Ravensburg ist Träger der beiden Beruflichen Schulen (Gewerbliche Schule Leutkirch mit Technischem Gymnasium und Sophie-Scholl-Schule - Haus- und Landwirtschaftliche Schule). Ferner gibt es eine Fachschule für Landwirtschaft und einen Schulkindergarten für besonders förderungsbedürftige Kinder Die private Schule für Erziehungshilfe St. Anna rundet das Schulangebot Leutkirchs ab. Kultur und SehenswürdigkeitenMuseenDas Heimatmuseum "Museum im Bock" zeigt Exponate der Stadt- und Handwerksgeschichte. Der Glashütte im ehemaligen Glasmacherdorf Leutkirch-Schmidsfelden ist ein Glasmuseum angegliedert. BauwerkeDie Leutkircher Altstadt ist in wesentlichen Teilen seit der Frühen Neuzeit erhalten geblieben und wirkt daher auf viele Besucher malerisch.
Schloss Zeil im gleichnamigen Weiler außerhalb der Kernstadt ist ein imposantes Renaissance-Bauwerk auf einem Hügel über Leutkirch. Es kann nur von außen besichtigt werden. Frei zugänglich ist jedoch die zum Schloßkomplex gehörende Pfarrkirche St. Maria. Im Ortsteil Rotis, einer Mühlenanlage, entwarf der Grafiker, Designer und Typograf Otl Aicher in den 1980er Jahren für seine Bürogemeinschaft einige Atelierhäuser. Hier finden heute noch Fachseminare statt. Zu den Kirchen und Kapellen im Stadtgebiet Leutkirchs siehe den Abschnitt Religionen. PersönlichkeitenEhrenbürgerDie Stadt Leutkirch im Allgäu hat folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen:
Söhne und Töchter der Stadt
Sonstige Persönlichkeiten
Literatur
Texte und Bilder stammen ganz oder teilweise aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht somit ganz oder teilweise unter der GNU Lizenz. Eine Liste der Autoren und Fotografen, sowie den Originaltext finden Sie hier. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
