Martinsheim in Bayern


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Kitzingen
Verwaltungsge-
meinschaft:
Marktbreit
Koordinaten: 49° 37′ N, 10° 9′ O
Höhe: 286 m ü. NN
Fläche: 23,22 km²
Einwohner: 1045
Bevölkerungsdichte: 45 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97340
Vorwahlen: 09332 bzw. 09339
Kfz-Kennzeichen: KT
Gemeindeschlüssel: 09 6 75 150
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktstr. 4
97340 Marktbreit
Webpräsenz: www.martinsheim.de
Bürgermeister: August Hopf

Martinsheim ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Kitzingen und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Marktbreit.

Geografie

Martinsheim, ein typisches Haufendorf, liegt in Unterfranken an der Grenze zu Mittelfranken und ist die südlichste Gemeinde im Landkreis Kitzingen zwischen dem Ochsenfurter Gau und dem Steigerwald. .

Geschichte

Das heutige Martinsheim scheint bereits vor 3000 Jahren in der Jungsteinzeit zum ersten Mal besiedelt worden zu sein. Davon zeugt der Fund eines Steinbeils aus der Jungsteinzeit.

Namenspatron des Ortes ist der heilige Martin, einer der wichtigsten Heiligen für Franken und Patron der einst außerhalb des Dorfes liegenden, verschwundenen Martinskapelle.

Von 1448 bis 1791 gehörte Martinsheim zu den sechs Maindörfern (Marktsteft, Obernbreit, Martinsheim, Gnodstadt, Oberickelsheim, Sickershausen), die wirtschaftlich eng verbunden waren. Im Jahre 1528 nahm man in Martinsheim den evangelischen Glauben an. Im März 1636 wurden während des 30-jährigen Krieges durch einen Großbrand 40 Höfe, dazu Kirche, Rat- und Schulhaus und der Pfarrhof vernichtet. Ursache waren glühende Kohlestücke, die ein Mädchen im Kirchhof verloren hatte. Deshalb existieren aus der Zeit vor dem Krieg nur wenige Urkunden. Im Zeitraum von 1667 bis 1677 wurde die Kirche neu aufgebaut.

Martinsheim fiel im Vertrag von Paris (Februar 1806) mit dem 1792 preußisch gewordenen Fürstentum Ansbach durch Tausch an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Am 28. März 1945 fiel die Kirche amerikanischen Bomben zum Opfer. In den Jahren 1947-50 wurde die jetzige Dorfkirche (Burchardiskirche) im neuromanischen Baustil errichtet.

1978 kam Martinsheim als Großgemeinde mit den Ortsteilen Enheim, Gnötzheim und Unterickelsheim zur Verwaltungsgemeinschaft Marktbreit.

Martinsheim Das im 9. Jahrhundert in Würzburger Quellen erstmals genannte Haufendorf mit dem Namen „Mercenesheim” geht wohl eher auf einen merowingerzeitlichen Ortsgründer „Merceno” zurück, als auf eine am östlichen Ortrsrand abgegangene Martinskirche, die Weigel als Urzelle ansieht.

Nach den Edelherren von Endsee (1226) fassten um 1300 die Hohenlohe-Brauneck hier Fuß und beherrschten auch die Untertanen der Würzburger Dompropstei. Von ihren Erben kam der Ort 1448 als eines der sechs Maindörfer mitsamt dem Amt Creglingen an die Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach und mit ihr 1806 an Bayern. Ein eigener Ortsadel ist von 1290 bis 1357 nur schemenhaft erfassbar. Weitere Adelshöfe der Ehenheim und Tanner lagen in der 1821 abgebrochenen Kirchenburg von St. Burkhard. Dieses mittelalterliche Gotteshaus wurde nach der Reformation und mehrfachen Bränden 1949 weitgehend neu errichtet und gehörte ursprünglich zur Pfarrei Gnodstadt. Auffällig ist seit dem Mittelalter eine relativ große Anzahl von Handwerkern im Dorf. 1857 kam der Ort nach Unterfranken und ersetzte die alte Schule 1961/62 durch einen Neubau und legte damit eine der Grundlagen zur Aufwertung als Sitz einer Großgemeinde von vier Dörfern 1978.

Literatur: H. Bauer, Landkreis Kitzingen, Ein Kunst- und Kulturführer, Kitzingen 1986, S. 96. E. Bünz, Die Herren von Endsee, Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 59, Heft 2, 1996, S. 420, 441. F. Mägerlein, Das Maindorf Martinsheim, Im Bannkreis des Schwanbergs 1981, S. 213-222 und Jg. 1982, S. 210-218. O. Selzer, Martinsheim, in: H. Bauer, Landkreis Kitzingen, Kitzingen 1984, S. 583f. W. Stadelmann, Die Herren von Ehenheim, Teil I (1230-1450), MS, S. 608f. H. Weber, Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken, Heft 16, Kitzingen, München 1967, S. 19, 22f, 50, 70, 169, 218. A. Wendehorst, Das Bistum Würzburg, Teil I, Die Bischofsreihe bis 1254, Berlin 1962, S. 41.


Enheim Die Gründung der frühfränkischen Siedlung „Ehenheim” im 6. Jahrhundert ist seit den Ausgrabungen des zugehörigen Reihengräberfeldes 1994/96 archäologisch gesichert. Das Dorf selbst wurde 1230 mit seinem Ortsadel erstmals urkundlich erwähnt. Diese Familie breitete sich von ihrem (verschwundenen) Stammsitz als Hohenloher, später Würzburger und Ansbacher Dienstmannen weit in Franken aus (um 1350 19 Linien!) und erlosch 1645 im Mannesstamm. Der Ort selbst kam von den Hohenlohe (1308) auf noch ungeklärtem Weg 1448 an Brandenburg-Ansbach und wurde von den Markgrafen 1474-1599 an die von Ehenheim verliehen, bevor es bis 1806/1857 vom Amt Uffenheim aus verwaltet wurde. Die Kirche St. Maria wurde 1366 eine eigene Pfarrei, aber schließlich 1860 durch ein großes neugotisches Gotteshaus ersetzt und gehört heute wieder zur Mutterpfarrei Gnodstadt. Das Dorf erlebte nach der Reformation (1552) als Rittergut und dann wieder im 18. Jahrhundert eine gewisse Blüte, aus der noch einige Bauten im Markgrafen-Rokoko erhalten sind (Pfarrhaus 1756, Pyramide 1783, Rathaus 1786). Das Bild des Ortes, der seit 1857 zu Unterfranken gehört, ist heute geprägt von den großen Sandsteinhäusern eines im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ortsansässigen Bau-Unternehmens mit eigenem Steinbruch. Der nahe Anschluss an die Autobahn A 7 und die Erschließung eines Baugebietes an der Gnodstadter Straße hat die Einwohnerzahl in den letzten 30 Jahren wieder steigen lassen.

Literatur: H. Bauer, Landkreis Kitzingen, Ein Kunst- und Kulturführer, Kitzingen 1986, S. 96. O. Selzer, Enheim, in: H. Bauer, Landkreis Kitzingen, Kitzingen 1984, S. 584f. W. Stadelmann, Ein Gang durch die Geschichte Enheims, Schwarzenbruck 1994. W. Stadelmann, Von Ehenheim zu Enheim, Heft-Dokumentation zur 775-Jahrfeier 2005, Schwarzenbruck 2006. H. Weber, Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken, Heft 16, Kitzingen, München 1967, S. 51, 63f, 70, 161, 218.


Gnötzheim 1137 wurde der Ort als Erbe des Willanzheimer Edelherrn Gerung erstmals im Streit mit dem Würzburger Domkapitel genannt und bildete um 1300 ein Amt der Dompropstei. Der Großteil des Ortes gehörte jedoch zum Rittergut der Adelsfamilien von Seinsheim (1300/1327-1387), von Seckendorff (1390-1426) und von Rosenberg (1426-1632), bevor es schließlich nach deren Aussterben 1646 an die Grafen von Schwarzenberg kam. Vom mehrfach zerstörten (1418, 1523, 1645) Schloß steht noch die 1562 erbaute Zehntscheune und ein Rundturm, die älteste Ansicht des Baukomplexes ist ein Holzschnitt von der Belagerung 1523. Die bedeutende romanische Kirche des 12. Jahrhunderts wurde spätgotisch und in der Renaissancezeit umgestaltet und enthält noch zwei Rosenberg-Grabsteine des 16. Jahrhunderts. Während eine Markterhebung Mitte des 14. Jahrhunderts am Einspruch der Hohenlohe-Brauneck scheiterte, erhielt der Ort durch den Anschluß an die Bahnlinie Würzburg-Ansbach 1867 mehr wirtschaftliche Bedeutung. Seit 1932 gehört das endgültig Dorf zum Landkreis Kitzingen bzw. Unterfranken und kann seit 1976 ein eigenes Freibad sein Eigen nennen.

Literatur: H. Bauer, Landkreis Kitzingen, Ein Kunst- und Kulturführer, Kitzingen 1986, S. 97. H. Gräf/H. Wilhelm, 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Gnötzheim, 1980. E. Fuchshuber, Historisches Ortsnamenbuch Bayern, Lk Uffenheim, S. 72ff, Nr. 46. Monumenta Boica, Band 37, Nr. 82; Band 38, Nr. 140. Regesta Herbipolensa III, Nr. 326. O. Selzer, Gnötzheim, in: H. Bauer, Landkreis Kitzingen, Kitzingen 1984, S. 585f. Staatsarchiv Würzburg, Standbuch 823, fol. 39; Standbuch 834, fol. 314f; Standbuch 835, fol. 194; Th. Steinmetz, Conterfei etlicher Kriegshandlungen von 1523 bis 1527, Beiträge zur Geschichte des Odenwaldes IV, Breuberg 1986, S. 375f und Abb. VIII.


Unterickelsheim Die gemeinsame Urzelle der Nachbarorte Ober- und Unterickelsheim war das im 9. Jahrhundert genannte „Itolfesheim”, das damals zum Kloster Fulda gehörte. Um 1170 kamen Güter der Edelfreien von Endsee und von Neuenburg an das Kloster Kitzingen, das 1245 ein Vorwerk und eine Mühle in Unterickelsheim betrieb. Unklar bleibt bisher noch die Epoche der hohenlohischen Herrschaft im 13. und 14. Jahrhundert. 1431 kam der Ort als „Rittergut” der Zobel an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und wurde bis 1806/1972 von Uffenheim aus verwaltet. Die ursprünglich spätromanische Nikolauskirche wurde gotisch verändert und 1453 eine eigene Pfarrei. Nach der Reformation mit Geißlingen verbunden wurde sie 1759 vergrößert und zur selben Zeit ein Pfarrhaus erbaut.

Literatur: H. Bauer, Landkreis Kitzingen, Ein Kunst- und Kulturführer, Kitzingen 1986, S. 97f. E. Bünz, Die Herren von Endsee, Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 59, Heft 2, 1996, S. 416f, 441. E. Fuchshuber, Historisches Ortsnamenbuch Bayern, Lk Uffenheim, S. 204f, Nr. 143. Die Belege von 1171, 1178 und 1245 beim Ortsartikel Oberickelsheim, S. 152, Nr. 105 beziehen sich in Wirklichkeit auf Unterickelsheim, weil es nur dort eine Mühle gab und nur hier später Besitz des Klosters Kitzingen nachweisbar ist. Leikert, Für unsere Gemeinden im Dekanat Uffenheim, Heft 2, 1995. O. Selzer, Unterickelsheim, in: H. Bauer, Landkreis Kitzingen, Kitzingen 1984, S. 586f. Staatsarchiv Würzburg, Standbuch 832, fol. 174; Standbuch 839, fol. 187.


Anmerkung: Die Ergänzung der historischen Angaben stammen von Walter Stadelmann, Rummelsberg walter.stadelmann@web.de

Politik

Bürgermeister ist seit 2003 August Hopf (FrWähler/FrWgemG/FrWgemU/WgemE), der dem nach 39 Jahren im Amt verstorbenen Erich Ott nachfolgte.

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 360 T€, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 26 T€.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 69 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 301. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine, im Bauhauptgewerbe 3 Betriebe.

Handwerkliche Betriebe: 1956: 17 1968: 10 1977: 5 2006: 4

Land- und Forstwirtschaft: 1971: 142 1977: 133 1979: 129 1999: 78 2006:  ?

Die Gemarkung von Martinsheim beträgt 812ha, davon 50ha Wald und 3ha Weinanbaugebiet.

Öffentliche Einrichtungen

  • Grundschule: gegründet 1549, seit der Zeit der Reformation
  • Kindergarten: gegründet 1949, Neubau 2000
  • Freibad (Gnötzheim)
  • Wirtschaft u. Sportheim (von der Bevölkerung geführt)



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Informationsportal über Martinsheim in Bayern - 25.5.2012