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Neckarbischofsheim ist eine kleine Stadt im Kraichgau in Baden-Württemberg und liegt etwa 25 km südöstlich von Heidelberg am Südrand des Odenwaldes. Die Gemeinde gehört ferner dem Gemeindeverwaltungsverband Waibstadt und der Tourismusregion Brunnenregion an. Zu Neckarbischofsheim gehört die Siedlung Helmhof (gegründet im 18. Jhd.) sowie seit 1971 die vormals selbstständige Gemeinde Untergimpern. GeschichteVerschiedene Kleinfunde im Krebsbach-Tal lassen innerhalb der heutigen Stadtgrenzen auf eine fast 2000 Jahre alte Besiedlung vermutlich römischen Ursprungs schließen. Aus fränkischer Siedlungszeit um 500 n.Chr. sind Gräberfelder im benachbarten Bargen erhalten. Im Jahr 988 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt: König Otto III. verlieh dem Bischof von Worms in der "Wildbannurkunde" das Fischerei- und Jagdrecht in "Biscovesheim". Im Jahr 1223 schenkte König Heinrich VII. den nahegelegenen Großen Forst (heute: Stadtforst) der Stadt Wimpfen, die diesen bis 1952 bewirtschaftete. Im Hochmittelalter war der Ort kaiserlicher Lehensbesitz der Herren von Helmstatt, später wurde der Ort Wormser Lehensbesitz. Diether von Helmstatt erhielt die Burg in Neckarbischofsheim von Rudolf von Habsburg als Reichslehen, Raban I. von Helmstatt († 1334), der die Stadt bereits als Wormser Lehen inne hatte, gilt als Stammvater von Bischofsheim. Am 24. Juni 1378 erwarb Wiprecht I. (genannt Wiprecht der Alte) von Helmstatt für 5000 Gulden von seinem Bruder Raban III. dessen „Theil an Burg und Stadt zu Bischofsheim”. Im erhaltenen Kaufbrief wurde Bischofsheim erstmals urkundlich als Stadt erwähnt, war also inzwischen massiv befestigt worden. Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung mit Mauern, Stadttoren und Türmen ist heute im Wesentlichen nur noch der fünfeckige "Hohe Turm" (1448) erhalten. Ein östlich des Schlosses stehender, im 19. Jahrhundert zum Aussichtsturm umgebauter Turm wurde 1961 beim Bau des Kindergartens gesprengt, zwei weitere Türme sind nur noch anhand von Fundamentresten nachweisbar, ebenso die Stadtmauern und Stadttore. Bei der Befestigung der Stadt im 14. Jahrhundert wurde der Krebsbach umgeleitet, der die mittelalterliche Stadt künftig als Stadtgraben umfloss. Durch die Erweiterung der Stadtgrenze im späten 15. Jahrhundert entstand die so genannte "Hinterstadt". Unter den Herren von Helmstatt entstanden viele wichtige Gebäude: Totenkirche (13. Jhd.), Rathaus, Zehntscheune und Backhaus (erwähnt um 1380), Marienkapelle (1386), Alexanderschloss (nach 1420). Die meisten Kirchenbauwerke datieren ebenfalls auf die Zeit der Herren von Helmstatt zurück. Ihr Wappen (Schild mit Rabenfigur bekrönt von einem Helm mit Büffelhörnern) ist an zahlreichen Bauten bis heute erhalten. 1525/26 wird von den Herren von Helmstatt die Reformation vollzogen, etwa zur selben Zeit wurde eine Lateinschule in der Stadt gegründet. 1574 und 1575 wütet die Pest in der Stadt. Während des Dreißigjährigen Kriegs hatte Tilly vom 6. März bis 4. April 1622 sein Hauptquartier im "Steinernen Haus" und begann hier mit den Vorbereitungen zur Belagerung Heidelbergs. Tilly flüchtete jedoch, als am 3. April 1622 Pfälzer Truppen von Osten nach Bischofsheim vordrangen. 1634 überfielen kaiserliche Reiter, 1638 belagerten die Kroaten und 1645 die Franzosen die Stadt, die auch an Hungersnöten und erneut an der Pest zu leiden hatte. Während des Krieges waren Flüchtlinge aus den umliegenden unbefestigten Dörfern, speziell aus Untergimpern, im Alexanderschloss einquartiert. Im 18. Jahrhundert wuchs die Stadt stark an und dehnte sich überall über die Grenzen der mittelalterlichen Befestigung aus. Die Stadtgräben versumpften und fielen trocken, die mittelalterlichen Stadttore wurde 1826 abgerissen. Bereits 1710 bis 1712 entstand die außerhalb gelegene Helmhof-Siedlung im Krebsbachtal, die dem knappen Raum in der Kernstadt geschuldet war, und in der sich Forstarbeiter niederließen. Durch die Gründung des Großherzogtums Baden durch Napoleon im Jahr 1806 ergab sich die Notwendigkeit einer Namensänderung, weil es innerhalb des Großherzogtums plötzlich drei Orte mit der Bezeichnung "Bischofsheim" gab. Neben Tauberbischofsheim und Rheinbischofsheim erhielt so die Stadt Neckarbischofsheim ihren neuen Namen, die 1813 Sitz eines Bezirksamts wurde. In der Folgezeit wurden Bezirksamtsgebäude (1825), Forsthaus, neues Schloss (1829), neues Rathaus (1843) und Schilgebäude am Marktplatz (1850) errichtet. 1864 wurde das Bezirksamt Neckarbischofsheim aufgelöst. Um 1830 bildete sich die Rittergesellschaft in Neckarbischofsheim, ein von den örtlichen Bürgern ins Leben gerufener Geselligkeitsverein[1], aus dem am 23. Februar 1835 die Kasinogesellschaft hervorging, die bis 1932 bestehen sollte und die durch finanzielle Unterstützung die Gründung von Gesangvereinen und einer Bibliothek ermöglichte. Nach zwei Missernten 1846 und 1847 nahmen die Badischen Agrarunruhen in Neckarbischofsheim ihren Anfang, die zu den Ursprüngen der Revolution von 1848 gezählt werden. Am 3. März 1848 und an den Folgetagen kam es wiederholt zu Ausschreitungen aufgebrachter Bauern gegen wohlhabende Bischofsheimer Juden, die zu dieser Zeit gerade eine Synagoge in der Stadt errichteten. In der Nacht vom 1. zum 2. November 1859 zerstörte "Der große Brand von Neckarbischofsheim" im Südteil der Stadt ein Sechstel der alten Häuser. 1885 wurde auf Veranlassung von Bürgermeister Neuwirth ein "Verein zur Hebung der Stadt" begründet. Dieser spätere "Verschönerungsverein" legte Fußwege an, stiftete Parkbänke und pflanzte Bäume, da man sich Hoffnungen auf eine Erhebung zum Kurort machte. Aus diesem Verein ging der spätere "Verein für Heimatpflege" hervor, der sich um die Aufarbeitung der Stadtgeschichte verdient gemacht hat. 1900-1902 wurde die Nebenbahn Neckarbischofsheim-Hüffenhardt eröffnet und ein Krankenhaus erbaut. 1906 wurde die Sanitätskolonne Neckarbischofsheim gegründet, aus der der heutige Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes hervorging. Bei der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge der Stadt zerstört. Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten in Neckarbischofsheim lebenden Juden von der Gestapo verhaftet und nach Gurs deportiert.[2] Ab September 1944 befand sich in Neckarbischofsheim ein Unterkommando des Außenlagers Neckarelz des KZ Natzweiler. Hierzu wurden im Wiesental mehrere Unterkunfts- und Wirtschaftsbaracken errichtet. Ende März 1945 wurde das Lager aufgelöst, die Gefangenen erst nach Neckarelz und weiter nach Dachau verbracht. Der Bahnhof Neckarbischofsheim-Nord wurde wegen seiner kriegswichtigen Bedeutung aufgrund der nahen Heeresmunitionsanstalt in Siegelsbach und Obergimpern wiederholt zum Ziel von Tiefflieger-Angriffen. Im Januar 1946 errichtete die Firma Franz Derscheid aus Mannheim in den früheren Wirtschafts- und Verwaltungsbaracke des KZ-Unterkommandos beim Nordbahnhof ein Sägewerk, für das im Jahr 1947 ein Anschlussgleis gebaut wurde. In weiteren Baracken wurden viele der fast 900 Heimatvertriebenen untergebracht, die nach dem Krieg in die Stadt gekommen waren. Das Barackenlager bildete den Grundstock für den Waibstadter Ortsteil Bernau und die zu Neckarbischofsheim gehörende Schwarzbachsiedlung. Ebenfalls in die Nachkriegszeit fällt die Gründung einer Landwirtschaftsschule in Neckarbischofsheim, die bis 1967 bestehen sollte. 1966 starb die Neckarbischofsheimer Linie der Herren von Helmstatt aus und viele frühere Besitztümer derer von Helmstatt wurden in den Folgejahren von der Stadt erworben. Bei der Auflösung des Landkreises Sinsheim Ende 1972 kam Neckarbischofsheim mit den am 1. Januar 1971 eingemeindeten Stadtteilen Helmhof und Untergimpern zum neu geschaffenen Rhein-Neckar-Kreis. Infolgedessen wurden Amtsgericht, Forstamt und Krankenhaus aufgelöst und der Notariatsbezirk verkleinert. Von 1976 bis 1998 fand eine umfassende Sanierung des Ortskerns statt. 1994 wurde die Stadt jedoch vom so genannten "Jahrtausendhochwasser" heimgesucht, so dass weitere Sanierungsmaßnahmen nötig wurden. PolitikGemeinderatDer Gemeinderat hat 14 Sitze. Seit der Wahl 2004 gehören acht der SPD/FW an und sechs der CDU/UW. WappenDie Blasonierung des Wappens lautet: In Silber auf grünem Boden stehend ein Bischof mit silberner Albe, rotem Mantel mit silbernem Kragen und goldener Schließe, golden bordierter roter Mitra und schwarzen Schuhen, in der Rechten einen schräglinken goldenen Krummstab mit der Krümme nach links haltend, in der Linken ein aufgeschlagenes goldenes Buch haltend. Das Wappen geht zurück auf ein Gerichtssiegel aus dem Jahr 1766, das "redend" auf den Ortsnamen verwies. Die heutigen Farben wurden erst 1950 festgelegt, zeitgleich mit der Wiederverleihung der Stadtrechte, die in den 30ern entzogen worden waren. Die Flagge ist Rot-Weiß und wurde 1963 vom Innenministerium verliehen. StädtepartnerschaftenNeckarbischofsheim unterhält eine Partnerschaft mit der französischen Stadt La Chapelle-Saint-Luc (Département Aube) und mit der russischen Stadt Pereslawl-Salesski. Kultur und SehenswürdigkeitenBaudenkmälerÜber die Jahrhunderte hinweg haben sich in Neckarbischofsheim eine Reihe sehenswerter Baudenkmäler und die Überreste einer mittelalterlichen Befestigungsanlage erhalten, die eine reiche geschichtliche Vergangenheit widerspiegeln:
FreizeitDie ausgedehnten Wälder, die oft bis dicht an die Stadt heranreichen, laden auf gut ausgebauten Wegen zu Spaziergängen ein. Das inmitten des 600 ha großen Forstwaldes gelegene "Forsthaus" ist ein lohnendes Ziel. Zur weiteren Freizeitgestaltung stehen ein Hallen- und ein vom Turnverein betriebenes Freischwimmbad, zwei Sportanlagen, eine Schieß- und Reitanlage sowie eine Kegelbahn zur Verfügung. Für die jüngsten Besucher gibt es mehrere Spielplätze. Einer davon als Abenteuerspielplatz im "Steinigten Bergwald" mit Wanderparkplatz und Grillgelegenheit. Wirtschaft und InfrastrukturMit Ende des 2. Weltkrieges kamen fast 900 Heimatvertriebene und Flüchtlinge, die Arbeit und Unterkunft suchten, in die Stadt. Durch die Ansiedlung mehrerer lndustriebetriebe und eine intensive Bautätigkeit gelang es im Laufe der Jahre, diese Aufgabe zu bewältigen. LandwirtschaftDie erste Flurbereinigung schuf 1870-1880 bessere Voraussetzungen für die Landwirtschaft, indem die starke Parzellierung der Felder beseitigt und die etwa 29.000 Parzellen neu auf 9.000 Parzellen verteilt wurden. Bis in die 1960er Jahre war Neckarbischofsheim überwiegend agrarwirtschaftlich geprägt. VerkehrBereits 1862 entstand die Schwarzbachtalbahn nach Aglasterhausen im Zuge der damaligen Fernverbindung Heidelberg - Würzburg, sowie eine Zweigstrecke nach Hüffenhardt (Krebsbachtalbahn). Die Schwarzbachtalbahn wird bis 2009 elektrifiziert und in das Netz der S-Bahn RheinNeckar aufgenommen, wodurch eine umsteigefreie Verbindung nach Heidelberg und Mannheim entsteht. Über Sinsheim besteht ein Anschluss an die Bundesautobahn 6. BildungNeben verschiedenen Kindergärten gibt es ein modernes Schulzentrum mit Grund- und Hauptschule, dem Adolf-Schmitthenner-Gymnasium und zwei Turnhallen. Persönlichkeiten
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