Neustadt in Niedersachsen


Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Region Hannover
Koordinaten: 52° 30′ N, 9° 28′ O
Höhe: 36 m ü. NN
Fläche: 357 km²
Einwohner: 45.711
Bevölkerungsdichte: 128 Einwohner je km²
Postleitzahl: 31535
Vorwahlen: 05032, 05034, 05036, 05072, 05073 und 05074
Kfz-Kennzeichen: H
Gemeindeschlüssel: 03 2 41 012
Stadtgliederung: 34 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Nienburger Straße 31
31535 Neustadt a. Rbge.
Bürgermeister: Uwe Sternbeck (Grüne)

Neustadt am Rübenberge ist eine Stadt der Region Hannover in Niedersachsen, zwischen Bremen und Hannover.

Der Name der Stadt wird als Neustadt a. Rbge. abgekürzt

Geographie

Geographische Lage

Die Stadt liegt an der Leine und nordöstlich des Steinhuder Meeres. Neustadt gehört mit einer Fläche von 357 km² zu den flächengrößten Städten in Deutschland. Dies ist genau ein tausendstel der Fläche Deutschlands.

Nachbargemeinden

Neustadt grenzt an die Wedemark, an Garbsen und Wunstorf, sowie an die Landkreise Nienburg/Weser und Soltau-Fallingbostel (im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten).

Stadtgliederung

Neustadt besteht aus der Kernstadt (der früheren Kreisstadt) mit etwa 18.000 Einwohnern (2006) und den folgenden 35 umliegenden Dörfern, die auch unter dem Namen "Neustädter Land" zusammengefasst werden:

  • Amedorf
  • Averhoy
  • Basse
  • Bevensen
  • Bordenau
  • Borstel
  • Brase
  • Büren
  • Dudensen
  • Eilvese
  • Empede
  • Esperke
  • Evensen
  • Hagen
  • Helstorf
  • Himmelreich
  • Laderholz
  • Lutter
  • Luttmersen
  • Mandelsloh
  • Mardorf
  • Mariensee
  • Metel
  • Niedernstöcken
  • Nöpke
  • Otternhagen
  • Poggenhagen
  • Scharrel
  • Schneeren
  • Stöckendrebber
  • Suttorf
  • Vesbeck
  • Warmeloh
  • Welze
  • Wulfelade

Zu mehreren Ortsteilen (z. B. Amedorf, Basse, Bordenau, Evensen, Helstorf, Laderholz, Mandelsloh, Mariensee, Niedernstöcken, Nöpke, Stöckendrebber, Vesbeck und Warmeloh) liegen Dorfchroniken zu deren Geschichte und heutiger Struktur vor.

Geschichte

Mittelalter

Von der Steinzeit über das Mittelalter bis heute war das Land in und um Neustadt von Menschen besiedelt. Die Stadt "Neustadt am Rübenberge" ist gegen 1200 das erste Mal in einem offiziellen Schriftstück erwähnt, in dem sie "nova civitas" und damit in der Übersetzung "neue Stadt" genannt wurde. Zu dieser Zeit gehörte das Land zu der Grafschaft Wölpe, die in Neustadt die ersten Wölper Silberpfennige prägen ließ. Graf Bernhard von Wölpe stiftete das Zisterzienserinnenkloster "Kloster Mariensee", in dem Nonnen weltabgeschieden lebten.

1302 wurde die Grafschaft an Herzog Otto von Braunschweig verkauft. Die Festung erhielt 1493 den Namen "castrum Rouenberg". Dieser Name wurde im Laufe der Jahre durch die Veränderung der Sprache in "Rübenberg" umgeformt. Über die Bedeutung des ursprünglichen Namens ist man sich nicht einig; es wird vermutet, daß der Rouenberg eine flache Erhebung des Landes war.

16. Jahrhundert

1505 machte sich der 35-jährige Herzog Erich I. von Calenberg, der auf der Neustädter Burg geboren wurde, Neustadt zum zweiten Regierungssitz. Teile der Rouenburg fielen 1563 einem Brand zum Opfer. Sein Sohn Herzog Erich II. der Jüngere begann 1573 mit dem Wiederaufbau. Er gab der Burg (die nun zu den stärksten Festungen im nordwestdeutschen Raum zählte) und der Stadt den Namen „Landestrost”. Diesen Namen behielt allerdings nur die Burg bei, nach dem Tod des Herzogs nahm die Stadt ihren ursprünglichen Namen wieder an. Nachdem Neustadt und das umliegende Land 1543 evangelisch-lutherisch geworden war, ergab es sich 1626 dem kaiserlich-katholischen Feldherrn Tilly nach einer 15-tägigen Belagerung. 1627 wurde Neustadt während des Dreißigjährigen Kriegs drei Monate lang belagert und danach bis 1635 besetzt. Beim dritten und größten Stadtbrand 1727 wurden 100 der 108 Wohnhäuser der Stadt zerstört, und in den zwei darauf folgenden Jahren war Neustadt nach heutigem Grundriss wieder aufgebaut.

19.Jahrhundert

Hundert Jahre später, 1847, hielt am 12. Dezember die erste Eisenbahn am Neustädter Bahnhof. Der Zug fuhr die Strecke Bremen/Hannover. 1855 werden die Bürger Neustadts das erste Mal von dem Amtsgericht Neustadts vertreten.

1873 erlitt die Stadt einen großen industriellen Verlust. Man hatte versucht, den Torf aus dem toten Moor an Stelle von Steinkohle zur Stahlerzeugung zu nutzen. Die optimistischen Kalkulationen über die Verheizung und über mögliche Umsätze bei weiteren Stahlwerken waren aber völlig verfehlt, und schon nach kurzer Zeit ging die Firma in die Pleite. Betroffen davon waren aber auch die Neustädter Bürger, da sowohl eine Anzahl von Arbeitsplätzen verlorenging als auch teure Investitionen des Ortes nun nutzlos wurden.

1885 wurde der Landkreis Neustadt am Rübenberge gegründet. Er umfasste unter anderem auch die Grafschaft Wölpe. Innerhalb der nächsten 30 Jahre wurden in Neustadt die ersten Schulen und die erste geschlossene Siedlung errichtet. Nach zweijähriger Bauzeit wurde 1913 der 250 m hohe "Funkenturm", seinerzeit das höchste deutsche Bauwerk, in der Neustädter Ortschaft Eilvese eingeweiht. Von hier wurde der erste Funkkontakt zwischen Europa und den USA hergestellt. Zu diesem Ereignis war Kaiser Wilhelm II Gast in Neustadt und Eilvese. Zwischen 1913 bis zum Abriss 1931 übermittelte der Sender Telegramme nach Übersee. Heute sind noch Fundamentreste der Anlage zu sehen.

20. Jahrhundert

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Bewohnerzahl der Stadt sprunghaft an, da Neustadt von den Zerstörungen des Krieges größtenteils verschont geblieben war und viele Flüchtlinge und Vertriebene hier Zuflucht suchten.

Zerstört wurde in Neustadt lediglich die heutige Löwen-Brücke. Sie wurde 1945 von der Wehrmacht teilweise gesprengt, als englische Truppen auf dem Vormarsch Richtung Hannover waren.

Noch bis 1948 war der Stadtwall nahezu vollständig erhalten geblieben, der aber auf Grund des immensen Platzmangels (das Wallinnere betrug gerademal 1 km²) weichen musste. Im Zuge der Innenstadtsanierung änderte sich der Verkehrsfluss in Neustadt im Jahr 1981. Eine neue Betonbrücke nimmt nun die Verkehrslast an der historischen Innenstadt vorbei auf. Nach dem 2. Weltkrieg existierte in Poggenhagen das Flüchtlingsjugendlager Poggenhagen.

In den 1960er Jahren hatte Neustadt soviele Einwohner, dass ein Gymnasium gebaut werden konnte und die Schüler nicht mehr in die Nachbarstädte Nienburg oder Wunstorf fahren mussten, einige Jahre später kam dann noch eine Kooperative Gesamtschule hinzu. Ferner wurden mehrere Sportanlagen (Sport-, Tennisplätze und das Hallenbad) errichtet. Als damalige Kreisstadt erhielt Neustadt sogar ein neues Kreiskrankenhaus. Bei der "Kreisreform" am 1. April 1974 ist der Landkreis Neustadt am Rübenberge aufgelöst und mit anderen Landkreisen zum Kreis "Hannover-Land" zusammengelegt worden. Am 1. November 2001 verschmolz dieser mit der Stadt Hannover zur Region Hannover.

Bis zum 31. Dezember 2004 gehörte Neustadt am Rübenberge zum ehemaligen Regierungsbezirk Hannover, der wie alle anderen niedersächsischen Regierungsbezirke aufgelöst wurde.

Das Kfz-Kennzeichen des ehemaligen Landkreises Neustadt/Rbge. war NRÜ. Man sieht es zuweilen noch heute (2006) an Fahrzeugen, die vor der Gebietsreform (s.o.) für den Straßenverkehr zugelassen wurden. Hierbei handelt es sich überwiegend um land- und forstwirtschaftlich genutzte Fahrzeuge und Anhänger.

Einwohnerentwicklung

(jeweils zum 31. Dezember)

  • 1998 - 44.566
  • 1999 - 44.704
  • 2000 - 45.026
  • 2001 - 45.343
  • 2002 - 45.423
  • 2003 - 45.677
  • 2004 - 45.711

Politik

Stadtrat

Die 36 Sitze des Stadtrates verteilen sich wie folgt:

  • CDU 14 Sitze
  • SPD 13 Sitze
  • BürgerForum 3 Sitze
  • Grüne 3 Sitze
  • FDP 2 Sitze
  • UWG 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 10. September 2006)

Jugendrat

Ebenso hat die Stadt Neustadt den Jugendrat, in dem Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren ihre Meinung vertreten und versuchen sie durchzusetzen. Das Amt des Jugendbürgermeisters haben bislang bekleidet: Bernhard Kass, Frederick Mus, Tobias Tetzlaff und Maria Wenzel. Seit Dezember 2006 amtiert Dominic Herbst für eine zweieinhalbjährige Amtszeit als Jugendbürgermeister.

Bürgermeister

Uwe Sternbeck (Grüne) wurde am 27. Juni 2004 in einer Stichwahl zum Bürgermeister gewählt, nachdem er sich gegen die gemeinsame Bürgermeisterkandidatin der SPD/CDU und FDP bei der Stichwahl mit der hauchdünnen Mehrheit von 4 Stimmen durchgesetzt hatte. Zuvor hatten die Ratsparteien SPD/FDP und CDU Stadtdirektor Dieter Häseler bei vollen Bezügen abgewählt. Die Parteien einigten sich nach einem Bewerbungsverfahren dann auf eine gemeinsame Kandidatin aus Halle, die jedoch bei den Wählern durchfiel. Ursächlich für diese Niederlage der etablierten Parteien dürfte die massive Kritik der Bürger gewesen sein, die sich gegen diese Bevormundung zur Wehr setzten.

Städtepartnerschaften

Neustadt unterhält eine Städtepartnerschaft mit La Ferté-Macé (Frankreich). Mitglied der internationalen Städtefreundschaft "Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa" mit 34 Mitgliedern aus fünf Staaten (Stand 2005).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

  • ev.-luth. Liebfrauenkirche, im Kontext mit dem alten Rathaus und der alten Wache als reizvolles Ensemble.
  • Schloß Landestrost mit Festungsanlagen
  • Bastion Erichsberg
  • Kloster Mariensee
  • St.Osdag Kirche Mandelsloh
  • Hufschmiede Helstorf
  • Bockwindmühle Dudensen
  • Wassermühle Laderholz
  • Zehntscheune Amedorf

Das Bild der Innenstadt wurde ursprünglich von giebelständigen Fachwerk-Dielenhäusern geprägt, von denen sich nach mehreren Bränden und seit den in der Nachkriegszeit erfolgten Abbrüchen nur noch wenige Beispiele erhalten haben.

  • Hannoversche Straße 1. Der eingeschossige Traufenbau von elf Achsen wurde um 1800 erbaut.
  • Mittelstraße 29. Das kleine Fachwerk-Dielenhaus stammt aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Dielentor wurde vor wenigen Jahren wiederhergestellt.
  • Windmühlenstraße 19 ist einer der letzten erhaltenen Wohnbauten, die beim Stadtbrand von 1727 verschont blieben. Es ist 1672 bezeichnet.

Kirche

Gut die Hälfte der Bewohner Neustadts gehören der ev.-luth. Kirche an. Die Kirchengemeinden in Neustadt gehören zum Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf.

Innerhalb der politischen Gemeinde Neustadts gab es zwei katholische Pfarreien, die zum Bistum Hildesheim gehören. Die Stadtgemeinde St.Peter-und-Paul mit Filialkirchen in Poggenhagen und Schneeren und die Pfarrei St.Marien Mandelsloh mit den Kirchen in Mandelsloh, Hagen und Rodewald. Im Rahmen der Einsparungen des Bistums wurden die beiden Gemeinden aufgelöst, und zum 1. November 2006 entstand die neue Gemeinde St-Peter-und-Paul Neustadt mit der Pfarrkirche St.Peter und Paul am Bischof-Ketteler-Platz in Neustadt und den Filialkirchen in Mandelsloh, Hagen, Poggenhagen und Schneeren. Die Gemeindezahl beträgt seitdem über 5000 Katholiken.

Parks

Berühmt ist der Naturpark Steinhuder Meer.

Naturdenkmäler

Bekannt ist das Naturschutzgebiet Blankes Flat mit einem Moorsee.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Die Kaufkraft (Summe des verfügbaren Einkommens) beträgt 18.576 Euro je Einwohner (2006) und die Kaufkraftkennziffer beträgt derzeit 109,8 (gegenüber dem Bundesdurchschnitt mit 100). Die Arbeitslosenquote beträgt 8,2 % (Stand Juni 2006).

Verkehr

Neustadt ist im Einzugsbereich der S-Bahn Hannover gelegen.

Persönlichkeiten

Söhne der Stadt

  • Friedrich Dedekind, (* um 1525; † 27. Februar 1598), Theologe und Schriftsteller
  • Ludwig Christoph Heinrich Hölty (* 21. Dezember 1748 im Ortsteil Mariensee; † 1. September 1776 in Hannover), Dichter im Umfeld des Hainbunds
  • Gerhard von Scharnhorst, (* 12. November 1755 in Bordenau, † 28. Juni 1813 in Prag), preußischer General
  • Johann ("Iwan") von Stietencron (* 12. Februar 1811; † 15. November 1873 in Schötmar), Fürstlich Lippischer Kammerherr, Politiker im Fürstentum Lippe



Texte und Bilder stammen ganz oder teilweise aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht somit ganz oder teilweise unter der GNU Lizenz. Eine Liste der Autoren und Fotografen, sowie den Originaltext finden Sie hier.

Informationsportal über Neustadt in Niedersachsen - 25.5.2012