Nieder-Olm in Rheinland-Pfalz


Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mainz-Bingen
Verbandsgemeinde: Nieder-Olm
Koordinaten: 49° 55′ N, 8° 12′ O
Höhe: 150 m ü. NN
Fläche: 11,23 km²
Einwohner: 9199
Bevölkerungsdichte: 819 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55268
Vorwahl: 06136
Kfz-Kennzeichen: MZ
Gemeindeschlüssel: 07 3 39 042
Adresse der
Verbandsverwaltung:
Pariser Straße 110
55268 Nieder-Olm
Webpräsenz: www.nieder-olm.de
Stadtbürgermeister: Reinhard Küchenmeister (CDU)

Nieder-Olm war bis zum 5. November 2006 eine Ortsgemeinde. Seit dem 6. November 2006 ist sie eine Kleinstadt im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz (Deutschland) und liegt etwa 10 km südlich der Stadt Mainz im Herzen von Rheinhessen.

Sie ist Verwaltungssitz und Namensgeber der Verbandsgemeinde Nieder-Olm und hat in ihrer Region die Funktion eines Mittelzentrums.

Geografie

Nieder-Olm liegt am östlichen Ufer der Selz im nördlichen Teil des Rheinhessischen Hügellands, dem Mainzer Becken.

Die durchschnittliche Höhe der Stadt beträgt etwa 150 Meter über Normalnull. Die höchste Erhebung der Gemarkung ist der „Mühlberg” mit 243 Metern, er liegt im Nordosten zwischen Nieder-Olm und Mainz-Ebersheim.

Die Landschaft ist stark geprägt vom Wein- und Obstanbau. Ein Wäldchen namens „Im Loh” findet sich im Nordosten der Gemarkung, es ist lediglich etwa 11 Hektar groß.

Geologie

Es herrschen Lössböden vor, die eine sehr hohe Qualität aufweisen.

Klima

Auf Grund der Lage im Mainzer Becken ist das Klima in Nieder-Olm sehr mild und trocken.

Die Temperatur beträgt im langjährigen Mittel über 8 Grad Celsius, womit die Gegend zu den wärmsten in Mitteleuropa gehört. Der jährliche Niederschlag ist mit 500 mm eher gering.

Stadtteile

Mit dem Goldberg besitzt Nieder-Olm einen Stadtteil.

Nachbargemeinden

Nieder-Olm hat folgende Nachbargemeinden, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt:

  • Ober-Olm (VG Nieder-Olm)
  • Klein-Winternheim (VG Nieder-Olm)
  • Mainz-Ebersheim (Stadt Mainz)
  • Zornheim (VG Nieder-Olm)
  • Sörgenloch (VG Nieder-Olm)
  • Saulheim (VG Wörrstadt)
  • Stadecken-Elsheim (VG Nieder-Olm)
  • Essenheim (VG Nieder-Olm)

Geschichte

Frühes Mittelalter

Da nur wenige schriftliche Dokumente über Nieder-Olm aus dem Mittelalter vorhanden sind, ist die genaue Datierung der Gründung von Nieder-Olm schwierig. Grabstättenfunde aus dem späten 6. Jahrhundert deuten aber auf eine frühe Besiedlung dieser Gegend hin.

Vermutlich geschah dies durch die frühen Franken, während der so genannten fränkischen Landnahme, als die Franken das ehemals von den Römern besetzte Land wieder zurückeroberten. Die fränkische Siedlung namens „Reichelsheim” lag in etwa auf dem Gebiet des heutigen Gewerbegebietes im Nordwesten von Nieder-Olm und lässt sich noch heute auf Luftbildern nachweisen. Die Endung des Ortsnamens auf „–heim” ist typisch für fränkische Namensgebung und findet sich auch in vielen Nachbargemeinden. Der Ort wurde später verlassen (Ortswüstung).

Mittelalter

Seit dem Mittelalter ist Nieder-Olm eine Besitzung des Mainzer Erzstifts. Urkundlich belegt ist, dass der Mainzer Erzbischof Hatto I. im Jahr 899 einen Gutshof namens „Ulmena” (Olm) der Frau des Kaisers Arnulf von Kärnten auf Lebenszeit übertrug. Dieser Gutshof lag vermutlich auf dem Gebiet des heutigen Ober-Olm und ist für die Namensgebung der beiden Gemeinden verantwortlich. Im Jahr 994 geht der Gutshof auf Geheiß des Kaisers Otto III. wieder in den Besitz des Erzbistums über. Ende des 11. Jahrhunderts geht die Ansiedlung an den Mainzer Domstift, in dieser Zeit entsteht auch die katholische Kirche St. Georg, gefördert durch den starken kirchlichen Einfluss.

Vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammt die erste Befestigung des Ortes. Diese bestand aus Mauern und Gräben und hatte 4 Haupttore. Später (Ende des 13. Jahrhunderts), vermutlich als Reaktion auf den Bau der Burg Stadeck, wurde innerhalb der Ortsgrenzen eine Burg mit Wassergraben errichtet, der adelige Burgmänner vorgesetzt waren.

Im 15. Jahrhundert geriet Nieder-Olm zwischen die Fronten einer Stiftsfehde, an der die beiden Erzbischöfe Diether von Isenburg und Adolf von Nassau beteiligt waren. Häufige Machtwechsel waren die Folge davon. 1503 ließ Erzbischof Berthold die Burg neu erbauen um den Anforderungen der damalig modernen Angriffstechniken gerecht zu werden. Seit dieser Zeit ist die Burg unter dem Namen „St. Laurenziburg” bekannt. Sowohl die Burg als auch die Ortsbefestigung wurden in den Folgejahren mehrfach zerstört. Heute lassen sich nur noch wenige Reste auffinden, die Burg musste Anfang des 19. Jahrhunderts endgültig einer Straße weichen. Recht gut erhalten ist die Verteidigungsanlage des Friedhofs, der damals die Kirche umgab.

Frühe Neuzeit

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Nieder-Olm mehrfach vom Feind überrannt und im Jahr 1632 durch schwedische Truppen besetzt. Etwa 60 Jahre später, im Pfälzischen Erbfolgekrieg, wird Nieder-Olm durch französische Truppen geplündert.

Auch Ende des 18. Jahrhunderts wird der Ort Nieder-Olm wieder besetzt. Diesmal sind es die französischen Revolutionstruppen. Die Franzosen stellen 1792 einen Freiheitsbaum auf und machen Nieder-Olm zu einem Teil der Mainzer Republik, der ersten demokratischen Republik auf deutschem Gebiet. Nur kurze Zeit später, die Mainzer Republik hielt nur 100 Tage, wird Nieder-Olm von den Reichstruppen zurück erobert.

Doch schon 1797 gelingt es französischen Truppen erneut, Nieder-Olm zu erobern und so wird der Ort Teil des napoleanischen Reiches. Nach dessen Untergang wird Nieder-Olm 1816 Teil der neu gegründeten Provinz Rheinhessen und gehört damit zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt.

Durch die Eröffnung der Hessischen Ludwigsbahn Mainz-Alzey im Jahr 1871 wird Nieder-Olm an das Schienennetz angeschlossen.

Erster und Zweiter Weltkrieg

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wird Nieder-Olm gemäß dem Versailler Vertrag wieder französisch besetzt. Eine Grenzstation des besetzten Rheinlands befand sich im damaligen „Gasthaus zur schönen Aussicht”.

Ab 1929 wieder Teil des deutschen Reiches, bleibt auch Nieder-Olm vom Nationalsozialismus nicht verschont. Nach der Reichskristallnacht, in der jüdischen Häuser und Geschäfte geplündert und zerstört wurden, gibt es im Ort keine jüdischen Mitbürger mehr.

In die Geschichte des Zweiten Weltkrieges ging Nieder-Olm ein, als während des Vormarsches der alliierten Truppen im Selztal versprengte deutsche Soldaten erheblichen Widerstand leisteten. Von dieser Zeit zeugen amerikanische Stellungen westlich der Selz, diese wurden jedoch aus Sicherheitsgründen zugeschüttet.

Nachkriegszeit bis Heute

Ab 1947 gehört Nieder-Olm zum neu gegründeten Bundesland Rheinland-Pfalz.

In den folgenden Jahrzehnten wird die Infrastruktur beständig ausgebaut: Neue Schulen entstehen (1957 die neue Grundschule, 1974 die Haupt- und Sonderschule und 1981 das Gymnasium, sowie zwei Schulen für körperbehinderte und lernschwache Schüler), eine Turn- und Festhalle (1961) und das Hallen- und Freibad (1968) werden gebaut. 1980 erhält der Ort Anschluss an die A 63.

Auch in den letzten beiden Jahrzehnten wurde die Entwicklung stetig vorangetrieben: Neue Wohngebiete wurden angelegt und ältere Wohngebiete kontinuierlich erweitert. Das Gewerbegebiet wurde großzügig ausgebaut und drei neue Umgehungsstraßen angelegt. 1997 wurde die alte Festhalle wieder abgerissen und durch die neu gebaute „Ludwig-Eckes-Halle” ersetzt. Ebenso wurde das Hallen- und Freibad zu einem Erlebnisbad ausgebaut.

Eine weitere Aufwertung des Ortskerns ist geplant, so soll dieser in Zukunft komplett für den Durchgangsverkehr gesperrt und besonders im Bereich der Grundschule/Pariser Straße weiter baulich verändert werden.

Heute hat Nieder-Olm ca. 9000 Einwohner mit steigender Tendenz. Nach dem Antrag der Ortsgemeinde Nieder-Olm auf den Titel "Stadt" hat das rheinland-pfälzische Kabinett am 24. Oktober 2006 entschieden Nieder-Olm die Bezeichnung „Stadt” zu verleihen. Nieder-Olm darf sich, seit der Aushändigung der Verleihungsurkunde am 6. November 2006, durch den rheinland-pfälzischen Innenminister Karl Peter Bruch, „Stadt Nieder-Olm” nennen.

Politik

Stadtrat

Der Stadtrat aus Nieder-Olm setzt sich aus 24 Ratsmitgliedern zusammen, einschließlich des Bürgermeisters.

CDU SPD FWG GAL Gesamt
2004 10 9 3 2 24 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 13. Juni 2004)

Stadtbürgermeister

Reinhard Küchenmeister (CDU)

Städtepartnerschaften

Nieder-Olm unterhält mit folgenden Orten eine Partnerschaft:

  • Recey sur Ource (Frankreich), seit 1967
  • [Bussolengo](Italien), seit 1984
  • L'Alcudia (Spanien), seit 1989

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

  • Die Evangelische Pfarrkirche aus dem Spätklassizismus wurde 1865 fertiggestellt. Sie beherbergt eine Kanzel und einen Altartisch aus dem Jahr 1808, beide stammen aus der Mainzer Welschnonnenkirche.
  • Die Katholische Pfarrkirche St. Georg stammt aus dem Jahr 1779. Der Chorturm an der Ostseite ist ein Überbleibsel der alten mittelalterlichen Kirche aus dem 12. Jahrhundert, er wurde später (im 19. Jahrhundert) erhöht und modifiziert.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Sebastianus-Theatertage im Januar
  • Rathausstürmung an Altweiberfastnacht
  • Straßenfest am ersten Wochenende nach Christi Himmelfahrt
  • Weinkulturtage der Verbandsgemeinde am dritten Wochenende im Juni
  • Sommernachtsfest des Bläserchores in den Sommerferien
  • Kerb am ersten Wochenende im September
  • Weihnachtsmarkt in der ersten und zweiten Adventswoche

Wirtschaft und Infrastruktur

  • Stammsitz der Eckes AG seit 1857
  • Deutsche Niederlassung des britischen IT-Sicherheitsspezialisten Sophos seit 1997

Verkehr

Fernstraßen

Die Bundesautobahn 63 von Kaiserslautern nach Mainz passiert Nieder-Olm im Westen und ist durch zwei Ausfahrten mit dem Ort verbunden. Über diese ist einerseits die wichtige Nord-Süd-Verbindung Bundesautobahn 61 leicht zu erreichen, andererseits dient sie als Zubringer zum Verdichtungsraum Rhein-Main und den dort angeschlossenen Autobahnen.

Über mehrere Landesstraßen ist Nieder-Olm mit seinen Nachbargemeinden verbunden.

ÖPNV

Durch den ORN (Omnibusverkehr Rhein-Nahe GmbH) ist Nieder-Olm an den Öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen:

  • Linie 640: RegioLinie Ingelheim - Nieder-Olm
  • Linie 652: Mainz - Nieder-Olm - Sörgenloch
  • Linie 657: Sprendlingen / Budenheim / Mainz - Nieder-Olm (Schulverkehr)
  • Linie 667: Nieder-Olm - Friesenheim / Mainz-Ebersheim

Eisenbahn

Im Osten des Ortskerns befindet sich der Bahnhof der Deutschen Bahn. An Werktagen verkehren dort grundsätzlich halbstündig Regionalzüge (RE/RB) in beide Richtungen der Bahnstrecke Alzey–Mainz. Auch an Sonn- und Feiertagen ist die Zugfolge nur wenig geringer. Im morgendlichen Berufsverkehr gibt es eine Direktverbindung nach Worms über Alzey. In den Sommermonaten werden einige Züge nach Kirchheimbolanden durchgebunden.

Öffentliche Einrichtungen

  • Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Nieder-Olm

Bildung

  • Burgschule Nieder-Olm, Grundschule
  • Gymnasium Nieder-Olm
  • Regionale Schule Nieder-Olm, Haupt- und Realschule
  • Selztalschule, Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt „Lernen”
  • Schule für Körperbehinderte Nieder-Olm, Sonderschule

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Ludwig Eckes (* 28. April 1913, † 14. Januar 1984), Unternehmer
  • Peter Eckes (* 1804, † 12. November 1873), Unternehmer
  • Peter Eckes Junior (* 1907, † 1987), Unternehmer
  • Wilhelm Holzamer (* 28. März 1870, † 28. August 1907), Schriftsteller
  • Jean Metten (* 1884, † 1971), Maler

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Werner von Moltke (* 1936), 1966 Europameister im Zehnkampf und heute Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes



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Informationsportal über Nieder-Olm in Rheinland-Pfalz - 25.5.2012