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Niefern-Öschelbronn ist eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg. Lage und AusdehnungDie Gemeinde liegt am Rande des nördlichen Schwarzwalds etwa sieben km östlich von der Kreisstadt Pforzheim. Sie besteht aus den beiden Ortsteilen Niefern und Öschelbronn, die sich am 1. August 1971 freiwillig zusammenschlossen. Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn beginnend im Nordwesten) sind Kieselbronn, Mühlacker, Wiernsheim, Wurmberg und Pforzheim. GeschichteOrtsteil NiefernDie Gemarkung Niefern ist seit uralten Zeiten besiedelt, da außer römischen und fränkischen auch vorgeschichtliche Spuren gefunden wurden. Zudem soll der Name "Niefern" wie "Enz" und "Nagold" keltischen Ursprungs sein und nicht, wie lange angenommen, "Neue Fähre" (von ahd.= niu fara) bedeuten. Die erste sichere Nennung des Ortes fällt in die Jahre 1082 bis 1091 in den Schenkungsbüchern des Klosters Hirsau. Dessen Klostertochter Reichenbach hatte wenig später ebenfalls von hier Besitzrechte. 1186 steht ein Heinrich von Niefern, Herr der Burg Enzberg, im Dienst der Bischöfe von Speyer. Enzberg gehörte lange zu Niefern, seine Bewohner kamen hierher zum Gottesdienst, wurden hier getauft, getraut und begraben. Niefern erlebte einen häufigen Besitzerwechsel. Maulbronn besaß lange Zeit großen Einfluss im Ort. Seit 1529 ist Niefern ganz im badischen Besitz. Markgraf Karl II. schenkte 1555 seinem Kanzler Martin Achtsynit für seine Verdienste um die Reformation den Ort mitsamt dem alten Burgstadel an der Enz. Dieser erbaute die Niefernburg "von Grund uff" und versah sie mit Wirtschaftsgebäuden, Säg- und Mahlmühle. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden allein durch die Pest zwei Drittel der Bevölkerung hinweggerafft. Niefern war sehr arm und durch seine Lage an der Grenze von Baden zu Württemberg zusätzlich im Nachteil. 1672 griff der Markgraf von Baden helfend ein und richtete eine "Papiermühle" in der Sägmühle der Niefernburg ein. Ins 19. Jahrhundert fallen die ersten Anfänge der heutigen bedeutenden Industrie der Gemeinde, der Pforzheimer Industrie geht es auch in Niefern merklich aufwärts. In die vom Staat auf Abbruch verkaufte Niefernburg zieht 1857 ein evangelisches Waisenhaus ein. Später wurde sie für lange Jahre Mädchenerziehungsheim, und ist heute eine moderne Sozialpädagogische Einrichtung. Ortsteil ÖschelbronnNach dem großen Brand in Öschelbronn 1933 stieß man im Ortskern auf die Spuren eines römischen Gutshofes, der durch Sträßchen mit dem römischen Pforzheim und nach Osten mit der Furt bei Dürrmenz verbunden war. Öschelbronn wird in frühen Aufzeichnungen "Nessenbrunn" genannt, was auf die alemannische Sippensiedlung eines "Nesso" hindeutet. Später änderte sich die Schreibweise in "Öschelbronn" = Brunnen bei den Eschen. Schon 835 kommt der Ort im Lorscher Codex vor. Er hatte viele Herren, darunter das Kloster Sinsheim und später vor allem das Kloster Maulbronn. Mit ihm kam Öschelbronn 1504 zu Württemberg. Das Dorf war mehrmals Opfer von verheerenden Bränden. 1852 brannte die Kirche mit ab. Die jetzige wurde anschließend erbaut. 1906, 1911 und 1933 wurde der Ort wiederum von Brandkatastrophen heimgesucht. 1933 brannten 203 Häuser ab. Die Ursache wurde nie geklärt. Öschelbronn wurde als Musterdorf im fränkisch-alemannischen Fachwerkstil wieder aufgebaut. In den letzten Tagen des Krieges musste Öschelbronn Artilleriebeschuss und Kampfhandlungen über sich ergehen lassen. Der Schanzgraben, der 1695/97 unter dem Markgrafen Ludwig von Baden, dem "Türkenlouis", zum Schutz gegen die Franzosen ausgehoben wurde, ist im Abschnitt Niefern-Öschelbronn noch sehr gut erhalten. Er beginnt bei der Waldschanz, Gemarkung Niefern und zieht dann über den Tannenberg, Gemarkung Niefern zum Wald "Steckhof", Gemarkung Öschelbronn, in Richtung Mühlacker-Eppingen. 1810 kam Öschelbronn zu Baden. Auch die Öschelbronner nützten die Industrialisierung Pforzheims schon früh, um ihre Lebensumstände zu verbessern. Traditionell in diesem Ortsteil ist der vierteljährliche Krämermarkt. Niefern-ÖschelbronnDie Gemeinden Niefern und Öschelbronn schlossen sich am 1. August 1971 freiwillig zur Gemeinde Niefern-Öschelbronn zusammen. Mit einer Gemarkungsfläche von 2202 ha hat es sich nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem bedingt durch seine außerordentlich günstige Verkehrslage an der B 10, Autobahnanschluss mit Tank- und Rastanlage, zwei Landesstraßen, Bahnhof an der Strecke Karlsruhe - Stuttgart, zu einem bedeutenden Industrieort mit rd. 4.000 Arbeitsplätzen entwickelt. Die Gemeinde liegt an der Landesentwicklungsachse Karlsruhe - Pforzheim - Mühlacker. Industrie mit Weltgeltung (Maschinenbau, Biotechnologie, Fernsehantennen, Elektrotechnik, Räumwerkzeuge, Automaten-Drehteile, Schmuckwaren, u.a.) hat hier ihren Standort. Die schöne landschaftliche Lage an der Pforte des Nordschwarzwaldes mit den Gewässern Enz und Kirnbach macht zunehmend die Gemeinde zu einem gesuchten Wohnort. Gute Einkaufsmöglichkeiten auf jedem Sektor erhöhen die Wohnqualität. Der Bevölkerung stehen zur Freizeitgestaltung ein beheiztes Freibad mit großer Liegewiese, ein Hallenbad, Sauna, ein Sportstadion, 4 Sportplätze (davon 1 Hartplatz), 2 Turnhallen, eine Großsporthalle, 5 Tennisplätze und 1 Tennishalle, Schießstand, eine Minigolfanlage, eine Mehrzweckhalle in Öschelbronn (Steighalle), ein Kultursaal (Ameliussaal) sowie der Saalbau des Johanneshauses zur Verfügung. PolitikPartnerschaftenPartnergemeinden von Niefern-Öschelbronn sind:
KulturMuseen
Sport
Musik
BauwerkeEvangelische KircheDie Evangelische Kirche zu Niefern nimmt unter den Kulturdenkmalen des Enzkreises nach dem KlosterMaulbronn und der Pfarrkirche zu Tiefenbronn den dritten Platz ein. Sie ist neben der Niefernburg das älteste und ehrwürdigste Gebäude des Ortes und bildet seinen geographischen und historischen Mittelpunkt. Das gotische Gotteshaus geht auf das 13. und 14. Jahrhundert zurück. Den Besucher beeindruckt zuerst das hohe Tonnengewölbe des Kirchenschiffs. Dann fällt sein Blick auf den Lettner, der wie eine Brücke das Schiff vom Chorraum trennt. Die Kirche war vor der Reformation eine Stifts- oder Chorherren-Kirche, wahrscheinlich eine Filiale der Pforzheimer Schloßkirche. Maria ist die Patronin der Nieferner Kirche. Darauf weist auch eine Inschrift im Torbogen des Lettners und eine Sandsteinfigur hoch oben an der Westwand des Turmes hin. Mehr über die Evang. Kirche zu Niefern können sie nachlesen im kleinen Kirchenführer, der in der Kirche und im Pfarramt ausliegt, in der ”Chronik der Gemeinde Niefern-Öschelbronn” und im Band ”Martinskirche in Niefern”, die in der örtlichen Buchhandlung zu beziehen sind. Quelle: Friedrich Leicht NiefernburgDie "Talburg" als Vorläufer von Schloß Niefernburg wurde spätestens um 1185 von den Herren von Niefern erbaut. Die Herren von Niefern gehörten zusammen mit den Herren von Enzberg und von Dürrmenz zu einem großen Geschlecht und führten ein gemeinsames Wappen. Markgraf Karl II. schenkte 1555 seinem Kanzler Martin Achtsynit für seine Verdienste um die Reformation den Ort mitsamt dem alten Burgstadel an der Enz. Dieser erbaute die Niefernburg "von Grund uff" und versah sie mit Wirtschaftsgebäuden, Säg- und Mahlmühle. Noch heute bietet die Niefernburg dem Betrachter ein eindrucksvolles Bild. Der 27 Meter hohe, achteckige Treppenturm ist von allen Bauteilen am besten erhalten. Die Niefernburg ist heute eine Einrichtung der Jugendhilfe im Diakonischen Werk der Evangelischen Landeskirche in Baden. Christlich geprägte Nächstenliebe heisst für unsere Arbeit: Hoffnungen wecken, wo Lebensumstände Hoffnungslosigkeit bewirken. Was vor 150 Jahren als Rettungshaus für Waisenkinder begann, hat sich mittlerweile zu einer sozialpädagogischen Einrichtung für Mädchen und Jungen entwickelt, die die Jugendlichen bei der Neuorientierung ihrer Zukunft unterstützt. ChartaqueNeben der Niefernburg, den beiden Gotteshäusern und dem Kirnbachmuseum besitzt Niefern-Öschelbronn eine ganz besondere Attraktion. Das sind die Eppinger Linien. Sie wurden in den Jahren 1681 bis 1697 gegen die feindlichen Truppen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Fronarbeit gebaut und führen von Dillweißenstein bis Neckargemünd rund 80 Kilometer wie ein Schutzriegel und zweiter Limes durch den Kraichgau. Dieser zweite Limes sollte Württemberg schützen, musste aber nie aktiviert werden. Angeregt durch Oberforstrat Alfons Dürr und unterstützt vom jungen Kulturkreis baute Niefern-Öschelbronn in den Jahren 1987/88 direkt an den Eppinger Linien einen historischen Wach- und Beobachtungsturm nach, eine sogenannte Chartaque, oben an der Nieferner Waldschanze mit Blick hinüber nach Eutingen, Kieselbronn, Enzberg und Öschelbronn zur rechten Hand. Dieser schöne hölzerne Aussichtsturm mit einer Höhe von 12,10 Metern wurde von der Bevölkerung mit Begeisterung angenommen. Einige bis heute unbekannte Jugendliche allerdings trieben die Begeisterung zu weit und entfachten in einer stürmischen Nacht durch ein Lagerfeuer auf der oberen Plattform das hölzerne Bauwerk, das wie ein gutziehender Kamin wirkte. Die gesamte Chartaque wurde in der Mitte der neunziger Jahre ein Raub der Flammen. Ein Wert von 120 000 Mark war zerstört, der Idealismus der Leute vom Kulturkreis auch und Gelder der Sparkasse und der Gemeinde. 1998 wurde die zweite Chartaque als tupfengleiche Nachgeburt erneut aufgebaut und der Bürgerschaft übergeben in der Hoffnung, dass der Feuerteufel ein Einsehen hat und die Eppinger Linien samt Chartaque in ihrem schönsten Niefern-Öschelbronner Teilstück für lange Zeiten erhalten bleiben werden. Den Wiederaufbau zahlte glücklicherweise die Feuerversicherung. Wirtschaft und InfrastrukturVerkehrDie Gemeinde wird durch die Bundesautobahn A 8 und die Bundesstraße B 10 erschlossen. Ansässige UnternehmenInsgesamt sind in Niefern-Öschelbronn rund 600 Betriebe ansässig, davon: 35 Industrie-, 40 Schmuckwaren-, 95 Handwerks- und 430 sonstige Betriebe. Daneben verfügt Niefern-Öschelbronn über fünf Hotels mit einer Bettenkapazität von rund 400 Betten. PersönlichkeitenSöhne und Töchter der GemeindeIm Ortsteil Niefern wurde am 10. September 1827 Karl Wilhelm Doll geboren. Er war Theologe und von 1877 bis 1895 Prälat der Evangelischen Landeskirche in Baden. Er starb am 25. Februar 1905 in Achern. Texte und Bilder stammen ganz oder teilweise aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Der Text steht somit ganz oder teilweise unter der GNU Lizenz. Eine Liste der Autoren und Fotografen, sowie den Originaltext finden Sie hier. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
