Nienburg in Sachsen-Anhalt


Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Bernburg
Verwaltungsge-
meinschaft:
Nienburg (Saale)
Koordinaten: 51° 49′ N, 11° 45′ O
Höhe: 65 m ü. NN
Fläche: 24,55 km²
Einwohner: 4449
Bevölkerungsdichte: 181 Einwohner je km²
Postleitzahl: 06429
Vorwahl: 034721
Kfz-Kennzeichen: BBG
Gemeindeschlüssel: 15 1 53 020
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 1
06429 Nienburg (Saale)
Webpräsenz: www.nienburg-saale.de
Bürgermeister: Markus Bauer

Nienburg (Saale) ist eine Stadt im Landkreis Bernburg in Sachsen-Anhalt (Deutschland). Sie ist Sitz der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft, der weitere 15 Gemeinden angehören.

Geografie

Die Stadt liegt im unteren Saaletal am Zusammenfluss von Bode und Saale.

Geschichte

Angesichts der Lage Nienburgs auf einer Anhöhe, an zwei Flüssen und fruchtbaren Böden ist von einer vorgeschichtlichen Besiedlung Nienburgs auszugehen. Davon zeugen frühgeschichtliche Funde im Stadtgebiet und der näheren Umgebung. Nienburg wurde 961 in einer der Gründungsurkunden des Klosters Gernrode erwähnt. Später erwähnt der aus dem maurischen Spanien kommende Händler Ibrahim ibn Jaqub den Ort Nubograd: „Diese Burg ist aus Stein gebaut und liegt ebenfalls an dem Fluss Salawa und in diesen fällt der Fluss Nuda”.

Nienburg lag mehrere Jahrhunderte an der östlichen Außengrenze des karolingischen bzw. deutschen Reiches. Bereits vor 800 wurde hier ein karolingisches Kastell errichtet. Zwischen 930 und 950 wurde die „Neue Burg” auf dem Areal des späteren Klosters errichtet. Neben der strategischen Bedeutung Nienburgs war die Lage an mehreren Handelsstraßen ein maßgeblicher Grund der Befestigung. Von Nord nach Süd ging die Salzstraße Halle - Magdeburg, von Ost nach West eine zentrale Straße aus dem Reich zur Lausitz. Mehrere Furten ermöglichten den Übergang über die beiden Flüsse. Nienburg war von erheblicher strategischer Bedeutung bei der Osterweiterung des deutschen Reiches in slawisch bewohnte Gebiete. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Stadt ab 1623 stark zerstört, doch bald wieder aufgebaut.

Als wichtiger Hafen Anhalt-Köthens gewann Nienburg Anfang des 19. Jahrhundert als Hauptumschlagplatz des rings von Preußen umschlossenen Landes neue Bedeutung. Auf dem Wasserweg über Saale und Elbe wurden die Produkte der agrarisch dominierten Ökonomie des Herzogtumsvon hier aus unter Umgehung des preußischen Zolls nach Hamburg, teilweise sogar bis nach Übersee exportiert. Hierzu zählte neben Getreide vor allem die Wolle, deren Qualität weithin gerühmt wurde. Die Schafzucht war deshalb eine der Haupteinnahmequellen des Herzogtums.

1812 wurde in Nienburg Gustav Flügel geboren, der später insbesondere als Klavierkomponist (Sonaten, „Nachtfalter”) und als Orgelkomponist (Choralvorspiele, Konzertstücke) einige Berühmtheit erlangte.

1825 erbaute der Anhalt-Köthener Hofbaurat Gottfried Bandhauer nach englischen Vorbildern eine Stahl-Hängebrücke über die Saale, die am 6. September dem Verkehr übergeben wurde. Die der Stadt zugelegene Hälfte stürzte jedoch am 6. Dezember desselben Jahres (wohl wegen Überlastung der statisch zu steif konstruierten Brücke durch unvorhergesehene Schwingungen) ein. Die Resonanzkatastrophe erfolgte während eines Fackelzuges zu Ehren des Landesoberhaupts Herzog Ferdinand, wozu sich die Bürger auf der Brücke versammelt hatten. Ein Zeitungsartikel berichtet: „Bei einer Feier zu Ehren seiner Durchlaucht des Fürsten von Anhalt Köthen ist die eine Seite zusammengebrochen, wobei einige 80 Menschen zum Teil ertrunken, zum Teil verunglückt sind”. Neben den Toten waren über 100 Schwerverletzte zu beklagen. Immerhin führte diese Katastrophe dazu, dass ab diesem Zeitpunkt Soldaten Brücken nicht mehr im Gleichschritt passieren durften.

Reste dieser ersten deutschen Stahlbrücke wurden 1827/28 von Bandhauer in dem bemerkenswerten klassizistischen Schafstall von Nienburg-Grimschleben wieder verwendet, der später auch als Modell für die Schafställe der anhalt-köthenischen Schafzuchten im ukrainischen Askania Nowa dienen sollte.

Im Zuge der Industrialisierung Deutschlands nach 1850 kam es zur Ansiedlung und Gründung unter anderem von drei Werften, drei Zementwerken (Concordia, Sachsen-Anhalt und Jesarbruch), einer Zuckerfabrik, einer Chemischen Fabrik und einer Kupfergießerei der schwedischen Firma Hallström. Der Unternehmer Hallström baute sich auf dem Marktplatz eine Villa, welche heute als Altersheim genutzt wird.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Nienburg, begünstigt durch seine Lage an Bode und Saale, als Schifferstadt bekannt. Ein bedeutender Anteil der Einwohner fand sein Auskommen in der Binnenschifffahrt. In der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren erfuhr Nienburg einen nachhaltigen Verlust seiner industriellen Struktur. Im wesentlichen verblieben nur die Zementwerke. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die Werke von der Firma Schwenk übernommen und auf Grund der verschlissenen technischen Anlagen und der hohen Belastung der Umwelt geschlossen. Fehlende wirtschaftliche Perspektiven führen seitdem, wie in weiten Teilen Ostdeutschlands, zu einer Abwanderung insbesondere der jungen Bevölkerung.

Das Kloster

Das mit dem Ziel, die damals noch wendische Bevölkerung Anhalts zu missionieren, wurde im Jahre 975 die kurz zuvor in Thankmarsfelde im Harz gegründete Benediktiner-Abtei in das Kastell von Nienburg verlegt. Die Umbauarbeiten dauerten über 30 Jahre. Erst 8. August 1004 wurde die Klosterkirche im Beisein König Heinrich II geweiht, der sich auf Kriegszug gegen die Polen befand. Gleichzeitig erhielt die Stadt das Markt- und Münzrecht. Das Kloster wurde von Kaiser Otto II. zu einem Reichskloster erklärt. Es entwickelte sich bald zu einem der wohlhabendsten Klöster in der Region. Zum Kloster gehörten zahlreiche Besitzungen und Orte (unter anderem Harzgerode, Niemitsch und Lübben), sie lagen jedoch inselförmig zwischen Harz und Neiße verstreut. Die östlichen Gebiete lagen jahrzehntelang im Spannungsfeld des deutschen Reiches und des aufstrebenden polnischen Feudalstaates. 1031 wurde die Lausitz dem deutschen Reich eingegliedert, blieb aber für mehr als hundert Jahre ein regelmäßig verwüstetes Kriegsgebiet. Noch 1115 bedrohten aufständische Slawen letztmalig die Gebiete des Klosters Nienburg.

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde das Kloster in einen regionalen Machtkampf verwickelt, wobei es seine Unabhängigkeit verlor und schließlich zum Erzbistum Magdeburg kam. Als Folge der Bauernkriege wurde es 1563 an die Fürsten von Anhalt-Köthenübergeben, die das Klausurgebäude von 1680 bis 1690 umbauten, um es als Schloss und Witwensitz zu nutzen. Hier residierte die Fürstinwitwe Gisela Agnes von Rath als "Gräfin von Nienburg". Bei der 1716 in Nienburg stattfindenden Heirat ihrer Tochter mit Herzog Ernst August von Weimar lernte Johann Sebastian Bach seinen künftigen Dienstherrn Fürst Leopold von Anhalt-Köthen kennen.

1871 wurde das Schloss an einen Industriellen verkauft, der das Gebäude zu einer Malzfabrik umbaute. 1996 wurden Teile desselben durch einen Brand zerstört, der von spielenden Kindern verursacht wurde.

Die gut erhaltene tausendjährige Klosterkirche St. Marien und St. Cyprian von 1004 ist eines der bedeutendsten frühgotischen Bauwerke im mitteldeutschen Raum. Sie gehört zur Evangelischen Landeskirche Anhalts und wird ökumenisch genutzt.

Im Kloster Nienburg wurde um 1150 die heute in der Pariser Nationalbibliothek befindliche Reichschronik des „Annalista Saxo” verfasst.

Städtepartnerschaft

  • Nienburg/Weser

Tourismus

Nienburg liegt an bekannten Ferienstraßen und Radfernwegen: der Straße der Romanik, der Deutschen Alleenstraße, dem Saale-Radweg, dem Europaradweg R1 und dem Blauen Band.

Persönlichkeiten

  • Gisela Agnes von Rath, Gräfin von Nienburg, Fürstin von Anhalt-Köthen



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Informationsportal über Nienburg in Sachsen-Anhalt - 25.5.2012