Obermarchtal in Baden-Württemberg


Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Alb-Donau-Kreis
Koordinaten: 48° 14′ N, 9° 34′ O
Höhe: 539 m ü. NN
Fläche: 26,59 km²
Einwohner: 1276
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner je km²
Postleitzahl: 89611
Vorwahl: 07375
Kfz-Kennzeichen: UL
Gemeindeschlüssel: 08 4 25 090
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 21
89611 Obermarchtal
Webpräsenz: www.obermarchtal.de
Bürgermeister: Anton Buck

Obermarchtal ist eine Gemeinde im Alb-Donau-Kreis etwa 15 km südwestlich von Ehingen.

Geografie

Geografische Lage

Obermarchtal liegt auf einer Weißjuraplatte am Fuße der Schwäbischen Alb. Direkt an der Donau gelegen, die hier ihren zweiten Durchbruch durch die Schwäbische Alb verlässt. Von hier aus öffnet sich in Richtung Süden das Tor zu Oberschwaben mit Sicht auf die höchste Erhebung Oberschwabens, dem Bussen.

Nachbargemeinden

Die Gemeinde grenzt im Norden an Lauterach, im Osten an Untermarchtal und die Stadt Munderkingen, im Südosten an Hausen am Bussen, im Süden an Uttenweiler und Unlingen sowie im Westen an die Stadt Riedlingen, alle drei im Landkreis Biberach, und im Nordwesten an Emeringen und Rechtenstein.

Geschichte

Ur - und Frühgeschichte

Will man zurück zu den geschichtlich fassbaren Anfängen menschlicher Siedlungen im Gebiet der heutigen Gemeinde Obermarchtal, so führt einen die Spurensuche über die B 311 Richtung Reutlingendorf. Dort finden sich im Flurstück „Langhau” eine trapezförmige keltische Viereckschanze, sowie über 95 hallstattzeitliche Grabhügel. Grabungen in den Jahren 1909 und 1928 ergaben, dass diese Siedlungsreste rund 2600 Jahre alt sind. Über das Schicksal der Menschen damals ist nichts weiteres bekannt, und das Dunkel einer quellenlosen Zeit bedeckt auch die folgenden Jahrhunderte bis hinein in das Mittelalter.

Mittelalter

Dann aber, im 8. Jahrhundert, beginnt die eigentliche Marchtaler Geschichte. Die im Zuge der Völkerwanderung in Süddeutschland sesshaft gewordenen Germanenstämme unterteilten ihre Gebiete in Gaue, von denen im 7./8. Jahrhundert mehrere im Raum Marchtal aneinandergrenzten und sich teilweise überschnitten. Zu einem dieser Gaue, der Folcholtsbaar, gehörte auch Marchcthala, bzw. Marchotala, Marahtale, Marhtale. Dieser damals erstmals auftauchende Ortsname deutet in allen seinen verschiedenen Schreibweisen auf einen Flurnamen hin, der sich vom alamanischen „marah” = Pferd, Streitross ableitet. So entstand der Name Marchtal vermutlich aufgrund einer „Siedlung im/beim Pferdetal”, wobei man wohl an das Donautal zu denken hat. Spätestens in dieser Zeit entstand auf einem Felsen über der Donau die „Altenburg”, von der aus Halaholf und seine Gemahlin Hildiberg ein „monasterium in Marhctala” gründeten: das erste Marchtaler Kloster. Im Jahre 776 n. Chr. übertrug deren Sohn Graf Agylolf das Kloster in Marchtal der mächtigen Benediktinerabtei St. Gallen. Diese Zustiftung ist in den Annalen des Klosters St. Gallen in einer Urkunde erhalten, die damit die erst schriftliche Bestätigung des Ortes Marchtal darstellt.

Sehr schnell jedoch fiel auch dieses Kloster in das Dunkel der Geschichte zurück. An seiner Stelle entstand - gegenüber der Altenburg - eine neue und größere Burganlage, die im 10. Jahrhundert im Besitz der Herzöge von Schwaben war. Im Burgbezirk errichtete Herzog Hermann II. vor 993 n. Chr. ein den Aposteln Petrus und Paulus geweihtes Kanonikerstift. Außerhalb der Burganlage ließ er eine Pfarrkirche (die heutige „Dorfkirche”) erbauen, die am 11. Februar 998 geweiht wurde. Nachdem das Kanonikerstift aufgrund politischer Zeitläufte und häufigem Wechsel der es tragenden Adelsfamilien immer mehr niederging und seine Aufgaben vernachlässigte, erfolgte 1171 durch Pfalzgraf Hugo von Tübingen die dritte Marchtaler Klostergründung. Er rief aus Rot a. d. Rot 12 Prämonstratenser-Chorherren und eine Gruppe Chorfrauen herbei und gründete mit ihrer Hilfe das dann bis 1802 bestehende Prämonstratenserstift Marchtal. Das Frauenkloster wurde 1273 aufgelöst. Auf dem Gebiet vor der Burg und dem Kloster entstand im Lauf der Zeiten eine Siedlung, die zur Unterscheidung vom Stift Marchtal „Obermarchtal” genannt wurde. Die weiter donauabwärts gelegene Siedlung erhielt den Namen „Untermarchtal”. Das Stift Marchtal erweiterte seine Besitzungen durch Schenkungen und Kauf beträchtlich. Zur Zeit seiner größten Ausdehnung, etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts, beherrschte es ein Gebiet von der Donau bis zum Federsee mit 9 Pfarrdörfern und 14 kleineren Weilern mit etwa 6000 Einwohnern.

Neuzeit

1440 wurde Marchtal zur Abtei erhoben, 1500 wurde es freie Reichsabtei und war mit seinem Abt auf dem Reichstag vertreten. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hatte die Gebäude des Reichsstiftes Marchtal schwer geschädigt, sodass zwischen 1686 und 1769 eine neue Gesamtanlage, die heutige Klosteranlage, errichtet wurde. Die frühbarocke Klosterkirche markiert den Beginn der oberschwäbischen Barockepoche, während der berühmte „Spiegelsaal” in seiner prächtigen Rokoko-Ausstattung bereits deren Ende andeutet. Diese an der Wende zum 19. Jahrhundert zu Ende gehende Epoche brachte auch das Ende der mehr als 600 Jahre dauernden Prämonstratenser-Zeit in Marchtal: 1802 wurde das Kloster säkularisiert, die Chorherren wurden vertrieben, der gesamte Besitz fiel an das bayerische Fürstenhaus Thurn und Taxis. Aus dem altehrswürdigen Kloster wurde ein Schloss, die lange geistliche, kulturelle und musikalische Tradition endete abrupt – für das Dorf und seine Menschen begann eine neue Zeit.

Die neuen Herren waren fürstliche Beamte im thurn- und tax'schen Oberamt und Rentamt, ab 1823 war ein Amtsrichter und Amtsgerichtsaktuar dabei, ab 1848 ging die Lehnsherrschaft zu Ende: Durch Freikauf der Güter vom Fürstenhaus erhielten die Bürger ihr Eigentum verbrieft. Das 19. Jahrhundert brachte auf fast allen Gebieten des Lebens einschneidende Veränderungen und epochale Neuerungen: 1848 gründete Pfarrer Scheffold eine Ortssparkasse „zur Förderung der Sparsamkeit und Hebung des Kredites”. Zwei Jahre später wurde im Dorf eine Postexpedition eingerichtet und 1865 erfolgte die Grundsteinlegung zum Bau des Schul- und Rathauses. Der Bau der Donautalbahn 1870 brachte nicht nur den Beginn eines neuen Reisezeitalters, sondern bot auch den Einwohnern von Obermarchtal Arbeit und Verdienst. 1899 erfolgte die Gründung des Darlehenskassenvereins, und so endete ein auch für das kleine Dorf an der Donau sehr bewegtes und uralte Strukturen veränderndes Jahrhundert.

20. Jahrhundert

Diese Dynamik der Veränderung hielt auch im 20. Jahrhundert an und beschleunigte sich in den letzten zwei Jahrzehnten rasant. Die prägenden Ereignisse waren die Katastrophen der beiden Weltkriege und die durch sie hervorgerufenen politischen und sozialen Verwerfungen und wirtschaftlichen Umbrüche. All dies machte auch vor Obermarchtal nicht halt: Die Kriege forderten ihren Blutzoll in der hiesigen Bevölkerung, Einquartierungen und Lazarette bestimmten über Jahre das Bild der Klosteranlage, über 4.000 Verwundete wurden hier gesundgepflegt oder in den Tod begleitet. Das markanteste Ereignis zwischen den Kriegen war der Einzug der Schwestern vom Orden der Heimsuchung Mariae in die Klosteranlage am 10. Oktober 1919. Nun war wieder klösterliches Leben an alter Stätte. Es dauerte bis in den Herbst 1997. Der Wegzug der Schwestern nach Untermarchtal beendete (vorläufig) das letzte Kapitel der Klostergeschichte des Ortes. Die von den Schwestern 1920 eröffnete Mädchenschule hat noch heute als Katholische Freie Franz-von-Sales-Realschule Bestand und bietet für über 550 Mädchen schulische Heimat und moderne Mädchenpädagogik.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges und überstandenen schweren Nachkriegsjahren machte sich das Wirtschaftswunder der Adenauer-Aera auch in Obermarchtal bemerkbar: 1957 wurde eine neue Wasserversorgung in Betrieb genommen, Ende der 50er Jahre wurden die Ortsstraßen ausgebaut und geteert, 1967 konnte der neu errichtete Kindergarten, der 1998 erweitert und modernisiert wurde, eröffnet werden und 1976 feierte die Gemeinde die Einweihung der neuen Turnhalle. 1978 wurde in der Klosteranlage, die 1973 in den Besitz der Diözese Rottenburg-Stuttgart übergegangen war, die „Kirchliche Akademie der Lehrerfortbildung” eröffnet. Sie machte durch die Entwicklung eines neuen schulpädagogischen Konzeptes (Marchtaler Plan) den Namen „Marchtal” weit über Deutschland hinaus bekannt und ist seitdem mit jährlich über 10.000 Gästen auch ein erheblicher Wirtschaftsfaktor der Gemeinde.

Mit der Einweihung der Sixtus-Bachmann-Grundschule 1988 wurde der vorläufige Schlussstein in diese Zeit der Erneuerung der Infrastruktur der Gemeinde gesetzt.

Eingemeindungen

Folgende Gemeinden gehören zur Gesamtgemeinde Obermarchtal

  • 1182 / 1380 Mittenhausen
  • 1932 Datthausen
  • 1932 Gütelhofen
  • 1932 Luppenhofen
  • 1972 Reutlingendorf

Politik

Bürgermeister

Folgende Bürgermeister standen der Gemeinde vor:

  • 1826 - 1828 Fiderer
  • 1828 - 1830 Herter
  • 1830 - 1847 Aßfalg
  • 1847 - 1876 Pfänder Bernhard
  • 1876 - 1890 Tröster Heinrich
  • 1890 - 1926 Pfänder Eduard
  • 1926 - 1946 Striegel Lorenz
  • 1947 - 1948 Klöß Anton
  • 1948 - 1970 Bauer Karl
  • 1970 - 2002 Branz Hermann
  • 2002 - heute Buck Anton

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Obermarchtal liegt direkt an der B 311 zwischen Ehingen und Riedlingen

Bildung

  • Sixtus-Bachmann-Grundschule
  • Franz-von-Sales-Realschule
  • Studienkolleg Obermarchtal, Katholisches Freies Gymnasium in Aufbauform
  • Kirchliche Akademie der Lehrerfortbildung (daher der Name Marchtaler Plan für den Bildungsplan der Katholischen Freien Schulen der Diözese Rottenburg-Stuttgart)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Obermarchtal ist eine Station an der Oberschwäbischen Barockstraße.Die herrliche barocke Klosteranlage Obermarchtal darf sich rühmen, die einzige architektonisch in sich geschlossene, vollendete und erhaltene Anlage Oberschwabens zu sein. Seit 1994 ist die Anlage alljährlich im Mai Festspielort der Sebastian-Sailer-Tage, ein heiteres Festival mit barocker Musik, Theater und Tanz.

Museen

  • Museum Marchtal Hier können Sie seltene Stücke aus der über 1000 jährigen Geschichte des Klosters und der Gemeinde sehen. Die meisten davon waren bis vor kurzer Zeit der Öffentlichkeit gar nicht zugänglich. Feierliche Gewänder, kostbare Kelche und historische Dokumente zeigen den gemeinsamen Weg von Gemeinde und Kloster Obermarchtal vom frühen Mittelalter über die Wirren der Säkularisation bis in unsere Zeit.

Bauwerke

  • Ehemaliges Prämonstratenserkloster Marchtal mit Münster
  • Soldatenfriedhof Hier ruhen, verbunden im Frieden des Todes, Soldaten aus allen Teilen Europas. Urkundlich erstmals 1790 erwähnt. Nur 1,5 km südöstlich von Obermarchtal gelegen ist der Soldatenfriedhof mit einem schönen Spaziergang zu erreichen.
  • Donau-Wasserkraftwerk Obermarchtal-Alfredstal von 1903

Naturdenkmäler

Sport

  • Sportverein Obermarchtal

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Traditionelles Heimatfest "Peter & Paul" eines der ältesten Heimatfeste in der Region, dessen Ursprung bis ins späte 19. Jahrhundert zurück reicht, wird jährlich mit dem Kirchenpatrozinium St. Peter & Paul um den 29. Juni gefeiert (Veranstalter: Musikverein Obermarchtal)
  • OPEN AIR AM MÜNSTER Stimmungsvoll illuminierte Barockfassaden und die festlich beleuchteten Türme des Münsters geben dieser Veranstaltung schon seit Beginn eine ganz besondere Note. Tausende Besucher aus nah und fern haben bisher diese einmalige Verbindung von historischer Bausubstanz, klösterlicher Atmosphäre und modernem Musik-Erleben genossen.(Veranstalter: Musikverein Obermarchtal)
  • Sebastian-Sailer-Tage, jährlich im Spätsommer stattfindende Festspiele mit Werken von Sebastian Sailer, Konzerten und Vorträgen zur barocken Kultur in Oberschwaben (Veranstalter: Theaterei Herrlingen)
  • Frühlingsfest in Reutlingendorf, jährlich am Wochenende vor Christi Himmelfahrt sowie am Mittwoch vor Himmelfahrt und an Himmelfahrt selbst. Näheres unter www.reutlingendorf.de (Veranstalter: Musikverein Reutlingendorf)

Persönlichkeiten

  • 1714, Sebastian Sailer, † 1777 in Obermarchtal, Mönch in Obermarchtal, Prediger und Pionier der schwäbischen Dialektdichtung
  • 1712 Isfried Kayser † 1771, Pater, Chorherr und Komponist
  • 1754 Sixtus Bachmann † 1825, Pater, Chorherr und Komponist



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Informationsportal über Obermarchtal in Baden-Württemberg - 25.5.2012