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Otzberg ist eine Gemeinde im Landkreis Darmstadt-Dieburg und liegt im Odenwald. Sie wurde 1972 durch den Zusammenschluss von sechs ehemals selbstständigen Gemeinden gegründet. Alle Ortsteile liegen am Otzberg, dem Namensgeber der Gemeinde, der von der Veste Otzberg gekrönt ist. GeografieGeografische LageDie Gemeinde Otzberg liegt im nördlichen Odenwald in Süd-Hessen, hin zum flach verlaufenden Dieburger Becken. Der Otzberg, ein erloschener Vulkan überragt mit seinen 367 m ü. NN, bekrönt von der Veste Otzberg, die Umgebung um 130 bis 200 Meter und stellt damit eine weithin sichtbare Landmarke im nördlichen Odenwald dar. Auf der Veste Otzberg kann man bei guten Tagen seinen Blick bis nach Frankfurt am Main und in den Taunus schweifen lassen. Ausdehnung des GemeindegebietsDie Gemeinde Otzberg ist 41,95 km² groß und somit eine der größten Flächengemeinden im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Das Gemeindegebiet hat an den weitesten Stellen eine Ausdehnung von circa 8 bzw. 9,2 Kilometer. NachbargemeindenIm Norden und Osten grenzt Otzberg an die Stadt Groß-Umstadt, im Süden an die Gemeinden Höchst und Brensbach (beide Odenwaldkreis) und im Westen an die Stadt Reinheim und die Gemeinde Groß-Zimmern. GemeindegliederungDie Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Habitzheim, Hering, Lengfeld (Sitz der Gemeindeverwaltung) mit Zipfen, Nieder-Klingen, Ober-Klingen und Ober-Nauses mit Schloß-Nauses. Von den insgesamt 41,98 km² entfallen 4 % auf bebaute Flächen, 5,6 % auf Verkehrsflächen, 64,5 % auf Wiesen und Äcker, 24,7 % auf Waldflächen, 0,6 % auf Wasserflächen und 0,7 % auf sonstige Flächen. [1] GeschichteDie Besiedlung rund um den Otzberg reicht bis in die Jungsteinzeit (5500 bis 2500 v. Chr.) zurück, dies zeigen einige Siedlungsfunde. Um 500 v. Chr. gehörten die Bewohner zu den Kelten. Auch die Römer hatten Siedlungen um den Otzberg. Man nimmt an, dass sie zusammen mit Resten verschiedener germanischer Stämme lebten. Die beherrschten die Gegend bis 260. Der Otzberg gehörte zur villa autmundistat mit Zubehör(autmundistat=Umstadt, heute Groß-Umstadt), einem karolingischen Königshof, den Pippin 766 „mit Zubehör” der Reichsabtei Fulda schenkte. Vermutlich übte bereits Pfalzgraf Konrad die Vogtei über den fuldischen Besitz am Nordrand des Odenwalds aus. Sicher ist, dass 1214 die fuldische Obervogtei über Umstadt und Höchst an die Pfalzgrafen übergegangen ist. Entgültig gingen die Gebiete um den Otzberg 1390 an den Pfalzgraf Ruprecht II. 1504 ging das Oberamt Otzberg an Landgraf Wilhelm II. von Hessen. Er nahm das Amt militärisch ein. Er zog mit 20.000 Mann Fußvolk und 2.000 Reitern nach Südhessen und machte Hippenheim und Wächterstbach (beide sind heute Wüstungen) dem Erdboden gleich, auch die anderen Orte um den Otzberg sind hiervon nicht verschont geblieben. Schon 1507 kam Lengfeld wieder in den Besitz der Pfalz zurück. 1626 wurde das Oberamt vom Kaiser Ferdinand II. an den Landgrafen Ludwig V. geschenkt. Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges blieb Lengfeld hessisch. Der Westfälische Friede sprach dem neuen Pfalzgrafen Karl I. Ludwig die alten Gebiete wieder zu. 1690 heißt es in der Schilderung der Rheinischen Pfalz von Johann Christoph Wagner „Der Pfaltz am Rhein. Staat= Land= Stædt= Und Geschicht= Spiegel”:
Das Oberamt Otzberg blieb kurpfälzisch bis 1803, als der Landgraf von Hessen-Darmstadt durch den Reichsdeputationshauptschluss[2] die rechtsrheinischen Gebiete erhielt. 1972 schlossen sich die Gemeinden um den Otzberg zu Großgemeinde Otzberg mit dem Verwaltungsmittelpunkt Lengfeld zusammen. Die Gemeinde Otzberg wächst weiter, so wurden seit dem Zusammenschluss viele weiter Wohngebiete und nach langem Ringen, ein Gewerbegebiet erschlossen, um Otzberg finanziell besser abzusichern. Erstnennung der OrtsteileErstmals wurden die Orte rund um den Otzberg im 13. Jahrhundert genannt, beginnend mit der Veste Otzberg, die 1231 als Othesberg genannt wurde. Mit der Erwähnung der Burgmannen der Veste Otzberg 1244 wurde auch Lengfeld genannt. 1261 wurde Klingen als Clingin genannt (Man geht davon aus, dass es sich hierbei um Ober-Klingen handelte). Erst 1357 wurde zwischen Nieder-Klingen (Nydern Clingen) und 1383 Ober-Klingen (Obern Clingen) unterschieden. Von Habitzheim ist erstmals im Jahr 1262 als Habuthisheim in einer Urkunde die Rede. 1322 wurde erstmals Hering als suburbium castri Oetsperg (Unterstadt der Veste Otzberg) genannt. Schon im 11. Jahrhundert war Nauses unter dem Namen Nyuusaze bekannt. 1357 wurde Ober-Nauses als Obern-Nauweseste und 1471 Schloß-Nauses als daz Sloßlin Nuwses genannt. Der jüngste Ort der Gemeinde Otzberg ist Zipfen, im Jahr 1784 als der Zipf erwähnt.[3] Geschichte der OrtsteileReligionenIn Otzberg gibt es acht christliche Gotteshäuser, davon sind drei katholischer und fünf evangelischer Glaubensrichtung. Evangelische KircheDie Ortsteile Habitzheim und Lengfeld bilden eine Kirchengemeinde. So gut wie in jedem Ortsteil verfügt die Evangelische Kirche über eine Kirche. Circa 1786 Einwohner sind evangelischer Konfession. Hering bildet mit Hassenroth (Gemeinde Höchst) eine Kirchengemeinde. In Hering steht ebenfalls eine evangelische Kirche. Etwa 420 Christen in Hering sind evangelisch. Nieder-Klingen und Ober-Klingen bilden ebenfalls eine Kirchengemeinde. Beide Ortsteile verfügen über ein evangelisches Gotteshaus. Circa 1300 Einwohner sind Mitglied der Kirchengemeinde. Katholische Kirche2006 wurde die Pfarrgruppe Otzberg aus den Pfarreien Hering und Habitzheim gegründet. Zum Pfarramt Habitzheim gehören die Ortsteile Habitzheim, Nieder-Klingen, Ober-Klingen und der Groß-Umstädter Stadtteil Semd. In Habitzheim steht eine katholische Kirche. Hering, Lengfeld, Ober-Nauses, Schloß-Nauses, sowie der Groß-Umstädter Stadtteil Wiebelsbach sind in einer Kirchengemeinde verbunden. Sitz des Pfarramtes ist Hering. In Hering, Lengfeld und Habitzheim steht jeweils ein katholisches Gotteshaus.
Zusammenschluss1970 beschloss das Land Hessen eine seit 1969 diskutierte Neugliederung der Kreise und Gemeinden. Die Parlamentarier wussten, dass sie die vorhandenen Widerstände der betroffenen Bevölkerung nur durch gute Argumentation sowie interessante Zusagen brechen konnten. So war eine der Zusagen, dass Gemeinden, die sich bis Ende 1971 zusammengeschlossen hatten, erhöhte Schlüsselzuweisungen bis 1980 erwarten hatten. Außer den sechs Gemeinden, die heute die Ortsteile der Gemeinde Otzberg bilden, saßen zunächst auch die Vertreter von Wiebelsbach am Verhandlungstisch. Im Laufe der Diskussionen wandte sich Wiebelsbach nach einem Bürgervotum der Stadt Groß-Umstadt zu. Bereits im Mai 1971 war man sich im Ausschuss für die Gemeindezusammenlegung - Ortsgruppe Lengfeld vom Grundsatz her über einen Grenzänderungsvertrag einig. So konnte der Zusammenschluss der ehemals selbständigen Gemeinden Habitzheim, Hering, Lengfeld mit Zipfen, Nieder-Klingen, Ober-Klingen, Ober-Nauses mit Schloß-Nauses zum 31. Dezember 1971 erfolgen. Einwohnerentwicklung
Nebenstehende Tabelle zeigt die Einwohnerentwicklung in der Gemeinde Otzberg seit dem Zusammenschluss 1972. Am 31. Juni 2006 hatte die Gemeinde insgesamt 6936 Einwohner in circa 2885 Haushalten. Die Einwohner verteilen sich wie folgt: Lengfeld mit Zipfen: 2304 Einwohner, Habitzheim: 1529 Einwohner, Hering: 1025 Einwohner, Ober-Klingen: 994 Einwohner, Nieder-Klingen: 834 Einwohner, Ober-Nauses mit Schloss-Nauses: 250 Einwohner. Alle Angaben beziehen sich auf Einwohnerzahlen mit Nebenwohnungen.[4] Politik
(gültig für die Amtsperiode 2006 - 2011) GemeindevertretungVon 1972 bis 1989 hatte die CDU die absolute Mehrheit der 31 Sitze in der Gemeindevertretung und stellte stets den Bürgermeister. 1989 verlor die CDU die absolute Mehrheit und ging mit der Grünen Alternativen Liste Otzberger Bürger (GALOB) eine der ersten schwarz-grünen Koalitionen ein. 1997 zog die Wählergemeinschaft Otzberg (WGO), die durch eine Abspaltung aus der SPD hervorging, in die Otzberger Gemeindevertretung ein, was an den Mehrheitsverhältnissen aber nichts änderte. Bei den Wahlen 2001 büßte die WGO die Hälfte ihrer Mandate wieder ein. Seitdem hatte die CDU wieder die absolute Mehrheit in der Gemeindevertretung bis 2006. Anschließend bildeten CDU und Grüne wieder eine schwarz-grüne Koalition am Otzberg. BürgermeisterAmtierender BürgermeisterKarl Ohlemüller (CDU) Ehemalige Bürgermeister
WappenDas Otzberger Gemeindewappen:
Partnerschaften
Kultur und SehenswürdigkeitenMuseen
BauwerkeVeste OtzbergDie Veste Otzberg wurde auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges in 368 m ü. NN errichtet. Erstmals wird das castrum Othesberg 1231 in einer Urkunde erwähnt. Die Veste dürfte Ende des 12. Jahrhunderts/Anfang des 13. Jahrhunderts gebaut worden sein. Die Gestalt der Festung wird geprägt durch die im 16. Jahrhundert errichteten doppelten Ringmauern, die eine ovale Form beschreiben, und den Bergfried, der romanischen Ursprungs ist. Der Charakter ist der einer Festung aus der Zeit nach Einführung der Artillerie, typische Burgeigenschaften wie Türme fehlen völlig. Wasserburg Schloß-NausesDie Wasserburg Schloß-Nauses befindet sich in einem Tal südöstlich des Otzbergs. Ursprünglich wurde das Schloss Nauses als Wasserburg angelegt, aber von den Wehranlagen und Gräben ist nichts mehr zu sehen. Nur das Haupthaus (Herrenhaus) und der Torturm sind erhalten. Die vorhandenen Nebengebäude wurden im 19. und 20. Jahrhundert errichtet. Altes Rathaus in LengfeldDas Alte Rathaus, welches sich mitten auf der Straße befindet, wurde 1717 erbaut und unter Bürgermeister Johan Bastian Bauer eingeweiht. Das Rathaus ist seit 1905 denkmalgeschützt; es ist zweigeschossig, mit einem großem Speicher unter dem Krüppelwalmdach. Das Untergeschoss ist massiv aus Bruchsteinen mit Sandstein-Eckquaderung ausgeführt. Das Obergeschoss wurde in Fachwerkbauweise errichtet. Im Untergeschoss besteht eine Durchfahrt in nordsüdlicher Richtung. Bis 1973 wurde der Verkehr noch durch das Rathaus gelenkt und danach erst eine Umgehung des Rathauses gebaut. Ab 1974 befand sich das Museum zur Volkskunde Hessen in den Räumen des Rathauses, ab 1984 wurde dort das Spielzeugmuseum, eine Abteilung des Museums Otzberg, eingerichtet. BundenmühleIn der gegen Ende des 18. Jahrhunderts erbauten „Bundenmühle”, etwa einen halben Kilometer außerhalb gelegen (Karte), wurde zwischen 1983 und 1993 die Fernsehserie „Diese Drombuschs” für das ZDF gedreht. Das Wohnhaus der Mühle ist inzwischen sehr baufällig. [5] Sonstige sehenswere Bauwerke
Parks und NaherholungsgebieteEin Anziehungspunkt für Familien und Kinder ist der Waldspielplatz Hering, welcher im Volksmund aufgrund der dort aufgestellten hölzernen Spielgeräte und Schutzhütten, welche Tipis ähneln, auch Indianerspielplatz genannt wird. Es gibt dort auch Grillplätze. Der oben bereits erwähnte Kuhgraben ist, ebenso wie der seit 1975 durch den Gesangsverein Nieder-Klingen erschlossene Hollergraben im Ortsteil Nieder-Klingen, ein beliebter Veranstaltungsort für öffentliche Grillfeste der örtlichen Vereine. Der Jugendzeltplatz Junkerwald mit einem kleinen Bach bietet Kindern und Jugendlichen eine naturverbundene Freizeitgestaltung. In Hering gibt es einen Minigolfplatz der bei jung und alt sehr beliebt ist. Er liegt am Fuße des Otzbergs. Naturdenkmäler
Auch zahlreiche Hohle wie der Kuhgraben in Lengfeld und Nieder-Klingen sowie die Hohle Kargenhölle, Kuhtränke, Mordkaute, Griesbusch, Gaulsgräben, Halde und Felswiese am Kalkofen in Ober-Klingen sind als Naturdenkmale ausgewiesen. Regelmäßige Veranstaltungen
Wirtschaft und InfrastrukturIn Otzberg gab es 2004 628 Beschäftigte, von denen die meisten im Produzierendem Gewerbe sowie Handel, Gastgewerbe, Verkehr und bei öffentlichen und privaten Dienstleister tätig waren. Nur 5,7% der Beschäftigten waren in der Landwirtschaft tätig. 229 Unternehmen gab es 2004 in Otzberg.[6] In Otzberg existiert, im Ortsteil Lengfeld, ein Gewerbegebiet von 150.000 m² Größe. Ansässige UnternehmenIm Gewerbegebiet hat sich unter anderem die Firma TNT auf einer Fläche von ca. 43.000 Quadratmetern niedergelassen. Hier werden Reifen von Pirelli und Metzeler gelagert und weiterverteilt.[7] Der in Fachkreisen bekannteste Betrieb dürfte die Firma „Eurokart” von Adolf Neubert sein, der sich mit dem Vertrieb von Karts und Zubehör widmet. Für die Firma führen Motorsportgrößen wie Michael Schumacher, Stefan Bellof, Bernd Schneider sowie Timo Glock und konnten somit ihre erste berufliche Erfahrungen im Motorsport sammeln.[8] Des Weiteren ist Otzberg heute hauptsächlich geprägt von Kleinbetrieben und mittelständischen sowie Landwirtschaftsbetrieben. Verkehr
MedienIn der Gemeinde Otzberg gibt es die Zeitung „Otzberg-Bote, ein wöchentliche Zeitung über die Gemeinde Otzberg und ihre Ortsteile. Sowie Vereins Neuigkeiten und aktuelle Nachrichten werden dort veröffentlicht. Weiterhin fungiert es als Amtsblatt der Gemeinde Otzberg. Auch der Regionalteil des Darmstädter Echo berichtet unregelmäßig über Otzberg. Bildung
PersönlichkeitenPersönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
SonstigesIn Otzberg wurden einst Teile der Fernsehserie Diese Drombuschs gedreht. Der Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher hat in Otzberg eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker, sowie seinen PKW-Führerschein gemacht. Er fuhr für den Lengfelder Rennstall Eurokart und erreichte verschiedene Meistertitel im Kartfahren, wie Junioren-Vize-Weltmeister und Europameister. Quellen und LiteraturQuellen
Einzelnachweise Literatur
Siehe auch
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