Pettendorf in Bayern


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Regensburg
Koordinaten: 49° 4′ N, 12° 0′ O
Höhe: 455 m ü. NN
Fläche: 24,59 km²
Einwohner: 3259
Bevölkerungsdichte: 133 Einwohner je km²
Postleitzahl: 93186
Vorwahl: 09409
Kfz-Kennzeichen: R
Gemeindeschlüssel: 09 3 75 181
Gemeindegliederung: 19 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Margarethenstraße 4
93186 Pettendorf
Webpräsenz: www.pettendorf.de
Bürgermeister: Eduard Obermeier (FW)

Pettendorf ist eine Gemeinde im Oberpfälzer Landkreis Regensburg mit einer Wohnbevölkerung von rund 3.500 Einwohnern (gegenwärtig rund 3.300 Erstwohnsitze).

Geografie

Geografische Lage

Die Gemeinde Pettendorf befindet sich am südlichen Ausläufer des Natur-Großraums Fränkische Jura und hat hauptsächlich als Wohn- und Vorortgemeinde von Regensburg Bedeutung, von deren Stadtzentrum sich der Hauptort Pettendorf rund 8 km Luftlinie entfernt befindet. Die Fläche der Gemeinde dehnt sich in nördlicher Richtung ca. 7 km aus und die größte ostwestliche Ausdehnung beträgt ca. 6 km. Das Gemeindegebiet wird im Süden durch die Donau und im Westen durch die Naab begrenzt. Im Gemeindegebiet von Pettendorf mündet die Naab bei Mariaort in die Donau.

Geologie

In der Gemeinde befinden sich mehrere Abtragungen, die urzeitliches Kompaktgestein freigelegt haben und wo über Jahrhunderte hinweg Stein abgebaut wurde. Dabei wurde der Überlieferung nach in den vielen Steinbrüchen im Gemeindegebiet nicht nur für die Siedler vor Ort Stein abgebaut, sondern auch für den Bau des Regensburger Domes und der Steinernen Brücke. Erwähnenswert ist hier insbesondere der Abbau von Grünsandstein, der im Mittelalter nachweislich in vielen Gebäuden in Regensburg verwendet wurde. Im westlichen Gemeindebereich - nahe Etterzhausen - wurde ein Steinbruch, in dem Dolomit abgebaut wurde, bis in die jüngste Vergangenheit betrieben. Von besonderer Bedeutung war nach dem Ende des 2. Weltkriegs für einige Zeit auch der Abbau von Braunkohle im Gemeindegebiet. Bohrungen nach 1900 hatten einige Braunkohlevorkommen nahe Schwetzendorf und Reifenthal lokalisiert.

Nachbargemeinden

Nachbargemeinden von Pettendorf sind die Stadt Regensburg sowie die Gemeinden Lappersdorf, Pielenhofen, Wolfsegg, Sinzing und Nittendorf.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde hat 19 Ortsteile, die sich recht gleichmäßig über das ganze Gemeindegebiet verteilen:

  • Adlersberg
  • Aichahof
  • Deckelstein
  • Ebenwies
  • Eibrunn
  • Eichenbrunn
  • Günzenried
  • Haselhof
  • Hinterberg
  • Hummelberg
  • Kneiting
  • Mariaort
  • Neudorf
  • Pettendorf
  • Reifenthal
  • Ried
  • Schwetzendorf
  • Tremmelhausen
  • Urtlhof

Geschichte

Die meisten Siedlungen der Gemeinde Pettendorf sind bereits im 13. Jahrhundert urkundlich belegt. Steinerne Zeugen einer bedeutenden Vergangenheit sind das ehemalige Schloss und die romanische Anlage der Pfarrkirche in Pettendorf, das frühere Kloster Adlersberg, die beiden Kirchen in Kneiting und die heute noch von vielen Pilgern aufgesuchte Wallfahrtskirche in Mariaort.

Der Hauptort Pettendorf wurde erstmals im Jahr 1028 urkundlich erwähnt. Als Ortsgründer wird ein Bauer namens Patto oder Petto erwähnt, der die Siedlung um die Jahrtausendwende gegründet haben soll. Die Orte Kneiting und Deckelstein sind - aufgrund ihrer Lage an Donau und Naab - jedoch schon deutlich früher gegründet worden.

Im 11. Jahrhundert benannte sich ein Edelfreiengeschlecht nach dem Hauptort in „Herren von Pettendorf-Lengenfeld-Hopfenhohe”, was auf eine bedeutende Stellung des Ortes zur damaligen Zeit schließen lässt. Im 12. Jahrhundert wurde der bisherige Herrschaftssitz in Pettendorf in ein Kloster umgewandelt, das aber bald darauf wohl wieder geschlossen wurde. Im Jahr 1180 platzierten die Wittelsbacher, an die das Gemeindegebiet durch die Heirat der Erbtochter des letzten Herren von Pettendorf-Lengenfeld-Hopfenhohe mit Pfalzgraf Otto IV. gefallen war, in Pettendorf einen Ministerialen und bauten im Ort eine befestigte Burg auf. In den folgenden Jahrzehnten konnte Pettendorf seine Funktion als wichtiger Verwaltungsort der Wittelsbacher nördlich der Donau erhalten und wird in vielen Urkunden aus dieser Zeit als „Amt zu Pettendorf” zitiert. Um 1280 verlor Pettendorf seine Funktion als Verwaltungssitz und die bisherige wittelsbacherische Festung wurde wieder in ein Kloster umgewandelt.

Nach einem Brand wurde das Kloster auf den Adlersberg verlegt und der Bereich des ehemaligen Klosters in einen Edelsitz - im Volksmund „Schloss” genannt - umgewidmet. Über die Jahrhunderte befand sich der Besitz um Pettendorf dann in der Hand verschiedener Adels-, Diplomaten- und Kaufmannsgeschlechter, von denen insbesondere die Herren von Thon-Dittmer erwähnenswert sind. Die Grundrisse des ehemaligen Edelsitzes sind noch heute im Ort erkennbar, in dessen Gebäuden heute ein Bauernhof betrieben wird. Nach der bewegenden Vergangenheit bis ins 13. Jahrhundert war die Gemeinde bis Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem landwirtschaftlich geprägt und trat geschichtlich nicht mehr in Erscheinung.

Aufgrund der nach dem Zweiten Weltkrieg herrschenden Brennstoffknappheit wurde nach 1945 mit der Erschließung und dem Abbau der Braunkohlevorkommen bei Schwetzendorf und Reifenthal begonnen. Die Obertagebauanlagen waren 1947 fertiggestellt. Die Belegschaft der Grube bei Reifenthal erreichte 1949 mit 129 Mann ihren Höchststand und brachte es zu dieser Zeit auf eine Förderleistung von 3.358 Tonnen Braunkohle im Januar 1949, die im Tage- und Tiefbau abgebaut wurde. Die Grube bei Schwetzendorf baute ausschließlich im Tagebau Kohle ab und beschäftigte im Durchschnitt rund 50 Mitarbeiter. Die Effektivität der Schwetzendorfer Grube war deutlich höher; dort wurden pro Tag rund 150 Tonnen Kohle abgebaut. Während der kurzen Betriebszeit wurden rund 180.000 Tonnen Kohle bei Schwetzendorf abgebaut und überwiegend an die Regensburger Bürger geliefert, die zu dieser massiv unter dem kalten Winter und der Brennstoffknappheit litten. Nachdem 1949/50 die Verkehrsverbindungen ins Ruhrgebiet wieder erschlossen waren, sank die Nachfrage nach der mit nur geringem Heizwert versehenen heimischen Kohle rasant, was schließlich zur Einstellung des Grubenbetriebs führte. Zwischen Haselhof und Schwetzendorf hinterließ der Kohleabbau eine Grube, die sich langsam mit Wasser füllte und sich in der Folgezeit zum beliebten Naherholungsgebiet im Regensburger Umland entwickelte. Offiziell wurde der See in „Schwetzendorfer Weiher” benannt, wobei ihn viele Einheimische bis heute jedoch noch „Bergwerksee” (oder auch „Kohlenschacht”) nennen.

Im Nordwesten Regensburgs gelegen, gelangte der Raum um Pettendorf herum dann in den letzten Jahrzehnten unter den Einfluss der angrenzenden Großstadt Regensburg. Dabei wandelte sich das einst völlig landwirtschaftlich orientierte Gebiet durch rege Bautätigkeit, die heute noch nicht abgeschlossen ist, in eine beliebte Wohngegend.

Religionen

Das Gemeindegebiet Pettendorf gehört zur römisch-katholischen Pfarrei Pettendorf, die daneben noch weitere Ortsteile der Gemeinde Pielenhofen erfasst. Die Kirchen in Pettendorf, Kneiting, Adlersberg und Mariaort werden jeweils von der römisch-katholischen Pfarrei betreut. Die nächste evangelisch-lutherische Pfarrei ist in Lappersdorf beheimatet.

Zwischen 1542 und 1613 war die Alt-Gemeinde Pettendorf infolge des Konfessionsübertritts der Fürsten von Pfalz-Neuburg, zu deren Herrschaft die Gemeinde damals gehörte, protestantisch und Sitz eines evangelischen Pastors. Das protestantische Zwischenspiel endete nach der Rückkehr des regierenden Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm zum katholischen Glauben.

In der Gemeinde Pettendorf befanden sich im Verlauf der Jahrhunderte Klöster verschiedener Orden in Pettendorf und auf dem Adlersberg. Die ehemalige Klosterkirche auf dem Adlersberg konnte ihre Bedeutung als Marienwallfahrtsort noch längere Zeit erhalten (eine größere Wallfahrt war zuletzt die der Regensburger Bürger zum Dank für die Verschonung vor einem alliierten Luftangriff im 2. Weltkrieg). Nach wie vor ein wichtiger Marienwallfahrtsort ist die Kirche in Mariaort.

Eingemeindungen

1978 wurden die Gemeinden Kneiting und Pettendorf zur heutigen Gemeinde Pettendorf zusammengeschlossen.

Einwohnerentwicklung

Durch die rege Bautätigkeit der letzten Jahre ist die Einwohnerzahl in der Gemeinde Pettendorf stark angestiegen. Lebten 1830 auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Pettendorf (= inklusive Altgemeinde Kneiting) 948 Einwohner, so waren es 1860 bereits 1.341 und 1925 schließlich 1.351 Einwohner. Infolge der Flüchtlingsströme nach dem 2. Weltkrieg lebten 1950 1.767 Personen im Gemeindegebiet. Die Bevölkerungszahl blieb in den 1950er und 1960er Jahren relativ konstant bei 1.700, ehe infolge der Bautätigkeit in den 1970er Jahren die Einwohnerzahl bis zum Jahr 1978 auf 2.155 anstieg. Im Jahr 1989 lebten dann bereits 2.686 Menschen in der Gemeinde Pettendorf und gegenwärtig (Dezember 2006) sind es rund 3.500 (davon rund 3.300 Erstwohnsitze). Infolge der regen Bautätigkeit und der geplanten Ausweisung weiterer Baugebiete ist in den nächsten Jahren mit einem weiteren Anstieg der Einwohnerzahl zu rechnen.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 16 Mitglieder.

  • CSU 7 Sitze
  • SPD 2 Sitze
  • FW 4 Sitze
  • UwB/ödp 3 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 3. März 2002)

Bürgermeister

  • 1978-1992: Alfons Eichhammer (CSU)
  • 1992-2002: Karl Meyer (CSU)
  • seit 2002: Eduard Obermeier (FW)

Steuereinnahmen

Die Gemeindesteuereinnahmen beliefen sich im Jahr 2005 auf 2,74 Millionen Euro.

Wappen

Das offizielle Wappen der Gemeinde Pettendorf wurde erst durch Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 1983 eingeführt. Es zeigt in den Farben Blau und Silber eine Lilie und einen Stern sowie den Kopf der Pfalzgräfin Heilika. Das Wappen erinnert damit an die Stammmutter der Wittelsbacher Herzöge, die als Erbtochter der Herren von Pettendorf-Lengenfeld-Hopfenhohe die Erbschaft Pettendorf durch Heirat mit Pfalzgraf Otto IV. an die Wittelsbacher brachte. Die Farben Blau und Silber sollen zudem die Verbindung zu den Wittelsbachern weiter verdeutlichen. Die Mariensymbole Lilie und Stern erinnern an die Marienwallfahrtsorte auf dem Adlersberg und in Mariaort.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Schloss Pettendorf: Das Schloss mit markantem Walmdach stammt aus dem 11. Jh. Ab 1120 wurde es für 50 Jahre als Dominikanerkloster genutzt. 1174 wird das Gebäude durch Brand fast völlig zerstört. Nach dem Wirderaufbau Nutzung als Pfarrkirche. 1748 erfolgt ein Umbau zum heutigen Walmdachbau.
  • Ehemaliges Kloster Adlersberg: Das Dominikanerinnenkloster wurde um das Jahr 1262 errichtet. Als Stifter wird 1264 Bayernherzog Ludwig II. erwähnt. Mitte des 16. Jh. wurde das Kloster Adlersberg aufgelöst. Der ursprüngliche Zustand der heute als Wirtschaft genutzten Gebäude aus gotischer Zeit ist nut zum Teil erhalten geblieben. In der Kirche befindet sich eine Steinfigur der Muttergottes mit Kind, Muttergottes der Verlassenheit genannt. Heute ist Adlersberg mit seinem beliebten Biergarten mit eigener Brauerei ein Regensburger Ausflugsziel. Von den Winzerer Höhen führt ein Wanderweg hierher.
  • Kapelle Neudorf: In der neuen Kapelle im Kern des Ortsteils Neudorf sind sehenswerte Fresken und Wandmalereien der bekannten Künstlerin Ivana Koubek zu sehen.
  • Wallfahrtskirche Mariaort: Die Wallfahrtskirche Mariaort zählt ihrer Größe nach zu den kleinen Wallfahrtskirchen der Oberpfalz, doch liegt sie malerisch am Naabufer und nimmt durch ihre einheitliche Architektur und Ausstattung eine interessante Stellung ein. Das Generalkonservatorium München bezeichnete die Wallfahrtskirche als eine der schönsten Kirchen des 18. Jh. in der Umgebung Regensburgs. Die beliebte Tauf- und Hochzeitskirche bildet als Marienwallfahrtsort einen ganzjährigen Anziehungspunkt für Gläubige bis nach Franken und Tschechien. Die Kirche wird im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt und wird ab 1352 als Marienkirche geführt. Um 1400 ist das Gnadenbild von Mariaort entstanden. Das Gnadenbild, der Legende nach in der Zeit der oströmischen Bilderstürme (8. Jh.) bei Konstantinopel ins Meer geworfen, soll auf einer Wacholderstaude stromaufwärts nach Mariaort getrieben worden sein.

Theater

In den vergangenen Jahren hat sich mit dem 1979 unter der Leitung des damaligen Pfarrers Dr. Dieter Groden gegründeten PettenDorftheater eine rege Theaterkultur in der Gemeinde entwickelt. Das Laientheater führt seither regelmäßig im November Stücke von Ludwig Thoma oder Karl Valentin auf. In den vergangenen Jahren wagte sich das Ensemble mehr und mehr auch an sehr anspruchsvolle Stücke wie beispielsweise „Pygmalion” von George Bernhard Shaw heran.

Musik

In der Gemeinde gibt es ein großes Jugendblasorchester, das 1988 auf Initiative des späteren Bürgermeisters Karl Meyer gegründet wurde.

Bauwerke

  • Romanische Kirche Pettendorf
  • Schloss Pettendorf
  • Ehemaliges Dominikannerinnenkloster Adlersberg
  • Kirche St. Peter und Paul in Kneiting
  • Liebfrauenkapelle in Kneiting
  • Wallfahrtskirche in Mariaort

Naherholung

  • Schwetzendorfer Weiher

Sport

  • TSV Adlersberg
  • FC Pielenhofen-Adlersberg

Regelmäßige Veranstaltungen

Am Palmsonntag findet jedes Jahr der traditionelle Palmator-Starkbieranstich der Brauerei Prößl auf dem Adlersberg statt, zu dem sich regelmäßig mehrere tausend, überwiegend jugendliche Menschen einfinden.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

ÖPNV:

  • Regensburger Verkehrsverbund (RVV)

Bundesstraßen:

Kreisstraßen:

  • Kreisstraße R39

Fernradwege:

  • Waldnaabtal-/Naabtal-Radweg von Bärnau nach Regensburg

Ansässige Unternehmen

In der Gemeinde sind zahlreiche kleinere und mittlere Handwerks-, Produktions- und Dienstleistungsunternehmen beheimatet, die ihre Kunden überwiegend in der Stadt Regensburg finden.

Bildung

Im Ortsteil Pettendorf befinden sich die Grund- und Teilhauptschule Pettendorf-Pielenhofen sowie der Katholische Kindergarten St. Margaretha.

Persönlichkeiten

Der sudetendeutsche Schriftsteller Hans Watzlik verbrachte seine letzten Lebensjahre auf Gut Tremmelhausen in der Gemeinde Pettendorf. In der Nähe von Tremmelhausen erinnert noch heute ein Totenbrett an einer Kapelle, auf halbem Weg von Tremmelhausen auf die Winzerer Höhen, an ihn.




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Informationsportal über Pettendorf in Bayern - 25.5.2012