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Reichenbach / Oberlausitz (sorbisch: Rychbach) ist eine Kleinstadt in der östlichen Oberlausitz, ca. 15 Kilometer westlich von Görlitz. GeographieGemeindegliederungZur Stadt selbst gehören die früher selbständigen Dörfer Oberreichenbach (1969 eingemeindet), Niederreichenbach (1957) und Oehlisch (1974). Am 1. Januar 1994 wurden weitere umliegende Dörfer zur Stadt eingemeindet:
GeschichteDie Gründung der Waldhufendörfer Ober- und Niederreichenbach erfolgte um 1200. Erstmals wird die spätere Stadt Reichenbach am 22. Februar 1238 in einer Privilegienurkunde des böhmischen Königs Wenzel für das nahe Ostritz gelegene Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal erwähnt, wo sie bis heute aufbewahrt wird. Darin wird für Reichenbach (Richembach) ein königl. Vogt nachgewiesen. Da der Ort an der mittelalterlichen Handelsstraße Via Regia gelegen war, gewann er recht schnell an Bedeutung. Ausdrücklich als Stadt wird Reichenbach erstmals 1306 bezeichnet. Die entsprechende Urkunde befindet sich im Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau. In den Hussitenkriegen wurde Reichenbach zur Jahreswende 1430/31 von einem 8.000 Mann starken Heer unter Prokop dem Großen belagert. Der Ort wurde niedergebrannt, jedoch konnten sich die Bewohner innerhalb der von einer Wehrmauer umgebenen Stadtkirche St. Johannis verschanzen und erfolgreich verteidigen. Die getöteten Hussiten wurden unterhalb des Töpferbergs (284 m) verscharrt, weswegen diese Stelle bis heute Ketzergrube genannt wird. Ein Tor in der Wehrmauer der Kirche, durch das einige Belagerer eingedrungen sein sollen, heißt seither Hussitentor. Mehrmals durchquerte Napoleon den Ort, wobei er jeweils beim Apotheker der Stadt Quartier nahm. An der Außenwand der alten Apotheke weist eine Gedenktafel darauf hin. Beim Gefecht bei Reichenbach am 22. Mai 1813 mussten sich die Franzosen trotz zahlenmäßiger Überlegenheit den Alliierten geschlagen geben. Im Zuge der staatlichen Neuordnung nach dem Wiener Kongress wurde die neue sächsisch-preußische Grenze zwischen Reichenbach und das benachbarte Sohland a.R. gelegt, so dass die Stadt nunmehr zur preußischen Provinz Niederschlesien gehörte. Nach dem Zweiten Weltkrieg, von dessen Zerstörungen die Stadt weitgehend verschont blieb, wurde der westlich der Lausitzer Neiße gelegene Teil Schlesiens dem Land Sachsen zugeschlagen. Nach Auflösung der Länder in der DDR gehörte die Stadt zum Kreis Görlitz im Bezirk Dresden und seit 1990 wieder zum neu gegründeten Freistaat Sachsen. Nach der Verwaltungsreform erfüllt die Stadt jetzt die Funktion eines Unterzentrums im Niederschlesischen Oberlausitzkreis, dessen Kreissitz Niesky ist. ReligionenDie evangelischen Kirchengemeinden Reichenbach und Meuselwitz gehören zur Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die katholische Gemeinde St. Anna und St. Hedwig Reichenbach-Mengelsdorf gehört zum Bistum Görlitz. Außerdem gibt es eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde und eine Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten. PolitikReichenbach ist Sitz einer Verwaltungsgemeinschaft. Dazu gehören neben der Stadt die Gemeinden Sohland a.R., Königshain und Vierkirchen. Partnergemeinden
Kultur und SehenswürdigkeitenStadtbild und BauwerkeDas Stadtbild wird durch den großen Marktplatz im Zentrum geprägt. Direkt am Markt befindet sich die alte Apotheke, wo Napoleon I. und Friedrich Wilhelm III. gastierten. An der der Schloßgasse zugewandten Außenwand des Gebäudes weist eine Tafel darauf hin. Aus der Rückwand des Hauses ragen sichtbar zwei Kanonenkugeln aus dieser Zeit. Das Sparkassengebäude an der Ostseite des Platzes war früher ein Gasthof. Theodor Körner weilte hier 1809, was ebenfalls durch eine Gedenktafel festgehalten ist. Zur Marktseite hin wird das Gebäude durch eine Reliefdarstellung des Stadtwappens geziert. Den Eingang auf der Görlitzer Straße flankieren große Reliefs, die Männer, ihr Erspartes zur Kasse bringend, darstellen. Im Zentrum unweit des Marktes befindet sich die neugebaute Stadt- und Kreisbibliothek. Der Heimatverein Reichenbach hat das Ackerbürgermuseum Reichenbach aufgebaut, das jetzt zum Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund gehört. Der Bernhard-Lekve-Park beherbergt etliche botanische Besonderheiten. Im Niederhofpark wird durch einen Gedenkstein Napoleons Befehlsstandort beim Gefecht bei Reichenbach im Mai 1813 markiert. Markantestes Gebäude der Stadt ist die evangelische Stadtkirche St. Johannis, die im 12./13. Jahrhundert erbaut wurde. Reichenbach besaß keine Stadtmauer, jedoch ist der Kirchplatz von einer Wehrmauer umgeben. Das sogenannte Hussitentor erinnert an die hussitische Belagerung 1430/31. Die Kirche fiel 1670 einem Brand zum Opfer und wurde in ihrer heutigen Gestalt wieder aufgebaut. Die Orgel des Baumeisters Friedrich Ladegast aus dem Jahr 1866 wurde 1999/2000 rekonstruiert. Eine umfassende Außen- und Innensanierung des Kirchbaus begann in den achtziger Jahren. An der Görlitzer Straße, früher außerhalb der Stadt gelegen, befindet sich die katholische St. Annenkirche, ein neugotischer Bau, der 1900 geweiht wurde. Vorher befand sich an der Stelle eine Fachwerkkapelle mit Dachreiter, die seit 1813 eine Ruine war. Auf dem Töpferberg (284 m) steht eine alte Windmühle, die mit fünf Flügeln besetzt war. Auf dem Gipfel des Hügels weist ein 1913 aufgestellter Gedenkstein auf das Gefecht bei Reichenbach hin. SportDas Freibad wurde 1934 erbaut und 1994 nach umfassender Rekonstruktion und Modernisierung als Erlebnisbad wiedereröffnet. Zur Anlage gehören neben den Schwimmbecken auch Sportanlagen. Wirtschaft und InfrastrukturVerkehrReichenbach liegt an der B 6, die von Görlitz kommend über Dresden weiter in Richtung Harz und Bremen führt. Der Bau einer Ortsumfahrung wurde nach zwei Bauabschnitten 2005 fertiggestellt. Die nächsten Anschlussstellen zur A 4 sind Weißenberg und Nieder Seifersdorf. Die Stadt wurde 1847 an die Bahnstrecke Görlitz-Dresden angeschlossen. Der Bahnhof der Stadt wird heute nur noch als Haltepunkt für Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn genutzt. Ein Haltepunkt befindet sich auch im Ortsteil Zoblitz zwischen Reichenbach und Löbau. Busverbindungen bestehen nach den benachbarten größeren Städten Görlitz, Löbau, Niesky sowie Bernstadt und Weißenberg. BildungAn allgemeinbildenden Schulen gibt es in Reichenbach eine Mittelschule und eine Grundschule im Verantwortungsbereich des Regionalschulamtes Bautzen. Vorgängereinrichtung beider Schulen war die Polytechnische Oberschule (POS) „Erich Weinert”. Außerdem hat in Reichenbach die Sing- und Musizierschule Schlesische Lausitz ihren Sitz, deren Träger das Landratsamt des Niederschlesischen Oberlausitzkreises ist. Rundfunksender ReichenbachReichenbach ist seit Ende der 1920er Jahre Standort eines Rundfunksenders. Ursprünglich diente ein freistehender Holzturm, der zum Wahrzeichen der Stadt wurde, als Antennenträger. Später wurde dieser Turm durch einen selbststrahlenden Sendemast ersetzt, der 1999 erneuert wurde. Der Sender Reichenbach strahlt heute auf 1188 kHz mit einer Leistung von 3 Kilowatt das Programm von MDR Info aus. Literatur
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