Schefflenz in Baden-Württemberg


Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Neckar-Odenwald-Kreis
Koordinaten: 49° 24′ N, 9° 17′ O
Höhe: 273 m ü. NN
Fläche: 36,97 km²
Einwohner: 4290
Bevölkerungsdichte: 116 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74850
Vorwahl: 06293
Kfz-Kennzeichen: MOS
Gemeindeschlüssel: 08 2 25 115
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Mittelstraße 47
74850 Schefflenz
Webpräsenz: www.schefflenz.de
Bürgermeister: Peter Fox

Schefflenz ist eine kreisangehörige Gemeinde in Baden-Württemberg (Deutschland).

Geographie

Geographische Lage/ Allgemeines

Die vier Ortsteile liegen auf der durch den Bach Schefflenz eingetalten Muschelkalkhochfläche des südwestlichen Baulands in 250 bis 310 Meter Höhe, die Randhöhen erreichen maximal ca. 350m. Im äußersten Norden des Gemeindegebiets stehen mit den Oberen Röttonen bereits Gesteinsformationen des Buntsandsteins an, die für die benachbarte Landschaft des (badischen) Odenwalds kennzeichnend sind, sich jedoch geomorphologisch unauffällig als leicht zertalte schiefe Ebene mit den Muschelkalkebenheiten zu einer vermutlich tertiär angelegten Rumpffläche nach Nordosten (besonders in Richtung Heidersbach) vereinen (Olbert 1975). Das Gemeindegebiet liegt teilweise im Naturpark Neckartal-Odenwald. Die Schefflenz durchfließt ganzjährig Wasser führend das Gemeindegebiet und alle 4 Ortsteile von Nordnordost nach Südsüdwest. Sie mündet nach gut 25 km als letzter bemerkenswerterer Zufluss (Einzugsgebiet > 50 km²) von rechts in die Jagst. Das Gemeindegebiet ist zu gut 30% bewaldet.

Geologie

In Abhängigkeit vom geologischen Untergrund gestaltet sich die Taleintiefung rechts der Schefflenz im Gemeindegebiet überwiegend sanft ansteigend zur Wasserscheide zur Elz hin (meist im Mittleren Muschelkalk). Links des Tals und im Oberen Muschelkalk hat die Schefflenz eine markantere Talschichtstufe von Kleineicholzheim bis Oberschefflenz herausgearbeitet. Unterhalb wechselt die Schichtstufe die Talseite und tritt an der Nordseite des Vogelbergs (338m ü. NN) erst wieder im Einzugsgebiet der Elz, nämlich im Auerbachtal, deutlich in Erscheinung. Das über 300m lange Schefflenzer Vogelbergtunnel verbindet am östlichen Ausgang des Auerbachtals die Einzugsgebiete von Neckar und Jagst und bot in den 1860er Jahren als leicht zu überwindende Wasserscheide offenbar Vorteile gegenüber einer nördlicheren Elztalroute. Das Höhenniveau des Tunnels liegt bei etwas über 300m.

Die Präsenz recht hochwertiger Böden bei klimatischen Bedingungen, welche im Grunde Weinbau zuließen (Jahresmitteltemperatur in den letzten Jahren durchweg über 9°C) sind typische Bedingungen einer Altsiedellandschaft (Bauland). Die Bodengüte resultiert aus geologischem Substrat (wenig verkarsteter Muschelkalk) und mäßiger Lößüberdeckung. Indes finden sich einige Karsterscheinungen (wasserlose Hohlformen) auf den Höhen ringsum (im Waidachswald, südwestlich Großeicholzheim.

Klima

Klimatisch macht sich die im Vergleich zum benachbarten Odenwald geringere topographische Höhenlage durch höhere Temperatur und geringere aber i. d. R. ausreichende Niederschlagsmengen (> 600 l/m² pro Jahr; d.h. Niederschlag größer als Verdunstung, für die herkömmlichen Feldfrüchte keine zusätzliche Bewässerung notwendig) günstig bemerkbar. Auch die strahlungstechnisch vorteilhafte recht offene Lage von Tal und Hochflächen ist wahrscheinlich agrarisch von Nutzen. Der Temperaturverlauf zeigt meist im späten Juli und frühen August ein Maximum, mehrere Tiefpunkte treten von Anfang Dezember bis Mitte Februar auf (alles: eigene Aufzeichnungen 1987-1996). In den im Vergleich zum Sonnenstand teils verspäteten thermischen Extremen und im Wintermaximum des Niederschlags (besonders Dezember) kommen Eigenschaften eines überwiegend subozeanischen bis subkontinentalen Übergangsklimas zu Geltung. Es darf angenommen werden, dass die nördlich gelegenen Höhen des Odenwalds (bis ca. 600 m ü. NN) ggf. niederschlagsmäßig abschirmenden Effekt oder geringen Staueffekt bewirken, temperaturmäßig v.a. bei West- bis Nordwind schwacher erwärmender Föhneffekt zu veranschlagen ist (nicht belegt). Kurzfristige Schwankungen der Witterungsverhältnisse führen wie überall in den Mittelbreiten gelegentlich zu bemerkenswerten "historischen" Ereignissen:

  • niedrigste (Tiefst-)Temperatur: ca. -30°C, vermutlich Winter 1928/29;
  • Schneehöhe über 50cm: März 1987, Dezember 2001;
  • letztmals Bach begehbar zugefroren: Ende der 1960er-Jahre;
  • regionales "Jahrhundert"Hochwasser: Dezember 1993;
  • Sturmereignisse: Spätwinter 1990, Weihnachtssturm Lothar 1999.

Siedlungs- und Bevölkerungsgeographie

Siedlungsgeographisch gehören Unter- und Mittelschefflenz dem Typus des Haufendorfs zu. Der Straßenverlauf erscheint zufällig, die Anordnung der Gehöfte willkürlich. Der historische Ortsetter von Oberschefflenz konzentriert sich entlang der Hauptstraße (ca. 120 Gebäudeeinheiten) und entlang weniger Nebenstraßen (ca. 60 Gebäudeeinheiten). Der Verlauf des alten Handels- und Heereswegs Heidelberg-Würzburg zeichnet sich im Verlauf der Oberschefflenzer Hauptstraße nach. Mit Sicherheit führte auch der Römerweg (ab. 1. Jh. n. Chr.) durch das Schefflenztal gen Osten. Allerdings ist der genaue Verlauf umstritten: Während Roedder von einer bereits frühen Führung über die Höhen südlich des Elztals durch Oberschefflenz ausgeht, plädiert Ebersold für einen alten Mittel/ -Unterschefflenzer Wegeverlauf. Jedenfalls querte die Römerstraße auf der Strecke zwischen den römischen Lagern Neckarburken (West) und Osterburken (Ost) auf 30km im heutigen Gemeindegebiet das einzige Tal. In Kleineicholzheim, dem sog. "Weiler", mischen sich Haufen- und Straßendorfmerkmale, wobei an Odenwald- und Seckacher Str. - den beiden Hauptwegen -, wie in Oberschefflenz, hier eher ungeregelte Formen des Straßen- oder Reihendorfs vorherrschen.

Die Schefflenzdörfer und Kleineicholzheim sind 4 (territorial-)geschichtlich eng zusammengehörige Einheiten. Gleichwohl hat sich im Laufe der Jahrhunderte ein verwaltungsmäßiges Zusammenwachsen der heutigen Ortsteile lediglich und letztlich im Zuge der Gemeindereform der frühen 1970er-Jahre ergeben, wenn auch die Benennung der 3 Schefflenzdörfer "seit jeher" alte Verbundenheit erkennen lässt. Jene Verbundenheit zeigte sich über Jahrhunderte in den gemischten Ansprüchen der Kurpfalz und von Kurmainz auf die Dörfer. 1973 haben sich dagegen die politischen Gemeindezugehörigkeiten der beiden Eicholzheimdörfer nach Volksabstimmungen geändert: Groß- im obersten Schefflenztal zur Gemeinde Seckach, Klein- zu Schefflenz.

Zu bemerken ist, dass in Folge der Vertreibung deutscher Bevölkerung aus mittelosteuropäischen Siedlungsgebieten (v. a. Sudetenland, Mähren, Ungarn) nach Ende des 2. Weltkriegs Schefflenz wie viele westdeutsche Dörfer erheblichen Bevölkerungszuwachs erfuhr. Bis heute dauern in Pflege von Dialekt oder Religion Einflüsse der Vertriebenen vor Ort fort. Die Teilhabe der Vertriebenen am kulturellen Leben (v.a . im Vereinswesen und im kirchlichen Leben) darf hoch eingeschätzt werden. Konfessionell betrachtet hat sich durch den Zuzug der Kriegsflüchtlinge eine Vergrößerung des katholischen Bevölkerungsanteils im Vergleich zur traditionell calvinistisch-protestantischen Mehrheit eingestellt.

In der Bevölkerungsstruktur macht sich die Randlage der Gemeinde zwischen den Ballungsräumen Heidelberg-Mannheim, Heilbronn/ Neckar-Unterland sowie ferner Rhein-Main und Würzburg in den letzten beiden Jahrzehnten durch eine insgesamt stagnierende Bevölkerungszahl bemerkbar. Wanderungs- und Geburten- und Sterbefälle ergaben ein Einwohnermaximum von ca. 4400 Personen 1995 und 2000, während seitdem ein leichter Rückgang anhält (Ende 2005 4290 Einwohner). Im Vergleich zum Landesdurchschnitt von 220 fällt die Bevölkerungsdichte mit etwas weniger als 120 Einwohnern/ km² unterdurchschnittlich aus. Dagegen entsprechen die mittleren Alter der männlichen und weiblichen Bevölkerungsgruppen ziemlich genau dem baden-württembergischen 2005: 40,0 Jahre bei Männern (B.-W.: 40,1), 43,0 bei Frauen (B.-W.: 42,7). [Statistisches Landesamt B.-W., siehe Weblinks]

Gemeindegliederung

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Kleineicholzheim, Mittelschefflenz, Oberschefflenz und Unterschefflenz.

Nachbargemeinden

Folgende Gemeinden grenzen an die Gemeinde Schefflenz. Sie gehören teilweise zum Neckar-Odenwald-Kreis und teils zum Landkreis Heilbronn: Adelsheim, Billigheim, Elztal, Roigheim (Landkreis Heilbronn) und Seckach.

Geschichte

Die Gemeinde Schefflenz wurde im Jahr 774 erstmalig urkundlich erwähnt.

Eingemeindungen

Folgende Gemeinden haben sich im Zuge der Gemeindereform zu der neuen Gemeinde Schefflenz zusammengeschlossen:

  • am 1. Januar 1972: Mittelschefflenz, Oberschefflenz und Unterschefflenz
  • am 1. Februar 1972: Eingliederung der Gemeinde Kleineicholzheim

Politik

Gemeinderat

Seit 2004 setzt sich der Gemeinderat aus Mitgliedern folgender politischer Gruppierungen zusammen:

  • CDU: 6 Sitze
  • SPD: 5 Sitze
  • Unabhängige Bürger: 3 Sitze
  • Alternative Liste: 1 Sitz

Bürgermeister

An der Spitze der Gemeinde steht der Bürgermeister der von der Bevölkerung auf 8 Jahre direkt gewählt wird. Seine Stellvertreter werden jeweils vom Gemeinderat nach den Gemeinderatswahlen neu gewählt.

Wappen

Durch eine eingebogene silberne (weiße) Spitze, worin ein linkshin liegendes grünes Eichenblatt unter einer pfahlweis gestellten grünen Erbsenschote mit silbernen (weißen) Erbsen, geteilt; vorn von Blau und Silber (Weiß) schräglinks gerautet (Wittelsbacher Wappen: die Kurpfalz als Teil des Wittelsbachischen Erbes), hinten in Schwarz ein rot bewehrter und rot bezungter goldener (gelber) Löwe.

Gemeindepartnerschaften

Schefflenz unterhält mit folgenden Gemeinden Gemeindepartnerschaften:

  • Cunewalde (Sachsen)
  • Agfalva (Ungarn)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater

Alljährlich zu Beginn des Jahres finden die Theateraufführungen der Theatergruppe des Gesangsvereins Eintracht Mittelschefflenz in der Schefflenzer Harmonie statt.

Museen

Heimatmuseum des Vereins Schefflenztal-Sammlungen e.V. in Unterschefflenz, das mit einem Heimatpreis ausgezeichnet wurde.

Regelmäßige Veranstaltungen

Konzerte des Musikvereins Oberschefflenz, Musical des Musikcorps Schefflenz, Maibaumaufstellen des Gewerbevereins, Backofenfest des Vereins der "Schefflenztal-Sammlungen e.V.", Jedermannschießen des Bogenschützenvereins Schefflenz, usw.

Wirtschaft und Infrastruktur

Neben der Landwirtschaft entwickelten sich Mitte des 20. Jahrhunderts mittelständische Betriebe (Landwirtschaftliche Kleinmotoren, Holz, Lacke). Handwerksbetriebe überwiegen am Ort. Ein Teil der Einwohner pendelt nach Heilbronn bzw. Neckarsulm und Mannheim in die dortigen Industriebetriebe.

Verkehr

Schefflenz hat keinen direkten Autobahnanschluss. Die nächsten Autobahnen sind die A 6 (Mannheim-Heilbronn - Ausfahrt Sinsheim) und die A 81 (Heilbronn-Würzburg - Ausfahrten Möckmühl und Osterburken). Durch das Gemeindegebiet führt die Bundesstraße B 292.

Durch die S-Bahn RheinNeckar ist Schefflenz auch sehr gut in Richtung Mannheim und Würzburg angebunden. Mit der Linie S1 werden die Haltepunkte Oberschefflenz und Eicholzheim stündlich in Richtung Mosbach oder Osterburken bedient. Von Osterburken aus besteht Anschluss nach Würzburg.

Den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen darüber hinaus mehrere Buslinien.

Medien

In Schefflenz erscheint als Tageszeitung eine Lokalausgabe der in Heidelberg erscheinenden Rhein-Neckar-Zeitung.

Bildungseinrichtungen

Schefflenz hat eine allgemeinbildende Grundschule in Oberschefflenz sowie eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule (Schefflenzschule). Ergänzt wird das Bildungsangebot durch Angebote der Musikschule Mosbach und der Volkshochschule Mosbach. Ebenso können in verschiedenen Vereinen Musikinstrumente erlernt werden.

Tourismus

Waldparkplätze, Rastplätze und Schutzhütten laden ebenso zum Besuch ein, wie gepflegte Gaststätten in den Ortsteilen und in der Umgebung. Ein alternatives Zwischenprogramm bietet der Barfußpfad an der Waldspitze im Ortsteil Mittelschefflenz.

Freizeit

Moto-Cross-Gelände, Freibad im Ortsteil Unterschefflenz, gut ausgebaute Radwege, markierte Wanderwege, Waldwege, Waldhütte mit Grillmöglichkeit, Kinderspielplätze, Sportplätze, Sporthallen, Bogenschießanlage, Reitanlage mit Halle.

Öffentl. Einrichtungen

  • Ein Alten- und Pflegeheim des DRK "Haus Luise von Baden" (Neubau 2006, früheres Roedderheim)

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Die Gemeinde Schefflenz bzw. die heute zu Schefflenz gehörigen Gemeinden haben folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen:

  • 1930: Dr. Edwin Roedder (s. u.)

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Augusta Bender 1846 - 1924 Bauerntochter, Telegrafistin, Lehrerin, Frauenrechtlerin, (Heimat-)Schriftstellerin, die ihren Lebenstraum vom Weg in die weite Welt mühsam verwirklichte.
  • Dr. Edwin Carl Roedder 1873 - 1945, Germanistik-Professor in USA, Schriftsteller; der "berühmteste Sohn der Gemeinde Schefflenz", nach ihm wurde die aus seinem Erbe errichteten Kulturhalle und das Altenheim in Oberschefflenz benannt.
  • Lutz Ohl, Kunsttischler
 überregional bekannt durch Einlegearbeiten.

Literatur

  • Ebersold, Günther (1990): Im Wald da sind die Räuber - Geschichte und Geschichten aus Odenwald und Bauland. - Verlag Volk, Buchen, 150 S.
  • Fischer, Georg (Hrsg. 1996): Augusta Bender - Gesammelte Werke. - Druckerei Odenwälder, Buchen-Walldürn, 368 S.
  • Meszmer, Franz Sales (1989): Historischer Atlas der Region Mosbach. - Geschichts- und Museumsverein, Mosbach.
  • Olbert, Günter (1975): Talentwicklung und Schichtstufenmorphogenese am Südrand des Odenwaldes. - Tübinger geographische Studien (64), Geographisches Institut der Universität Tübingen, Tübingen, 121 S.
  • Roedder, Edwin (1936): Volkssprache und Wortschatz des badischen Frankenlandes - dargestellt auf Grund der Mundart von Oberschefflenz. - Modern Language Association of America, New York, 606 S.
  • Roedder, Edwin (1928): Das südwestdeutsche Reichsdorf in Vergangenheit und Gegenwart - dargestellt auf Grund der Geschichte von Oberschefflenz im badischen Bauland. - Verlag Schauenburg, Lahr, 463 S.
  • Schmidt, Ernst (1954): Geomorphologische Studien im hinteren Odenwald und im Bauland. - Selbstverlag der Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen, 129 S.
  • Walter, Karl Otto und Sommer, Ludwig (1998): Häuser und Leute von Oberschefflenz - Ein Spaziergang durch das Dorf. - Druckerei Odenwälder, Buchen-Walldürn, 447 S.



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Informationsportal über Schefflenz in Baden-Württemberg - 26.5.2012