Schiltach in Baden-Württemberg


Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Rottweil
Koordinaten: 48° 17′ N, 8° 21′ O
Höhe: 330 m ü. NN
Fläche: 34,22 km²
Einwohner: 4053
Bevölkerungsdichte: 118 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 77757–77761
Vorwahl: 07836
Kfz-Kennzeichen: RW (bis 1973 WOL)
Gemeindeschlüssel: 08 3 25 051
Stadtgliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 6
77761 Schiltach
Webpräsenz: www.schiltach.de
Bürgermeister: Thomas Haas

Schiltach ist eine Stadt im Landkreis Rottweil in Baden-Württemberg. Sie liegt im Schwarzwald an den Flüssen Kinzig und Schiltach.

Geografie

Schiltach liegt in 295 bis 842 Meter Höhe im Mittleren Schwarzwald an der Mündung des Flusses Schiltach in die Kinzig, an der engsten Stelle des Kinzigtals, zwischen Offenburg, Freudenstadt und Schramberg.

Nachbargemeinden- und Städte im Uhrzeigersinn von Nordosten aus begonnen sind: Schenkenzell, Wolfach, Lauterbach (Schwarzwald), Schramberg und Aichhalden. Die Stadt Wolfach liegt im Ortenaukreis, die Stadt Schramberg und die anderen Gemeinden im Landkreis Rottweil.

Gemeindegliederung

Die Stadt Schiltach wird gebildet aus der Stadt selbst und dem Stadtteil Lehengericht, bestehend aus Vorder- und Hinterlehengericht.

Gemarkung

Die Gemarkung der Stadt Schiltach allein, ohne den Stadtteil Lehengericht, ist sehr klein. Sie umfasst lediglich 585,1 ha. Im Jahr 1979 konnte noch der Bereich „Vor Heubach” von der Stadt Wolfach mit 94,8 ha hinzugewonnen werden. Die Gemarkung des Stadtteils Lehengericht ist wesentlich größer, sie umfasst 2742 ha. Vor der Abgabe der Exklave Sulzbächle an Wolfach (244 ha) waren es 2986 ha. Insgesamt verbleibt der Gesamtstadt Schiltach eine Gemarkung von rund 3422 ha. Auf der Gemarkung Lehengericht befinden sich ausgedehnte Waldgebiete.

Durch Zukäufe aus der Schiltacher Mayerschaft, dem heutigen Lehengericht, vergrößerte sich die sogenannte Untermarkung des Burgfriedens. Der Haberershof und der Kuhbacherhof wurden von der Gemeinde Kinzigtal erworben. Im Jahr 1973 hatte die Schiltacher Gemarkung 585,0643 ha. erreicht. Dazu kam im Jahr 1974 der Stadtteil Lehengericht mit 2986 ha. 1978 wurde die Enklave Sulzbächle des Stadtteils Lehengericht mit 244 ha nach Wolfach abgegeben. 1979 kam das Gebiet Vor Heubach mit 94,8 ha an die Stadt Schiltach. Zum Stadtteil Lehengericht war im Jahr 1956 noch der Stab Reichenbächle mit dem Hunersbach und dem Stammelbach von Lauterbach (Schwarzwald) abgegeben worden.

Geschichte

Schiltach entstand im 11. Jahrhundert als Pfarrei für die umliegenden Höfe, welche älter sind als Schiltach selbst. In der Umgebung der heutigen evangelischen Stadtkirche, im Bereich des heutigen „Vorstädtle” entsteht eine Ansiedlung, die der Ursprung von Schiltach ist, welche nach dem Fluss Schiltach benannt war. Vermutlich zur Mitte des 13. Jahrhunderts gründeten die Herzöge von Teck zur Sicherung ihrer Gebiete die Stadt Schiltach (erste Erwähnung 1275), eine ummauerte Stadt mit Toren und die darüberliegende Burg Schiltach zu ihrer Verteidigung. Eine Kirche wurde in der Stadt nicht gebaut, denn diese war bereits schon da, in der Siedlung vor der Stadt. Die Stadt sollte den Verkehr beherbergen, der hier durchführt, ein Dienstleistungszentrum sein vor dem Anstieg der Straße in Richtung Rottweil. Die Burg/Stadtanlage von Schiltach übernahm somit ab ca. 1250 die Funktion der Willenburg, die die Versorgung an der Straße vor der Gründung der Stadt Schiltach wahrgenommen hat. Die Straße durch das Kinzigtal war schon in Römerzeiten die Verbindung durch den Schwarzwald aus der Straßburger Gegend in Richtung Rottweil.

1371 kommt die Stadt Schiltach an die Herzöge von Urslingen. Die verarmten Urslinger verkaufen im Jahr 1381 Burg und Stadt Schiltach an die Herzöge von Württemberg. Bis auf die Jahre 1519 - 1534, in denen die Stadt zunächst von der Reichsstadt Rottweil, dann von Vorderösterreich besetzt war, (wie das ganze Amt Hornberg), blieb Schiltach bis zum Jahre 1810 bei Württemberg.

1810 wird Schiltach dem Großherzogtum Baden zugeteilt. Wolfach wird Amtstadt für Schiltach, später Kreisstadt.

1817 Die umliegenden Höfe werden als Gemeinde Lehengericht eine eigene Gemeinde.

1952 kommt Schiltach zum Land Baden-Württemberg.

1973 wird der Landkreis Wolfach aufgelöst, Schiltach wird dem Landkreis Rottweil zugeordnet.

1974 Die Gemeinde Lehengericht wird wieder in die Stadt Schiltach eingegliedert.

1979 Die Exklave Sulzbächle/Fischbach kommt zur Stadt Wolfach, im Gegenzug kommt das Gebiet „Vor Heubach” zu Schiltach.

Religionen

Schiltach wurde mit der Reformation, da es ein Teil von Württemberg war zu dem Zeitpunkt, eine rein evangelische Stadt; so wie ihre Landesherren. Dies blieb so bis ins 19. Jahrhundert hinein, als durch die Industrialisierung auch immer mehr Katholiken hinzukamen. Heute existieren neben einer evangelischen und einer katholischen Gemeinde auch noch eine neuapostolische Gemeinde, sowie verschiedene kleine Glaubensgemeinschaften.

  • Evangelische Kirche (Stadtkirche): erbaut 1839-1843 im neubyzantinischen Stil, nachdem die alte gotische Kirche abgebrannt war.
  • Katholische Kirche St.Johannes der Täufer: geweiht 1966, als Nachfolgerin der alten katholischen Kirche von 1899, die aus Platzgründen weichen musste da sie zu klein geworden war.
  • Neuapostolische Kirche an der Hauptstraße aus den 80er Jahren. Völlig unspektakulärer Bau. Die alte neuapostolische Kirche steht in der Schenkenzeller Straße, immer noch am Dachreiter mit dem Kreuz obendrauf zu erkennen; sie wird trotz ihres kirchlichen Ausmaßes als Wohnhaus genutzt.

Eingemeindungen

  • 1934: Gebiet ehem. Haberershof
  • 1936: Gebiet Kuhbacher Hof
  • 1974: Gemeinde Lehengericht
  • 1979: Gebiet Vor Heubach

Politik

Wappen

Das heutige Stadtwappen wurde von den Herzögen von Urslingen übernommen. Mit dem Aussterben des letzten Urslingers, Herzog Reinhold IV von Urslingen im Jahre 1442 wurde das Wappen frei. Vermutlich wurde durch Graf Ludwig von Württemberg (Uracher Linie 1409 - 1450), der ein Gönner der Stadt war das Wappen vermittelt. Das Wappen zeigt drei rote Schildchen in einem weißen Wappenfeld. Nahezu dasselbe Wappen taucht im Elsass auf beim Geschlecht derer von Rappoltstein, einer Burg oberhalb Rappoltsweiler (Ribeauville). Ein Urslinger hatte dort eingeheiratet. Dessen Nachfahren nannten sich dann von Rappoltstein.

Städtepartnerschaften

  • Geising (Sachsen)

Wirtschaft und Infrastruktur

Schiltach ist trotz seiner ländlichen Lage ein Industriestandort mit mehreren international bekannten Unternehmen. Schon im Zeitalter der Industrialisierung gab es Industriebetriebe. So gab es z.B. mehrere Tuchfabriken die begünstigt durch das weiche Wasser der beiden Flüsse ideale Arbeitsbedingungen hatten. Gleiches galt für die Gerbereien, von denen es in Schiltach gleich mehrere gab. Ebenso gab es mehrere Sägewerke und vor allem die Flößerei, die erst mit dem Bau der „Kinzigtalbahn” zum erliegen kam. Das Holz aus Schiltach und Umgebung wurde teilweise auf dem Rhein bis nach Holland weitergeflößt, wo es für den Schiffbau verwendet wurde. Heute sind diese Erwerbszweige natürlich - bis auf die weithin bekannte Gerberei Trautwein und einige kleinere Sägewerke - nahezu verschwunden. Die früher privilegierte Flößerei wird noch von einer regen Flößergruppe am Leben erhalten, um diesen einst wichtigsten Wirtschaftsfaktor Schiltachs nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Es gibt noch Betriebe, die schon um die Jahrhundertwende entstanden sind wie Hansgrohe (1901), andere "Global-Player" (BBS Kraftfahrzeugtechnik AG, VEGA Grieshaber KG usw.) kamen später dazu.

Die Schiltacher Unternehmen bieten heute rund 3.100 Menschen einen Arbeitsplatz am Ort, was bei einer Bevölkerungszahl von knapp über 4.000 Einwohnern sicherlich außergewöhnlich ist. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Stadt an der engsten Stelle des Kinzigtals liegt und topographisch bedingt keine optimalen Rahmenbedingungen für Gewerbeansiedlungen liefern kann und die Autobahnen A 81 und A 5 einige Kilometer entfernt liegen. Um so mehr sind die Stadtväter den Betrieben für ihre Standorttreue dankbar und stets bemüht, die Unternehmen im Rahmen ihrer Möglichkeiten bestmöglich zu unterstützen.

Verkehr

Schiltach ist angebunden an die Bundesstraßen 294 und 462, welche über Schiltach eine Querspange bilden vom Rhein zum Neckar und somit von der Autobahn A 5 zur A 81. Schiltach ist durch eine Umgehungsstraße verkehrsberuhigt. Die beiden Bundesstraßen führen durch 2 Tunnels mit 3 Abfahrten um die Stadt Schiltach herum. Über die Kinzigtalbahn kann man Freudenstadt und Offenburg werktags im Stundentakt erreichen. An Wochenenden fahren einzelne Züge über Offenburg hinaus bis nach Straßburg. Die Stichbahn Schiltach-Schramberg seit 1892 wurde 1959 für den Personenverkehr stillgelegt, 1993 auch für den Güterverkehr. Inzwischen wurden die Gleiskörper entfernt. Die Strecke ist nun ein schöner Radfahrweg von Schiltach nach Schramberg. Weiter gibt es inzwischen nahezu durch das ganze Kinzigtal einen sehr empfehlenswerten Radweg von Haslach bis Alpirsbach. Verschiedene Busverbindungen in Richtung Offenburg, Richtung Freudenstadt, sowie eine starke Anbindung per Bus zur Kreisstadt Rottweil ergänzen das Angebot. Des Weiteren kann man mit dem Stadtverkehr, einem behindertengerechten Kleinbus fast alle innerörtlichen Bezirke gut und in regelmäßigen Abständen erreichen.

Größere und kleinere Flüsse auf der Gemarkung

  • Kinzig
  • Schiltach
  • Heubach
  • Reichenbächle

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die komplett unter Denkmalschutz stehende mittelalterliche Innenstadt ist sehr sehenswert, besonders der Marktplatz mit dem Rathaus, nach Plänen des herzoglich württembergischen Landesbaumeisters Heinrich Schickhardt erbaut, und die Gerbergasse. In Schiltach finden sich Fachwerkhäuser vom 16. bis 19 Jahrhundert in seltener Geschlossenheit. Die Stadt ist Mitglied an der Kulturstraße Deutsche Fachwerkstraße.

Als Fernwanderweg führt der Mittelweg auf dem man von Nord nach Süd den Schwarzwald durchqueren kann ( zwischen Pforzheim und Waldshut), durch Schiltach, welches auf dem Weg Etappenziel ist.

  • Silvesterzug:

Eine Art evangelische Prozession am Silvesterabend. Die Bevölkerung zieht mit Laternen nach altüberlieferten Ritualen vom Marktplatz zur Stadtkirche und singt Dankeslieder die wohl pietistischen Ursprungs sind. Zur Beleuchtung der Stadt dienen Pechfackeln. Die elektrische Beleuchtung ist während des Zuges abgeschaltet. Auch an den Fenstern sollen nur die brennenden Christbäume zu erkennen sein. Der evangelische Pfarrer hält eine Rede vom Fenster des Pfarrhauses aus, umrahmt von Gesang und Posaunenchor. Anschließend versammeln sich die Bürger vor dem Rathaus, wo der Bürgermeister eine Rede hält.

Museen

  • Apothekermuseum (ehemalige Biedermeier-Apotheke am Marktplatz, Funktionsräume, Geräte etc.)
  • Museum am Markt (Stadtgeschichte, Industrialisierung, Handwerk)
  • Schüttesäge-Museum (Holz- und Waldwirtschaft, Flößerei, alte Säge mit unterschlächtigem Wasserrad und Transmissionen, Gerberei)
  • Museum Wasser - Bad - Design (Die Entstehung des Bades und der Badekultur)

Bauwerke

  • Rathaus mit Staffelgiebel von 1593
  • Gasthaus zum Adler von 1604
  • Marktplatz
  • evangelische Stadtkirche 1839 - 1843
  • Gerbergasse mit Äußerer Mühle (1557)
  • Schlossbergstrasse
  • Städtlebrunnen auf dem Marktplatz
  • Jägerhäusle (1590)

Burgruinen

  • Ruine Schiltach auf dem Schloßberg
  • Willenburg, Burgruine oberhalb der Staighöfe auf dem Schlössleberg.
  • Klingenburg, Burgruine in Hinterlehengericht auf dem Burbachfelsen.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Schwäbisch-alemannische Fastnacht
  • Silvesterzug und Neujahrswünsche durch die Schiltacher Nachtwächter
  • Josefsmarkt am 19. März
  • Peter-und-Paul-Markt am 29. Juni
  • Andreas-Markt am 8. Dezember
  • Bauernmarkt am dritten Sonntag im Oktober
  • Kunsthandwerkermarkt am letzten Sonntag im April
  • Flohmarkt in der Gerbergasse (Mitte Juni)
  • "Schiltacher Advent" am Freitag vor dem 2. Advent
  • Stadtfest alle fünf Jahre (nächstes Mal: 2010)

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt oder Ehrenbürger der Stadt

  • Horst Neugart (* 16. Februar 1940), deutscher Pädagoge und Theologe. Er ist seit 2002 Präsident der Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
  • Julius Hauth, Rektor der Volksschule, Heimatkundler.
  • Dr. Hartmut Hauth, Chemiker in Basel.
  • Friedrich Grohe, Unternehmer (* 28. August 1904 in Schiltach, † 29. März 1983 in Schiltach), Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 16. Februar 1973, siehe Friedrich Grohe Armaturen
  • Hermann Fautz, Gewerbeschullehrer und Heimatforscher (* 14. November 1898 in Gengenbach/Kinzigtal, † 20. Oktober 1979 in Überlingen), Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 16. Februar 1973
  • Gustav Kramer, von 1965 bis 1974 Bürgermeister der Gemeinde Lehengericht; danach bis 1983 Ortsvorsteher des Ortsteils Lehengericht, (* 22. Februar 1922 in Lehengericht), Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 21. Dezember 1983
  • Heinrich Baumgartner, Unternehmer (* 25. August 1936 in Schiltach), Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 1. März 2002, siehe BBS Kraftfahrzeugtechnik AG
  • Bruno Grieshaber, Unternehmer (* 16. September 1919 in Triberg, † 7. Oktober 2005 in Schiltach), Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 1. März 2002, siehe VEGA Grieshaber KG und Grieshaber GmbH & Co KG
  • Klaus Grohe, Unternehmer (* 3. April 1937 in Aachen), Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 1. März 2002, siehe Hansgrohe AG mit Sitz in Schiltach
  • Peter Rottenburger, von 1970 bis 2002 Bürgermeister der Stadt Schiltach, geb. 16. Juni 1939 in Freudenstadt, Ehrenbürger der Stadt Schiltach seit dem 25. Oktober 2002
  • Eduard Trautwein, Kunstmaler (* 25. Mai 1893 , † 9. Mai 1978). Bekannt für Fassadenmalerei (Rathäuser in Schiltach und Wolfach)
  • Karl Eyth, Kunstmaler (* 30 Januar 1856, † 17. September 1929)
  • Heinrich Eyth, Kunstmaler (* 8. Juli 1851, † 16. Mai 1925)
Heinrich und Karl Eyth waren Brüder. Nach ihnen ist die Eythstraße in Schiltach benannt.

Literatur

  • Schiltacher Kaleidoskop
  • Der Teufel von Schiltach
  • Schiltach - Die Flößerstadt
  • Schiltach, Schwarzwaldstadt im Kinzigtal



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Informationsportal über Schiltach in Baden-Württemberg - 26.5.2012