Uhldingen-Mühlhofen in Baden-Württemberg


Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Bodenseekreis
Koordinaten: 47° 44′ N, 9° 15′ O
Höhe: 405 m ü. NN
Fläche: 15,66 km²
Einwohner: 8003
Bevölkerungsdichte: 511 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88690 (alt: 7772)
Vorwahl: 07556
Kfz-Kennzeichen: FN
Gemeindeschlüssel: 08 4 35 066
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Aachstraße 4
88690 Uhldingen-Mühlhofen
Webpräsenz: www.uhldingen-muehlhofen.de
Bürgermeister: Edgar Lamm (FWV)

Uhldingen-Mühlhofen ist eine Gemeinde am Nordufer des Bodensees zwischen Überlingen und Meersburg. Die Gemeinde ist ein beliebter Ferienort sowie als Heimat des Unteruhldinger Pfahlbaumuseums und der Wallfahrtskirche Birnau auch ein Ziel für Tagestouristen.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde setzt sich zusammen aus den drei Teilorten Unteruhldingen, Oberuhldingen und Mühlhofen. Zum Gemeindegebiet gehören die Ortsteile Seefelden, Maurach, Obermaurach, Gebhardsweiler und Hallendorf.

Geschichte

Das Bodenseeufer in der Gegend von Unteruhldingen war nachweislich bereits in der Steinzeit und der Bronzezeit besiedelt, wie archäologische Funde belegen. Zur Zeit des Römischen Reiches mag es hier eine Hafenanlage gegeben haben - Münzfunde aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. sprechen dafür. Oberuhldingen lag an einem Römerweg von Meersburg ins heutige Salemer Tal. Dort wurden auch Reste eines römischen Gutshofs gefunden.

Die Pfarrei Seefelden wurde möglicherweise bereits im 7. Jahrhundert gegründet (urkundlich erwähnt wird sie erstmals 1165) und gehört mit Bermatingen, Aufkirch und Kloster Reichenau zu den Urkirchen des nördlichen Bodenseegebiets, wäre also ein Zeuge der ersten Christianisierungswelle durch das Fränkische Reich. Sie war dem Bischof von Konstanz unterstellt.

Der Ortsname Uhldingen ist 1058 als Oweltinga/Ouweltingen erstmals urkundlich belegt; später Uoldingen und Ueldingen. Der Ort trägt den Namen des Sippenältesten Owalt aus alemannischer Zeit. Mühlhofen wird erstmals 1165 als Mulnhoven erwähnt.

Im 12. Jahrhundert begann die Reichsabtei Salem, in Uhldingen und Umgebung gezielt Besitz anzukaufen. Vermutlich in Seefelden wurde 1227 ein Kloster der Zisterzienserinnen gegründet, das unter Salemer Obhut stand. Wenige Jahre später wurde es auf Veranlassung des Salemer Abtes Eberhard von Rohrdorf nach Baindt verlegt.

1348 suchte die Pest die Gegend heim; zwei Bildstöcke im Flurgebiet Herberge erinnern noch daran.

Am Hügel Zihlbühl, in der sogenannten Knappenhöhle, wurde im Mittelalter nach Gold gegraben, das sich in dem weichen Molassesand jedoch nur in spärlichen Mengen fand.

Auf dem unteren Lichtenberg stand eine Burg, die 1499 im Schwabenkrieg zerstört und 1525 abgetragen wurde. Sie war der Sitz der Herren von Oberrieden.

Ab 1264 gehörten die Dörfer Oberuhldingen, Mühlhofen und Seefelden zum Territorium der Reichsabtei Salem. Unteruhldingen lag auf dem benachbarten Gebiet der Grafschaft Heiligenberg, die ab 1516 dem Fürstenhaus Fürstenberg gehörte. Für das Jahr 1175 dokumentiert eine Urkunde von Kaiser Friedrich Barbarossa den bestehenden Schiffsverkehr zwischen Unteruhldingen und Konstanz. Seit 1222 werden die Ortsteile (Unter-) Uhldingen als Hafen und Oberuhldingen unterschieden.

Die Hafenorte Maurach und Unteruhldingen waren Warenumschlagplätze für Güter aus dem Salemer Tal und für das Salz, das Salem aus den klostereigenen Salzminen im Salzkammergut importierte. Ein versunkenes Salzschiff liegt heute noch auf dem Grund des Sees vor der Unteruhldinger Schiffslandestelle. Auch der Bischof von Konstanz hatte hier Besitz. Ab 1733 war der Uhldinger Hafen der Hauptausfuhrhafen der Grafschaft Heiligenberg.

Nach der Säkularisation 1803/1804 gingen die Orte an das Großherzogtum Baden über und wurden zu den selbständigen Gemeinden Oberuhldingen, Unteruhldingen und Mühlhofen.

Von 1939 bis zur Kreisreform 1973 gehörten diese dem Landkreis Überlingen an, seither dem Bodenseekreis. Seit dem 1. Januar 1972 sind Unteruhldingen, Oberuhldingen und Mühlhofen zur Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen zusammengeschlossen.

Politik

Uhldingen-Mühlhofen hat sich mit der Stadt Meersburg und den Gemeinden Daisendorf, Hagnau und Stetten zu einem Gemeindeverwaltungsverband zusammengeschlossen.

Gemeinderat

Die Wahl vom 13. Juni 2004 ergab folgende Zusammensetzung:

Wählergruppen 52,3% +2,8 10 Sitze +1
CDU 29,0% -3,3 6 Sitze (=)
BUF 8,3% -2,3 1 Sitz -1
SPD 7,1% -0,5 1 Sitz (=)
Andere 3,2% +3,2 0 Sitze (=)

Wappen

Das Wappen der Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen symbolisiert mit drei stilisierten Rosen auf rotem Grund das Aufblühen der drei Ortsteile. Die drei Segmente mit blauen Wellen auf weißem Grund stehen für den Bodensee und die Seefelder Aach, die vom Salemer Tal kommend durch das Gemeindegebiet fließt und bei Seefelden in den Bodensee mündet.

Bürgermeister

  • 1972-1996: Karl-Heinz Weber, CDU
  • 1996-2004: Ralph Bürk, GRÜNE
  • 2004-heute: Edgar Lamm, CDU

Wirtschaft und Infrastruktur

Rund 12 km² des Gemeindegebietes werden noch land- und forstwirtschaftlich genutzt, wobei in der Landwirtschaft der Obst- und Weinbau vorherrscht.

Ein Teil der erwerbstätigen Bevölkerung pendelt in die umliegenden größeren Städte, etwa Überlingen und Friedrichshafen. Vor Ort arbeiten die Einwohner hauptsächlich im mittelständischen Gewerbe, wobei sich der Schwerpunkt seit Jahren kontinuierlich vom produzierenden zum Dienstleistungsgewerbe verschiebt. Insbesondere spielt der Tourismus eine wichtige Rolle.

Verkehr

Uhldingen-Mühlhofen liegt an der Bundesstraße B 31, etwa 7 km östlich von Überlingen und 3 km westlich von Meersburg. Der verkehrsberuhigte Erholungsort Unteruhldingen liegt abgeschieden von der Bundesstraße an der wesentlich weniger befahrenen Meersburger Straße entlang des Seeufers.

Die Gemeinde wird auch von den Zügen der Deutschen Bahn AG auf der Bodenseegürtelbahn (Lindau - Radolfzell) angefahren. Der Bahnhof befindet sich im Ortsteil Oberuhldingen. Eine Buslinie verbindet ihn mit Salem und anderen Nachbargemeinden und Ausflugszielen. Die Gemeinde gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an.

Vom See her ist Uhldingen-Mühlhofen mit den Ausflugsschiffen der Bodensee-Schiffsbetriebe zu erreichen. Insbesondere gibt es eine Verbindung zur Insel Mainau.

Parallel zum Seeufer führt der Bodensee-Radweg von Meersburg entlang des Ufers bis nach Unteruhldingen, durchquert dann das Naturschutzgebiet vor Seefelden und führt dann weiter nach Überlingen. Der Bodensee-Rundwanderweg führt ebenfalls über Unteruhldingen und weicht teilweise vom Bodensee-Radweg ab. Aber auch der ufernähere Weg von Meersburg nach Überlingen kann von Wanderern benutzt werden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen ist ein Freilichtmuseum, das archäologische Funde und Nachbauten von Pfahldörfern aus der Stein- und Bronzezeit präsentiert. Die Pfahlbauten sind idealisierende Rekonstruktionen aus der Zeit zwischen 1922 und 1941, die auf Grundlage der Ausgrabungen der Wasserburg Buchau am Federsee gestaltet wurden. Die Idee zur Errichtung der ersten beiden Häuser in Unteruhldingen wurde vom Überlinger Landrat Hermann Levinger 1921 gefasst und unterstützt nach einem Vortrag Reinerths über die Ausgrabungen am Federsee. Der umstrittene Archäologe Hans Reinerth leitete nach 1945 das Museum in Unteruhldingen. Erst in jüngster Zeit kamen modernere Rekonstruktionen hinzu. [1]

Bauwerke

  • Auf dem Gemeindegebiet liegt weithin sichtbar die Wallfahrtskirche Birnau, die Franz Beer von 1746-1759 für das nahe Kloster Salem errichtete. Der barocke Baustil, die prachtvolle Rokoko-Ausstattung durch Joseph Anton Feuchtmayer und Gottfried Bernhard Göz und die malerische Aussicht vom Kirchenvorplatz auf die Landzunge der Schiffs-Anlegestelle in Unteruhldingen, die Mainau und den See machen die Birnau zu einem der beliebtesten Touristenziele am Bodensee.
  • Das barocke Schloss Maurach unterhalb der Wallfahrtskirche diente einst dem Kloster als Wirtschaftsgebäude und Hafen sowie den Äbten als Sommersitz und wird heute als Tagungszentrum vermietet.
  • Die Pfarrkirche St. Martin in Seefelden besitzt eine gotische Apsis (15. Jahrhundert) und ein Langhaus aus der Zeit um 1700. Der Turm, der älteste Teil der Kirche, stammt aus dem 12. Jahrhundert (Romanik). Der neugotische Flügelaltar stammt aus dem Jahr 1912 und stellt in neun Bildtafeln das Leben des Martin von Tours dar; die Beichtstühle wurden in Joseph Anton Feuchtmayers Werkstatt geschnitzt und standen bis 1806 in Birnau.
  • Die Ortskapelle von Unteruhldingen stammt aus dem Jahr 1505. Hier steht ein barocker Hochaltar, der sich ursprünglich in Seefelden befand, sowie einige Holzschnitzfiguren aus der Bauzeit. Sie war früher der Gemeinde Seefelden untergeordnet. Das historische Unteruhldinger Rathaus, einst Badehaus, stammt ebenfalls aus dieser Zeit.
  • Auch Oberuhldingen besitzt mit der St.-Wolfgangs-Kapelle eine historische Sehenswürdigkeit aus dem 16. Jahrhundert. Der Salemer Abt Stephan I. Jung ließ sie um 1711 im Stil des Barock ausstatten; das Altarbild zeigt eine Ansicht des Klosters Salem.
  • In Mühlhofen steht das historische Gasthaus "Zum Sternen", das 1788 von Abt Robert zu Salem erbaut wurde. Der Gasthof war ursprünglich ein Gutshof des Klosters Salem. Schon zu damaliger Zeit lag der Gasthof an der Straße zwischen Meersburg (wo die Konstanzer Kirchenfürsten logierten), Maurach und dem Kloster Salem. Das Wappen des Salemer Abtes Robertus ziert noch heute die Fassade des Hotels. Außerdem verfügt das Haus über weit reichende Gewölbe und einen drei Stockwerke hohen Dachboden.

Gedenkstätten

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde von Häftlingen des KZ Dachau in der Nähe von Überlingen eine Außenstelle des Konzentrationslagers (KZ Aufkirch) errichtet. Die Häftlinge arbeiteten in Überlingen von Oktober 1944 bis April 1945 an ausgedehnten unterirdischen Anlagen. So auch am Goldbacher Stollen, in dem Friedrichshafener Rüstungsbetriebe vor Bombardierung geschützt sein sollten. Von den mindestens 168 Häftlingen, die die Bauzeit nicht überlebten, liegen 97 auf einem Friedhof in der Nähe der Wallfahrtskirche Birnau begraben. Die Namen der toten KZ-Häftlinge sind soweit bekannt im Buch von Burger ("Der Stollen") zum Gedenken und zum Nachforschen für unbekannte Angehörige aufgeführt. Durch den Goldbacher Stollen an der Oberen Bahnhofstraße wird einmal im Monat eine Führung durchgeführt. Etwa 200 Meter östlich der Wallfahrtskirche Birnau, oberhalb der B31, befindet sich eine Gedenkstätte und ein Friedhof für KZ-Häftlinge, die beim Bau des Goldbacher Stollens ums Leben kamen. Der KZ-Friedhof Birnau ist ab dem Parkplatz oberhalb der Klosterkirche Birnau und der B 31 zu Fuß zu erreichen.

Vereine

  • Segelclub Unteruhldingen e.V. (SCU)
  • Fußball-Club Uhldingen 1927 e.V. (FCU)
  • Handball-Spiel-Gemeinschaft Mimmenhausen-Mühlhofen (HSG-MM)
  • HGV Handels- und Gewerbeverein Uhldingen-Mühlhofen e.V.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • 1996: Karl-Heinz Weber, Bürgermeister

Literatur/Quellen

  • Überlingen und der Linzgau am Bodensee. Stuttgart: Theiss 1972. ISBN 3-8062-0102-1
  • Oswald Burger: Der Stollen. Überlingen, 6. Auflage 2005. ISBN 3-86142-087-2 (Dokumentation zum KZ Aufkirch, Goldbacher Stollen, kurzer Abschnitt über KZ-Friedhof Birnau)
  • Oswald Burger/ Hansjörg Straub: Die Levingers. Eine Familie in Überlingen. Eggingen 2002, ISBN 3-86142-117-8 (geschildert werden nebenbei auch die Überlinger Vereine um 1900, die Idee zum Pfahlbaumuseum Unteruhldingen und die Zeit des Großherzogtums bzw. des Staates Baden)
  • Gunter Schöbel: "Der Uhldinger Zeitweg...10 000 Jahre Geschichte rund um Unteruhldingen." Schriftenreihe des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen, Band 6. Zanker:Markdorf 2005. ISSN-Nr. 0946-0519.



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Informationsportal über Uhldingen-Mühlhofen in Baden-Württemberg - 26.5.2012