Waldsassen in Bayern


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Tirschenreuth
Koordinaten: 50° 0′ N, 12° 18′ O
Höhe: 477 m ü. NN
Fläche: 66,54 km²
Einwohner: 7369
Bevölkerungsdichte: 111 Einwohner je km²
Postleitzahl: 95652
Vorwahl: 09632
Kfz-Kennzeichen: TIR
Gemeindeschlüssel: 09 3 77 158
Adresse der
Stadtverwaltung:
Basilikaplatz 3
95652 Waldsassen
Webpräsenz: www.waldsassen.info
Bürgermeister: Herbert Hahn (CSU)

Waldsassen ist eine Stadt im Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth und kulturelles Zentrum des Oberpfälzer Stiftlands.

Geografie

Geografische Lage

Die tschechische Stadt Cheb (Eger) ist nur 10 Kilometer von Waldsassen entfernt und über den Grenzübergang Hundsbach-Svaty Kriz (Heiligkreuz) zu erreichen.

Stadtgliederung

In die Stadt Waldsassen wurden eingemeindet:

  • Ortschaft Hatzenreuth
  • Ortschaft Kondrau
  • Ortschaft Münchenreuth
  • Ortschaft Netzstahl
  • Ortschaft Hundsbach
  • Ortschaft Mammersreuth
  • Ortschaft Schloppach
  • Ortschaft Egerteich
  • Ortschaft Pechtnersreuth
  • Ortschaft Querenbach
  • Ortschaft Groppenheim

Geschichte

Die Anfänge Waldsassens gehen zurück bis vor das Jahr 1133. Am 1.Oktober holte Markgraf Diepold III. von Vohburg-Cham, Mönche aus Volkenroda in Thüringen hierher, um ein Kloster zu gründen, vermutlich ausgehend von einer bereits bestehenden Eremiten-Kommunität um einen sonst nicht belegten Gerwig von Volmarstein. Waldsassen entwickelte sich in den nachfolgenden Jahrhunderten zu einem der bedeutendsten Zisterzienserklöster Bayerns. Ab 1214 Reichsabtei, geriet das Kloster im Spätmitttelalter unter pfälzische Herrschaft, nachdem es 1465 Pfalzgraf Otto II. (Pfalz-Mosbach-Neumarkt) zum Vogt gewählt hatte. 1571 wurde das Kloster vom pfälzischen Kurfürsten im Zuge der Reformation aufgehoben. Lange Zeit hatten die Klostergebäude die einzige Ansiedlung dargestellt. Erst um das 17. Jahrhundert herum entstanden außerhalb des Klosters die ersten Häuserzeilen, errichtet in Form einer "Rasterstadt" durch zugewanderte kalvinistische Tuchmacherfamilien. Infolge der Rekatholisierung ab 1621 kamen 1661 erneut Zisterzienser (aus Fürstenfeld) nach Waldsassen. 1690 wurde das Kloster wieder zur Abtei erhoben, 1803 jedoch im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses erneut säkularisiert. 1895 wurde die Eisenbahnlinie Wiesau-Eger eröffnet. Für Waldsassen bedeutete dies einen industriellen Aufschwung. 1896 wurden dem Markt Waldsassen von Prinzregent Luitpold die Stadtrechte verliehen. Die Einwohnerzahl war inzwischen fast auf rund 4.000 angewachsen. 30 Jahre zuvor hatte man die erste Porzellanfabrik gegründet, der in den darauffolgenden Jahren eine Klinkerfabrik, ein Ziegelwerk und die erste Glashütte folgten. Einen starken Bevölkerungszuwachs erlebte Waldsassen nach 1945, als viele Heimatvertriebene hier ein neues Zuhause fanden. Die Bevölkerungszahl stieg sprunghaft von 5.300 auf 7.800. In den darauffolgenden Jahrzehnten entstanden neue Stadtteile, die das Stadtbild beträchtlich veränderten.

Politik

Städtepartnerschaften

  • seit 1970: Marcoussis, (Frankreich)
  • seit 1987: Pencoed, (Wales)

Bürgerpatenschaft

  • seit 1956: Chodau, jetzt Chodov, (Tschechien)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Neben der Kultur, die man in Waldsassen auf einem hohen Niveau pflegt - genannt seien nur die in ganz Bayern bekannten Kirchenkonzerte - schätzt man auch die Völkerverständigung, was nicht zuletzt durch die räumliche Nähe zum tschechischen Nachbarn gefördert wird.

Musik

jährlich wiederkehrende Musikseminare der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen, z.B internationale Orgelakademie, internationale Singwoche, Blechbläserseminar, Workshop Gregorianischer Choral, etc. - Flyer Musikseminare (.pdf) - weitere Informationen unter www.kubz.de

Bauwerke

  • Stiftsbasilika mit Deutschlands größter Kirchen- und Klostergruft und dem umfangreichsten barocken Reliquienschatz nördlich der Alpen
  • Kloster der Zisterzienserinnen
  • Stiftsbibliothek im Kloster der Zisterzienserinnen mit ihren kunstvollen Schnitzereien von Karl Stilp
  • Dreifaltigkeitskirche Kappl, ein bedeutender Rundbau des Barocks
  • Stiftlandmuseum mit seinen Sonderausstellungen

Parks

Naturerlebnisgarten - Klostergarten nach Hildegard von Bingen, Kneipp und traditioneller Chinesischer Medizin - Außenstelle der Grenzüberschreitenden Gartenschau 2006 Marktredwitz/Eger - Flyer zum Kräuter- und Naturerlebnisgarten (.pdf) - weitere Informationen unter www.kubz.de

Sport

  • Städtisches beheiztes Freibad
  • Hallenbad
  • Turnhalle
  • Mehrere Fußballplätze
  • Tennisplätze
  • Asphalt-Eisstockbahnen
  • Mehrere vollautomatische Kegelbahnen
  • Skianlage mit Lift, Flutlicht und Beschneiungsanlage
  • Schießsportanlage
  • Reitturnierplatz

Wirtschaft und Infrastruktur

Ansässige Unternehmen

Die Industrie Waldsassens hat einige Raritäten aufzuweisen. So stellt die Waldsassener Glashütte Lamberts unter anderem Echt-Antik-Glas für Kirchenfensterverglasungen her.

Einzigartig war auch die Holzperlenherstellung der Firma Stilp, die seit 1912 ansässig war. Der Betrieb, der in den 1990er Jahren die Produktion einstellte, fertigte bis zu 90 verschiedene Perlensorten, die mit einer von der Firma entwickelten speziellen Technik und Farbe lackiert wurden.

Ein trauriges Kapitel der Industriegeschichte ist der Niedergang der Porzellanindustrie in der Stadt. Während in den 1960er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch zwei Porzellanfabriken das „Weiße Gold” herstellten, ist dieser Industriezweig mittlerweile ganz aus Waldsassen verschwunden.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Georg Dientzenhofer (1643-1689), Baumeister
  • Karl Stilp (1668-1735), Bildhauer
  • Philipp Muttone (1699-1775), Baumeister
  • Joseph Pözl (1814-1881), bayerischer Landtagspräsident, geboren in Pechtnersreuth
  • Anton Schreiegg (1913-2003), Lyriker und Buchautor
  • Werner Fritsch (* 1960), bedeutender zeitgenössischer Theatermann und Autor
  • Matthias Hamann (* 1968), deutscher Fußballspieler und -trainer
  • Dietmar Hamann (* 1973), deutscher Fußballnationalspieler

Literatur

  • Ein Thal des Seegens. Lesebuch zur Literatur des Klosters Waldsassen (Hgg. Manfred Knedlik, Georg Schrott) Kallmünz 1998
  • Dürrschmidt, Beatrix: Von Anfängern, Aufschneider und dem Bröislboad. Der Dialekt der Waldsassener Glasmacher, Bayreuth 1996
  • Waldsassen. 850 Jahre eine Städte der Gnade (Hg. Franz Busl) Hof 1983
  • Geschichte des Klosters und Stiftes Waldsassen (Hg. Gerwigkreis Waldsassen) Waldsassen 1984
  • Pfeufer, Johannes: Bayerns ehemaliger Schwefelerzbergbau, Bochum 2003
  • Schnell, Hugo/Seitz, Anton: Stadt Waldsassen, München 1977
  • Heinrich, Barbara: Wöi uns da Schnowl gwachsn is. Stiftlanda Gschichtla und Gedichtla, Waldsassen 2002
  • Schrott, Georg: "Der unermäßliche Schatz deren Bücheren". Literatur und Geschichte im Zisterzienserkloster Waldsassen, Berlin 2003
  • Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg 38 (2004) [Waldsassen. 300 Jahre Barockkirche]
  • Solemnitas - Barocke Festkultur in Oberpfälzer Klöstern (Veröffentlichung des Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen 2003 - ISBN 3-7847-1176-6) näheres unter www.kubz.de
  • RES NATURAE - Die Oberpfälzer Klöster und die Gaben der Schöpfung (Veröffentlichung des Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen 2006 - ISBN 3-7847-1189-8)näheres unter www.kubz.de
  • Harald Stark: Die Familie Notthafft - auf Spurensuche im Egerland, in Bayern und Schwaben,Weißenstadt 2006, ISBN 3-926621-46-X



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Informationsportal über Waldsassen in Bayern - 26.5.2012