Werder in Brandenburg


Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Potsdam-Mittelmark
Koordinaten: 52° 23′ N, 12° 56′ O
Höhe: 31 m ü. NN
Fläche: 115,99 km²
Einwohner: 22.888
Bevölkerungsdichte: 197 Einwohner je km²
Postleitzahl: 14542
Vorwahl: 03327
Kfz-Kennzeichen: PM
Gemeindeschlüssel: 12 0 69 656
Stadtgliederung: 8 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Eisenbahnstraße 13-14
14542 Werder (Havel)
Webpräsenz: www.werder-havel.de
Bürgermeister: Werner Große (CDU)

Werder ist eine Stadt westlich von Potsdam im Bundesland Brandenburg), die zu Zeiten der ehemaligen DDR bis zum endgültigen Abzug 1992 dort stationiert waren.

1993 entscheidet man sich zugunsten Belzigs gegen Werder als Kreisstadt. Die Nähe zu Potsdam und das Konzept der dezentralen Konzentration ließen Werder aus dem Rennen fallen.

Politik

Werders Bürgermeister ist seit 1990 der CDU-Politiker Werner Große, der schon vor der Wende die Position des Stellvertreters besetzte. In der Stadtverordnetenversammlung (SVV), die alle 2 Monate tagt, vertreten derzeit insgesamt 29 Personen die Interessen der Bürger. Davon entfallen 17 auf Mitglieder der CDU. 4 Sitze haben die SPD bzw. die Bürgermeinschaft Neues Werder (BGNW) in Koalition inne. Ebenso viele Stimmen besitzt die PDS. Die Aktion Freie Bürger (AFB) kann 3 Sitze vorweisen. Weiterhin gibt es eine Stadtverordnete der Grünen.

In den 8 Ortsbeiräten kommen ebenfalls insgesamt 29 ehrenamtliche Politiker zusammen, um die Belange der Ortsteile zu erörtern und der Stadt später Vorschläge, Meinungen und Kritiken unterbreiten zu können.

In 5 Ausschüssen beraten berufene Bürger mit Verordneten aus der SVV Einzelheiten für bestimmte Vorhaben. Es existieren unter anderem der Hauptausschuss unter Vorsitz des Bürgermeisters, der Ausschuss für Finanzen und ein Rechnungsprüfungsausschuss. Der Ausschuss für Soziales, Bildung, Kultur und Sport, ist unter anderem für die von der Stadt getragenen und ansässigen Schulen zuständig. Eine besondere Rolle fällt dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen zu, der die Entwicklung des Stadtbildes entscheidend mitbestimmt.


Die direkt gewählte Abgeordnete im Landtag Brandenburg, Saskia Funck, ist für Werder (Havel) zuständig.

Wirtschaft

Bekannt und berühmt geworden ist Werder vor allem durch seinen Obstanbau. Ihm verdankt die Stadt auch eines der größten Volksfeste Deutschlands: Die Baumblüte. Schon die Mönche des Zisterzienserklosters in Lehnin betrieben hier Obstanbau. Angebaut werden größtenteils Kirschen, Äpfel und Erdbeeren. Aber auch Gemüse, besonders Tomaten, werden in den Gewächshäusern gezüchtet. Durch diese Vielfalt konnten in Werder nach der Wende zwei Unternehmen entstehen, die die Produkte der Region vertreiben. Zum einen „Werder Frucht”, die vor allem Säfte und das Obst selbst vertreibt und zum anderen „Werder Feinkost”, die sich auf die Herstellung von Ketschup, Mayonnaise, etc. spezialisiert hat. Doch schon während der DDR-Zeit, in der viele LPG und andere Genossenschaften die Aufzucht der Pflanzen kontrollierten, waren die Produkte aus Werder mehr als beliebt. Neben der Verwendung als sog. „Bückware” wurden mit den Spezialitäten der Umgebung mehrere Spitzenhotels (z. B. das „Neptun” in Rostock) beliefert. Bereits seit Beginn der Industrialisierung, die schnellere Transportmöglichkeiten hervorbrachte, lieferte das kleine Städtchen Obst und Gemüse per Dampfschiff über die Havel in das sich immer rascher entwickelnde Berlin.

Neben den traditionsreichen Lebens- und Genussmittelherstellern werden im ortsansässigen Schaltgerätewerk vor allem für die Eisenbahnindustrie Schaltanlagen produziert. Seit Anfang des Jahres 2004 befinden sich die Produktionsstätten der Fa. Alexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH, einer der wenigen Orgelbauer Deutschlands, in der Havelstadt.

Weinanbau

Der Weinanbau ist nach der Fischerei das zweitälteste Gewerbe der Stadt. Vor über 700 Jahren brachten Mönche des Zisterzienserordens den Weinanbau an die Havel. Der märkische Wein zählte am Ende des 13.Jahrhunderts zu den wichtigsten Exportartikeln nach Ost- und Nordeuropa. Die Hohenzollern, sie kamen aus Franken in die Mark, machten den märkischen Wein hoffähig. Bis zum Tode des Großen Kurfürsten wurde er an seiner Tafel getrunken. Die erste märkische Weinmeisterordnung wurde bereits 1598 vom Kurfürsten Johann Georg erlassen und damals wurde berichtet, die Havel sei umgeben von Weinbergen wie die Mosel. Doch der Weinanbau in der Mark war nicht problemlos. Die Winter waren mitunter so hart, das viele Rebstöcke erfroren. So geschehen im Winter 1793/40, nachdem der Frost bis in den Juni anhielt. In der 1.Hälfte des 18.Jahrhunderts wurde in Werder Wein auf einer Fläche von mehr als 100 Hektar angebaut. Die damaligen Rebsorten waren „Weißer Elbling”, „Weißer und Roter Schönedel” und der „Rotfranke”. Es wurde jedoch immer mehr Rotwein als Weißwein angebaut. Die erzielte Menge wurde in Oxhoft gemessen. Ein Oxhoft entspricht je nach Region zwischen 148 und 235 Litern. Der Werderaner Wachtelberg zählt zu den ältesten Weinbauorten außerhalb der Insel Werder. Dort, auf der Insel, wuchs Wein am Mühlen- und am Gottesberg. Das Weinlaub wurde früher zum einwickeln von Obst, speziell von Aprikosen und Pfirsichen verwandt. Die Früchte konnten so schonend in den Obsttienen transportiert werden. Im Jahre 1887 wurde noch von 2 Weinbergen berichtet. Die letzten Weinstöcke aus der Zeit erfroren im Winter 1955/56. Dann wurde es still um den Weinbau in Werder. Erst 1985 begann die GPG ” Obstproduktion” auf dem Wachtelberg mit dem Anlegen eines Weinberges auf einer Fläche von 4,8 Hektar. Heute wachsen auf dem Werderaner Wachtelberg auf einer Fläche von fast 7 Hektar ca. 30.000 Rebstöcke. Dazu gehört u.a. Dornfelder, Regent, Saphira und Müller-Thurgau. Im Rahmen der Bundesgartenschau in Potsdam wurden Weinlehrpfade auf dem Wachtelberg angelegt. Hier wachsen heute 38 Rot -und 40 Weißweinsorten. Der Werderaner Wachtelberg liegt geografisch mit 53 Grad und 23 Minuten weit nördlich der üblichen Weinbaugebiete Europas. Im Jahre 1991 wurde dieser Weinberg als „Großlagenfreie Einzellage” in das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut aufgenommen und durch die EU anerkannt. Sie ist damit die nördlichste eingetragene Lage für Qualitätsweinanbau in Europa und der Welt.

Verkehr

Linienausschnitt RE1
Legende
Berlin-Wannsee
S-Bahn Berlin S7
Potsdam Hauptbahnhof
Potsdam Charlottenhof
Potsdam Park Sanssouci
Werder (Havel)
Groß Kreutz
Götz
Magdeburg Hauptbahnhof

Die Blütenstadt Werder verfügt über eine sehr günstige Verkehranbindung. Busse fahren alle 20 bzw. 30 Minuten in die Landeshauptstadt Potsdam. Weitere Linien befördern die Fahrgäste nach Golm bzw. Töplitz, Kemnitz, Glindow bzw. Bliesendorf und in Richtung Lehnin. Besonders beliebt bei den Einheimischen ist die Citybuslinie, die das Durchqueren der gesamten Stadt für 0,50 € ermöglicht. Eine Regionalexpresslinie (RE 1) der DB ermöglicht die schnelle Anreise vom Bahnhof Werder/Havel nach Berlin (bis Berlin Zoologischer Garten ca. 25 Minuten), Cottbus, Eisenhüttenstadt oder Brandenburg, Genthin und Magdeburg im 30-Minuten-Takt.

Mit den Schiffen des Unternehmens Schiffahrt in Potsdam kann man in den wärmeren Jahreszeiten Ausflüge auf den Havelseen der Umgebung unternehmen.

Mit dem Auto ist Werder ebenso gut zu erreichen. Aus Richtung Potsdam oder Brandenburg), seit 29. April 1990

  • Hjørring (Dänemark), seit 26. April 1993
  • Almdorf (Schleswig-Holstein), seit 20. Mai 1995
  • Tczew (Polen), seit 30. Januar 1998
  • Birzai (Litauen), seit 5. März 1999
  • Muan-gun (Südkorea), seit 27. Juni 2001
  • Stadtgliederung

    Neben der Stadt Werder gibt es die Ortsteile Petzow, Glindow (mit Elisabethhöhe), Bliesendorf (mit Resau), Plötzin (mit Plessow / Neuplötzin), Phöben, Kemnitz (mit Kolonie Zern), Töplitz (mit Göttin, Leest, Neu-Töplitz) und Derwitz.

    Entwicklung des Stadtgebiets

    Eingemeindungen

    Der Ort Petzow wurde am 1. Januar 1929 eingemeindet. Durch einen Bürgerentscheid schloss sich Bliesendorf am 21. Dezember 1998 der Stadt an.

    Im Zuge der Gemeindegebietsreform im Jahre 2002 wurden Derwitz, Plötzin, Kemnitz, Phöben, Glindow und nach einigen Debatten auch Töplitz am 1. Januar 2003 eingemeindet. Dem Wunsch der Eingemeindung von Golm, den sowohl die Einwohner des Ortes als auch die Stadt Werder hegten, wurde nicht entsprochen und löste einen großen Streit zwischen den Befürwortern, dem Innenministerium und der Stadt Potsdam aus, die Golm schließlich aufnehmen durfte. Werder hätte mit dem neuen Ortsteil den Titel Universitätsstadt (Universität Potsdam, Max-Planck-Institut und Fraunhofer-Gesellschaft sind dort ansässig) tragen können.

    Einwohnerentwicklung

    Kurz nach der politischen Wende 1990 lebten auf 26 km² etwa 10.300 Menschen. Im Jahr 1992 wohnten in der Stadt Werder selbst 10.822 Personen, während es im sonstiges Amtsgebiet 8.259 Einwohner waren. Sechs Jahre später belief sich die Bevölkerungszahl insgesamt auf 22.464 Bürger, von denen 13.383 Einwohner der Stadt waren. Durch die hervorragende Lage zu Potsdam und Berlin, das durch den Regierungsumzug einen Bedeutungsaufschwung erlebte, wuchs die Einwohnerzahl immer weiter. In Folge der Gemeindegebietsreform wurden einige Gemeinden Teil der Stadt, für andere wiederum änderten sich die Zugehörigkeiten. Dadurch bedingt lebten nach der Reform im Oktober 2003 22.500 Einwohner auf 116 km² Gemeindegebiet.

    Wohngebiete

    Schon in den Jahren der DDR wurden in der Stadt mehrere Wohnviertel nach sozialistischem Vorbild erschaffen. Dazu gehören die Jugendhöhe (1980), die sich auf der zentralen Anhöhe Werders befindet, sowie das Wohngebiet Wachtelwinkel (1979) in direkter Nähe zum Stadtzentrum. Beide zeichnen sich durch die bekannte Plattenbauweise aus und wurden schon einige Jahre nach der Wende vollständig renoviert. Ursprünglich gab es auf der Jugendhöhe Straßennamen wie Straße der DSF,Straße der Jugend und Hanns-Beimler-Straße. Im Jahre 1990 wurden dort alle Straßen nach klassischen Musikern benannt. Im Wachtelwinkel wurden Städtenamen genutzt, wie Hamburg, Mainz. Siegburg, Oppenheim (siehe Partnerstädte) und Köln.

    Die Wohnblöcke der ehemaligen Flugschule aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, von der Bevölkerung auch Fliegersiedlung genannt, die später von der Sowjetischen Armee als Unterkunft für die Soldaten und ihre Familien genutzt worden waren, wurden vollständig rekonstruiert und bieten am nördlichen Rand des Stadtgebietes ein ruhiges Wohnumfeld. In diesem Viertel befinden sich heute besonders Beamten- und Eigentumswohnungen. Auch die DDR-Bauten in der Bernhard-Kellermann-Straße und am Ende der Brandenburger Straße wurden wieder hergerichtet.

    Neben den vielen Rekonstruktionsmaßnahmen der Stadt gibt es auch neue Wohnparks in der Stadt. Einige erweiterten bereits bestehende Gebiete, wie das Wohnviertel am Wachtelberg, das den Wachtelwinkel ergänzte. Ebenso wie dieses Gebiet ist auch der Scheunhornweg und das Gebiet um die Adolf-Kärger-Straße, die sich direkt am Havelufer befinden, mit vielen großzügigen Grünanlagen und kleinen Teichen bestückt.

    Bereits recht früh in den neunziger Jahren entstand zwischen der Kemnitzer Straße und dem Elsebruchweg ein Viertel mit Reihenhäusern nach dänischem Vorbild. Nicht weit entfernt, gegenüber der Jugendhöhe, wurde ein neues Viertel mit Doppelhaushälften und Reihenhäusern errichtet. Hier sind die Straße nach Vögeln benannt. Der Kemnitzer Straße weiter folgend, gelangt man am Wohnviertel Finkenberg, in dem besonders die soziale Förderung im Vordergrund stand, vorbei.

    Kleinere, neu errichtete Häuserkolonien befinden sich gegenüber dem Neuen Friedhof und im Kesselgrund. Weiter außerhalb der Stadt selbst ist das Wohngebiet Havelauen zu finden, das 1995 eingeweiht wurde. Neben einigen Betrieben, wie der Havelbus Verkehrsgesellschaft, Versandunternehmen und einigen kleineren Bürovertretungen größerer Unternehmen sind hier ebenfalls Doppelhaushälften angelegt worden. Die Straßennamen auf dem ehemaligen Flugplatzgelände sind von Luftfahrtpionieren, wie Otto Lilienthal, abgeleitet. Im Süden der Stadt, am Einkaufszentrum Werder-Park, wurden Einzelhäuser und kleinere Wohnblöcke errichtet. Die Straßennamen sind eng mit dem Obstbau, der früher auf dem Areal betrieben wurde, verbunden.

    Stadtentwicklungspolitik

    Die Stadt Werder betreibt unter dem Motto eine Eine Stadt, die baut, blüht auf seit 1993 eine Bau-, Wohn- und Förderungspolitik, die die maßgebliche Ursache für den rasanten Aufschwung der städtischen Attraktivität für Zuzügler ist.

    Im Laufe der Jahre verschwand das marode Erscheinungsbild der Stadt, das durch die DDR-Zeit gegeben war. Der Stadtkern und die Insel gehören zum Sanierungsgebiet, das besondere Auflagen aber auch Förderungen für Maßnahmen bereitstellt. Alle Hauptstraßen, die in Obhut der Stadt liegen, wurden neu ausgebaut und instandgesetzt. Fast die gesamte Stadt ist an das zentrale Abwassernetz angeschlossen. Ein modernes Gasheizwerk versorgt die Einwohner mit Fernwärme.

    Werder ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen” des Landes Brandenburg

    Literatur

    • Werder. Artikel in: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl. 1888 ff., Bd. 16, S. 534 f.
    • Kirchen in Potsdam Andreas Kitschke Evangelische Verlagsanstalt Berlin 1983 1. Auflage
    • Heimatgeschichtliche Beiträge div. Jahrgänge



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    Informationsportal über Werder in Brandenburg - 26.5.2012